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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0189
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Samstag, den 4. Otober 1919


Vadische post - Nr. 231

Seilage

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Die Bereinigung Vadens mit
Württemberg

Von Carl Feder-Baden-Vaden

Durch die neuerlichen Reden der Abaeordneten
Leser und v. Schulze-Graevernit; ist das
Thema. das eine Zeitlang durch die Sorge um
wirklich dringendere und nüt,lichere Dinge aus der
Erörteruna verdrängt worden war. wiederum in
die öffentliche Diskussion gerückt worden. Im Ätil-
len sind rvohl die dafür wirkenden Kreise auch in
der Zwischenzeit nicht mlisrig gewesen. namentlich
ntcht in Württemberg, worauf dankenswerter Weise
ein Mahnruf in der ..Bad. Landeszeitung" kürjllich
hingewiesen hat. Daraus ergibt sich für die Geg-
ner der Vereinigung die Pflicht. auf der Hut zu
setn und vor cinem Projekt M warnen. das fiitz
Badon wie für Deutschland Unheil im Gefolge
bätte.

Die Frage richtig formulieren. hei„t eigentlich
schon. sie für Baden verneinen. Denn nach der
ganzen Sachlage käme nicht eine Vereiniguna Ba-
dens und Württembergs. sondern in Wirkltchkeit
nur eine Vereinigung Badens m i t Wiirttemberg.
d. h. ein Aufgehen unseres Landes in dem Nach-
barlande in Betracht. Die wirtschaftlichen Ermä-
guilgen. die dafür geltend gemacht werden. halten
keiiler nüheren Priifung stand. Man maa ,luqe-
ben. dak die Behandlunq nachbarlicher Fragen,
wte z. B. der Neckarkanalisierung. der Donauver-
sickerung. der Fortführung mancher Eisenbabna,:-
schlüsse und ähnlicher Dinge in der Vergangenheit
-uweilen unter einer gewissen Schwerfälligkett ge-
litten haben. Gründe hierfür können in der po-
litischen Mafchinerie im allgemetnen gelegen ha-
ben. Auf beiden Seiten mögen Souveränitätsbe-
wuktsein und Bürokratismus Gnd eine Reihe der-
artiger Imponderabilien einer glatten Geschäfts-
behandlung nicht förderlich gewesen sein. Nach-
dem wir aber heute im Zeitalter der Freistaaten
leben. wo die Weisheit des Volkes sich in den bei-
derseitigen Landtagen souveräne Vertretungeu ge-
schaffen hat. kommen Hemmungen jener Art ja
nicht mehr in Betracht. Es steht nichts mehr im
Wege. dah die vom reinen Volkswiüen getrage-
nen N-egierungen sich ungehindcrt von allen Ne-
benrücksichten in freien Berhaudlungen über alle
einschlägigen Dinge verständigen. Gerade dieser
, Möglichkeit der freien Nerständigung von Fall
-u Fall. wobei Baden als gletchberechtig -
ter und gleichwertiger Verhandlungstei!-
nehmer auftreten kann. entüuherten wir uns durch
,die staatliche Bsreinigung mit dem Nachbarlan.de.
Württemberg ist gröfter und bevölkerter als Ba-
üen. Jm Zeitalter des durch keine geschichtliche
Bedingtheit gehemmten allgemeinen Wahlrechtes
gibt aber lehten Endes die Masse den Ausschlug.
Dagegen schühen keine Freundschaften -ufällig jeht
lebender Politiker: auf solche AugenblicksMtändr
baur man nicht, wie Herr Dr. Leser-andeutete. Po-
l tik. Imnrer würden die Wür^emberger den
Ausschlag über das. was Baden frommt oder nicht
frommt. gcben. Kautelen dagegen sind gar nickrt -u
schaffen: nicht einmal auf dem Papier. viel weni-
ger noch reibungslos in der Wirklichkeit arbei-
tende. Für jede politische oder wirtschaftliche Ak-
tion würde die Mustk in Stuttgart gemackit. Der
Gedanke, Psorzheim oder Hsidelberg -ur Zen-
trale des künftigen Staates -u erheben. ist eine
überhaupt nicht ernst zu nehmende Schrulle.

