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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0348
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ncn Abbruch tun. Das Verhalten der deiua!rati.
jchcu Pcrrtci iu BEn ruar aber vou Ansana an
auf den soilialdemorratischen ALaanetpol eingestellt,
nach dem immer w «eder ihre Politiklradel ausschlult.
Ünd das war ihr Unheil! E2 begann mit dem be-
rühmten Brief des M>a. Haas. der den Sozialde-
nlokraten mehr Minlstersitze ilubilligen wollte. als
ihnen zahlenmäkia Lutam. Es wiurdo sortgcsctzt
durch das widerstandslose E'nraehen auf das Ber-
lanaen dcr Sozialdemolraten, keine Erfte
Kammer mehr einzurichten. Und dann in endloser
Kette bei der Berfassunasberatuna, dem Maifeier-
taa usw^ vor allem auch in Finanz- und Schul-
fraireir. wo s. Zt. Muser bereits anders stiinmte.
Man brancht die ücpobolloliste der Sündenfällc
nicht e'.nzeln aus.vläählen. Für den anbensöelxnden
lritischen Deobachter war es oon vornherein llar.
das; die unseliqe Zwanasvermtschuna der beiden li-
beralhn Partcien zu einer Liihmuna in sich
fiihren musltc. dcren äuhere Kennzxichen troh aller
lrampshaftcn Versuche die völliac Unselb-
ständiakeit in allen politischen Fraaen rrar.
Die ..politischcn Niicksichten und Erwäaunacn". von
dencu d.r Aba. Könia in seinem Abschi-cdsbrief
spricht. waren ebeir .mmer wieder dieselben Fra-
asn: ..Wao tut die Cozüridemolratie? Was haben
w ir zu tun. um nicht den Anschlus; M vterliercn'-"
Den Mut. auch einnml ..Nein" zu saaen imd zu bo-
zeuaen. dak man aiuch eine büraerliche Partei
sei. hat man uicht aufacbracht. obwohl «s sickMlich
innerha.b dcr Fraltton nicht an Anläufeu da.ru ae
fcblt hat. Das Eraebnis war lehbln Endcs lxrs
Eeaentcil von der Demolratie. für d e sich als
ibre hervorstechendsten Vorkämpfer Männer wie
Venedey und Muser eiir Leben lana ein.qeseht hat
ten. Wenn auch sis dcr Partei den Nücken kehren,
so besaat das aenua.

Das nicht alles so war. wie man nach ausien
hin K?rn Wort dabeii wotlte. zeiat fich schon fi'tt
der Ausschaltuna Pewcheps. Er war optima sorma
durch einc Art Patastrepolution im Korfiamzer -de-.
mmrLtischerr Nerem ftefrürzt worden. Von ba al
hat es »n ber DcMülratie immer mehr Ketrtselt. nnd
beute kann Venedcy mtt Telramuird sairen: „So
zieht das Unheil in dies Haus? Das Uicheil lxit
mit ns.incm Fall bcgonnen. nun »rürzet nach. d e
mich dahin aebracht!" Nichts wäre vorfehlter. als
menn nun die politischen Gegner der Demolraten
in lanteir Jubel aAsbrechen und das Endc Ler
Demokratie prophczeien wollten. W>r vou unse-
rem Stalchpunkt Lbtrachten. so sehr wlr natürlich
-ie Eharaktersestinkeit alter Rationalliberaler. wie
Köni« und Göhrini,. begrützeu. bie unleugbare Kri-
s^ in der Demokratie mit skvchlicher Ruhe.
Wir crblicken darin nicht die ^Kataftraphe. rvohl
aber crn« Be ftäti» una unserrr Meinun-aen. l»asi
e.ne aus Zmannssufion entstandene Partei schli-.'si'ich
be» einer Politik der Konfufion landen mufi. Wir
verzeichnen den Austriit der oier Abg«ordn«te,'

als eine Tatsache. freikich als eine.'die mehr
noch so viele Worto nnd Zert-unirLartil-

befogt aks noch so vicle Worto nnd ZertLrniLarti,-
rel. Sre musi als Zeichcn der Zeit boachtet' wer-
deu. um danach unssre Polit.k einznstellen.

