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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0249
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Mittwoch, den 15. Otober 1919

Die Gründe zum Ausharren
der deutschen Truppen im
Baltikum


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Das deutsche Volk steht -denr Vclhcrlten der deut-
scken Trupven im Baltikum. die troh der schweren
DrGungen dcr Entente sich'nicht entschlichen kön-
nen, Kurlan-d zu räumen, mrt wachsender Ver-
ständinslostgkeit gegenüber, da das Organ der
Ne-Zierung, das Wolffsche Telegraphen-
bureau, über die Ver.häiltnisse, unter denen die
Truppc lebt, übcr ilire Bewcggründe zum Verblei-
ben teils gar keine, teils unioollkoinmene und da-
m:t irreführende Mttellungen gibt.

Den Stanbpunkt der Entente kennen wir suv
Eeiitiige. Hören wir nun auch die Gogenseite, die
Freiitorps selbst, dsren Antsichten wiederzugeben,
uiis cmnöglicht 'wird, durch eine Nummer der Til-
siter Zsitung, drr aus Nesetern untevm 4. Ok-
tober geschrieben wird:

Die in KurlanÄ stehenden deutschen Freikorps er-
lassen folgenven Siufruf a» dao drutsche Vaterlaud
und an alle Kulturvölker der Erde:

Schwere.il Herzens kämpfen wir dem Entischluh,
ontgegcn dsn unter dem Druck der Entente gegsbe-
nen Befohlen unserer N''eierung. an der Belsche,
wlstenfront auszuharreil.

Ms Soldateu erzogen in der Pslicht des Gshor-
sams, glauken wir doch unscr Eowissen höher stel-
len zu müssen, 'ckls öen Gchorsam erzwingendrn
Vefchlen gegenübor, -d-as G.'wissen, das uirs er-
MLhnt, die Erenzen -unseres Vaterlandes zu
fchützon vor deiii unsagbaren Qualen. die der
Du-rchbruch üolschewistischer Honden sür unstr Nolk
bringen würde, das Eewissen, das uns ruft zur
Miiiarbeit an ber Bofreiung der Meiischhoit von
den unseligon Jolgen des russijchen Vo'schewismuv.

Jn unseren Ohuen hören wir die Schrele verge-
waltigter .FraueD, hingeschlachteter Kinder, vor
uuscren Augen stchen die Bilder bestialifch verstüm-
molter Leichen! Wir haben es nie fassen können,
datz angcsichts solcher Er^uel nicht durch die gauzo
Wclt eine Flanvme dcr Empörung schlug. da» nicht
die Verkiindiger der Religionon und die Lehver
mci'jschlicher Missenschaften zu he ligc-m Zvsammen-
schlutz aufriefen geigen das Entfehljch!:. das von
hior auch dio Bölker dor Welt bodroht.

Irret Euch nicht, deutsck>c Drüder. wiegt Erch
nicht in Sicherbeit, d!e ihr alle e.ine Kultur zu ver.
te'digen haibt, datz die Hemmungslcksigkeit des Bol-
schewismus n'-cht auch Euch zerfresseu könnto? Latzk
Euch nicht blenden, weil die milde Katze. die kn-
Euren eigenen Eiienzon aufacwachstn 'st — ein
Kind des Tiers, das bier in Rutzland wület — zur-
zeit die Augen geschlossen.bat. ?-ie ist nicht toi,
sie fchläft ni.cht! Sie schmiedst im Ceheiii'on fulcht-
barc Pläue und licgt auf der Lauer! Verwechsclt
nicht diesen Ausbund me<chlicher Jrrlehren mit
der Wa-hrhrit einer sozialen Weltan chauungl Wlr,
dio wir aus der Taufe der deutscheu Nevolut o.l
hcvoorgegangen sind, nachdem wir den furchtbaren
Weltkrieg mitgeinacht haben, wir kcnnen dieMahr-
hcit und wirklichs Kraft, d':e diese Meltanschauung
in sich trägt. Nicht gegen sie richten sich uusere
Waffen, nein! um sie zu orkämpsen und zu retten,
wollen wir hier aushalten für Euch!