An,-,unehmen aber. mit dcm Vorschlag der rot-
gelben und der schwar--roten Gren-pfähle wücden
auch alle realen Jnteressenverschiedenhe'ten Mischen
berden Landesteilen verschieden, sie würden einer
attseitigeil Aarmonie der im we testen Sinne wirt-
schaftlichen Bestrebungen Plah machen. ist widersin-
ilig, Es würde sich im Gegenteil sehr bald erwei-
sen. dah. wenn das bisherige staatliche Berhältnis
?,wischen beiden Ländern in praktischen. wirtschaft-
lichen Fragen nicht immer reibungslos funktio-
nierte. daran nicht blog die oben erwähnten Im-
pond:rabil.en. sondern auch tatsächliche Intcresten-
g'gensähe schuld trugen. In allen solchen Punkten
'wäre aber die badische Minderhsit von vornhrrein
der wiirttembergischen Mehrheit ausgrliefert. Da-
bei soll mau auch das nicht auster Acht lassen: die
<-chwaben sind von altersher ein crhebl ch einheit-
Ucherer Stamm als die von Napoleons Gnaden im
bishrrigen Grostherzogtum Baden ve^einigten

A darin besteht die objektive Gerechtigkeit, ^

V daß der Gute, svndern daß d as Gute gedeihe, ^

D nicht darin, daß der Böso, sondern daß daS
^ Böse scheitk e. (§ d n a r d v 0 n H a r t in a n n ^

H F

Lonnenfinsternis

Roman voii Else Stieler-Marjhall
^opvriLkt b/ OrettilemöcOo. O.m.b.li. l.eip2is 1916
(ö. Fortseljnng)

m? ^ meiter berichtete er. einen Lichtstvahl vo.m
Ltoiide habe der Herr in einer Tabatsdoje einge-
sangen, den trage er bei stch und leuchte stch im
^uch ein Funken stege er in einem kleinen
'Ka,tchen, damit -ünde er ssin Fsuer an. selb.ames
Äeuer. ohne Kohle und Holv Das Mondessen sei
weis; uivd feün. es komme «us einer stlbornen Büchlse
uud jchmecke wundergut. Auch ein Mondhuud fei
da, ein liebes. lu'ttgrs Tier mit wcjstem. schwarz-
geslccktenr Fell, -rbrr auch das sei glänzig, wie diie
Erdenhunde es mmmer haben.

Bermundert ihörte die Bäuerin dem amgeregt-n
Geschwäh des Knabe>i zu. Aber die k>We fpotti-
sche Eva lachte laut auf.

»Genarrt hat er oich fein. dein Mondh.'rr. Das
must ein lustiker Mann sein. den möchte ich wohl
sehen. Jestt Melke die Lies. das arme Tier ikann
nimmer gohen vor Milchlast. Und dann sping ke-
schwind hiniauf ins Holz. du Hupfer. Sie können
dich drdben brauchen."

iIm Walde hörte dann der Bauer bie Goschichte
vom Monldhorrn. Peter erzählte sie kühnlich. er
tannte feinen Bauern vnd rvustte genatu, v>bs
iav.chte bci thm oder ein freundliches Wetter war.
H-ute schien die Sonne, weil der Vub die Geist
.heil wieder zum Stall gebracht hatte.

^ Der Bauer und Ser alte Knecht lachten den
Buben nicht aus. Sie liest-'n ihn reden und swgten
Am Wort da,zu. solaag>e sie bei der Akbcit waren.
Ein jeder dachte still für 'stch der seltsamen Kunde
Nach.

