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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0241
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^achung.


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bis 19. Oktob-,
erbrauchen

I Es stehen uns hj^,
kleine Mengen zui ^

' lilgung. bie 'tvlr

^ besondere Bestelliml

durch daLBiirguinei^

i amt bezw. Nahrunzt.
i mittel'Kvmmisßon

s abgeben.

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e ölahrungsinittel-Kimiili.!

er Butter- und Fetlkarl! I
;r Versorgungsberechtigtr»
inig.

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Bevölkerung für die Bii> !
>ktober bis 15. Noveivbn
i den festgesrtzten Preise»

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)urch d. BürgermeisterWl.

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wochenbeilage: Oer Vorn

Landesorgan der Deutschen liberalen volkspartei Vadens

V erantwortlich für den politischen und volkswirtschaftlichen Teil i. V. Willy (Lhrig, für das Feuilleton,
Kunst und Wissenschast, Theater und Musik, Neues aus aller 2velt und die Unterhaltungsbeilage Iulius
^r^^m^r^ü^^aden^^rtliche^und^Literalur^^^^^nd^i^^^^^o^^M^hsy^^^Turnen

Spiel und Sport Alfred Schmitz, sämtlich in Heidelberg. Fernruf 182. - Berliner Vertretung: Berlin VV 50
Bambergerstr. 3. Fernrus Amt Kurfürst 318. - Für den Anzeigenteil verantwortlich AlfredSchmitzin Heidelberg
Fernrnf 82. — Druck und Berlag : Heidelberger Verlagsanstalt und Druckerei G.m.b.H. Heidelberg, Hauptstr. 23

Das Wichtigste vom Tage

Deutschla,rd wird wahrscheinl^ch nnter gewissc«
Vorauvjchungen sich an der Blockade Sorvjet-Nuv-
lands beteiligen.

Die Arbeitskräfte im.Nuhrrevier werden binne.l
kurzem eine ausicrordentlichc Steigerung erfkMen.

Die sranzösische Regiernng wird birrncn kurzern
Lestrminungen erlassen, die die deutsche Einfuhr
nach Frankreich wcsentlich erleichtern sollen.

Das englische Nuswärtige Tlnrt gibt brkann^ dast
särntliche schwarzen Listcn annulliert wordcn jeien.

Oberst Awalosf-Bermondt hat an die lettischs
Rcgierung ein Ultimaturn gerichtct, in dcm er völ-
lige Steuorientierung der lettischen Polit k ver-
longt.

Wilson regierungsunfähig
geworden?

N-ach Depeschen ausWcvshinaton crrsgte ein Br'.ef
eines sSenato-rs grotzes Aufsehen, monach Wilson
batsachlich an einer Eeliirm-Läsion (Schlagansall)
le'rdet, wclche eine Läbmuiig der Gehirnmuskeli:
zur Folae hatte. Wilson scheLe infolL.edc ssen in
je.dem Fall aus dem öffentlichen Leben r us.

Amtlich wird aus Washington initüetcilt, darr
A.Won noch lauge Ruhe.-eit nötig haüen werde.
Daidurch ser die Hoffnnna aeschwunden. da>; er
ssine Tätigkeit als Präsident demnächst wie-dec
anfnohmen könne. Nach Zeiiungsmeldunüeu aus
Nswyork sSr es trotz aller üervchigenden Der'ch s
üüer Wilsons Krankhcjt sehr wohl mösl'ch, daä
der Präsident nvcht imstande sein wird, denPrin
zen von Wales zu bcgvüsten. Trirft dies zn. Äaiin
mrrd der Püins dirckt nach Kanada gehen, ohne d e
Vereinigtcn Staaten üesucht zu, baüi.'n. Der Br
such des KÄnigs und der Kön'igin von Belsien
wird nntephleilben. Senator Moscn hat gcsagt,
der PrMeemt habe wähvcnd seiner Rede m
Pncülo einen Schlaganfall erhaltcn und eineLäy-
mung der GesichtrmlULkcln crlitten. Solangr di'.se
Lähmrung anhalte, dürfe der Präsident sich ge.stig
ulicht überanstrengcn. Er soll inöglichst j de ge'stige
Avüeit unkevl'assen.