Wir können os nicht glauben, datz es einen
Staatsmann goben follte. dsr es vor seinom Ee-
wissen und dem 'Eowissen seines Volkes zu verant«
worten wagte, don Horden und Näubelbanden, d-e
uuter dem Mantel dre.ser hohen Weltan^chauuns

Mord und Verbrechen organisiert haben. Raüm zu
gcben.

Wjas übelwollende Menschen als unsere Eedan--
kon in die Welt streuen, weisen wir weit von uns.
Elaubt rhuen nicht, sie sind im Solde -von Svarta-
'ku^, gekaust von den bolschowistischen Treibern, ste
ivollon uns vor den Augen dev Welt mit Schmutr
Lewejrfen, um uns zu beseitigen und selbst freie
Haird zu bekomineu.

Wenn wir hier drautzen vevhavren wollen, dann
tun wir es nicht aus imperialistischen odor reaktio-
näuen Eriinden: Eine unabweisbare Pslicht dem
Daterlande und eine orhabene Aufgabe derMensty>-
heit gegenüber wollen wi'r ersüllcn! Wir zittern
für unsere Schwestern und Briider, wir fürchten fiir
dic Kultur der ganzen W'elt! Uebex den Hatz, den
der Wioltkriea zwischen den Mlkern ontfuselt bat,
stellon wir also die grotze eini'gends Idee. für dte
wir kämvfen und storben wollen, den gemeinsamen
Kampf sür die wabre foziale M.cktonschauung, dsn
Kainvf zur Ve.te.digung diefer höchsteii« Neligion
gegenübcr dem tödlichon Gift Äes ontarteten Bol-
schewismus!

Wenn es das Vatcrland über sich bringen sollte,
li»s zu v.rlassen. wenn es die Dtaatsmünner ai:-
derer Nationen verantworten soltten, uns vreissu-
geüen, dann gut! Dann siird wir oben die letzten,
die aus dem grotzen Krieg. dcx dio Melt und rhre
Moral zerrüttet hat. ichr Pflicht- und Ehrgefühl dcr
Mcyischheit gegenüber geretttt haben! Violleichi
grüt es noch e'.iien Gott auf der Welt. der uns üei-
stehi! Siewert. Kapitän z. S.,

im Nameii:

Schütz.i'rcg-meiit Baltsiilaud.

Freikorps Stever,

Grurwe von Plebwe.

Freickorvs ron Brandis,

Bad. Sturmbatl. Kurlaird,

Erupve von Jena,

Freikorps v. Wildcin-.,nn,

. Freikorps v. Noickhmann,

Freikorpz v. Ne-deu.

Freikorps Bieck'hosf.

Kammgeschw^der Sachseirberg.
Fliegcvabteilung 421.

Fliegerabteilung t2>!,

sowie im Namen der Panzerzüae uud Panzevwagen,
Nachrichten- und Ve. kelnstrippen. Kolonnen und
Lazaretie. Auch die E'iserne Division stettt sich auf
obigen,Standvunkt.

Vadische Poiitik

Deutzche liberale Volkspartei

Atannheim

Im rwlitischen Semiuar gclan.qte am 8. Ottober
dav Thc ma: Deutschlnnds staatlichs Gliederung zur
Besprechung. Der Aortraqei de. Rechtsanwalt Dr.
Hans N e u m n n ii. zog einen Ver.qleich zwischen
den bcidrn grotzen Fricdcnsschlüsscn, dem Westsäli-
schcn von 1K48 und dem von Versaillrs. die beide
gewaltlge Kriege beendiät haben. derm entsetzliche
Wirknng.n unser deutsches Vatrrland jew.'ils auf
Iahrzehnt-e hinuus in F.sscln schlugen. Schon im
drejtzigiährigen Kriege war Fcanlreichs Bestreben
uuverkennbar. das westliche linksrheinische Deutsch-
land wirtschaftlich uud womögltch politisch qanz an
sich zu zvhen — jekt ist es in diejem Bestreben
so.vemlich zum Ziele gelangt. Wie 1648. so wird
uuch heute unter den felndlichrn Ctaaten die
Kriegsbeute verteilt und Drutschland steht wehr-
und machtlos ciner beutegieriaen und rachsüchtigen
Mcichtc,,ruppe gegenüb.'r. Beide Male eln Macht-
frieden. der diesmal durck die Phrase des Völker-
bund'S als Rcchtssrieden bejchönigt uierden soll.
Aber in st a a t s r e ch t l i ch e r Beziekstina besteht