Reuters ..Festunastid" fiudet sich fol-
6-snd.r Eah: ..Un denn wuudern sick de Lüd noch
wo nner D e u: 0 kra 1 wardsn kann. As wi insvunnt
^ rute keinan. wrren
Är bisier odcr icner dcr visr Ausae-

schiedeneir Erruukcunaen aus seinec ..demokratischen
versassen, kann er Neuters Worte
vrsllercht so umrormen: ..As wi (durch die Dezein

w?all^A^m-^^^ratie inspunnt wnrdein wrren
wi all. As w, rute kenrrn. wiren wit nich m-b"
Warum. Das besaqt die Pokitik der Demokrn^n
k-Ä n°ch D-nw:

» » » r-.

Dke Trennrrng der Nrookutionsehe
Ans dom Leserkr-ene w,rd uns Geschrirben:
D,e Mandatsniedettesuns durch dic Aibüeord-
Eten Konig. Goehrrng und Muser wirst
ern grelles Lnht auf dre Zustan-de unferes politr-
fchen Lebens und besonders aur den ZusLrnd in der
deutch-demokratychen Partei. Erf.a,rp:ene Politi-
ker f<roü.'n sä-on vor Jahressrist vorai-s. dak die
..Revolutionsehr-, die in übersüirzter Weise Mi-
schen Nationallibera-ten und FortfchrittLern geschlor-
len wurde, nicht von kanger Dauer scin werde. Und
sre scheinen mit ihrer Vorhersac.-e Necht behalten
-u sollen. Dast die srücheren NatwnallrbevlAen —
König und EohrinÄ — aus dem LandLag ausschtU-
den, scheint die Entscheiduirg einzuloiten. Gründe

für eine Schndur.a, bei 'cer die eh-.maliüLN Forl-
sihrittler wohl a'.s der schuldioe Teil vcrurteilt
werden, sind fa genug vorhanden und dio Fi-
nanzpolitik der demokrat!s<l>eh Fraktion
war zrveiselsohns nur d,:r Tropsen ver den vollen
Topf zum Uoberlaufen sebracht hat. Wenn Män-
ner von dem ausgefprocl-nren Pflichtgefülil ein«r
König die Verantwortung für unser ftnanziel-
les Eobahrcn nicht mehr tragen zu können alauben,
ist das iin höchsil'n Grade bedenklich. Und daruin
— und ledisltch aus diescm Erund — erhält der
Rücktritt der droi dcmokratischen Abawrdneten
seine ganz bcsondere politische Bedeutung. Btan
kann aus parteitaktischen ErwäMngen heraus
manches mitmacl?en, was oegen die persönltn)S
Uebcrzeugung geht. Abcr alles bat seine Grenzen.
Und dieso Erenz« sch.'int bei den drei bewichrten
Politi'kern se^zoacn zu sein.

Woliin sollien wir auch nackwerade konunen,
wcnn die Ford«runaen der Arbeiter und AngHtell-
ten in Stailvt. Eenveindo (und Privatbetrieben)
dcrart wcitersehen. Einmal musi cln Halt. gebo-
ten werden. sollen wir niä)t unrettbar in den fi-
nan.;iellcn Ruin hineinserissen werden. Das muh
a-lch einmal den Arb-'itern und Anaest-'llten in al-
ler Nuhe absr anch mit der nötrgen L)fsenl>'it und
Dcut ichkeit gesagt werden. Woher soll denn bie
Deckung für ben Aufwand gcnommen werden. den
dle neuen Fordor'ungon an die Staatskasse ftelb.'N.
Dtese Fcage mükte znnächg't gslöst setir, ehe man
ncue Änsawben bewilligt. Mit denr fortgesehten
saaen und Bewilliaen musi es auch omnnrl
ausbörenl Das wollten dle drct deinotratischcn Ab-
goordneten jedenfalls mit ihrem Nücktritt zu!m
Ausdruck bring'en. Und ihr Nücktritt b:dcutct die
Bankerotterttärung der revvZitiouärcn und nack>-
reoolutinären N-gierungsmethoden xder P<ubüen,
dic dic Macht an sich gerissen lxeden Sie wsrden
die Verantivortunq tragen müsse-n. für das. was
sie l)oute tun. Das Dürgertmn in Stadt und Land
wird von Len Mahrheitspart'-'ien Rechmschaft for-
dern, Dcr Rücktritt der drei Abgeordwctcn sollte
ihncn "in Mene tekel seinl

