Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0222
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Kammer bewelst, daß dre Vottsstimmung in
Frankreich hinter diesem Verlangen steht. Auch
Clemenceau hat sich dem Antrag gegenüber an
sich nicht ablehnend verhalten. Was die En-
tente tun wird, bleibt abzuwarten. Wir glau-
ben zunächst nicht, dasi in ihrem Kreise dieselbe
Einstimmigkeit herrschen wird, wie Ln der
französischen Kammer. Aber die Möglichkeit
erscheint jedenfalls am Horizont, dasi zu dew
vertraglich festgLsetzten llntersuchungsaus-
schüssen noch weitere hinzutreten, die uns den
letzten Revolver und die letzte Flinte beschlag-
nahmen. damit wir für aNe Ewigkeit unschäd-
lich gemacht sind. Der „Temps", der dlese Po-
litlk befürwortet, hat kürzlich geschrieben:
man.hätte den Fehler begangen, Äiel zu we-
nig von Deutschland zu verlangen, weil man
an seinen Widetstand geglaubt habe. Deutsch-
land sei bereit gewesen,- jede Bedingung zu
schlucken. Akari sieht ihieraus deutlich, wohin
die grundsatzlose Nachgiebigkeit der Regierung
schlietzlich führt. Sie ist die schiefe Ebene, auf
der es ein Aüfhalten llberhaupt nicht mehr
gibt. Aielleicht ist auch der Antrag 'Lefevre
noch-nicht.einmal.die letzcke Konse,guenz
um s er er vri l l.i g ^r.ü ck g r a t lr> s e n Re -
gierungspolitik.

3ur Verhastung Le^iens

.Zu.der Verhastmvg des Münchener -Kmnmu-
nistcnMhrers Levien im> Wien wird ails Minchen
folgendes semeldet:

Bci der Münchener PolitzeidirMion war gestern
geeen 7 Mr Lbends ein uin 4 Ubr nachmittaLS in
Wien.auisesobenesDeLesrMnm eingelaustn, dasLie
Verbaftung Le-oiens kurz meldete. Auch an dieser
Stelle Latte man, twtzdem vieles für.den Aufent-.
halt Levrens in Wren svrach, einige Zweifel ge-
baüt und.lmt um telesrapMche Besiätigung, ob
die hieriher gebangte Wtitteilung auch zuVerläfsig
sei. Die letrte Melduns, die der Münchener Post-!
sei übev Levien -ugogangen wcrr, lautete. Levien
sei-von Mvrschau auf der FaHrt nach Prag-bearif-!
fen. Es scheint, ^rls ob er M diesem Zwecke über-
WienLSjicchren isei, wo er de-r Poli-ei.in 'däe-Hände.
oeriet.

UcLer das Leben Le-oiens ist nicht viel bekannt
fiewovden. Er - ist am 31. Mai .1882 als Sohneines
MWen Händlers vn, Rutzland sebsren woüden,
lam nach Deutschland, wo er Vie mecklenburüMe
Sstmtsangebörigkeit -erwarlü und stMerte, ohnc
seinm.Daktvr.Lu machen. Vei.KriegsauLbruch tat
er äls.Freiwillrger bet Lem Münchener.Leübvegi-
ment eän, Lam mii der 10. .KoanVaünio ins.Feld.und
wurde.sväter eimm Landstu.rmÄataillon lm Often
als Dülmetsch ruseteilt und brachte -es fchli^Utch
Swn Vi-ewachtmei'ster und Offlziersasvrrantem -llei
^fner Lunlstation, Ms Vovscsehter soll sich Le-
,vfen _keine SnmDatbien .evworlben baban. Tro-Hdein
bat ^er sich.beMen gefüblt, in der -Novolution den
Freib-eitshelden rmd Mlbeiterfreu-nd zu'fpieksn. .Dor
„iunge,Dr. Levien" war.der erklärte 'FMver un!d
Lisbling ^raltierter Fraucnzimmer. Für ibn
schwärmte -sosar.eine verbeiratete Fvau und rvarf
fich Mm an den Hals. Polittsch sewann.er LroH-.n
Etnstüß.dMch seine bekannte schneüdige Rede:
Aus' .um Aug', Zabn um -ZaHn, Kugel gegen Ku-
ael, Drust gegen Drüst und Atich eeüen Stich."
Freilich, als es durch seine Heb- und Brandreden
Kusel gegen Kugel gins. da war Levten.verschwun-
den. Müber batte.er ^inmal erklärt: .Wenn -.es
sein mutz, dann ^eben wir amf vie Varrikade, und.
an der Soibe wecken Emie Fübvor .stin.