zwischen den beiden Friedensschlnsfen ein grundsätz-
licher Unterschied: aus dem dreitzigjährigen Kriege
ging Deutschla,nd als ein lose gefügter Staaten-
bund hervor. dcssen einzelne Reichsstände den
Neichstag durch ihre Gcsandten beschiüten. völker-
recht sclbständige Stellung einnahmen. Bündnisse
unter sich und mit dem Ausland schlietzen konnten,
nur nicht gegen das Reich selbst. Das Neich aber,
„das heilige rönnsche Reich deutscher Nation" ent-
behrte jede Staatsrechtspersönlichkeit. und war so
in der Tat zur Ohnmacht verdammt. Umsomehr
konnten sich die einzelnen Reichsstände zu bedeu-
tendeu Staaten entwiickeln. und wenige Iahrzehnte
nach Beendiguna des dreitzigjährigen Krieges er-
starkte das Territorium des Kursürsten von Bran-
denburg nach Vertreibuna der Schweden vom deut-
schen Boden zum Königtum und bald darnach zur
europäischen Erotzmacht.

Der Fricde von Bersailles findet dagegen troh
dLr Revolution das Reich als staatlich festgesügtes
Eebilde. bcstehend aus seinen Einzelstaaten. mit de-
nen zusammen es sich als Bundesstaat behaup-
tet. Dieses Reich hat sich in-der Zeit zwischen
dem Masjcnstillstand und dem Friedensschlusse
durch dis Natlonalversammlung eine Verfassung
gegeben. dle im Unterschied von der biskerigen
Reichsversusjung eine oiel stärkre Zusammenfas-
sung und Zentralisierung attsr Kräfte bezweckt,
wenn man etwa ckur an die EesetzgeLung im Ver-
kehrswesen. Finanz- und Steuerwesen. Versiche-
rungswesen usw. bentt. Andererseits sielst sie aber
auch ein Eigenleben der Gliedstaaten oder der Län-
der. wie sie diese benennt. vor und schafft Möglich-
tciten. datz sie jich zu grötzeren wirtschaftlich kräf-
tig.'n Verbänden zusammenschlietzen. wodurch die
keilmeise nur aus kleiner Dynasten-Geschichte her-
ausgewachsene Kleinstaaterei von der Bildsläche
verschminden könnte. Alle Ex- und Enklaven. die
nur oerkehrshindcrnd wirken. mützten beseitigt
werden. und es lietzen sich nach ih'rer Nationalität
einheitliche. der Eemeinsamkeit ihrer kulturellen
und wirtschastlichen Intereessen dienends. nach
wohlerwogc-nen geographischen Gesichtspunkten ge-
geneinander abgeqrenzte Staatsgebiete schaffen. de-
ren Exjstcnz dcm Neiche segensreich werden könnte.
wenn sie nlle die in ibnen schluminernden Kräfte
zum Bestcn der Eesamtheit. zum Wohle des Neichs
entfalteten. Der Bundesstaat ist einstweilen noch
sür deutsche Verhültnisse das organisch Gegehene,
der Einhsirsstaat wird sich dann aus dem inneren
Bestreben stürlster Zusammenfassung und Verein-
heitlichung heraus entwickcln. doch ist eine Ve-
ichleunigung dieser Entwicklung nach Ansicht des
Vortragenden zuuächst nicht anzustreben. Der Ent-
saltung allznkühi'.er Eedanken in dieser Hinsicht
beugt ia ciuch die Entente durch die uns im Frie-
densvertrag angelegten Ziigel vor.

In der Aussprache gelangte namentlich die viel
umstrittene Fragc der ..Zersplitterung Preutzens"
zur Erörtcrung. die z. T. auch von prentzischen Be-
amten als unverm.idlich bezeichnct worden ist. fer-
ner w:es der Vortraaende auf den von berufener
Seite veriretenen und.erustlich erwogenen Plan der
^chaffung eincs Neichskulturamts hin. als deu
wichtigsten Träger der Neichseinheitsidee.