Zercrus aus dem Baltikum

Die Neichsresierung hat an die Truppen im
BaltDnn, üie sich woig.rir. dem BrMle.zur Rück-
kehr Folge zu leislon, solsende lehte LLahnung g«-
sa-ndt: ,

Die Reichsregierung hat gegen d»o noch im
De5tikum Mrendon Truppon. die fich lMito wei-
aern. das fremdo Land zu räumen. notgxduingen
die sckärfften Masinabkmm aurgesprocheu. Ieder,
dor nicht am kl. SLooenrber die deutsche Erenze
übrrschritten hat. wird a Ä fahn«nfLLi.cht ig
und seiner deutsck^n StaatsanLi-'hörtgkeit für ver-
lujtig erttärt.

Dss bsdeutct, daf; seder. d-'r die RürKehr ver-
weisert, seiner fämtlichen Versorgungsansprüch« in
Deutsch and verlustig geht. Er bekemmt weder
mi-litäri-chc Pe.^iüe irgend welcher Art noch Iirva-
lidcn-. noch Altersrenüs nnd er hat krlne An-
sprlche auf rlnterftützung. wenn er verwunbet oder
krank wird Menn er n"ch Deutchland zuruckkch--
ren will. ailt er mls Landsremb.'r und wird «veoen
Fadnenftruht besrrast. Fm Ausland llt er den Masi-
ne?men der fremden Regierung prelsgegeden.
cchn-e dasi fich oino Roai''rllng seiner annimmt. Auch
se'in-e jctzige cdcr zukünstias Frau und K,nder find
kcine Dentschen mebr oder w-.'rdcn es nicht'. arich
sie verlieren den An^pnrch auf irgend eine Für-
sorge von dentfch'r Ecite.

D'res sibt die Neichsrea>erung denienigen noch
einmal auf das EindrinqlickM.' zu bodenkcn, dre im
Baltilum steben oder ins Va tikum wollen und die
tröben Anssichten nicht achten, die lhr Tun für das
Baterland und für die Welt nach fich zieheu nrusi.
Der A'-lrcnblick ift näher als fi: glauhen. wo fie
dem schw-ren ivrdischen Winter ohne Zusrchr an
Munitiou. o-hns Verbandsznig d?r Wut der erbit-
terten VMer jener Läicher hilf os ausseseht seiu
werden.

Noch eimnal ebe das Schlimmstc kommt: Her-
aus aus dom Battikunr! Zurück in die Hetmat!

Nos'ie hat uachZhhcnde Verordnnng crlaffen:

^edo Unterstühung der im Biltikum beftndli-
cben RraierunVNl und Trnpp^n. nrSbesoudsre durch
Änwetkwna, Ltesersna von -vtaterial. Waiseu und
Lobensmittel sowi« dnrch Pro^ganda ift verboten.
Znwchechandluneen werden mit EesafiLnis biL LU
einem Fatzr bestrast. soweit nach den.bo,Menden
Ec-setzen nicht cine höhere -strase m Bctracht
konmnt.