Die Polisei hatte Lsvien. der in den Münchener
Brudevmord hineingcheht hat, .frübaeitig rn fei-Mr

Eefährlichkeit erkannt und im FobruaL verhMet.
Wer, dc-r Mvbeiter- und Soldatenrat hatte wieider
seine Freilassung erzwungm. Was dann Le-vien
üls Rätcjdiktator geleistet hat, das haiben die Mäin-
chener nachiher cvnr eigenen Letzbe erfahren müssen.
Elst die lehten Wochen, vie Tage des Eeistlmord-
vrazesfes, hiaben gezei.gt, wie LeVion auch hinter
den Kulisscin.gecvrbeitet bat.

Leoion wird roohl von Oefterreich ausseliefert
werden, sichcr unter der e>inen Dedingung, untvr
'lder man auch Linidirer ausgeliefert bat: er daLf
keino böbere Stra-fe eühalten, vls die österreichi-
schemi Gesebe varschreiben.

Selbstzersleischung des
Bolschewismus?

Aus Risa laufen andauernd.über FinlanÄ Mjsl-
dungen über schwvre Unruhen in, Moskau u!m. Es
heitzt, .dab Lonrn befohlen habe, Trotzki ru vevhaf-
ten. Das-.Ergobnis sei aber gewos;n, dätz -es Trotzki
gelang/die Qborlrand zu sowinnen, wor-aütf vv Le-
nrn festnehnM lretz.

Rotterda„^9. Dst. EinMr Tolegvaurm «üs Rs-
-val züfolgo -aben -sich d,e svzfvlisti'schen Rooolütio-
nilwe -gegen die Bolschewiston m Mvskau erhoibcn.

Die Kommunistenfestung Ebrach

Die Stellungncchnre.der Presse und derOMent-.
lichkeit gogen die Zustände in 'dem 'Festungsgchäng-
nis Eberach, wo die Kommunisten sozrisäMn ein
klelnes terroristisches Reich gegründet hatten — wir
erinnern an unfercn gestrruen Artikel: Ein gemüt-
liches Eefängnis — veranlatzte den bayrischen
Fustiznlinister nun endlich mit etwas schäoferen
Waßnahmen vorzugohen. S-in Lerhalten segen-^
über den Kommun'.stcn begründet er in eineM!
Schreiben an don Laudtagspräsidenten. auf desfen
Ailfrage. Es sie.ht mber beinahe so aus, als ob es
Herrn.Müller.gar nichi .leicht gemacht wird, ener-
gisch sein zu können. Jn seinem Antwortschreiben
an deu Landtagspräsidenten rechtfertjigt nämlich
'FustrzmiM'ter Dr. Müller 'd'e Bestimmungcn gegen
die inhaftrerten Kommunisten und -bemerkt:

E b r.ach war.auf dem besten Weüe eine:K o in-
munist e n schule zu we^ien. Die dortige-Festung
wurdc alsbald nach ihrer Brlegung mit 'M üih-
s a m, -Kibi n Ke 1 häfer und Denvssen der Brenn-
vunkt der wütendsten sta a t s und.r-esglicerriu ng s- -
selndlichen Aktio, nen. Das gefamte Ver-
helten.der lücfangenen machio dsr.Austizverwal-
tung einen-raschcm und enrraichen Eingrisf ^ur
Pflicht. Die Erhebuiu;en haben.sezejgt, datz die-
Eefangenen sich nicht scheuen, ithre nm stür^l.i-i
schen Pläne auch vom Strasort aus weiter zu
verfü'gcn und zu neuen hvchioerräterischen Ünter-
nehmungen aüfzufordern. Dagegen hicht nur eine
strenge Ueberwaclmnö des 'Briefocrkehrs. Die
Durchführung der nerr-m Vorschristen'.stötzt bei den
Eäfanüenen auf den hartiläckigsten Widerstand. Hn-
den wenigen Wochcn des Strqfoeelzuses,haben.sich
Bilder centrollt. die mitunter von eiir-sm ckaum
ülaublichen -siltlichen Tiefstand zeusrn. Die nied-
riKsten Beqchimpfungen des >Aussichtsyersvnals, ber
Vorstünde und nieiuer P?rson:sind gang,und gäbe.
In B ap r e u th hatten dre - Gefangenen dte.Frech-
heit. am Fsftuugsbau.röte Fähnchen zu Hisfen/Doirt:
verstiegen 'sie sich auch 'zu bor Nfedertrachst -ern^,
Kruzifix mn einein Strick>ziun -Fenster chinaus>ibau-!
meln zu lassen. Eepia7tsanls Vcschädigungen der^
Einrichtungsgogen-stände g-rhen damit Hand -in
Hand. Die .anständikeren'Elomente unrer den
FestungsgLfangenen 'lerden solbst untsr -dem Terror!
der rabiaten.Fül/rre. So schtieb kürzlich e.iner 'bie
Bitte, .ihn aus der -H o.l l e ^u.befreien und ander-
wärtig unterzübrnmen. Jch Lin ifest entschlvssen,!
:gegen eine folche Sabot.rge des Strafvoll-uüs -mit.
allen mir zu Mbate.stoh.'nden Mit-teln'rücksichtslos
«inzuickrreiten unld u> diesemLwecke-nuch den äützer->
sten Widerstand zu Tbrechen. *

Dle Lage im Saarrevier

v .Jnfolge des -über Laatbrücken.verhängten We-
lagerungszustandes wurde idie Pülizeistunde auf i.6>
Uhr festgesetzt. Starle fmnzösisÄeMilitärpatrouil--
len durchziehen die Stratzen. Das Eebäude, in
. dem sich Eeneral Andlauer.aufhält. ist von einer^
dpppelten Postenkötte umgeben umd abMperrt.

Bisher wurden 20 Verhaftungen vorgenommen we-1
gen Vergehens gegen die verschärsten stanzösische:
Verfügungen. Eeneral Andlauer unterhandelt
Zeit mst den Fühvern der Arbesterschast und den
-.Gewerkschaftsführern. Der Belagerungszüstand
Dxurde weiter ausgedehnt.

Ueber die im Auftrage des Eenerals Andlauer-
und unter Vorsitz des Landrates Halstrn abgehal-
tenen Brsprechunaen. an denen Vertreter der fran-^
Mischen und der deutfchen Behörden. der Arbeitge-
ber und. Arbeitnehnler. Angestellten und Veamten
tetlnahmen, wird bekannt gemacht, datz Schieber
Mit iZuchthaus nicht .unter einem Aahre bestraft
-werden sollen. Dic Zwangswirtschäft wivd-durch-
Ktführt durch dj« Schaffung örtllcher Wirtschafts-
mnter imit einer Zentrüle in Saalbrücken. Ferner
wird angezeigt bie Festsetzung von Höchstvreisen!
,und Erzeugungshöchstpreisen. sowis die ausrei-
chende Belieferung mit Kohlen sür Industrie und
Har-del. Für die sofortige Ausschreibung von Ko-
.lonialwaren wird sich d:e französische Vevwaltung
:bri -der Koinmission in Paris einsetzen. Ueber dce
Sonderfordorungen der Eisenbahner wurde telegra-,
phisch -diL Entscheidung bes Marschalls.Foch einge-!
holt. Der Belagerungszüstand wird aufgehoben,
sobalh die Plünderungen aufhören und die Arbeit
wi-eder aüfgenommen wird. Die Strotzburger
,„NrUe iZeitung" mäldet dazu. es handleisich bei den!
:Sonderforderungen der Eisenbahner um die Ab-
sichafsung der weitzen Arinbinden und die Verpflich--
tung der Eisenbahner die-französischen Offiziere zu^
griitzen. Die Arbeitcr etklärten'M mit den "Eisen-
bahnern solidarisch und beschlossen. den Streik
fortzufetzen. solairge sie nicht in Betreff diejer
Punkte Eenugtuung erlangen.