' Erst-gegen Abend, als Eoa mit der Bläst nnd
dom Mlrgen kam und ste idie Scheiter verluden.

der Bauer bedächtig:

Volksteile. Durch weise Fürsten und eine in, lan-
gen Zeiträumeu kluge. umsichtige Staatsregierung
ist in den verflossenen. fast anderthalb Iahrhunder-
ten das badische Volk mit einem erheblichen Maste
einheitlichen Staatsbewusttseins erfüllt worden.
Trostdem aber. der Ucbergang Badens an Würt-
temberg. denn über einen solchen handelt es sich
tatsächlich. auch wenn die Vereinigung mit einem
anderen Ramen verbränit wird. würde dem zähen.
schwäbischen Stammesgefühl auf badischer Seite
kem gleich wirksames. einheitliches Empfinden ge-
genüberstellen. Ober-, Mittel- und Unterbaden
würden in vielen Fällen auf die von Stuttgart
ausgehenden Nei.ze und Bestrebungen verschieden
reagieren. Aber. selbst ein Durchsesten allgemein-
badischer Wünsche wäre auf die Dauer nicht zu er-
warten. Wir verlören allen Einflust. jedenfalls
allen mastgebenden Einflust auf die Eestaltung un-
»serer Angelcgenhe ten. Solcher Verzicht lästt sich
dem Neiche gegenüber vertreten, nicht aber zü Gun-
sten eines anderen Partikularstaates.

Selbst weim die von den Vereinigunasfreunden
erhoffte Ncrbilligung der allgemeinen Staatsver-
waltung einträte. böte sie kein Aequivalent für
d'e erwachsenden Nachteile. Es ist jedoch sehr zwei-
selhaft. ob die gemeinschaftliche Verwaltung beider
Länder überhaupt billiger würde als die getrennte.
Die Finanzgebahrung der verflossenen zehn Mo-
nate bietet keinen erfreulichen Ausblick für die
Zukunft. Iedenfalls darf die Hoffnung darauf
nicht entschcidcnd sein.

Es komint aber noch cmderes von gröstter Wich-
tigkeit in Betracht Deutschland ist zweifellos auf
dem Wege zum Emheitsstaat. Auch bas deutsche
Volk wird nicht in alle Ewigkeit dazu verdammt
sein. eincn Bund mehr oder weniger autonomer
Eliedstaaten odcr, wie es heute heistt ..Länder". zu
bilden. Die geschichtliche Entwicklung zum Ein-
heitsstaat. wie sie sich in Lngland und Frankretch
in fernen Iahrhunderten. in Italien im 13. Jahr-
hundert zum Segen diesec Staaten vollzogen hat,
must auch in Deutschland e'mn.al zum Durchbruch
gclangen. Düran ündern auch die schönsten und
bestgcmemten Reden über die angeblich gewtsser-
masten m der Natur bLgründete Differenzierung
des deutschen Volkes in Stämme und Staaten und
die daraus erwachsenden Segnungen kultureller
Art nichts. In unserer ganzen Geschichte haben
wir unter dem Fluch der Zersplitterung gelitten.
Durch Bismarcks Staatskunst ist die in der> Mrtte
des vorigen Iahrhunderts. namentlich durch
Treitschke geförderte unitarische Bewegun« iu
einen Nuhezustand versestt worden. bei dem wir
uns. so lange sein Werk bestand. wohl befanden.
Trostdem hat die natürliche Enlwicklung unauf-
haltsam dazu geführt. dast schon in den letsten vier
Iahrzehntcu das Re'ch immer mehr Gebiete der
Gesestgebung, der Berwaltnng und der Wirtschaft
in dcn Bereich feines unmtttelbaren Einflusses ge-
zogen hat. Die neue Ncichsverfassung hat einen
ungeheuren Schritt in dicser Richtung vorwärts
getan. Durch das Verschwinden drr Dynastien ist
dic Bewegung nicht nuc mächtig gefördert und er-
leichttrt worden. sondern es ist auch die Qutzlle
des hauptsächlichsten Widerstandes gegen die Ver-
einhe tlichung des Ne'-ches beseitigt. Hier karm
man wirtlich ausnahmsmeise einmal von einer
guten ..Errungeilschaft" dsr Nevolution fprechrn.
Dteser gesuuden. wttl natürlichen Entwicklung,
würde die Vi'dung e'nes Stnates Wllrttemb-erg-
Baden. mit odrr ohne Einschlust der bayerischen
Pfalz. nicht zuträglich sein. Wir bekämen ein
neuos „Machtzentrum". ein zweites Bayern mit
E nflustbestrebuttgen. die gewist der deutschen
Reichseinheit medcr im Iimern noch nach austen
nütsten. Die beklagenswerle. »veil widersinnige
Abneigung gcgen den deutschen Norden und den
Staat. dem mir nach des Tübinger Staatsrechts-
lehrers Triepel Worten „schlechterdings alles
schulden, was w r an staatlichen Eiitern besisten",
bekäme einen nencn Stüstpunkt. So wenig selbst-
verständlich den Befürwortern des schwäbisch-ba-
dischen Verelnl'gungsgedankens Rheinbundsgelüste
untcrstellt werden dürfen. so sicher ist, dast Frank-
reich in d esem Staatengtbilde e n ergiebigeres
Feld seiner Wünsche sähe. als in dem jestigen Zu-
stand. und über die Gcsinnungstüchtigkeit einer
Anzahl unserer ei'.geren Landslente diesseits und
jense ts des Schwarzwaldcs soll man sich nicht
täuschen Erinnerui'gen dsr vor 70er Zeit
schrecken? Ob einem neuen Mittelstaate ein ge-