Die ze cheiterte Osfensive auf
Petersburg

Amsterdam, 1. Nov^ In e>nem Lintlichen Hec-
resbericht erkennt Eenerat Zudcnitsch an. dah
seinc Osfensive gcgen Petcrsburg wegen mangeln-
oor Untersdützung nicht die erwarteten
Folgen gehabt hcvbe. Der Feind habo seinen
Angrifs wied-.'r aufgenommcn. Während der Nacht
seien keine Landungsaibteiknigen nach Kronstadt
gesandt worden, obg.eich die Festuna dic weihe
Flaaae geh'isit l-abe. Jnsolge dieser NachHässig-
keit wehe jetzt wieder dic rote Flaggs und die Ge-
schijtze von Kronsdadt bedrohten seincn linken Flü-
vel. Pulkowa. Zarstoje C,e 0. Papdowst und Do-
sone hätten den Bo.schewfften iiberlassen werden
müssen. Die Gstländer hätten Pleskau gi.'räumt.

Hierzu erklärte der Präfident der nordwcstrus-
sffch/'n Regiernng, Lianonow in . einer
Unterredunü mit dem Korrospondenten der Tim.s,
dio Reg-erung Estlands war durch das verrätrri-
sche Auftrcten Bermondts oezwungen, ei-
nen Teil ihrer Truppen gea.'n Permondt zu ver-
wenden, ivas die Verprovianticrung dcr nordruffi-
schen Truppen crsch-verte. Durch diesen Zeitvcr-
lust w-aven die Boffchervisten imitande. neue Truv-
pen nach vorn zu brinLtnr. Die Eroberung Pe-
tersburgs wurde daLnrch verzögert, man
brauck« aber an dem gknstigen Ausgang
des Kaimvfes nicht zu zweifeln. D,ie Zn-
stäude jn Peteisbura seien hoffnungslos. Die Bo-
volkeoung sei buchstäblich vor Hunger geslorben. Jn
Eatschina habe man Mnvschen gofunden, die in den
letzten Tagl.m vor der Einnahm-e der Stadt von.
Eras aeli.'bt hatten.

Eine Vttllion aus den Kspf Judenitchs

Zürich. 2. Nov. „Daily News" meldet: Trotzkn
hat aus oen Kopf des lAcnerals Indenrtsch
e in « Milli 0 n Rub« l ausgesetzt. ebensv wur-
den von dor Sowjetrcgieruug hohe Gcckdstunmen
sür Ergrcifung «nglischer B.'fehlsh-aber in Ausficht
oest'ellt.

Basel. 2. Nov. Die ..Trmes" melden den Ab°
bruch der Ofsensioe Iudeirikschs nnd die beginnende
Auflösung ron Teilen der Wetsien Armee.
„Mormng Poft" schreibt von einem schweren Fehl-
schlag der Lrfden grosien Operation der Allrier -
t e n gegcn das bol^chan-fft'isck-e Rusiland. „Darly
Matl" dentet dir b«vorst<tzende Rückberu-
fuvg der enslrschen KrtesEfchiffe aus den nffsi--
schn Gowässcrn an.

Eine schamlose Behauptung

Bbn ruverläffiger Sette grngon b'r douffchen Re-
gierung Nachrichteu -n, dasi rnr SaargcbiLt Gerüchte
verbreitct werden, roc-nach die deutsche Regierung
a» die französi che Rogieruus mit dam Anerbieten
l-erantrat, dasSaarseAet jchon jetzt gögen di«
Ueberlassung ernes cntsprechendeaKo-
lr nialbesitzes endgültig an Frankreich
abzutreten.

Wrr find -u der Feststeliung ennächtigt, dasi
scchstVerMttdlich an dieser schamlo'en Behauptung
kein watzres SLort ist. Die de-utscke R.'gi^nng v r-
trant darauf. dasi d-.°r gestin-d« Sinn der Deutschen
im Saa.rg«biet sel-bst die Mdglichkeit eines solchen
Planes nichr in Betrvchr ;i«ht. Doutschland ver-
gisit das Saarbock n nicht und ist über-Lust. datz
das Saargebiet auch in diesen schw-rren Ze-tten sein
Deutschtum hochhalten und die Zu.q«höriZ-
keit zamv Akutterlande betonen wird.