Die Heilsarmee will wieder
kommen

Das Berliner Hairptguartier der Heilsarmee
stellt die Wiederaufnühme ihrer Tätigkeit auf deut-
schem Boden in Aussicht, und zwar follte fie als'
obcasten .iKommandanten" .jetzt einen Schweden
erlmlten. Wst glauben nicht. datz diese englische
Eründung, diese untsr englischer 'ÖbeLleitung und
englischer -Kontrolle stehende Gesellschaft — von
der.u. E. noch.immernicht.genügenid geklärten Ver--
wendung ihrer deutschen Gelder ganz abgesehen —
Lei .ihrer Wicdetkehr cruf deutfchem Boden irgend-
wo noch willkommen geheitzen -werden ttönnte.

Hat schon früher das ausländischs Dam-
tam und Vie'1i'N g.e7ttcam g.e7'h'a'stt e Au f-.
mwch u n.g ihrer 'konfessionellen Propagaitda -üls>
uns L)eutfchen iwescneisremd peinlich und abstotzeird
berührt.iso witd dasijetzt.avo Mnf furchtbareÄuhre,
bitterster Leiden aller Art 'hinter uns lliegen uNd
wo wir heute noch mitten än dunkelster Gegenwart^
stehen, erst rccht der Fall sein.

Möge die Heilsarmee ihr -Heil bei .Engländern.
UnkultiviertenRigaern-und Eskimos, deren Eeistes-
züstand dieseckindische Propaaanda cmgemcsien sein-
mag. versuchen: Lei uns in Deutschland wird sie'
kein Elück:wieder haben. Mir lehnen diesen engki-r
fchen Zmport mit.Entschicdenheit ab.

Die Derimnderung unsers
Heereskörpers

Verli'.i, 10. <O!t. Von llnterrichteter Seite -er-'
fährt mnser Berlrmr Vertreter. datz das Meichs- >
-wehrministerium noch k-eine Verhandlunffeir mit.der^
alliierten Militärkommission in Berlin über die
Herabsetzung .des deutschen Heereskörpers auf
200 000 Ätcnm cgepflopen hat. Diese Beratungen
Leginnen -erft nach Fnkrafttreten drs Friedensver-
.trages. Das Meickiswehrmimsterium aibeitet be-
-reits einen -Plan - aus. nach dem dsr Entc-nte vor-'
gsschkagen merden >soll. die HeräLsetzuTrg bes deut-
schen 'Heeres auf.200,000 Mann Lis Äpril 7020 zu.
verschieben und Flanmätziger morzunehmen. .Es soll
zunächst einc DermiNderung tüüf 330 Mann vorge-
schlagen werden.

Das Material des Generakstabes

Wie Anterstaatssekretär Schulz initteilt. ist bbc
iGründung eines Ne'chsarchivs .beabsichtigt. in idem-
das überaus wichtrge Material bes Generalstäbes.
dcr 'bekanNtlich - aufgelöst nvrrd. gesichtst aüfbewahrt
und gewisieNlmst bearlnntet-werdsn foll.


Die Zufammenlegung des
forstüchen Unterrichts in
Südwestdeutschland

Heidelberg oder -Freiburg?