wisser Machttistel nach Art des bayerischen ganz
freyrd bliebe, darf billig bezweifelt werden. Ie-
denfalls sollte alles vermieden werden. was ihm
Vorschub leisten köimte.

Halten wir daran fest, dast jede Staatenbildung.
die auf Grund einer gewissen Eröste Politik ai^
eigene Foust treiben zu können wäbnte. ein Hin-
dernis für unseren nationalen Wiederaufstieg dar-
stellte. Sie wäre eine Fessel. die wir uns an die
oigenen Veine schmiedeten.

Dast es die alton badischen Demokraten ange-
sichts ihrer numerischen Schwachheit zu den gesin-
nungsverwandten Kollegen in Stuttgart zieht. ist
begreiflich. Es darf aber wohl gehofft werden.
dast die Nachfahren jener Politit-er. die unter
Grostherzog Friedrich 1. fllr em^einheitliches. mäch-
tiges und fre es Reich gestritten haben. sich jenem
Drängcn versagen werden.

Nationalversammlung

Verlin. 3. Okt.

Auf e'me Anfrage des Abg. Weinhausen
(Dem.) wegen der Verkehrsnot der kleinen
Städte und des flachcn Landes boziiglich der Post
wird von einem Regierungsvertreter g,e-
antwortet. dast bei dem Mangel an Personal und
Material eine Berbesserung in der allernächsten
Zeit ntcht zu versprechen ist.

Abg. Dr. Riestcx (D. Vv) fragt an. was die
Regierung über die Mitteilung Scheidemanns in
Kassel am 11. September sagen könne. wonach er
auf Grund sehr wichtiger Berichte aus dem Aus-
lande den Friedensvertrag abgelehnt
habe in der Hoffnung einer baldigen gri'mdlichen
Revision desselben.

Ein Regierungsvertreter erwidert. die Rogie-
rung aoisse nicht. worauf Scheidemann^fcine Aeu-
sterungen gestüstt habe, doch sollten im Ausschust
für Auswärtige Angelegenheiten weitere Auskünfte
gegeben werden.

Abg. Dr. Vecker-Hesjen (D. Vp.) fragt an w-'gen
der Zahlungen an d e Gemeiden im besest-
ten Eebiete für Requisitionen. Emquartierungen
u. s. w.

Ein Regierungsvertrrter crwidert. von England
und Amertka sei crreicht worden. dast die Feftstel-
lungen der Vergütungen von uns in beschleunig-
tem Tempo gemacht werden könnten. Frank-
reich beharrt noch auf seinem Stcmdpunkt. Es wird
verhandelt. um em E.nhsitsregl-ement für das
ganze besestte Eebiet einzuführen. Inzwischen wür-
den den Gemeinden Vorschüsse gezahlt werden. Von
Pveusten seien allem bishcr 310 Millionen ge-
zahlt worden.

