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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0299
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MH-BKMPU-

z ^ V r-.

SZ

Q i-

r. ^

die Eesundheit des Opferlamms aetrunlen. Schon während der erstcn
halben Marschstunde mutzten sie sich mchrmals mit aebranntem Waiier
stärteü. aber die Üebernächt'glcit l> elt sie nicht davon ab. lhren Plan
zähe zu vcrfolgen. Jm scharfen Tempo gina es dcc Schlucht b-nao.
dcn schmalen Pfad hinauf, an der Mine vorbei und in endlo>es weroll
hinein, das Wetter und Wasser in die Felsenwand ^waichen hatte.
Es war mühsames Kl-ettern. steil aufwärts. Billy und Mack schnaui-

..Wirds Ihncn nicht zu mühsam, Herr'?" fraate Villy.

,.O ncin!" lächLlte der Fremde.

Er tru» seinen Ruclsack. hatte den schwarzen Kchten unter dem
Arm, und war bcpackl mit allerler Kochtövfen und ^ackelchen aus
Alummium, die auf dem Rucksack aufaeschnallt waren. 2n semen leich-
ten Stiefeln schritt er so flstt vorwärts. als wüniche er nch n-cht»
Besseres, a'uf spchikem Eeroll möalichst steil aufwärts spcUieren ->u
gehen. Von Zeit ?>u Zeit machte er seine Führer Mf die Schonheiten
der Umgebung aufmertsam — —

„Vsrdammt noch mal!" stöhnte Villy

„Er is noch verrückter. als wir dachten," murmelte Riaä. dem
der Schweiß in Strömen übers Eesicht lief. „Wollen Sie nich n bis-
chni ausruhen?" fragte er laut.

^ uein!" . -

^ur. wir werden dirs schon besorgen!" brummte Billy ingrimmia
und zog refigniert die Hosen hoch. „Das koftet zehn Dollars mehr!"

Und dte beidan Epihbuben besorgt>en es dem Fremden auf das
Eründlichste, wie sie glaubten. Sie führten ihn in die Kreu.i uno die
Quere, steil in die Höbe. über die n^ederträchtigstsn Stellen losen.
spitzen, futzmarternden Eerölls. und sie waren sehr schweigsam dabei.
weil sie alle Kräfte auf intensioes Schwitzen verwenden mutzten. und
ihre Seelen fühlten sich unglücklich trotz häufigen Trostes durch ge-
brantes Wasier. Der Fremde aber kletterte rüstig und sprach über d-e
Echönheit der Felsen —

„Ervßer Eott!" stohnte Villy.

. „Son Hanswurst!' jammerte Mack.

Mit einem Male bldsb der Fremde stehen. Ein gewalnger
Felsenzacken ragte empor .zur Li'nken. eine rötlich schimmernde Wand
rms Porphyr mit tiefen Einschnitten und Bändern und grotesken Lor-
sprüngen. Das blanke Gesiein glitzerte-und leuchtete im Sonnenschein.

«Eine wunderschöne Wand!" sagL» Fremde.

„Cü8!"-brumm1v Btlly.

„Fein?" wimmerte Mack.

Der Fremde betrachtete seine Führer mit einem vergnügten
Schmunneln. Sie schw'tzten. wie die biblischen Männer im Feuer-
ofen geschwitzt haben mutzten; ihre Knie schlotterten, ihre Eefichter
waren knallrot vor Anstrengimg. ihre Hände zitterten. als sie stöynend
nach ihren Flaschen griffen.

„Es ist so famos einsam hier!" bemerkte er.

„Er is nich verrückt — nee. er is wahnsinnig . . ." murmelte

Bllly.

„Unheimlich ernsaml"

„Verdammt ernsam!" sagte Mack mürrisch.

„Habt ihr etnen Revolver mitgcnommen?"

„Nee —" schrie Billy ärgerlich. — ,Lu was denn? HKr oben
gibts nich mal ne Katze — gar nix — radikal nix — und da soll
mein^ Mutter Sohn n Schietzeisen mit rumschleppen?"

„s wär n Blödsinn!" knurrte Mack.

„Das vereinfacht die Sache wesenEch!" erklärte der Fremde
seele -ruhig. Jn seiner vechten Hand glitzerte blaustählern ein Brow-
ntng — „Hände in die Höhe. Jungens!"