Zum Schlusse niachte Herr Geh. Ral L. M athy
wertoolle M:tteilungen übcr d>e Beratungen der
Landespartoi in Karlsrnhe und nahm Stellung zu
den Programinpunkten der Deutschen Volkspartei.
In dcr I u g e n d g r u p pe der Partei fand am 11.
Oktober eine Hindeuburgfeler statt, bei der
Hauptinauii Matbn - Heid-elberg eine mit
v'elem Beifall aufgenommeile Ansprache h'elt, in
der er ein Lebensbild Hindenburgs entwarf.

Im Politisch.m Scminar wird beute nachmittag
liailb 0 Uhr in der Eeschäftsstelle C 3. 21—22
sianptlehrer K r i eck, Dozent der Handelshoch'chule
Mannheim, einen Vortrag über das Thema
. D i e Schnlreform" halten. Gäste sind herz-
lich willkommeii.

Grotzherzoglichen Famillie su gSdenfSr^
die dmch Jahvhunderte vfl'ichttreu dem boidische»
Vt.lke gegenübergestanlden habe. Er verlas dunq
cin.Schreiben des Ersbischofs Dr. Nörbae^ dÄl
seinen Sogen durch Eeneralvikar Dr. Fritz übev,
miltelni lietz. Dr. Fritz sprach sodann über ,Me»i
gnl'gungssucht und Eiaennllhigkeit". Redakteut
Iaost-München-Matdbach. M. d. N.. verbveitLtL
fich über das Thema „Lhrrstentmn und KavitaliF«
mus." An den Pabst und Erzbischof Dr. Nörbe^
wurde ein Huldigungstelegramm abgefandt. Jll
oinor sur gleichen Zeit abgehaltenen zweiten Ver„
fammlung veferierte Dr. B a u e r - Konstanz übeq
EHistentum und Demokratie. «

Am Nachmittag fandeu vier weitere Verfamur-
lungen statt. Abg. Dr. Sch o fev svrach über „Chr'l-
stcntum und Schule". Äm Abend faud in der
Festhalle eine Schlutzst'ier statt, bei der.auch ver-
schiedene Anfpvachen gehalten wurden. Im gansttt
hcrj>en sich über 10 000 Personen an der Tagung
beteiligt.

Aus Baden

Wintereintritt im Schwarzwald
Früher als in den Vorjahren ist der Winter
im hohen SHwarzwald mit Macht eingezpgen.
Seit Donnerstag ist ein jäher Wetterwechfel

zu verze'ichnen. Ein rauher, scharfer Nordw^stwind
begann üver die V

gann uder die Berge zu blasen. Nebel und dicke
Schnaewolken eiichertreibend. Am Freitas und
Samstag setzte alsdann Schneegestöber und Frost
wie mitten im Winter ein. Feldbera, Belchen
Herzcjaenhorn und Schauinsland meldeten fchon
nach wenigön Stunden Schneofall, eine faft 10 Zenr
timeter starke, pulvrige Neujchneedecke bei 8 bis 4
Erad unter Null, aber auch in mittleren Berg-
lagen ging der Negen rafch in Schnee über, der

schilietzlich bis auf 700 MMr Seeböhe l-:rabfiel,

...... ^ . . - - -

während in den Tälern un-d in der Ebene Hagel
und Eraupelfchlag niederging. Selbst am Sonn-
taxij hielt die winterliche Witterung an, sodatz
heute der glanz- Schwar.zwa'.d bis meit herab siÄ
lin Schneegswand präsentiert. Von Todtnaubrrg
werden 10, von der jKuppe des Belchens und Feld-
bergs ctma 20. vom Thurner 10. oon dtt Hornis-

grinde, vom Kniebis und vön der Badener Hübr

eldet;

10 Zeutimeter tröckener Neufchnse gsnwlde
auch tagsüber steht die Temperatur unter dem Ee-
fri-erpunkt und, nachdem jetzt be>i steigrndem Baro-
meter der Himmel aufbeitert, dürften auch in dek
Ebeue die ersten Nachtfrösto eintreten, während
man iin Eebirge mit scharfer Kälte weiterhin ziv.
rechnen hat.

Franzöiierunq unserer Heilstätten?

Aus Baden-Baden. Homburg und
Wiesbaden werden umfangreiche Grundstücks-
ankäufe durch dic Franzosen qemeldet. was die Ge-
fahr näher rücken lätzt. datz diese Heilstättttr mebr
uud mchr in^französische Hand übergeht.