Man schreibt uns:

Der Badische Forstverein hat in seiner Ver-
lämmlung am 22. September ds. Js. ein/» Ent-'
Mietzung geflftzt. wonach er die in AuSsicht ste--
hende Zusammenlegung dcs sorstlichen Unterrich-
des.Württembergs und Badens an die Universität
F.r e.ibu rg als Erfüllung eines kangjährigen
Wunsches begrützt -und dlese .Universität ihrer forst-
, lichen Verhältnisse und ihrer Umgebung wegen
als das Fdeal einer forstlichen Lehr->

anstalt bozeichnet. Diese Entschlietzung -wird

von amtlichen und l)albamtlichen Vericht-
erstattern.eifrig in der Presse.verbreitet und soll
osfenbar die Negisrung in ihrer Stsllung für Frei-'
burg gegenüber den Wünschen Ler autzerbadisckM
Fachkreise. die für Heidelberg eintreten. stüt-
zcn. Dte VersaniMlung war von etwa der Hälfte
der Dereinsmstglieder bcsucht. Au'f der dies-en
vorhex zug sandten Tagesordnung staud dicser Ee-
genstand nicht. Nach der von einem anweserlden
Beamten der Forstdirektion üer Versammlung ge-
gebeiwn Darst'cllung war die mürttembergische Re-
gierung .an die badische mit deni Antrag auf diese'
Zufammenlegung unter Lom ausdrückl chen Ver-
langen hera:rget'.eten. datz diese -in Freiburg statt-
findcn solle. Auch die hessische Ncgicrung habe sich
in allerdings unverbindiicher Wei,e für ihren An-
schlutz an Freiburg ausgisiprochen. - Wenn sich jeht
in der Presse Stnnmen gegen Frciüurg und für
H'Kdelberg erheben, so gingcn diese von lleinen
Kreis-.n aus. die mit den in Betracht kommenden
Veichältnlsien ni'cht genügend vertraut seien und
diese nicht ganz einwandfrei darstellten. Die Ne-
gierungen l/ielten an ihrer Abmachung fest.

Diese Aussührungen Lcdürften einer nicht un-
wesentlichen Ergänzung. vielleicht auch Nichtigstel-
lung. Zunächst ist fcstzustellen. datz zwar Frciburg
seine .Dorzüge gegen Heidelbcrg in leqder reklamen-
hafter amtlicher Form in dcr Presie vcrbreitet, Hci-

delberg aber sich ivon -jedem VMuch eines Wettbe-
wrrbs.v öckü i,g f e rn g e ha l te n -hat.

Der erstc und cheftigste Wrderspruch cgegen die
Wahl Früiburgs ging -von den betroffenen.-KreisLN
Württembergs aus.'die-sich ausserordentlrch darüber
beschwerten. datz ihre Regierung diese Abmachung
getroffen habe. ohne sie -vorher darüber zu Rate
zu ziehen.