Grauenhafte Iuftände iu
Gefangenenlagern

Eens. 2. Nov. Das intzernational« Rot« Krcuz-
Komitee teilt grauentzaive. Nachrichtetz über die
Zustände in gew ffen Eesangenenlagern in Polen
und Rumänten m t. Im Eefangenenlaopr von
Brest-Litowsk sind fo in der Zeit vom März bis
Nooember 700V Eefangeue. meist Ukrainer.
hauptsächlich an Ruhr. Typbus und unc-enügender
Ernährung geft 0 rben. Aehnliche Zustände tzhrr-
schen in den rumän schcn.Lagern Arad und Czeaked
(Üngarn). Dys intervatton-ale Not« Kreuz-Komi-
toe beschwört die po'nifch« und rumänisch« Regie-
rung. die nöticken Bürsinahme« zu treffen. um d e
Lage dieser Eefaiiaeneu zu verbeffern und ihnen
womöglich die Ftz.'iheit zu geben.

A Du wirst nicht musterhaft durch Jagd nach ai
X andrer Fehlcrn. und nie du berühmt durch K
« fremden NuhmeZ Schinttleru. U

S Nückert

^»»ss»sss-»sss a

Sonnenfinstsrnrs

Noman von Else Stieler-Marshall
Lopj^iLdr OrettzlemLLy: 0.w.b.ttz üeipris 19l6
(27. Fortsetzung)

Und ber alte Lugenscvbriel. machte dk« hellcn
ScheLmenauüen arotz und rund und die Stimms
tief und rmtzeimlich.

Eläubig hörten chn die Nachbarn an und fühl,
kcn einen SchcmLer, wenn fie an das arosie Un-
g.ück dachten, has chnen so mche gewesen war.

„Den Aiann. den wir da droben haben, Leut'",
sprach d-er MMHofer feierlich. „nit genug tann
man ihn achürn und ehren."

„Erad zu die He-rligen tät er gehören. grad n«°
ben den Florian sollt nuin ihn sejsen." bestätigte
der Paukus.

Eegen dei^ Windbruchalten machten fie nicht
viele Worte. aber er konnte wotzl merken, wie
auch er tn ihrer Achtung stieg.

Auf dem Hejmwege srente er fich noch. der
Schelm. seines Streiches.

.^etzt werden's ihn gar wie einen Heiligen
ehren. den droben. Die Eva wird ja das Maul
lmlten, denl' ich. Froh aber war ich doch, dasi der
Einauq mir nit hat dreinreden konncn. der oer-
fluchte Kerl."

Co vergnügt wcn der Alte. dasi er's heiter hia-
nahm, als er zu Hause fand. wie d-?r Huuger des
HciuslermcMiies geräubert hatt«. Dw angeschnit-
tene Speckseite war verschwunden .ein «inziges Ei.
ein klim^'rlleines. lag noch im Korb uno die
Flasche im Spind war beinahe bc«r.

„Nechl hast gehabt. du hungrige Maus". dachte
der Eabr «l. ..hätt's auch nit anders g«nrack;t an
deiner Stelle."

Es h«rbsr«te fich ein. Dichter wurden dr« 3(edel.
mtt denen d.r Abend Sch.uchtcn nnd Täler zu-
deckte. Und späb am Aiorgsn nahm dis Soune
diese graMU Tücher erst hinweg. Ueber Mrttag.
aber lagen Höhen und Tiefen so golden klar unb
scharf umriffea rvle niemals m Sommer.

Dle sleisiigen Maultiere fchafften jetzt täglich
Holz. Kohlen und Petroleum auf den Hochschorn,
aber der Leopold meinte: „Herr. Ihr solltet her--
abziehen. Wenrr Schnoe und Froft kommen. wird's
Euch herb sein hier oben."

Klinghart freuto sich auf den Winter. Er suin-
melte in di« Scheu.ern. Grosie Dorräte kamen an.
Büchsen mit Fleffch. Gemüse. Zwreback.

Srehst du. Leopold. ich taim nicht verhungern
und nicht crfrieren." sagte er lachend.