- McMl.chjoiln^ch Aanir- 'der Präsid-'rl't .körpcrlcch
micider herigcstellt werden. Aüer ai ch sür diesen
Fall wird er leine pc'litische Rolle in.-hr spielen
können.

Zn dem hakbamtlichen KraukheitsLericht wird
öestätigt, dah der Zustaud Milsons es notwnedig
machs, da» er noch eiM Zcüt lang iin Bett üleiiüe.
Die Lage wird vicl bcsp'-ock'icn, da d e Verfr.stung
mrschreiüi, dab im Fall der Un-fähigkeit des Prä-
sidentsn der Mzepräsrdent das Aint üüernimmi,
aoer für eine solche Masivegel bishor kein Präze
donzsall vorlieet.

Ein Brief des Kronprinzen an
Bechberg

führt aus. dasi Deutschlands Eutmickelung steigend
geblieben wäre. menn cs seimm Staatsmännern
aeluna.en wäre. den Krieg zu verme den. Die
Schlacht an der Marne jei nur durch dio Kopslojig-
keit uud das Versaaen der damaljgen Oberiten
Heeu.sleitung zu einem solchen Mistcrfolge gs-
worden. Es sei von ihm ber.its im Zahre 101t
klara.eleo.t worden. das; der Krieg alle.n militärisch
nicht mehr zu eincm erfolgreichen Ende gcführt
werdcn tönne. S.in Wunsch sei es damals newe-
fen. Fricden init Frankreich zu schliesieu. Ze län-
g.r der Krieg gedauert habe. umsomehr habe er
er^nnen müssen. dasi die innersten Voraussetzunaen
für e ue glückliche B:endiauna des Kampfes und
eine ziellsmuüte Leituua übcrhgupt seblten. Auch
für den Entschlvsi, den Fried-.,i mit Enaland auf
Erund eines Wirrschaftsausaleichcs zu k"chen. habe
der einheitliche politische Wille aesehlt. Der Krcm-
prinz haöe Luch oero' bens aeaen die nnrichtiae Ve-
l-andlu'? nnkerer ösfentlichen Meinuua aekämvkt.

hatte'sich nnr üüsc den aänstichen Zusam-
mci'brnch n l, r Heimat wundern tönnen. Er
wiüd: ncrne etwas über die Dinae. dis er wüsite.
schrcilcu. mocht' ab.'r nicht den Anschein erwecken.
als ob >.r die Schuid d-ss rerlorenen Krieaes auf
rraend icmand sch'.el s. Sch ietzlrch we st -er den
Vorwurs 'iirück. cr habe zur Verläna.'rmrg des
Kr - 7:5 l.ia.'t'.no/.!:.

Um RußlanS un- öas Saltikum

Die Mahnahmen der deutschen
Regierung

Di-e Ne'.chsrLgierilna üekchästtgte sich gestern mit
dc.r Note d.r Entente wcgen der Räuinung des
Biilt.kums. Nachdcm bcrcits srühcr' dve gänzliche
Einstelluug der Berpslegungsruflthr an die wlder.
spenstigen Truppen im Baltikum verfüat worüen
war, soll irun auch jedrr Pcrsonenverkshr nach
dcm Balti'ki.m gesterit wctdcn. Es dürsen nur
nvch LeerKise zur Abhcckmrg dsr Truvven hrn'
aussahren. Eeneral v. d. Eoltz gaü 'das Kom-
luairdo am 13. Oktobsr enidÄiltrg aN Genera!
Eüerhardt ab und wird demnächst in Ber'lin
crwaitct.

Französische Drohungen

Berliii, 14. Okt. Der Pet'ct Parisieu und nnhere
Parrjer Rcg'erungso.gäire ocrlangeii. um Deutsch.
laird einzr.lschüchtern. drs sofortige Brsetzuug von
Franksurt 0. M. und des Nuhrbeckcns. Frührr
odor später rirüsse mair doch k-ahiu koimnen.

