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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0359
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Mittwoch, den 5. November 1919

vadische post - Nr. 258

SsUage

vor öem Untersuchungsausfthuß

Vernehmung Bethmann Aollwegs und Zimmermanns

Der zweite Unterausschuh des parlnmeutari-
schen Untersuchungsausschusses setste gestern nach
dreitägiger Pause se-ne Verhandlungen fort.

Llorsitzcndec Mq. Warmuth bittet Herrn von
Vethmann Hollweg um Auslunft. inwieweit der
Niicktritt Bryans die Auffassung des Reichs-
kanzlers über Wilsons tftiedensabsichten beein-
fluht habe. ob dem Botschafter Gerard konkrete
Friedensbedingungen mrtgeteilt wurd-n und ob
Varon T'urian über die Friedensaktion unter-
richtet worden sei.

vou Bethmanu Hollweq: Der Nücktritt Bryans
hat lediglich die Skepsis. die sich im weitercn
Verlaus bei mir g-ebildet hat. noch verstürkt.
In memen häufigen Gesprächen m-t Eerard babe
ich ihn im allgemeinen über meine Auffassungen
übor etwaige piriedensbedingungen und meine
Stellungnahme zu Friedensprogrammen nicht im
niiklaren gelassen Auch Vuri-an muhte nach un-
seren Unterredungen völl'g im Klareu darübe.r
scin. das? mir und der deutschen P.'litik eii, s?rie-
densappell W'-lsons erwünscht war.

Bethmaiiii wendet sich dnnn gegen di- erhobc-
nen Vorwürfe. er hätte durch gleichzeitige Betrei-
buiig der beiden Aktionen gegen den.Präsidcnteii
em Doppelspiel gespielt und erklärt:

Am 22. November ist der Botschafter bereits
davon uiiterrichtet worden. dah wir planen. un-
sere Friedensbereitschaft ösfentlich zu crk'lären.
Me-jne ganze Arbeit an dcr Friedensaktion ist da-
rauf gerichtet gewesen. den drohendcn U-Bootkr^eg
durch

Herbeifühi-unq einer rechtzeitigen Friedlns-
aktion

— die natürlich Aussicht aus Ersolg versprechen
muhte — rrnnötig zu machen

Es lag folgende Situation vor: Unser Frie-
densangebot war in einer Form abgelehnt wor-
den, die uns zu der Ueberzcuguiig brmgen musite,
dag die Entente auch auf Wilsons Friedensnote
eine Amwort geben würdc. die jede Basis siir an-
nehmbare Verhandlungen ausschliesit und dasi
htcrnach kc ne Aussicht auf eire Verhaiidlungsbe-
.reitschnft der Entente^ i,i absehbar.-r Zeit -estand.
War aber d^e Laqe so beschasfen. so hatten mir
jede volle Aktionssr. iheit und musiten sie haben.
wcnn mir übsrhauvt noch eine selbständige Rolle
in d:esem Kriege spielen wollten. Und das crzwan-
gen militärischs Notwendigkeiten. Zog unsere
OLerste Hceresleitung aus der festgestellten Nicht-
Bereitschaft der Feinde die Schliisse. van denen ich
am Freitag gesprochen habe. und ermöglichten m!r
die Umstände. d e ich gleichfalls auseinand.'rgeseht
habe nicht. den U-Bootkrieg zu vcrhindern. so war
!>as e'ne logisch? Folge der Ereignisse,
aber kein Doppelspiel.

Es erfolgte dann die crste Gegeniiberstelluiig.

Professor Hoetsch: War Eraf Bernstorfs
der Ansicht. der amerikanische Botschastei- sci iiber
die Absichten seiner Regierung nicht genau in-
formiert?

Graf Bernstorff: Ich würde nach meinen Er-
fahrungen annehmen. dasi Gerard bis zu seiner
Reise nach Amerika nicht orientiert war. sondern
dasi er erst nach der Reise orientiert war.