Mehr- noch als bisher trugen die Bauern ihm zu.
Da war ke ne Kindtaufe im Schorngrund, dasi er
nicht chn redlich Stück vom Kindelkuchen bekommen
hättze/kei-n Echwern wurde in dcn Berghöfen oder
im Dorfe zu Tode gebracht. ohn« dasi der Metter-
mactzer reichlich mit Wurst und Speck hedacht wor-
den wäre.

Dafür Lamen fie immer häufiger mit ihren wun-
derlichen Attliegen und schwer erfüllbaren
Wünschen.

Auch d«r Michael K«rn stieg noch einmal vor
Winters Ansang bergau. bvachte wi«der deuKuecht
mit. der einen wohlgefüllten Korb auf dem Buckel
trug.

Was mit seiner klemen Agathe M Winter roer-
dcn sollte, wollte Michael ansragen. Nrm könne
fie doch nicht inehr in der Sonne baden.

,.Sie ist jetst ein geslmdes Kind. wenn fie auch
immer zart u. ein wenig süchwächlich blciben wird,"
beruhigte Klinghart. „Nur nicht wieder in der
Stube einsperren und einwickeln. dasi sie sich ntcht
riihren kann. Laffen S e sie in die Schule gehen
und im Freien spielen wie die anderen Kinder im
Dorfe. bei jedem Wetter."

„Es wird kein so harter Winter werden. Herr?"
fragte Michael Kern bittend. „Jhr werdet sckron
auspaffen."

„Mann. Mann. lassen S'e doch von dem Unfinn
ab. Predigt denn euer getstlicher Herr nicht jeden
S.onntag. den der Herrgott werden läsit. von seiner
Kanzel yegen den Aberglauben? Wettern sollte

«r dagegen. dasi euch Bauern Hören und Seben
vergebt. Fch l>abe teineu Einflusi auf das Wetter.
Wie. tönnte- so «twas möglich sern? Ich betrachte,
beobacht«. mache mein« Auk.reichnuagen. nach m«i-
ner W.ffenschast. mit Hjtkeineiner Apparate. Äin-
nrcr wleder schreie ich's in eur« Ohren: das ist
alles. Ich bin ein Mensch wio lhr und tzabe
koine übernatürliche Macht. Ibr Bauern vorsteht
doch selbst das Wetter zu beurteUen. sollt ich me -
nen. nach euren uralt-en Regeln. die nranchmal den
Nagel beffer auf deu Kops treffen als die gan.zL
hciNge Wiffenschast!"

Aber Mtchael lachte dazn.

je. unsre Regelr»... freilich wohl... regnet s
im Mai. ist der AprU vorbei . . ntt wahr? Herr,
zweiinal trifft's zu unb arhtmal trügt's. was wir
vom Wetter vertünden. Wtr können den Wetter-
sturm nit zurückdrängcn. rvenn er nns überfallen
wrll. wir nit."

..Fch auch nicht. Mensch." rief KL'.nghart ärger-
lich. „Aber was tziift m«in Nedea. Die Wolken
airs euren Schäc^eln tount' ich noch nicht verjagen,
mit all mcin^r Wetterrunst! Aber wartet nnr. es
joll mtr fchon im Lauf-e dcr Zeit gel ngen... Alle
Slnzeichen sprechen dasür. dasi wir mit einem mil-
den Winter rechnen dürirn. Doch zweimak trisft s
zu und achtmal trügt's. Cie sagt'en es selbst."

Michacl inckte un-d blinzelt« und schmunzelte.

„Schou gut. Herr. schon recht. Ich verstehe sckion.
Wenns nur einen mipden Winter gibt. wio s zu-
geht. soll uns nachher nit lümmern Aber danlen
werden wirs Euch."

tlnde-n im Wirlshans Wr Tann.e verkuadcte er
wi-oder des Hochschorn.manllies Ruhm.

„Wir werden unscr Holz schonen können. Leute.
Es wird nit schlimm kalt werden in diesem
Winter. Der Wettermacher wird auspaffen. dasi
wir nit sricren müffen."