Zur Intervellation des Abg. Dr. Heinze
(D. Vp.) und Genossen betr. der Zahlung d.r
Einfuhrzölle in Eold erklärt

Neichsfinanzmiuister Erzberger. dast die Ver-
handlungen. die mit der Entente schwebten. in
Kürze wieder aufgenon.men werdon würden. Vor-
her könne er keine Erklärungen abgeben.

Es folgr die erste V.ratung des Gesestentwurfcs
über das Arbsitsentgelt der Empfänger von
Militärversorgungsgebühcnissen.

Der Gesesteiitwurf geht cm drn sozialen Aus-
schust.

Es folgt die I n t e r p e l l a t i 0 ii dcs Abg.
Wachhorst de Wente (Dem.) betrefsend die
Bewilligung weiterer Mittel zur Errichtung von
Kleinw 0 h n u n g e n.

ReichöM'nister Schttcke: Die Negierung fordert
150 Millioncn über die bereits bewittigten 50 M>l-
lionen hmaus. Dieso 150 Millionen reichen aber
noch n:cht aus. Aus Preusten. Baden und Hes-
sen ltegen zahlre.che weitere Ai'.träqe aus Bau-
u n t e rstüst u n g e n vor. die an sich berechtigt
smd. Es wird zur Zeit untersucht. wi? aus an-
dere Wetse geholfen wcrd.n kann. Es sind Schritte
getan. um die prattische Durchführbarkeit der
Lehmbauten zu prüsen.

Abg. Goelzer (Soz.): Der Prioattnann kann
-heute überhaupt 11 cht mehr bauen, sondcrn nur grö-
stere Verbünde. Eemeinden und Siedelungsgesell-
schaften": «ber auch diesen fehlt der Zement und
die Ziegel. Deshalb nmst man zum Holzbau
übergehen.

Abg. Dr. Mumm (D.-9!.) tritt für die Forde-
rung dec Landsiedelungsgesellschaf-
ten ein.

..Dast der voin Mo.id tamint. das ist nit wahr.
DamiL hat er dich ge iarrt. Vub."

„Bauer. es tönnte iein'. wandte der lalte Anto>n
ein. „W'ie sollte auck» eiii''r von der Trde aus dem
Hochjchsrn wohnen mögen. Es komnven wohl ein-
nval jo, che Licht- und Lustwesen zn uns herunter.
Abwarten nM man. ob ste Eutes oder Böses
uollen."

Aber der Mordhoser wiederholte in gleicher
Weise:

„D.ast er vom Mond komint. das ist nit wahr.
Ein Wettermichsr ist er gewist,"

„Bater, du bist nit qescheit! Sag lieber ein
Wmdmacher. das nrag vielleicht sein.'

Eva lachte. Scr durste stcb viel hcvausnehmeu
eegen den Vater. Es war ein Iub.ln uüd Jauch-
zen in semer Stintme. ivenn sie lachte. und in ihren
schmarzen Augen b.istte der il''becm.ut.

Der Bauer autworlet: nicht Seine Meinuiilg
hatto er sich fest gebildvt, es lohnle jhm nicht, dar-
über zu streiten.

Er hatte sjch eriimert, dast der alte Pfarrer im
Dorfe ihn emmal g erngt hatte. vor Monaten
schon: „iiun, So.lter, was sagt ihr zur Wettevwarte
e.uf dem Hoch'chorns"

Es war.schor >o . - - und es hisst stch kut stellen
mit dem da drdben, dast er etnem etn bistchen zu
Ge-fallen war m seiuem Amte Dast er ein freund-
licher -Mann war. hatte oer Buh ia erzählt.

Der Bauer bcdachtr sich Tag und Nacht in feiner
stuii.inen verbissenen Art. Und am Sonntaamoraen
stieg er zum Brrgs lhiiiauf und nabm den Peter
mit als eine Art Eeisel.