Bsthmaim Hottwsg: Ich stimme mit der Ansicht
des Grasen Bernstorff, dasi Gerard bis zu seinrr
Reise nicht orienticrt war. völlia überein. Er war
cs offenbar auch nach seiner Rücklchr nicht. Mir
scheint, dasi dies übereinstimMt mit der Schilde-
rung. die sonst allgemei'n vom Präsidenten Wilson,
und weiin !ch nicht irre, auch vom Grafen Bern-
storff entworfen worden rst. dasi Präsident Wil-
son nicht geneigt wac, über seine Absichtsn
über den Kreis seiner allernächsten Vertrauten
hi-iaus Auskunft zu gebcn. Und diese Charakteri-
stik des Präsidenten Wilson ist mir von urrzähli-
gen Ameriranern während des Krieges nnd nach
dem Kriege als zutreffend bestätiqt worden.

Gcaf Bernstorff fauf eine entsprechende Frage
des Vorsiesinden): Ich habe niemals angenommen,
dasi unsex Friedensangebot die Vermittlung Wil-
sons verhindera würde. Fch habe nur an eine Er-
schwerung der diplomatischen Stellung Wilsons
infolge dieses Friedensangebots geglaubt. Erst
später habe ich bei Besprechungen mit Oberst
House gemerkt. dasi Wilson befürchtete, dasi unser
Friedensangebot eiue geringe Neigung bet der
Entents erwecken würde. seine Friedensvermitt-
lung anzun.chmen.

Nnnmehr wandte sich die Verhandlung zur
Vernchmu-ng des

Staatssekr'etärs Dr. ZiMmermamk.

Vorsisiender Abg. Warmuth: Nach einer 8?kit-
teilung der „Vossischen Zeitung" haben Sie in ei-
ner vertrau.lichen Besvrechung mit der Presse er-
klärt. dasi wir unser Friedensangebot am 12. De-
zember erlasfen hättlen. um der Aktion des Präst-
denten zuvorzukommen.

Zimmcrmami: Es ist mir sehr wohl erimierlich,
dasi ich eine derartige Beinerkuiig aemacht -ade,
Ich habe mich dabei wosentlich von innerpoli-
tischen Erwü'gungen leiten lassen. Eine
Friedensvermittluiig Wilsoüs war der Mehrhelit
des deutschen Volkes und des Reichstages
im höchsten Grade unsiimpathrsch.

Auf der anderen Seite konnte ich mich der Sorge
nicht verschlietzen, dasi unser Friedcnsangebot nicht
nur im Auslande, sondern auch bei uns im Lande
als oine Vitte um Frieden und ais ein Zei.hen
der Schwäche ausgelegt werden könnte -und daher
verurteilt wcrden würde.

Deshalb kam es mir darauf an. dasi die deut-
sche Presse möglichst geschlossen hinter die
Atlion der Regierung treten möchte, weil ich mir
daron bei den Feinden nnd bei den Neutralen die
Wirkung versprach. dasi das deutsche Volk aesch'os-
sen hint.'r dem Friodensangebot stünde. Um dieses
Ziel zu erreichen', habe ich mich damals dre-
ser Wendung beoient. Zch babe auch eine solche Er-
? ärung im Hansl/altsausschusi abnegeben. Jn die-
se„i S'iine 'varni auch mcine Znstruktio.en gc-
hcltei. i'nd e'.nem'Widei'pruch kan„ ich -l!chr an-
crk- .iicn

Es entwickelt sich nun eine lebbafte Wechsel-
rede. Zii-imürmann ble.bt wäbrend des Kreuzver-
hörs dabei, dasi er einen Widerspnich zwischen
seinem Handeln nicht anerkennen könne.

Vorsihcnder Warmuth ruft dann den i,n Presse-
raun: anwesenden Herrn G e o r g^Be r n hard
von der Vossischen Zeitung als Zeugen -auf und
vereidigt rhn. Berichard soll Aus'kunft über die
Aeusierungen Zimmermanns zu einiaen Pressever-
tretern gcben.