„Ietzt will ich aber verdammt sein!" brllllte Villy.

„O du meine selige Tante!" winselte Mack.

„Was wollen Sie denn von uns?"

„Eeld haben wir doch keines!"

,Zhr sollt nur ein bischen klettern!" lächelt'.'. der Fremde.
„Wenn es euch recht ist —" er spielte mit dcm Vrowning — ..begin-
nen wir. Jawohl, ich weitz: ihr seid arme unschuldige Iungens und
ihr wolltet mich nur gegen billiges Entgelt e'N wenig spa.iieren süh-
ren und ich bin roh und gemein. während il>r die Klügeren seid und
deswegen naturgemütz nachgeben mützt. Wie dumm doch manchmal
Eprichwörter find, nicht wahr? Also fangen wir an. Vorwärts!"
Billy und Mack standen da. schlotternd in Heidenangst.

„Nein nicht so! Auf Händen und Fützen -r auf allen Vieren
mützt ihr kriechen. das mgcht,-sich nämlich besser. So ists gut. Ietzt
ltnks—"

„Es isi furchtba.- wahnsinnig!" jammerte Villy.

„Am Eottes willen. was is in dem Kasten?" schrie Mack. „Hei-
liger Murphy — was hat er an dem verfluchten Ding zu drehen??"

,.In dem Kasten steckt der Teufel!" erklärte der Fremde gelasien
und drehte vorsichtig und gleichmätzig an der Kurbel. „Er wird euch
gleich holen. wenn ihr nicht pariert. So — weiter links — so —
irtzt aüf das Vand da und in die Wand hinein-"

„Da fall ich mich v>elleicht tot. brüll^e Billy.

..Das inacht nichts. Tust du es nämlsch nichi. sa «chictze ich dich
iot. So — mit tzem rechten Arm nach eincm Halt preisen.
die «vützc langsam nachziehen. jetzt auf dem Bauch rutschen. jetzt einen'
Augenblick liegen bleiben und ein r.-crzweifeltes Eesicht macheii —
noäi ver7m->i?-i^i-. bitte. — so — aufpassen. Kinder. die Stelle hier

ist wirkl ch gefährlich — so . . . so — rechts hinauf. den Zacken dort
paaen. hinaufniehen. Knie an die Wand, langsam. langsam — und
>etzt wreder links — liegpnbleiben — mit den Händen am Felsen
kratzen. nee. ordentlich kratzen. tüchtig kratzen — und jetzt die Hände
vors svesicht schlagen — so und links auf dsn Lorspcung h'uiaus . . .

„Zch kann nich mehr — ich bin beinah död!" brüllte Mack

„Das ist eben das Schöne!" behauptcte der Fremde. „Weiter'.
Wir springen nunmehr auf die breitr Platte hinüber — (wenn wir
aufpassen. brechen wir uns die Hälse vielleicht doch nlcht) — hMb —
und sinken lraftlos zusammen — so — ausgezeichnet! Wir >ind sehr
schwach und erheben uns mühfam — mühsamer. bitte starren um
uns — taumeln auf dic Felfenplatte dort zu . . ."

„Ogottogottogott-" wimmerte Billy.

, — up.v, brechen in di.e Knie. Nun greifen wir in den klcinen
Ecröllhaufen dort, kratzen, zugreifen. scharren — aber die Steine
sausen in die Tieje — und nun —" ^ .

Und der Fremde kurbelte emsig. und Billy und Mack kletterten
wic Wahnsinnige. eine butere Stunoe lang. bls sie ob-.'n auf der
Platte satzen. die den qewaltigen Felfenzacken abschlotz. Links führte
ein schmales EeröllsM in die Schlucht hinab. rechts führte ein schma-
les (^röllfeld in d.e Tiefe.

„Auf.Wiedersehen. Iungens!" sagte der Fremde sehr u.rgnü»t.

. 2ch gehe rechts! Ich weitz hier Bescherd. Ader ihr geht bitte
vorwärts — links hinunler — denn.sonst lönntet ihr viellcicht auf
die Idee kommen. mir ein Felsenstück oder zwei nachzuschmeitzen. -und
ich bin nicht für Ideen. Vorwärts!"