In Karlsruhe fand am 12. Oktober unter starker
Beteiligung der erste Katholikentag statt. Nach
Fsstgottesdieusten wuuden morgens 9 Uhr idie B:-
'ratungen begonneu. Iustizm'invfter Trunk :-»
wähnte. datz es Pflicht der Dankbarkeit sei, der

(.) Ebcrbach, 14. Okt. Am nächste,, Soii-ntag, 19.
Oktaber, wird in Eberbach ein Volksbil"
duugstag stattfindeu, bei dem über ben heu-
ligen Staud der Mllsbilbungsbewegung gespi'».
chen wevden wird. Eine Reihe vou auf dem Ge>-
bicte dcr Volksbildung heroorragenden Persönlich-
ieiten hat 'chre Beteiligung bereits angemeldet.
Der badijche Minister süv Kultus und Unterricht
w'rd der Vernirstaltung beiwshnen. D'ie Verau-
staltung wird l'in 2 Uhr uachmittags öeginnen, sb-
datz sie auch bequem von Heid.lberg aus bofuchr
weröen kann. Am Abend findet eiue Mustevver-
-anstaltung i„ Fovm einrs Volksunterhal-
tungsabends statt. Der Volksb'ldunosta-^
wird gemeir-.sam veranstaltei von dem Verein füc
Mlksbildung, den Arbeitttvereinen und der Stadt-
gsmeinde ELevbach ui'd dem Nbein-Mainischön
Vrrband jür Volksbrkduug (S'i-tz Frankfurt a.


Das ist die wahre Natur des Heims: es ist ^
A ein Ort des Friedcns; die Zuflucht uicht nur

js vor aller Verletzung, sondcrn Vvr allem Schreckeu, ch
v allem Zweifel, aller Spaltuug. V

R u s k i n


Zonnenfmsternis

Roman vou Else Stieler-Marihall
^opyrigbt d^ OretlileinSlEo. O.m.b.ki. üeiprie l916
(13. Fortsetzung)

Sie weinte leise vor sjch hin und Klinghart
siand ein wenig ratlos diesem Ausbruch gegenüber.
Doch das Müdchen 'gewcrnn rajch seine Be-
herrschung zurück Die Stirn sest an das Fenster
vedrückt, datz er nichts von ihreni Eesicht sehen
lonnte, saüt7 ste mit eiuom halben Lachsn:

...Da habt Ihrs Herr. was der' Wein aus ei-
uem dummi.'N Maidel macht! Der Bub vrrschlüft
den Rausch, ich mutz ihn auei'chwatzen. Eebt uns
bei'eib keinen Wein wieder, Herr. Uud nehmt es
nit sür ungut, datz ich mich hier so vertan hcvbe, als
ob Ihr inein Fceund odtt Bruder wäret. Es ist
so etwas Warmes und Liebes um Euch her, das

die Herzen löset. Obgleick Ihr so hock und fremd
-drum, liebcr Herr

seid Seid mir nit grain

Ohne auf Antwort zu warten stiog sie schnell
hiuab, uni Peter zu wecken. Und daun schieden die
Eäs!,.'. Klinghart gelpitete sie bis über die'Schwelle
Da sie ginaeil, verjch.uckle der Nebel neidisch ihr
liebes Bikd.

Schade! Im So'ineilschsin hätte Klinghart ihren
Weg bis zum Hof hinab verfolgjen kcnnen. Er
hätte es gern getan. Denn seine Gedanken wan-
berten doch cin gut Stück mit ihuen. Das wunder-
lich.' kl-'iue Mädchen nahm sie mit.

Und iiuiuer noch verbirgt die schöue Birrglpelt
jich in graubraunen bemeglichen Schleiern. Es ist,
o!s hahe sie Trauer angelegt und sei vsrsunben in
Schwermut und Menschenfeindschaft.

In diosem feuchten Geniesel liegt eine Stille,
oie zu hörcn ist. sie ist allzu gewaltig, erdrückjend
schier.

Aber den einsarii'.'N Mann. den Weltflüchtling
auf der Gipfelhöhe, den erdrückt sie nicht. Er liebi
sic und ec ist dem graueu Wandever Ncbel dank-
bar.