Die Dauern am Easttische brummeltcn zufricden
und Holzapfel .dcr Wirt. ein kvummbeiniger klei-
ner Kerl mit einem ansehnlichen Bauche. meinte:

.Lei. Männor. es ist n'.'t dem Wettermacher eine
gute Sach'. Elaub ich fchon. dasi er den Winter
nit hart werdon läsit. Da droben müsit' er ja am
metsten frieren. Wird er schon ein bissel beten
und besprechen und die Lnst beräuchern und Wärme
kochen. nit wahr?"

Ein ätt Miüionenverlust der
Schweiz

Vern, 2. Nov. Zahlreiche schweizerische Expg.
tcure, die Waren nach Rumänien. Tschecho-Slown
kei Jugo-SIaven und Polen sandien. haben
ihreLieferungen wedrr Zahlungnock
Waven an Zahlungsstatt erlxrlten. Die Berlutz»
werden auf 30 Mill om?n. Franlen gcschätzt. AZe»^
der unsicheren Zustände soll der Verkehr nach
sen Ländcrn erheblich eingeichränkt oder ganz ei^
gestellt wcrden.

Die Auslieferungsliste

»Rieiuand vo» der Strafyerfolgung ausgeschloffku.-

Reuter berichtet aus Paris: Zur Borber itung
des intevalliierten Gcrichtchof^ für di« Atbur.
teilungderSchuldioenom Weltkrieg wurdr
in der Ministersitzun-g einc Un te r k 0 mmissi 0 g
des grosien Rats eingesekt. Dies« wird in 4 Mdcknu
ihre Beratnngen aüseschloffen h-aLen. Tne Bildung
des Eerichtshofs ersolgt Anfang TvzonrLkr durch
>d«n grosion Rat' in Paris. Daily Auajl ber chstt
aus Paris: Di« in der Fertissblluns Legriffene
Anklag« gegen' die Deutschen und O'stnroch^i um-
fatzt meh: als 500 Ank!-agepunlt«. Von d n d,Llt-
^chen Heersührern d«s Krieges ist niemand von
^ er SlrafL^erfolaung ausaes chlosscn.

Strasverjolaung gegen Ferdinand
von Bulgarien

Vrrsailles. 2. Noo. Rach einem Telegramm aus
Cofia wurde eine Strafverfolgung gegeu
den früheren König Ferdinand und den Ee-
n«ral Saw o-'w eingeleitet, rveil Cawow auf Bur-
anlaffung des Königs di« deutsche Militärtomm s-
sion in Sofia veranlassen wollte. mehrere dcntsche
Dtvisionen nach Bulgar en zu entsenden. um ge-
meinsam mrt dcm bulgarischen He«re die Heere der
Entente-anzugreifen.

Kein Goldzoll

Von Ulliscrm Berliner V«:treter wird uns Le-
-richtct:

Wi« wir von nntervichteter Ceite erfahren, fich'
mmmehr endgültig fest, dah Ne Entende das Cr-
suchen dcr Reichs-eaieruirg um Medcrcherstelluiia
der derrtfchen Zollobcrhoheit in d«n be,«tzten. Gx-
biettcm Eehnen wird. Damit ist di« Aufhe-
bung der Verordnung über die Erhebung
Zölle in Gold geaeben.

Deutsches Reich

Dre Deutsche Vokkspartei und der Etat

Aim Donnrrstag sab Abg. Dr. Heinze in der
SchluWdung der Naticnalvechrmmluns namens
der Fraktron der dcnitschen Doltsparter Li.in Etat
solgende Erkkärung ab:

„Dis T-eutsche Dolkspartei hat in dem Bcsrreben,
am Mederaufbau des Vaterlandeo tätig mitrmvir-
ken, zahlrcichen Eiuzelposten des Etats -u-
gostimmt, namentlich sow^t fie sich aus die
TMedcranknüpfung dev auswärtigm Vrzicburrgen,
die Aufrechterhaltung d«r inneren Ordnung und ss-
siale Matznahmen bez'-ehc. Nach der Eepflcgeirhert
rarlamentarj ch resierter Länder bederrtet die- Zu-
stimmung zum E«samt-Etat aber mehr als tzlie Zu.
stimmung zu seinen Einzelvosteir. Sie ldwückt das
Äertrauenzuder jcweilig in der Mdcht besind-
lichen Regicrung aus.