„Eie sin — Sie sind allright — Sie sind eine Nummer!" fagte
Mack gan^ langsam und ged.hnt. „Tatsache! Sie sind Nummer eins
extra mit nem Stern! Und ich w.ll nich belmupten. datz wirs nicht
verdient hätten. Ader weils schon n Witz ist, so sagen Sie uns wenig-
steiis aus christlicher Liebe — was'Las alles is!?? Mit dem Klerterii?
Miit dem Kasten? Un mit dem Drshen??"

„Hm. Wieviel wolltrt ihr für eure Führung haben?"

„Dre-i Dollars."

„Ich dachte, ^ehn!"

„Nee — gan?i gewitz nich! Zs ein Irrtuin. drei. nur drei!"

„So? Schön, hier sind aber doch zehn — nein. nicht näher
kommen — da. ich wscrf sie rüber. Wart 'chr fchon einmal m einem
Kino?"

„Ia — in Silvercity — ncrtürlich!"

„Na. dann wird es euch interesiirren. datz wir soeben »»ne Kinö-
aufnahme gemacht ltaben. Sijr gehört zu einem Film „Die Eoldsucher
in Todesnot"-"

Die beiden Männer starrten ihn an —

..— und sie ist sehr gut gelungen. Ich hätte auch grrn mehr
bezahlt für die schwierige Ärbe-lt. aber Strase mutz sein. Das steht
schon in der Bibel. Das nächste Mal seid ihr vhsllercht etwas weniger
unverschämt gegen einea harmlosen Fremden —-"

Mack satz da. Mund und Augcn aufgsrissen. Plötzlich brach er
in ein schallendes Eelächter aus.

„Warum lachst du dsnn auch noch. du Hanswurst?" schrie Billy.

,.2ch — ogott — ich lach über — über den harmlosen Fremden!"

Und immer noch lachend >g)g er sich die Hosen hoch. setzte sich
dorthin. wo solides Leder die breiteste Stelle der Hose verstärkte. gab
fich einen Stotz und fuhr sausend ab r;u Tal.

Billy folgte ihm.

„Auf Wiedersehn!" r'ef dsr Fremde fr^undlich nach.

Lesefrucht

Wodurch ist Deutfchland grotz als durch eine bewundernswürdige
Volkskultur. die alle Teile des Reiches gleichmätzig durchdrungen hat?
Sind es aber nicht d'.e einzelnen'Fürstensitze. von denen sie ausgehl
und wslche ihre Träger und Pfleger sind? Eesetzt. wir hätten in
Deutschland seit Iahrhunderten nur die beiden Residenzftädte Wien
und Berlin. oder gar nur eine. da möchte ich doch sehen. wie es um d'e
deutsche Kultur stände. ja. auch um einen überall verbreiteten Wohl-
stand, der mit der Kultur Hand in Hand geht. Deutschland hat über
zwanzig im ganzen Neich verteilte Universitäten und über hundert
ebenso verbreitete öffentliche Bibliotheken. an Kur.stsammlungen und
Sammlungen von Eegenständen aller Naturreiche gleichfalls eine
grotze Zahl: denn jeder Fürst hat dafür gesorgt. dergleichen Schönes
und Eutes in seine Nähe heranzuziehen. (Aus Eckermann. Ee-
spräche mit Eoethe, am 23. Oktober 1828.)

Wer rät's?

7.

Von Vorteil ist's dem. der's besitzt.

Wenn er sie nur zum Euten nützt.

Ein gleiches Zeichen süge ein:

Ein Bildner Nürembergs wird's sein

8.

Ein Vogel ist's. der wohlbekannt.

Sogar im Winter bleibt im Land.

Ein gleiches Zeichen füg' hinzu.

Und einen Dichter findest du.

Lösung des Rätsele Nr. 6: Eremit. Jronie. Erier. Reklam.
Babette Triangel — Eier, Butter, Mehl.

Lösung des Rätsels Nr. /: Engel — Angel.

Richtige Lösungen schickten ein: Gnmnasiast Herbert Marq-
graf. Heidelberg. Nohrbacherstratze 8. Frau Direktor Alwine F..
Heidelberg. Frau Maria B.. Heidelberg, Rottmannstraße 38, F.
S chwarz, Nectargemünd. ____

Verantwortlicher Schriftleiter: Iulius Kraemer in Heidelberg

Letzte Crnte / LuluvonStrautz und Torney

Jch brcichte iir fiebzig Jahren viele Ernten ein,

Dies soll mein letztes Fuder wohl gsswefen sein!