Mach den mir aus Württembrrg zugekommenen
Presie- wie -Privatnachrichten .haben sich die ge-
samte Universilät Tübingen. Senat. staatswrssen-
schaftliche Fakultät wie dc-r'Derband -der württem-
bergischen Forststudenten zwar für eine .gsmeinsaMe
Forstlehranstalt für Südwcstdeutschland. :über nur
mit d^m Sitz in Heidelberg. ausgesprochen. sich aber
mit allcr Entfchiedenheit gegen eine Aufgäbe Tü-
bingens gegen Freiburg erklärt. Die a-e.rche Stel-
lung hat der Vere-n der Mirttembergischen Staats-
fotstbeamten und dem Vernehnren nach auch 'der
Verbmü) der Waldbesitzer dort.einpMommen. Der-
zur.Zeit einzrge Vortreter.der Forstwlsienschaft in.
Tübingen. Wagncr. einer der hervorragen.dsten^
forstlichen Lehrer Doutschlands. wies in der Presie
mit ällcr Entschiedenheit auf die llngseignetlpit
Freiburgs für die Äusbildung württcmbergischer
Forstleute im Lesonderen und für eine g>emeinsame
Forstlehranstalt 'sür Südwestdcntschland im allge-
meinen hin. Aus Hessen hat sich der forstliche Leh-
rer. Professor Dr. Wv L eir in Gietzen, -der eben-
falls eiue führendc Stellung einnimmt. genau im
gleichen Sinne für Hcssen unid das forstlchrlich mit-
ihm verbundene Mitteldeutschland ausgesprochen.
Und d:e hessische Regierung hat auf Veranlässung
dor Forstuerwaltung nachträglich diese Anschauung
zu der ihrigen gemacht und dürste den Ncgierungen
Württcmbergs und Vadens darüber ckeinen Zweifel
gelasien,hab--n. datz Hessen sich z>war gerne -an eine
gemeinsame Forstlelnanstalt in Heidelberg. aber
unter keinen Umständen an eine solche in.Freiburg
anschlietzen werde. Mögen auch für viele Ladische
Forstleute. die gewohnt sind, ihren Blick auf ihr
engstes Vnterland zu Leschränkcn. di-e Verhältnisse
Freiburgs -als Fdeal erscheiuen. für alle Nichtba-
dener — und diese sind- doch bei der Entscheidung
in aueit stärlcvem Matze beteiligt — sieht sich die
Sache in ganz anderem Lichte. Auch lle wollen leb-
hafte Wechselwirkung zwischen der Lehranstält uäd

ihrem.Forstwesen mtd vin -Lehrgebiet. datz ilrre
Fotstb^fNsienen auch >ihre heimischen Verhättnjsfe,
vorführen.kann. Sie crklären. datz di-es wohl in
He'ldllberg. nicht aber in Freiburg möglich sei.
Dteses sei viel zu sehr von ihnen abgelegen uNd
allzu sehr spezifisch -oberrheinisch-badisch 'für eine
gemeinsame Forstlchranstalt Westdeutschlands. Diese
gewichtigen Stimmen -wetdsn sich micht noohl durch
einen ad choc -und -vom rein Ibadischen Standpunkt.
aus gefgtzten Beschlutz der Versammlung des ba-
djschen Forstvereins Lelehren läsien wollen. Durch
solche gegensätzliche Stellungnahme der Fächkreise
in den beteiligten Staäten leidet nur die Durch-
führungbes von allen angestrebten Einheitsidoals.
Elaubte ber badische iForstveroin entgegen 'seiner
langjährig acüdten Zurückhaltung in. dieser Frage
Stellung -nehinen zu müsseiii, und zwar iin Gogsn-
satz zu gewichtigen Kreisen in dsn.andeven .beteikig-
ten Staaten. 'so wäre es doch zur Berständigung
sehr-empsehlensmert gewesen. eincm Vertrater die-
ser Ailschauungen brelegonheit zu geben, sein-e
Gründe in der Versamnilung -dasslbst darzülegen,
bcvor diese vielleicht folgcnschwere Entschlietznng
gefatzt wurde.

Eine uorausschauvilde Politik weist Baden da-
ranf hin. allen forstlichen Kreisen das Eingchen
auf die -Gemeliischaftsanstalt mögl'.chst le-.cht und
erwünscht -zu machen und damit deren künftigen
Wirkuilgskreis möglichst weit zu gestalten. Das
heitzt. Baden mutz den aitdorcn bcteilrgten Staaten
die Entscheidung überlosien. an welcher badische-
Unlversität sic die Anstalt wünschm. nachdem fest-
steht, datz auch vom rcin badischen Standpunkt
Leide llniversiläten geeignot erscheinen. Der zu-
fallige Umstand. datz in Freiburg eben mehrere
Lehrsüle frei sind. während dies in H-etdelberg
nicht der Fall sei. kann doch wahrlich für cine solch--'
Entschetdung nicht ausschlaggebend sein.