Klinüharts Stalttonsansrüstung wuvds von
Maultiren inWsoltg auf den Berg geschjapft. Jm
obersten Stock stines Turmes vchtete er stch sein
Arbeitszimmer und Observatorium ein. im mittel-
sten die Wohn- und Schlafstube. zu ebener Erde den,
Wirtschaftsraum.

Er hängte und jtellte seine Registrierappara.te
aus. uachdem er fiir jeden von ihnen lieibaooN im
Durme oder drausten anf de>n Gipelfplan den rich-
tigen PVast ausfmdig gemacht hcktte. Er begaim
sofort mit seinen Veobachtungen und Aufzeichnun-
gen. auch arbeitete er in dissen Tagen eifrig) umi
stch tn ijemer Behausimg ein wenig Bchagen zu bs,
re-iten.

Jn kei„er Stundö fiihlts er stch einsam. Die

Apparate, öie jl»u zugesellt waom und die beweglich
und lebendig ihren Zustand vou Augenblick zu
Augeublick veräilderteu. luldeten zvsaimnoir mit
düln munteren Boü nnd mit Ainati. der geliebten
Eeigr, Kiingharts Familie. mit der es stch präch-
tig in dioser Höhe l-eben liest. Nicht zu veraessen
seinen stolzen Besib. das ausgezci.hnete astrenomi-
'sche Fernrohr. das in ktaren Nächten au? dem höch-
sten. Punkte dps Gipfels aufgestcllt wurde.

Djaim hatte der erdenferne Alaim eius wunder-
bare Gesellschast. die chn besser M unterhalten ver-
stand. als Menschen es jeni>a>ls getonitt hntten. Das
waren die Cterne cun Hiiumcl. Er hatte sein'e
besonderen Freunde darunter. die aufzusuchen uud
zu betvach'deu ihm immer neue Freude schuf. Er
taimte wohl die ewigen Bahnen. die sie durchwan-
dern mustten nnd der Gedanke. ste nun froh und
fvei Abend für Abend auf ihrer Reise beobachten
zu können. war unbsjchreiblich begliickend.

Diofrs Sncheii und Finoen in der Weite bvachte
anch se'mer Sehnsucht, seiner ni uincrmüden, das
Weite nah. 9!Ie sühlte er sich alle'.n. nie mehr ver-
einsamt. D.as niederdcückeude Gefühl. keiiien rech-
ten Lebendveck mehc zu habon. wie es in der über-
wundeneu Zeit der Trostlostgkeit ihn bis zur Ber-
zweiflunq aequält hatte, sck,:cn in diesen ersten Ta-
gen jchon besiegt zu seiu. In 'dieser wundervollen
Umgäbung. wo attes Gröste und Reinheit prediüte,
tamen Lletnliche. enge und bedrückende Gedanken
nicht mohr auf.

Un-d oft empßand Klinsbart. der niema^s ein im
streng chriisülichen Siim gläubiger Meusch gewesen
wstr, eine unsickitbare Nähe so begtückeud stark und
überzeugend, dast j'hm wrr >uls müsse er nur die
Arme breiteu . . und die goliebte Frau . . . fiir
ihn unfterblich . . . würde wie in oergangenen Zei-
ten an seiner Brust stch bergen.

Ueber die 'gewaltigen neuen Emdrücke, die er
faft stüudlich eniipfiug, konnte er mit Hanua reden.
fo lebhwft mar fein Gedaiikenspiel hier o,ben im
Frieden der Höh.'. wo nichts ihn ftörte. dast er ver-
meinte. ihre Antwort z-u vecneh'nen. Kmt und deut-
lich. mit chrer srifch'ii, jvbelnd heiteren Sttmme.

Und iiumer dachte'er. ihc? Mahnung zu hören:
sei fröhlich. Hans!

Dann lkonnte es manchmal über ihn koillineii,
dast er lustig war. wie sie es an ihm am meistett
geliebt ihbtte. in einem rein jugendhasten Uober-
nmt.