Die Gaule scheuten am Tore, sre jagten mit Ger^alt,

Jch fchrie und riß an der Leine, aber mein Acm ist alt.

Vor ihren polternden Hufen der Staub flog anf wie Rauch,
Die Garben fchleiften die Steine, — mein alrer Rücken auch.
Mutter was hilst das Weinen? Das ist nun, wie es isl,
Siebzig Jahre nnd driibec, kvar doch eine schöne Frist',

Daß sie den Schmied nur holen, ein Eisen fehlt dem Noß,
Und hinterm Hof am Tore, da ist ein Pfosten los,

Und daß sie nicht vergessen: da, wo die Pappeln steh'n,
Jm letzten Schlag am Berge. da sollen sie Roggen sä'n.
Kommt jeder an die Neihe, König, Bauec und Knecht!

Äst's unsers Herrgotts Wille, so ist es mir auch recht.

Was stehst du vor dem Bette und beugst dich drüber dicht?
Meinst du, Mutter, ich sühe die Totenlichter nicht?

Vier Lichter an der Lade, wie sich's zu Recht gehört,

Vier Pferde vor dem Wagen, der Mich vom Hofe fährt,
Der weißen Klageweiber zween vor meiner Truh',

Jm breiten linnenen Laken vom Kopf bis auf die Schuh!
Mutter, kommen die Kühe schon vom Kamp herein?

Die schwarze brüllr am Tore, da muß es Melkzeit sein.

Jch höre die Knechte singen vor der Dielentür, —

Morgcn um Feierabend bin ich nicht mehr hier!

Diel Hände braucht die Ernte. Der Herrgott hat's gewußt.
Gottlob, daß ich nicht scüher habe fortgemußt!

Und wenn ich Feiecabend heute machen soll, —

Gemäht sind die letzten Aehren, und alle Scheunen voll!

Diese Vallade entnehmen wir einer neuen Sannnlung. die die
belannte Balladendichterin Luluvon Strautz und Torney im
Verlag von Eugcn Diederichs in Iena vor kurzem herausgege-
ben hat. Lulu von Strautz und Torney ist eine unserer besten Bal-
ladendichterinnen. Lange hat sie geschwiegen. Der neue Band ihrer
Balladen zeigt ihre Kunst in höchster Reife. deren Vorzug Strenge
gegen sich selbst, Krast. grotze Linien und Dramatik stnd. Sie gilt als
unsere erste niederländischc Dichterin. und ihre literarische Wirkung
erfatzt die Vesten unseres Volkes.

, Der Schwäbische Bund

Die meisten unserer bedeutenden Wochen- und Monatsschriften
sind aus dem aufgezwungenen Kriegsschlaf wieder erwacht. Aber auch
manche ueue Schrift ist erstanden. Man sagt Mar. datz eine Schwalbe
noch keinen Sommer mache. Wenn man abcr von dieser Regel ern-
mal abgeht und aufmerksam die ueue Monatsschrift des Derlags
S-t recker und Sch röder. E. m. b. H. m Stuttgart. .T>er Schwä-
bische Bund" liest. dann behauptet man wohl nicht zuviel. wenn man
sagt. datz hier ein Werk im Werden begriffen ist, das viel verspricht
und in der vorltegenden N-ummer sehr viel gehalten hat.

! Erotze Ziele sind es. die fich die neue Schrift stellt. Wir lesen
darüber im Aufruf:

.Esnem tiesen Dedürfnis vieler geisüg gerichteten Müuner mid

t^raucn in Süddeutschland soll durch die Zeitschrift Genüge getan ^er-
den. Hand in Hand mit dem politischen Neuausbau mutz für das
de-utsche Volk ein neues. Leben im Eeist beginnen. Denn schlimmer
als die Verarmung an äutzerer Macht und an wirtschaftlichen Mög-
lichkeiten ist die seelische Zerrüttung. die Eemütsverrohung unseres
Volkes durch Krieg und Umwälzung: nur der Mangel an mensch-
Ucher und damit auch an nationaler Würde droht das deutsche Schick-
T'tt iiur deutschen Schmach werden zu lasien. S-ciner eigensten Wesens-
kräfte. seines wachren Beruses mutz der Deutsche im Tiefsten sich wie-
der bewutzt werden. um durch das schwere Leid zu reifen und den
Mut zu schöpfen zu neuer. härterer Arbeit.