Bcrnhard meint: Fch habe es nicht für mög-
lich gehalten. dasi man eine Anzahl führender Per-
sönlichkeiten der Presse zusammenberuft, ste auf
strengste Vertraulichleit verpflichtet. um sie dann
hiiiters Licht zu führen.

Borstsicnder Warmuth bittet um Austunst iiber
Deportationssrage der belgischen Arbeiter
nach Deutsch'and. In einsm Telegramin des Wie-
ner Botschafters Wedel vom 2t. DezeMber 1016
mird erklärt, dasi Gerard es für ausierordentlich
wichtig ha'te, dasi die Deportation aufhört. Sie
habe a-usierordentliche Empörnna in Amerlika her-
vorgerufen. ^

Zimmermann: Ich mar cin sehr scharfer Geg-
ner dieser Masinahme, weil sie uns politisch
sehr schädlich war. Fch habe ineinen Stand-
punkt -an de„ geeigneten Stellen vorgetragen. Aber
die militärische Notiven-dtgkeit war auSschlatz-gebend.

Bethmami Hollweg: Bem politisckrn Stand-
punkt aus waren' mir diese Deportarionen i m
höchstem Grade unerwünscht. Es handelte
sich um e'ine Masiuahnie. die von der Obersten Hee-
resleitung als niilitürisch zwin-gen-d not-
wendig bezeichnet murde uiid die mit ungünstigen
politischen Folgen verknüpst war. Soweit es mir
möglich war, habe ich gegenüber dtesen militärt-

ischen Masinahmen nreinen politischen Eründen
zum Durcybvuch .zu verhelfen versucht.

Dr. Sinzheimer: Die politische Leitung konnte
also hier dem Militär geaenüber ihren Willen
nicht durchsetzen?

Bethmann Hollwcg: Die imlitärlschen Inter-
essen standen den politischen entgogen. Die Frie-
densaktionen Wilsons stnd aber dadurch nicht ge-
stört rvorden. Aber der Hasi. die Verleumdung
Deutschlunds als Barbarenvolk. wurden daldurch
genäl)rt. Wären die Absichten des Frevherrn von
Bissina in ihrer ursprünglichen Form durchge-
führt worden, so hätten wir allon Einwendungen
entgegentreten können. Die Oberste Heeresleitung
war v-on den Erregungen iilbn die Deportation
selbstverständiich unterrichtet. Die mil-itärische Lei-
tung war der Ansicht. dasi ohne diese Masinahime
das HindeNb-urg-Proaraimm nicht durckMführen
soi. Daraus ergibt stch auch die Situation dcr mi-
litärischen Stellen. Dast viele Belgier gestorben
sind, weitz ich. -Ich häbe den militärischen Stellen
i'ahegelegt, -alle Belgier. die nach ihrer Persönlich-
keit für die Arboit nicht goeignet waven, schleu--
nigst zurückzuschicken.

Im Lause disser Zwiesprachr crklärte dann
Herr von Bethmann Hollwog unter starker
Errogiung: Wir sollten doch nicht tmliner
bei unseren ei-genen völkerrechtlichen
Anomalien verharren, wo wir doch durch die
völkerrechtlichen Anomalien der Feinde, näntlich
die Hu n g e r b l o ck a d e. auf Generationen hin-
aus verelendet sind; (Lebhafte Bra-vorufe).

Die Verhandlung wipd heute. Mittwoch,
fortgesetzt werden.

Wie stärken d.e Frauen die
Deutsche Volkskraft

lleber diese Frage hielt mn Mittwoch i-m „Poli-
ti.chen Som'inar" vor einer ansehnlichen Zuhörer-
schaft Frl. Dr. Marie Beruays ein glänsen-
des Referat, das srch in seiner Gedankonfülle und
Goeankeirtiefe in dem Rahmow -eiaes Berichts schwer
wiedevgejben läsit. Frl. Dr. Bernays führte atwa
aas:

Seit der Revolution sti-.d die Wogen unseresLei-
lLes gostiogen und sie drohen uns fast zu vsrsthlingLN.
Mehr als je fühlen wir, dasi wir für die kommen-
den Eonrrationen zu arbeiten haben. Mir mllsten
Lll-f dem Plane sein, um lür unsere Nachkommen
ein bssseäcs Vatorland zu schaffen. Mr Frauen
sühlen uns die>en Auffgaben gegenübe.r eins mit
don gleichgosinilten Mäiinern. A!ber nach unstrer
ibosondcren Mesensart kommen uns Lesonoere Auf-
gäben zu. Wrr sind der Deutschen Volks -
xartei dankbar, dasi ste es uns möglich ge-
inacht bat, uäioiej Mitarbeit in diesem Sin.no zu
leiiten. Die bestsn Güter dos doutschen Volks sind
die Eüter des Familionleheirs, dis Gemein^chaft
zwischen M-ann, Frau und Krnd. Diese Güter kön-
no„ uns die Feinde nrcht Whmvn. und so wird d're
doutsche Fcau es als ihre Hauvtaufgaibe ansohon, -an
ver 'jStärkung und Sicherung der dautsck'en Faimi'lie
inrtz'iarbe'len Wir wiste-n, dasi die Familie die
Keimzelle alles Kulturlabeiis ist. Wir weuden des-
halib jede Masinahms gutheisien, die dazu diont, die
l-eut'che Familio zu babcu und zu stärken, die auch
den LeboaeMiit der FamUie wieder hcbt und auch
>den Wunsch nach e'iner grosien Kii>d:r;abl be'i al-
len stärkt.

Es mutz d<n Kräften eiitgegengetidteii, worden,
d''e die Frau ibrepr e'gentlrchrn Berufe als Mitter
zu cntzieihett drohen. Dabei dürfen wir allerdings
nicht vergessen, dasi die kommenden Jahre auch an
die Frau erhöhts Amoroerungen als Produzentrn
vvn Gütern stellen wsrdcn. Wir dürsen uns aber
nicht auf gesetzliche Masinahm-^n Loschränkeii, son-
dern wir müssen grösieres Bevständnis wccken fiii'
die sazial-e und wirtschastliche Lag-' der avbeitenden

Frau und sür die Bäoeutung der Fr!aueniarbe'it..
Dioser Msuiisch erhält seinen b^sonderen Nachdnick
dadurch, da-si die Verufswahl sür unserö jungen'
Mädchen eine ei'höhc BGeutuyg erhalten hat, nach«
Lem auch rhr Los in zahllosen Fällen -auf dom
SchalchtfelÄ die Entschridnng gefunden hat.

Die Ideen der Deutsche „ Volksvartei,
der niationale, der li-berate und sozialo Gckdanke,
sind besonders geeignet, der Iugend als
leuchtender und Nichtung gebend'er St-'m voran-
zuleuchten. Wir Fraue'i sind uns wohl chowusit.
dasi wir bei der k o n se r v a t i v e'n Partei nicht
allzuviel Entgegenkommen sür unsere
Münlsche find-en. Wichtig ist a-ber die Evfaihrunz,
dasi auch die- demokratische Partei die
Frau schwer enttäuscht hat. Es ist <>ben un-'
möglich, die Frauenbewegung. die aus indiividuellöm
llrsvrun-g hervorgogangen ist, in den -Schematis.nms
der Demokratie e'inzuzwängen. Daher tommt es
wohl auch. dasi dio Neg'ierung in ihrer Stellung zur -
Frauenchswegilng ausiervrdsntlich untlar ist. Jhre'
GrundMe lassen os offenbar sn, dasi sähige und
nohl vovgechildete Frauen ausSrellen entfernt wsr-,
d^n, „ur dämit sie ungseigneten Frauen den Platz'
frei machen, weil diösr den herrschenden Parteien
-angehören.

Bei allem Wu'isch nach Mitarbeit stno wir Frauen
selbstoerständlich weit davon entfernt. drn Männern
eine wahllose Konkurrenz zu Lereiton. Was uns
ircttut, ist eine vernünftige Arbeitsteilung zwischen
den Leödein Gejchlechtorn. Die rür die Frcru Lesan-
ders geeigneton Berufe bedürsen immer noch einer
besseren Vorbildungsmcglichkeit. Sie sind in ichrem
Wosen leicht zu bcst'.mmen. Iede Frau musi otwar
unr sich wachsen sehen, Menschen oder Merke. Des-
balb stnd die für die Frau gee-igneteren Verufe dio
pflegerifchen, die sozialen und.die Er-iebungsboru-se.