Die Blockierung Sowjet-Ruhlands

Bon gut inforinircter Seite erfahren wir, datz
d!c ^eutsche Rcgicr.rng in der Frage dor Betsili-.
aung Dcutschlands an der Blockc.de gegen Sowjet-
Rntzland rir ersler Linie Lie auswärtigen volitr-
Znte..sstn D.utchlanLs in Bctracht s'rchcn
>', 0 inra'.üstchtlich e'ner Bete ligung an d.r Blok-
Lade Rutzlands uutc-r gew'.sscn Doraussctzungrn. zn-
iiiinn-en wird. Dcr Astsschrtz jür auswärtige An-
gcu genüe.teir stll rrc,ch iir dlcstr Moche. voraus-
sichtll'ch aii'. Doni'crstng. Stettung zu dcir> Noten
der Entente ncchmeir.

D'o Noten der Eirlente üücr die Näunruna
dcs Baltiku ,110 uud dre Beterlrgung
Deutschlands -an der V'lockade Ruhlando
köllen. rvic w'.r weitcr -ho.eir, nc-ch im Läuse d'cstr
Wache üoantwcrtet werden. M.rnrster Nosk-,
der an der Kaü'inctlsürralmrg dex beiden Notc„
te'liwlmeir wird, bcündct stch bereits -auf d:r
Hclnrrei,c.

Bis sttzt ist, wie w'r hören, noch keiner neutra-
lcn Reg'.-.'rung die Note bejr. BlockLds gogen Rutz-
land üb.cmittelt wordmr. Die Vcrkiner Vcrtre-
ter dcr ncutralcir ,Stc.at.n lennen i'hren angev-
lichcn M^stlant n.r-r -aus don Vsrösfeirtlichungen
dcr dei'tscheir mrd deutsch-österre ch schen Bllättcr.

Aus Liesem Erunds verlautet üis jctzt auch no<^
nichts üüer eine Stellugnaüme der neutralen
Staateir zu der> Note.

Awaloff-Vermondt und die Letten

Nach Meldungen aus Helsingfors, döe allerdings
recht unklar kliirgen. hat Vermondt der letti-
schen Negiermrg cin Ultimatum gestellt. in dem er
erne vollständiae Neuor'.entitermra ihrer Politik
verlangt. Die Bedingmrgen des Ultimatums wer-
den rricht mitgeteilt.

Das Geferht bei Olai

meldct jetzt auch die lettische Regiermrg. ohne üüer
den für sie anscheinend ungünstigen Ausgang ctwas
verlauten zu lassen. Sie meldet, datz rn der Rich-
tmrg KockaA--Friedrichstadt-Olar unter Terlnahme
oon Panzerzüg-.n ukd Flugzeugen Eefechte statt-
fand-'ir. Englische und franrösische Kriegsschiffe
liegeir vor Riiega gefechtsbereit. Die lettische Re-
grerung richtcte ein Hrlferuf an dre Allirertrn. Po-
len und Esthland. Bermondt, der nach der
Besetzuirg des linken Dünaufers seiir militärisches
Ziel errercht hat. gab b s zur Stunde keinen wei-
tereir Befehl zum Angriff.

Die lcttischen Truppen hielten brs jetzt das
rechte Dünaustr. Esthland beschlotz Qettland zu
unrerstützen mrd entsandte einen Panzerzug. der an
den Eefechten teilnahm. Esthländische Kriegsfahc-
zeuge sind zusainmen mit Krieasschisfen der En-
tente nach Riga g.fahren. General Zudenrtsch
erklärte Vermondt als Landesverräter unv for-
derte Offiziere uird Maimschaften zum Abfall auf.
Eutont'frermdllche russische Krerse ünd ihre Zeitun-
gen urteilen cbenso. UnKr den Offizreren und
Maniischnsteir dcr Nordwsstarmoe scheint gegenwär-
tig eine starke Strömung für Bermoirdt vorhanden
zu sein. so datz dre cstblönd sche Regrerung bereits
unruhrg stt mrd eine bstondere Ueberwachmrg des
russischen Militürs anordirete. Die Nordwestcrrmeie
meldet Fortschrrtte gegeu Pleskau.