Unterstaatssckretür Scheidt: Der Geschäftsgang
in der Frage der BewilligiMg von Zuschüssen hat
Verschleppung erlitten wegen Mangel an Matr-
rial. Atietskasernen müssen ausgeschaltet werden.
die Flachbauten mit Gärten müssen gefördert wer-
den. Sehr erwünscht wäre ein ständiger Woh-
nungsausschust bei der Nationalversammlung.

Abg. Henke -(U. S.) empfiehlt Sozialisierung
des Wohnungswesens. Die Arbeiter wllrden von
ben Erundbesistern ausgebeutet.

Abg. Oertel (D. Vp.) weist auf die sittlichs
Verwahrlosung hin. die mit Wohnungsnot und
mit mangelhafter Wohnungsgelegenheit immer
verknüpft ist. Schon aus. diesem Grunde sei die
Kleinwohnungsfrage ungehc'uer vringend.

Nächste Sistung Samstag mittag 1 Ul-c. Ta-
gesordnung: Nachtragsetat und Ausschustbericht.

Aus Stadt und Umgegend

* Nückwandererhilfe. Das vaterländische Hilfs-
werk. das unter diesem Namen sich ge'bildet hat
unb auch inHeidelberg durch eine Ortsgcuppe.
bezw. einen Bezirksausschust vertveten ist. soll in
diesem Monat Oktober mit allen Mttteln gesör-
dert werden. Die Angelegenheit dulbet ket-
nen Aufschub mehr. Es ist sehr bedauerlich.
dast die Sammlung zum Besten der heimkehrenden
Kriegsgesangenen. die ursprünglich seit dem Som-
mer ruhen sollte. nun aber, wohl unter dem Etn-
druck der sich immer wieder verzögernden Auslte-
ferung aus den französischen Lagern. nocki heuts
weiterläuft. mit der Sammlnug der „Rückwanidei-
rerhilfe" konkurriert. Es ist dringend zu wünschen.
dast die letztere. und damit die Fürsorge für die
vertriebenen Auslandsdeutschen. die ja wahrlich
auch fllr das Vaterland schwerste Opfer gebracht
haben, dadurch keinen Schaden letdek. Der Auf-
ruf, der sich im Anzsigenteil der heutigen
Nummer befindet u. die Untettchrtften des Lanbes-
verbandes Baden wie des Hetdelberger Bezirks-
ausschusses trägt. zeigt. dast. vom Staatspräsi-
deitten uud Gefamtminlsterium angefangen. sich
alle Kreise der Bevölkerung gleichviel welcher Kon-
fesiion oder politifchen Richtung an dem vaterlän-
dischen Werke beteiligen. Der Aufruf ergeht an
das ganzeB 0 lk. Möchte er .auch in Heidelberg
gehört werden und w-illige Herzen finden.

* Einreise in die besestte linksrheimsche Pfalz.

Uitter Aufheüung der früheren Bestimmungen der
Pfalz wird in der „Karlsruher Zeitung" bekannt-
gegeben: Entlasfene Heeresangehö-

rige. die in der Pfalz ausgehoben sind und dort
wohnen oder ihre Angehörigen dort haben und die
auf einen. in der Pfalz liegenden Ort ausgestellte
Entlasfungspapiere besthen. tönnen einreisen. Zi-
vilpersonen. die für dauernden Aufent-
halt e'mreisen wollen. haben dcm Antragsformular
eiue Bestäigung des Bürgermeisteramts des Ziel-
orts beizufiigen. dast der Einretse keine Hinber-
niste im Wege stehen. Zivilpersonen. di« zum vor-
übergehenden Aufenthalt einreisen wolleu,
erhalten auf Antrag eine Aufenthaltsgenehmigung
von einec Höchstdauer von 3 Monaten. Aktivo
M i l i t ä r v e rs 0 n e n können noch nicht ein-
rcisen. Es schweben Verbandlungen. um deren
Einreise zu ermöglichen. Die Pässe erhalten das
französische Visuni und werden den Gesuchstellern
mit der Post als portopslichtige Dienstsache. einge-
schrieben. zurückg.sandt. Versandfertige Briefunr-
schlag ist dem Antrag beizufügsn. Es wird drin-
gend geraten. die Einreisegenehmigung am jest'g!e.n
Aufenthaltsort abzuwarten. Einreisende haben sich
innerhalb ck8 Stunden beim französischen Kontroll-
Dfsizier des Pfälzev Bezirks zu nrelden. Die An-
tragsformulare siud bei den Bezirksämtern erhält-
lich. Sänttliche Anträge stnd an den Abschnitt V
der neutralen Zone in Karlsruhe. Schlost. odo;r de-
ren Paststelle in Mannheim. Schlost. zu richten.