Anidernfalls mützte dies für die anderen Staa-
ten die Befürchtung -erweckon. datz Baden nicht die
Mittel 'habe oder nicht aufbringen avolle, -um- die
Anstalt auch in dor Zukunft so auszugestalten. w'.e
es ihre Aufgabe ersotdert. Für ein nur dürftig
unterhattenes Pflegekind aber ist die Forstwisien
schaft denn doch von zu -grotzcr Bedeutung gewor-
den.

Menn die Erklärung der badischen Forstvetsamm-

Deutsches Reich

Abg. Haase

beiindet sich im Berliner HedwrgskraNken-aus ^
ärztlicher De-Handlung. Ec -aübt solü-eN'de Darstel-
lung des Attettt-ats: Ich üing in Beglejtung M>j.
ner Avau ncich d-em Rerchstag und wurde dmch
einen Schusi, der hinter mir f'ieil. plötzlich «asg-.
schrcckt. Als ich mich mndrehte. sah ich inmeringer
.Entfernung ein-en Mann, Ler erneut apf inj^
-hiolt; ob der nemGchntz mich netröfsen hat.Tmvn ich
n icht fagen; zunächst n-ahm ich iedenfalls von.eine*
VerwuNdung nichts wahr. llm -nun ein -weniger
sntes Ziel zu bioten, ging ich in «ebückter Haltung
nach der Ecke des Neichstcrgsgebäudes. -Dcr Atter-
'tätcr fen-erte hintareiiiandor etwa 3 b'cs -0 dlsijsse
auf mich ab. Jch war vor allem bestcedt. nreine
Frau in einer der Nischen des Reichstaüsgöbäudrs
vor den Kugeln des Mannes in Sicherheit zu brin-
gc" und ging dann mrt ihr, während noch weite^
Schüsse-fielen,-in'dar Nrchit-uiisig auf das Ncichs-
tagsgEude weiter. Unterwegs Lrach ich jödoch
znsmmn-en. Okwohl mehrero Leute den Vorgang
aus nicht ällMweiter Entfernung beoba'chten 'konn-
.ten, üekang es dom Attentäter dcch, ungehindert
das Feuer «mf mich zu richten. Als ich mich n«ch
dem erstcmi SckM umdrchte. bemsttte ich ideutlich.
datz er nach meinom Kopfe zielte. Jch.fühle, datz
er däburch, ,datz jch mich bückte. das Üichere Ziel
oerlor.und unstcher schotz und glaubte. datz.ich eo
nnr nreiner schnellen Vvrsichtsmähnabme veidaM,
wenn ich vor schweren Verlehungen bowährt ge'
bliciben bin.

Die ärzt.liche Un ters.uchung Hawses ergab
ani rechten Bein einen Durchschutz des llnterschen,
ke-ls sowie emen Steckschntz im OberscheNkel. Die
Schvamme im Ellenbogen ist wahrsckieinlich durch
den .Sturz veranlaßt. Der 'Züstand Les Derwun-
deten läbt seine Wioderherstellung in etwa 8 ,Ta-
gen -erwarten.

Rach dem 8 'Uhr-Abendblatt -tst'das Vefinden des
Mg. Hcväs-e durchaus-günstig. Die Röntgenanf-
nahmo bat ergoben, datz ein GSschotz iä der Knie-
-gegenid sttzt, ohne aber das Gdlenk.oerletzt su ha-
b-n. Wienn dav Bef'mden cdes Patienten. .wre M
erwarteä steht, rveiter Zünstig bl-ekbt, so.ivtrd L-as
-Ceschotz morgon durch aperatioen -Einsrist ^ent-
fernt wevden.

Der Obevbäfehlshalber Noske hat die „Fue!-
heit" wegen ber -in ihrem Aüfvuf ,/Arbeiter, Par-
teigenosien"", enthaltenen wisientlichen 'llnwahrhei-
ten, Latz es in Dsutschland Merbezentralen gäbe.
die vorbezahlte Ätordbuben ifucheni mtd de-nen bas
Nttentat ailf H a a'-s-e zuv -Oast gelegt wich, müf.3
Tage verääten'.