Eine Proklamat'.on Vermondts

Vermondt proklamicrte Kurland als russisches
Eeneralgouverirement und rief sich selbst als Ge-
iwralgouverneur aus.

An Denikrn richtete er als Fmrksprüche
folgende Siegesdepesche: Arn 8. ^und 9. Oktober ha-
bea nreiue Truppen vor Nrga die lettischcn uird
csthnischen Kräste aufs Haupt geschlagen. Drese
wareir dazu bestimmt. nrich >anzugrelfeir mrd d'.e
von mir gufgestellte frciwillige russische Westarmee
aus Kurlaud zu verdrängen. Zndenr ich damit
merno Bans gcsichert habe. hoffe ich. in nächster
Zcrt von Wcsten her gcgen die Bolschewiki los-
schlagen zu lönneu und damit das siegreiche Vor-
rückci, der Armce Ew. hohen Exzellenz zu erleich-
tern.

Der zweite GeiseLmordprozeh

Elerch am crsten Berlmndlmrgstage konnte in
München die Vernehmung der Angeklagten und
Zcrig'.n geschlosssn w.rden. Sie ergib manche be-
ichtcnde Momente für dre vier Angeklagten. In-
ieressant i>i. datz nuch für den unterdessen verahf-
tetei: Kominunistenführer Max Levren stch bei
drcstr Verlandlunq neue belastende Mo-
mente ergeben haben. So sagte der Angeklagte
K a'm m erstetter aus. auch Levicn sei bei der
Vernehrnung der Geiseln b-teiligt gewesen und
haü: den jüngercu der bcrden Husaren. dre erschos-
scn wurden. i»s Gesicht geschlagen. Das ist beson-
ders wicht'g srir dic eventuelle Auslieferung Le-
viens von Oestcrreicki.

Der S t a a t s a i'. w a'l t beantragte gegen Kam-
merstetter. Strel>.nio mrd Greiner di-e Todes-
st r a s e. gegen Debus die Höchststrafe von 15 Iah-
ren Zuchthaus. Das ttrteil wird heute nachmittag
verkündct.

Die Demokraten
und das Betriebsrätegesetz

Vei dem Eintritt der Demokraten in die Regie-
rung ist das Betrrebsrätegcsetz Gegenstand langer
Verhandlmigen gewesen. Als der Erntritt perfekt
wurde, erklürte das ..Verliner Tageblatt"
trimnph'.erend. die Dcmokraten hätten rhre Forde-
rungen durchgesetzt. Dreser Behauptung hat der
„Vorwärts" sofort mtt aller Entschiedenheit
widcrsprc-chen und kürzlich hat dann auch Herr
Bau e r iin Nerchstag erklärt, datz der Entwurf
über die Vctriebsräte unvcrändert angenommen
werden müsse. Die Deinokraten haben sich
cttso in dieser wichtigen wirtschaftlrchen Frage
wieder ernnral den Sozialdenwkraten löblich unter-
worfen. Die Bestätigung dafür finden wir tn einer
Rede. die der demokratische Abgeordnete Dr. Wald-
stein nach der „Vossischon Zeitung" kürzlich in Char-
lottenburg gehalteu hat. Er hat dort zugegeben.
datz die Bcstimmung iiber die Zugehörigkeit von

Mitgliedern dcs Betricüsrates zum Aussichtsrat
nicht zu beseitigeir sei. Die Sozialdemokratie haüe.
so erklärte er. nachdem diese Bestinrmuirg einmäl
tn dem Entwurf hinsrngekommen fer. aus pol'.ti-
,'chen Eründen seine Streichung für unmöglich er-
llärt. wcil sie es rnr Kampfe gegen die Unabhängr-
gen nrcht ertrag.n könnte. wenn diese Bestimnrung.
dre nun einmal als antrkapitalistisch aufgcfatzt
werde. dem Einflutz der Demokraten zmn Opfer »e-
bracht worden wäre.