Die Augen haben nichts zu st'hen, die Ohren
nichts zu höreu. Und alle Kräfte wcrdrn frei für
die Eodailken, für ernste strenge Schaffensarboit.

Klinghart schreibt. Es wäcbst sein Akttk, die
Erundmauern werden gelegt in diesen stillen Ta-
gcn der iilnerlichsteu Einkehr. Uud schon hebt sich
das feste Eofüge. D!e Wol.ken sind es. denen er
diöse ersteu Kapitel wr-iht... sie wallxn und ziehen
steigen und sinken 'M ewig.n Wechsel... in wun-
derschöneu Worten m-ait der Gelehrte ihre verschie-
denen Gebilde, d>e kleine feine silberne Federwo-.ke
feg.ckt im Abendschrin -ejlig über dem Elutmoer de§
Sonnenuntergangs... masiig, ln drohender
Schwärze türmt die Kumuluswoi'kr erhabene Ee-
birge mit schroffen Zacken und breiten runden
Buckeln, ihre Nänder leuchten im Fl«mmirnaol!d
der Soilne. die fie verbirst.

Sslbst die nüchterneu Zifiern der Höheuerfor-
schung uiid EeschwlndiateitsberechilunL versiecken
ihve Tvockenheit in eiuem EiöLLUds der Stilschön-
hciit und die Dichtkuirst leiht osr Wissenschaft, nickt
ihre Sckleier, die diese verschmähen mutz, doch ih-
ren Spiegel, djer alle D'inge lieblichor wbsdttgibt.

Ueiber dem Schaffen wacht in dem verwaisten
Herzen des Mannes wied^r etpas von der hellon
FreudiSkeit auf, die es in früheren >schöne>v Zeiten
so ganz -erfüllt hat und die mit Hanna. -in das
Erab aefunk-en ist.

Ist nicht auch Hanna aeistig aufersbanden?
Spürt er nicht ihve Nähe hundertfach? Schaut sie>

nicht über seine Schulter. wenn cr schreibt... fühlt

§chlüf«

er nicht ihren leisen Atom, djer rbm die
kosend strcrft?

Und wrnn er von der Arbeit sich erhebt um ei-
nige befreiends Schritte zu tun, und wenn er die
Arme breitet und seine Eestakt streckt um die
Bürde, dreiArboit die auf seinenSchultern hastet, für
einen Augenblick der Erholung ab.zufchü!tteln, dann
ruft er wie einst aus .froher Soele: ..Hanna...
Hailna... Liebste, es wirdl Ich bin auk dem
Wege!"...

UnL er sieht ihre guten lioben Sönneidüugen
froudig und in Beaeisterung glänzen und hört ste
sagen, wte so oft: „ja ... du !..."

Dann sttirzt er sich mit srfrischendeL Bswe-LtzNg

in das Nebelmeer drautzen und rudert kräftig und

schnell über sejNE Plan, jetzt hat er sich gewöhnt
edM zum Hause.

und findet idiedM zum Hause. Es isi ihm schan
so lieb, dieses grauc feftaefügte plumpe Haus.
AlMds sind Feierst'inden. Amati singt... im

Kesiel summt das Tsewasier die Begleitung dazu.
Oder es ist ein grotzes Feü

..eievabendschweiaen. Und
Klinghart denkt über die Gsbirsler nach. die ihm
bekannt geavorden.

Auch über die kleiue Eoa und ihre innere Not.

Er hat die Eeschichte vom Mordhoife niederge-
fchrieben, mit den gleichen schmucklos schlichten
Worten, wie Eva sie ihm erzählt.

Ihven Aufschrei hat er dabei im Sinn gietragen:
wütztet Ihr. wir mir das ganze Herz in cinem
grotzen Hasie brennt...

Qual rvar in dissem Schrei laut goworden.

Als uun Klinahart über dem Auffchreiben der
o.lten Mordhoffage gewsfen ist, hat ihnr dieser Hatz
dcrraus eiltelegengefunk'Uk mit schliinmen kätten
Augen, der Hatz der Ahnmutter, Der Hatz des Flu-
ches. II'st es nicht eiu böses Erbteil, das der Eva
zufallen mutz?...