Dic Deutsche Dolkspartec ist nicht rn der
Lage, L« r Logenwärtigen Regrerung ihr Ber-
tra, uen auszufprcchen. Cie wud docher rd'gen hen
Gesaintcckat stiimmcn."

Badisch« Beamten im Neich

Fn d«r iiv der letzten Zeit oft erörterten Frage
der Deuiwendung badilcher Veainten in dem zir-
künftigen Nerchsministernrm für DerLehrsw«s«n fiiü
vcrschiedentlich von den badi chen rrMudisen

Der forstliche tzochschulrmlerrich^

Heidelberg oder Freiburg?

Der Deroin Württemb. Staatsforst-
beamten schreibt dem „Schwäb. Merkur":

„Nur init schwerem Hbrzen tönncn wir der
Verlegung des forstlichcn Hoch.äAilunterrichts von
Tü-brngcn weg zustimmen. Aber an der Tatsache
ist nicht zu rütteln, dasi in Württembcrg infolge
des g«ri,rgen Bedarfs an Forstleuten ein« »iIene
foMiche Hochsck?ule iricht gedeihen. sondern höch
stcns otn kärü-tches Lpben fristen kann. Das Zm
oer besten AusbiLdung der wllrttombergiischen
Forstleute wird nim aL«r durch dre Berbegung de^
Focststndiums nachFverburg nicht erreichtz
da hier Mürttainbcrg nnd Baden allein Lle-iben
und «ine üeirügeirde Hörer.-rbl nicht ausbrinsen
Der hierzu iwtmendige Anschlusi von H-1s«n nn"
Thürinüen U ausgeschloffen. wenn diese Staaten
nicht g«««n ihr «iaewes forstltches iJntereffe ba^
deln wollen. Der wiederholtcn Feststelluna des
Elttverständntsses der heffischen Rcgierung n"t
Freiburg steht nach' Pvoffessor LIAeber die ausdrna-
liche Erk.ärung des Etzess der heffifch.m FoKver-
wailtimg üeüenüber, dasi Jreibnrg ttiiannehm-
bar Lri. Für fi« wi« fiir Württembcrg bed.vt«r
ern ab^olutes Hinderuis eimnal die abgcl^-/
Lage von Freiburg die ein« Besichtiguirg der Lbao
der des eigenen Lairdez in der gobotenen
nung ttttmöglich macht. dann die einseitkgcn
Laltntffe der WWdgebiete bei Freiburg. L»e
di« meisten Eebi/cte unsores Lande-z falsä)« Vouol'
lungen von dcm Dertzalten der verschiedenen Ho-ii-
arten erwecken, wofür dann unicr Wald tsu""
Lehrgeld für das Umleciren aller seincr Dl.rv
schaftler zrchlcn musi. Fir unserem Lande ffird >">
zu viele Bcweise vorhandcn. die ais trnuri,.e Dcn«
innf,cr maugelhaftier umldbaulicher AusbiottW
und vielsach firficher Ucbeitraüuna anderer
bilder chren Ursurimg verdanken. Die Wabl vo»
Freiburg bedeutct nlfo säi unscre forstlick)-.'
bildrmg nicht nnr kc'men Fortschritt, sondcrn enn-
nicht zu untcrschätzend« V e r s chl c <b t er»r n S-

Anders liegon dic BcrhoU'' iffe 'be'- H - '
b e rg, von wo aus einm«l L.e wör>:e:nbergn^.
Waldgobicte lcichter zu Ciudicnza-.'ck^n zu er'
chen sind imd das aist-crerleiig elne arötzerc '
nigfaltigkcit von Waldbildern in st'inei nabn>
und serneren Umgebnng auswsist. Zl^ni» von "
 
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