Hieraus geht uirzwüdcutig. hervor. datz die Un-
abhäng'.ge Sozraldemolratie letzten Endes auch
über die demokratische Fraktion trruinphrert hat.
Es handelt sich bekanntlrch ber der erwähnten Be-
stinrmung um eine Matznahme von allergrötztcr
Tragwcite. gegen die von den Unternehmerir in
Handol. Eewerbe und Invustrre d'.o allerschw.rsten
Vedenken geltend gemacht w.rden. Im ..Zentral-
verband des deutschen Erotzh.ani>cls" ist kiirzlich
eine EnlschUetzuirg angenonrmen wordeir, in der
die Ausgestaltmrg dhr Bctriebsräte zu mitbestim-
menden Faktoren in der Betrrebslertung als eine
für das schwer erschüttc-rnde Wirtschaftsleben uuer-
trägliche Last bezeichnet wird. Es heitzt dann in
der Entschlretzung weiter:

Jm einzelnen ist insbesondere die Aufnahine
der Betriebsräte in den Aufsichtsrat -rechtlich un-
möglich uird sachlich widersinirig. Die Vorlegmrg
der Bilanz. der Gewinn- und Verlustrechnung und
die Einsichtuahme in die Bücher wären erne Quelle
ständiger Unruhe und Agitation. Beides ist da-
rum unbedingt abzulehnen. Ein Necht der'Ve-
triebsversammlmraen auf jgderzeitige Abbcrufmrg
der Belriebsräte mützte zrr fortgesetzten Agitationen
führen und die Betriebsräte an praktischer Arbeit
hindern.

' Datz auch in demokratischen Kreisen die hier
ausgesprochene Befürchtung getsilt wird. geht aus
manchen Reden und Verösfentlichungen unzwe'deu-
tig hervor. Die demokratische Fraktion opfert trotz-
dcnr wieder einmal ihre bessere Ueberzeugung dem
Bebiirfnis. Arm in Arm mit der Sozialdenwkrat e
das Zahrbundert in die Schranken zu fordern.

Der Wirwarr im Osten

So leicht findet man sich durch die Ereigrüsso,
dre sich gegenwärtrg im Osten abivielen, nrcht
hindurch. Mit ihnen hüngt die sogHiramrte „kletrne
Alockade", die dre Entente über di-e Osksee ver-
hängt hat, zrchammeni und stcherlich hat mit dwfen
Vorgängen auch drs Aufforderung der Entente.
dre an atte Mächte, -auch die eutralen gogangen rst,
das bslsche-wrstischs Nutzland zu boykottreren, et-
was zu tun. Jm Valtikum gibt es drei Parteien:
Dre Gsthen und Letten, die Russen, denen sich die
Tiserne Ditviswn angeschlossen hat, und dis Bol-
ick>ewisten. Alle drei Parteien scheinen sich zu be-
kriogen. Es hat indessen dcir Anschein. als ob
das bokschewistische Element in den osthnischen und
lettischen Regierunigen eine mabgebcuds Rolle
- svrelt. Nu-r wertz man nicht recht: steht die Entente
auf der Seite der Esthen und Letten. denen -u
Lcebe sie «n Deutschland dre tategotische Auffov-
dermrg gevichtet hat, das Baltikum zu räumen,
o'oer sin-d die Regierungen Englanlds. Frair'kreichs.
Amerikas und Jtalrens gegen di<e bolschewistisch
M'gehauchten Resirsrungen. Man könnte es rast
annehiireii, wenn man bedenkt, datz drs Note der
Lntente alle Mchte jetzt zu gemeinsamem Kanwf
segen den russrschcn Bolschowismus auffovdert. Und
dcch ist hier wieder das grotze Fragezeichm auf-
getaucht. Stünds die Entente aus der Seite der
bolschLwistengognerrschen, die Esthsn und 2er«
ten bekäiirvfenlden Russen, Äann mützte ste Äoch Äa-
nrit zufrieden s-ein. dab dross auf Riga marschie-
ren und, wie es heißt, Riga von rhaen -Lereits ge-
nommen ist. Aber dem scheint nicht so su ftkn:
dre Blockado der Ostsee richtet sich vornehMlich.-ge-
gen diese Aktion. Man wird (diefes Durcheinan-
dcr Leachtend) also abwarten miissen. welche
Klärung die Dinge finden.