Eegen das Schiebertum

Wie oon amtlicher Seite mitgeteilt.wird. sind
in dem 'Bezirke der EjfienLahndirektion Elbersc-ld
längere Zeit hindurch von Privätfirmen iu,ei,nz?l-
ren Personen Lebcnsmittel u.'sonstige Bedarfsäegen
stände von dem besetzten .in. das unbesetzte Eebiet
verschoben worden. An 'diefen Verschiebungen sol-
len auch Ejsenbahnpersonen beteiligt -gewesen siein.
die ganze -Wagenladungen von ihrem Beförde-
rungLweg abgelenkt und falschen Kmpfängern Lu-
geführt haben siollen. 'Die zrerichtllche AäLeÄuchung
der Angslegeitheit ist 'feit llängerer Zöit bei -dem
Elberfelder Lan.dgericht anhänaig. doch ckönnen mtt
Rücksicht uuf das schwebende Derfahren mähere
Mitteilung -noch nicht gemacht werden. Zur Leit
verwellt im Aüftrage der .Reichs- und -der-Staats-
regierung eine Untersuchungskommisiion in Elber-
fel-d. um die restlose und bäfchleunigte Aufklirrung
ficherzustellen.

lung die Vereinimm« 'des forstlichen Anterrichts
für Naden und Württemberg in FreiLurn äls div
Ekfüllung eines langjährrgen Wucksches Lezeichnet.
sv sei daraus hingewiösen. dätz diese Frage noch nie-
mals m dieser -.engen Degrenzung gestellt uiid ^er-
örtert wotdcn war. Es war immer nur won dcm
Anschlutz au eine badische 'llniversttät im -nllgeinei-
nen von ganz Südwestdeutfchlaüd.die Rede. zu'dem
danials noch Elsatz-Lothringen zählte. Auch hat
der Foxstverein leit langen Fghren sich jeder aus-
gesprochenien Stellungnahme in bies-er ganzen
Frags entlzalten.

Fetzt hat der württembergische Landtag das
Wort, Bleibt Vaden aufFreiburg bestehen und ge-
nehmigt der Landtag das Abkommen seiner Re-
gierunu nicht. so geht diefes in Vie Brüche. Die
jVtzigen unhaltbaren Züständo bleiben -zunächst be-
stehen. Daden wird daxunter am meisten leiden.
Bestätigt >er die Abmachung. so jällt der Anschlutz
Hessens -und damit die Aufsaugung dox -Eissgrncr
Anstalt mit ihrem Wirkungskreis Lis nach Mit-
teldcuijchland weg. Baden wird mit grötzen Auf-
wendungen belastet für ein-e Lehranstalt.'die-siih
vornussichtlich von seiner jetzigen nicht wdsentlich
unlerscheidet. was ihre dauernde Lebons-
kräft nnlangt -u>:d wohl nicmals in ernstiichen
Wcttbewerb mit München treten karm. Das klein-
stuatliche Eigenleben hättc wieder einen Sieg M
vewrhnen. allerdings auf 'Kösten 'der -wrrklichen
'Wi'si-nschuftspflegc und des grötzeren Baterlaitdes,
äber l-ctzten Endes auch des eigenen Lmtdev.

Theater und Musik

Sonaterrabend Voh—Hirt

Dicser erste Kummern'.ustkäbeild darf crls lAst
glücklicher Auftäkt für den kainmvndon Musilmin-
-ter gelten, in dem wrr recht viel innere Erwär-
Mllng, für die äiltzere 'Kälte nötig chaben. Der
Biolinist H i.r t ist in seiner hal,en Kunst noch
meiter geschritten und aufwärts gestiegcn. Dic uo-
g-efihllffene Technik, der'warnie finnliche Ton seines
prächtiaen Fnstrunientes erfrentc dor-poll bei der
.grohen ruhiaen Abgeklärtheit. die !e»n Spiel »m-
mer nl-chr gewonnen hat. Auch Otto Botz hnt
gostcrn sich wlllständig diefcr'Wefenheit des Eejgers
 
Annotationen