Wo aber springen die Quellen. wo slietzen die Heilwasier. nach
dcnen uns dürstet. wo liegt die Heimat unseres Eeistes? Ehedem
glaubten wir an eine einheitliche deutsche Reichskultur: die Pflege
individuellen Stammesbesitzes ward als Eigenbrötelsi belächelt. Heute
wissen wjr. datz das ein Jrrtum war: wir ncchmen grotzstadtische De-
triebsanikeit für den Ausdruck eines regen Kulturlebens und hcrtten
oergesien. datz. was blühen und Früchte tragen soll. tief im Mutter-
bodsn wurzeln mutz.

Bie alten deutschen Stämme' sind also geistig wieder auf sich
selber angewiesen. nur aus ihnen heraus kann erne Gesundung ge-
schehen. Auch wir Schwaben müsien uns wieder auf uns selber be-
sinnen. Unser uralter Kulturbesitz. die Fülle schöpferischer Menschen
und Jdeen, die vom schwäbisch-alemannischen Winkel aus seit alters
die dcutsche Ecistesgeschichte besruchtet haben. legen uns überdres
eine schöne Pflicht aüf gegen das ganze deutsche Daterllrnd. Daher
brauchen wir eine Stelle. an der die Eeister sich sammeln, eme Kcm-
zel. von der aus sie wirken können. Und dazu soll „Der Schwäbische
Bund" dienen.

Der Untertitel „Eine Monatsschrist aus Oberdeutschland" mag
schon zeigcn. datz dex Schaffensbereich nicht durch Erenzpfäble abge-
steckt sein soll. Das politisch begrenzte Württemberg ist sa selbst nur
ein rvillkürlich herausgcschnittcner Teil des alten schwäbisch-alemanni-
schen Kulturgebiets und in noch weiterem Kreis ein Stllck von Ober-
dcutschland. Wir wagen es, diesen reichon. uns von Natur und Ge-
schickte gegebcnen Vegrisf wieder heraußiuheben und mit frischem
Inhalt zu füllen. Mit Vaden und mit Bayern. mit Vorarlberg.
dem Tirol. der dcutschen Schweiz und mit dem verloren gegangenen
Elsatz wollen wir einen geistigen Austauschoerkehr pflegen ui^d so
Brücken des Verständnisses auch über die zuletzt immer schärfer sich
abhebenden Zollgrenzen hinüber schlagen. Das Eesühl innerer Zu-
sainmengehörigkLit in allen menschlichen Dingen mutz im alten Brun-
nenland der oberdeutschen Sprache. Kunst. Kultur wieder,erstarten.
damit der geistige Lebensdrang der engeren Landsmannschaften in
Stickluft nicht verkümmere. Es soll also kein geistiger Partitularis-
mus, kein Stammeshochmut gczüchtet. vielmehr sollen Fenster und
Türen im schwäbischen Haus zu freundnachbarlichem Verkebr weit
aufgetan werden."

Diesem hohen Ziele trägt schon der erste Band in weitem Matze
Rechnung. Die Herausgeber Hans Heinrich Ehrler. Hermann
Missenharter und Dx. Georg Schmückle haben sich einen Stab
erster Mitarbeiter gesichert. Der ..Schwcibische Vund" hat nach diesem
glücklichen Stapellauf Anwattschaft darauf. d i e Zettschttft der Süd-
deutschen zu werden, die uns Lisber fehlte. Der Preis von 2 Mark
50 Pfennig für das Einzelheft. bei Dauerbezug 6 Mark im Viertel-
jahr. mutz als sehr mätzig bezeichnet werden.

Eine Kostprobe aus dem 1. Hest mag hier folgen.

* » »

Der Bodensee / Emanuel von Bodman

Werthin weht der Clockenklang
Von den Türmen nieder.

, llnd der Cee hallt sütz und bang

Das Eetäute wider —

Wte wenn die versunkne Zett
) In der blauen Tiefe '

Angerllhtt zu Lust und Lsid

Aus dem Schlafe tt-ese. . l
 
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