Auffällig ist es jödenfalls, datz die Engländsr
ber' Nacht mrd Nebel den Hafen von Rrga ver-
lassen haben. Mtiv wollen sie demnach nicht el-rv
greifen. Sie wollen nrcht in einen KonWlkt hirr-
eingezogen wevden und ziehen stch wohlweislich
rechtzeitia zurück, um Zusanrmenstöbe-mit donr Er->
cberer Nutzlauds zu vermeiden. Dab sto indesten
ctwas gsgen d'ie Armee des Obersten Bermondt,
dem sich die unter dem deutschen Maior Bischof ver-
sammelte Eisorne Divrsion jetzt offrziell airgeschlos-
sen hat, unternommen haLen, höute man brsihel-
nicht. Der grötzte Wrdersvruch aber itst wobl in der
Ha'lturrg dor Entenir der, datz sie -ernerse-its Deutsch-
land bevormundet, indem sie die Ostsee blockiorl,
anderseits abert auch von Deutfchland fordert, den
Boykott gegen das »Sowjet-Rutzland nrrtzunrcchen.
Der Kamvf gege.r Sowjet-Rutzland hat (das alleiri
crsieht inan aus all den Dorgängen) jetzt von ver-
schiedenon Teiten oing-esetzt. Und wenn die -eln-
zrsnen Parteren auch iwch nicht zu Verbündeten
cswovden siud, wenu ste sich sogar feindlich gegow-
über stehen, so kann man wahl orroarten. datz sie
stch auf kurz odert lang zusamnienfindeln werdcir.
Und iodrnfalls wird alles von dein Ersola oder
AKtzerfolg des tatkrästigen Qberston Bernwndt alb
lüingen, der. gestärkt durch die deutsche Hilfe, jctzr
d'.n Kampf gLgen den Bolfchcwrsmus an dcr vor-
derisben Front bogonnen hat. Es überrascht n'cht
weitcr, datz all-e möglichen Eeriichte austauchoiv, die
teilwcise eine Herabsetzung der Deut'chrn anstre-
bcn. Selbstvorstiin-dlich mutz die Entente, sclbst
wenn dis Deutschrn für sie wieder eininal das Knrd
aus dem Feuer holcn, bestrebt sein, sich-aks den
aujzusv-rcklsn, der znm Retter Ler Welt vsr doin
Bolschswisinus wird.

Äülrhrscheinlich dittiert ai'ch allein d.r Wuns-ch,
einmal als der Vefreier dcr Wclt von Bc-lschewis-
nrus zu gelten, jetzt das sorid-oubare ni'.d wid.r--
spruchsvolle Vevhalten dcr Wcststwächte. Dicse
'habon es durch eine drinklc, ui'L-urchsichtirr-e. Pölit k
d'c an -alle Mächt-e, ai-ch die Neutralen gegangcn rst.
viol l-eichier, iihre Ziele selbst gegcir den Wilstn
der Arbeltoümassen iu peir eigcnen Län^lern zu or-
rcichen. Nrm koinmen aus dem Sowrci'N'ltzland
abcr allerlei Mcldungeil. die -ebenfallc LaraW
hindeuten, als cvb man- d-ort dcn arotz'.m Kanwl
um dle ALcht vor sich sieht. Wie-we't sich d'?
Merdungen bostätigen. dab Trohki ac.rcn Lc un
u„d ningekohrt, Lcniu gegcir Tcolckl laulgetveten Ist,
dah eiiieit den aüdercn- oechaftcn lietz. d.rtz i-r
M-oskau Unrubcn hcrrscheii und in Petersburg der
 
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