Durch dieseu virrten Neüeltag kam der Maul-
tievführer tropfnatz herangestiegen, der beraver-
träut den verhangenen Weg nicht scheute. Er
brachte Briefe, brachte Zeitungen. wutzte Neuia-
keiten nus dem Dorfs... trug die Kunde der Welt

in diese Weltflucht.

chart nahm sie auf mit denr Vehagen -ei-

Klingbart

neg Menschen, der >am warn'en Ofen lm Lampen-


ein sitzt uud das Heulen des Sturmes und Pras-
oln des gepfrttschten Negens vor seinen verhängten
Fenstern toben yärt.

Ünd als er, während der Leotpold nach aenosse-

- gei

ner Erfrischuns sich einer kurzen Mittagsruhe hiil:
Zeitungen durchblätterte, mutzte er lächeln

gab, die

übier das Iaaen und Hastan und kribbelnde Tvei-

ben im Ameisenhaufen dort unten.

itscht und hetzt.

Wi-e sie sich peitscht und betzt. die Mensch!he!it, lin
grotzen Wettrennen um Gold, Eenutz und Ruhm.

Wie unbeschreiblich grotz ist dte, Enade, aus dlo-
ser schiebenden drängenden Menge gelöst zu sein,
als Einzekwesen sich ausleben zu Lii'rfen, fveip Luft

zu atmen, die nicht andere Lunaen schon gefülltl
--- ' ' lichle '

Ob lnl Nsbelgeriesel odtt im
glalNL Freiheit lebt auf den Bergen.
lovaen werden Wind

ichlen Höhen-
rind Mbel sich eiu«

Schlacht liefern, es wird aewitz gewaltig werden.
Ab/tt der Bergwind mutz Siegtt bl-eibeii. vlelleicht
noch vor der Nacht.

Und dann werden Eipfel, Mälder und Wlejen-
thäler im Sonneulicht baden und über ihnen wird
dev Aether blauen.

Scherzend gibt Klinghart dem Leopold Aust
tvag au den Mordhofbnuern mit: >am Montag solk
er lseine Hofmicse mähen. Auch kann er dann auf
pine gauz-: Reihe reMnlofer Tase mit ziemlichtt
Sicherheit rechnen.

Der Vursche sieht ihu voll Bowunderung an.
Die Nachricht von dem günstigen Heuwetter i,n
Anfnug der Woche, das genau gehalten, was diestr
Mann versprochen bat, hät längst den Weg in den
Erund hinab gefunoen.

...Herr, *>i-it nur beim Mordhof, Hof für Haf aUf
meinem Meg werde ich anfagen, rvas Ihr verhie-
tzen habt. Herr, aber am Juli. drej Ubr nach
uvittaa, da latzt es ein bisiel regnen einmal Nur
ein paar rTopfen. ia nit mehr. Dann habien wir
Hochzeit, ich und die Trud. Wenns in Lie Braut-
troue regnet, -der Hrmmsl die Ebe st'gnet!"

KliuÄhart lachte über den Schcrz des Leoppld.
„Eanz eiufach ist die Bestellung nicht. Er ich witt
mirs uotieven."

„Ich witt euch noch gemahnen". versprach der
Mann.

Das wilde Heer ritt über den Hocksichorn. Iauch,
ze-nd und heuDnd kam es -angostürint, wavf sich tL-
bend gegen den steinernen Einsiedlerturm. rüttelbr
-an Tik und Fenst-er, versuchte seine Krast Laran,
die Mauern einzudrücken.

Da das nicht genug, fuhr es pfeifpnd und joh-
lcnd in den Siobel hinein, so iäb und sewaltis. datz
er ttischauiernd zerritz und wie eine himinlisch«
Uebervafchlmg em Stück ruhevoll leuchtendes Blau
von Lrobien in den wilden Kampf herabschaute.

Aber die Nebel fammetten sich wieder und stalv-
den wie eine> Mausr oieaen deu Sturm

Er gcvb schsinbar nach. bcsänftigte sich um plot^
lick aufs neue mit tosendsm Eebrllll sich E den
Fernd zn stürzen. in einem so furchtbaren Unvvall
daitz der Bvdrängte weichen mutzte und enlen Uus-

blick auf sbettg arllne Wcklder und ein stllles Dcvk
Eortseßuna fsM '
 
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