Die Ferrenkoloniett Heidelber.qer Schulkinder
haben mit Schulbeginn ihren Abfck>lust gefunden.
415 Kinder haben das Glück und d e Freude -eines
FerienaufenthMs genosten. teils in g.Mostenen
Koloiiien. teils in Familien auf dem Lande. teils
in Erholungsheiinen. un-d haben dadurch neue
Kräfte für ihre körperliche und ge stige Entwicklung
gewonnen und durch Kennenlernen des Landlebens
ihr Gemüt nnd Wissen bereichert. Die Stadtver-
ordnele Frl. Luise Knecht. die Organisatorin der
Ferieiikolon'.en. hat es verstanden. weite Kreife

Nach Meufchen seh'tte er sich nicht. >IH„i gaib dio
stumine uird doch so beredte Natur -as Höchste. Er
lannte keine andcre Hafsnung und kein Strel>en.
als >'in ganzns künftiir's Leben hiec oben zu ver-
briiiaen.

Ieden zweiten Mittag kam der juuge Maul-
eselführer Lea'.'old aus dv'ii Schrrngruude -hrrauif
und brachie Püst, Lebensntttte! unld Master aü>f
den Berg,

Ntehr bvauchte K'inghart nichi von den Men-
schen. . .,

Bis zum Wocheuende war er mit der Emrich-
tunq feines Heimes fertiage.vocden.

'linn seierte er Sonntaq.

Sein eiuziges Luxusmobel ivar ein llequemer
Sestel aus weistom Robr. Den batte er aus seiuem
alten Heim nttt herausaenominen. Hanna hatie m
ihrer leht.'n Zeit oft darin gesstsen. den blasten.
liobon Kopf weit darin zurückg-leh'ct. Iiiniier strh
er sie noch 'so.

Er irug am Sc.nittagmorgen den Sttch( vor den
Turm, ruhte darin bequemer crls aus dem Gesteiu,
nahm seinen Faust vom Vttch',rbrett uud wollte sich
wie ost daraus erbauen. Abec die Krast des qv-
druckteu Worles vers.igte hi-'r. wo die Umgebttna
cine starke wundervolle Predigt h-elt.

Er mustte schauen, schauen' Nicht satt kcmiite
cr sich sohen an dios.'ni lenchtendett Blau. das über
chn uiid die stacren Spisten umher sich spannte.
Selten nur seukte sein Blick stcb tiefer, zu den
Sch.uchteu. Matten nnd Wäldern. die im <»mlb.'-
schienenen Grün zu jeiuen Füsten ruhten. Oder
noch tieser hiimb. zn dem Docf. dns behaglich soi-
nen Soimtaq feierte.

Alles redete. sang und pcedigte. Und die Lust.
n-einte Kliiaghart, war nttnd>.r still als sanst, ein
Klinaen nnd Läuten war darin. ein uubesti.umtes.
a'ls ob alle Sonntaqsglocken in ven breiten Mei'-
fchentälern ihren jstlang hinauf in d'o^e Höben
)ani

andten. .

'Ein Maim und ein Bub kai»i'.''r m Deiae gekle/-
tert. Erst b 'merkte Klingha-r: sre als »oe, dewea-
l'che klsino Pimktcheu auf bom hellen sch.nalen
Band des Zickzackvsades tief imte.i
lo,r er sie nus den Ange'i. doch -Ne <tts er aed^
hätte. erschienen sie in unveckeimbarcr Gcstalt aus
der lettten 'Sioae zum Gipfol.

(Forljestung folgtl
 
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