Zum sSchlusi führte d^e Redn-erin den Gedankon
au.s, Äasi die deutsche Frau die Hüterin der Kultur
und der chrrstlicheii Relrgion in idisr Familie und in
der Schule sein müsse. Sie we'vst weiter dacauf h'cn,
dasi alles vocgobens sei, wenn nicht das deutsche -
Volksloben von innen heraus ernouert werde. Das!
dciutschs Neich könne nur wiedor aufgebaut werden,'
wenn idäs deutsche Volk in sich selibst soine frühere,
Erösie zurückgewrnne. Daran mitzuarbeiten, sei dir
deuts.be Frau berert.

Der tiefe Eindruck. den ihce Worte auf die Hörer
machten, sprach sich in lauloser Strlle und in stür-
miich:m B'rfall aus.

^ Ucber die neue „Freiheitspartei" te'rlt die
„Deutsche Tageszig." mit, dasi es sich dab-'i ofsen-.
bar um erne Spaltung innerhalb der sogerrannten -
..NHtional - demokratischen" Parter
handelt. die sjch alsbald nach dem 9. Novembcrs
auftat. Da schon die Bedeutung der erMn Erün-,
dung ungefähr gleich Null war. so kann man sich i
das Weitere vorstellen Bedauerlich ift nur, dasi
durch solche Gründungen neben Kräften. um drv'
es nicht schade rst. auch solche verbraucht werdon.'
die ohne solche Einspännerei vielleicht Nützl^ches
leisten könnten.

^ Die Flaqge des Neichspräsidenten. Das Mi-
litürverordnungsbl-att bringt einen Erlasi über die
Flagge des R e i ch s p r ä s i d e n t e n: Die Re'chs-
fc-r,ben mit dem Adlerfchild in der Mittf. Die
Flagge .des N o i ch s w e h r m i n i ste r s: die
Reichsfarben mit dem Eisernen Kreuz in der
Mrttc. die R e i ch s k ri e g s fla g g ck. in deren
bishsriasn Muster der neue Reichsadler in der
Mitte uiid d'e Reichsfarben mit dem Eisernen
Kreuz in der inneren oberen Ecke aufgenotnmen
sind. Der Zeitpunkt der Einführung der neuen
Reichskriegsflagge bleibt vorbehalten. — Wir
haben ja auch sonst nichts weiter zu tun. als Flag-
ge„ zu entwerfcn.

iv Der Vtcnsch, ein Tor für sich, für andece klug ^
Ä hat Nat süc jedermann, iiur nicht für sich. A
v» Goethew

Zonnenfinsternls

Roman von Else Stieler-Marihatt
Lopz'cigüt bv OcetbleinSrLo. O.m.b.ki. T.eip2is 19l6
. (29. Fvrtsetziing)

S!,» rannten es schon, doch kam es nur zwoimal
im Iahre in das Dorf, in dsn Tagen der Auer-
hahnbalz im ersten FrühOng und im Herbste, wenn
der Hirsch röhrt.

Dcn Kindern bliob es immer das gleichr Wun-
der und sii> umdrängteu es staunend. als es vor der
Tanni: hielt.

Holzapsel erschien dieneriid auf der Schivelle,
er brach! : stch fast um vor Ehrfurcht und bot mit
scinem dicken Bauch und den Dackelbeinen ein droi-
liaes Bild, das den Grafen iedcsmal aufs neus
crsreutc.

/.Richael Kcrn cilte vom Mist oder wo ihn die
Arbeit sor.st fcsthielt, heim und suhr tn den Hvch-
zcitsrock. Dami licf er im Sturmschritt zur Taniie,
lun den Herrn zu grüsien und ihn übrr die wich-
ticst n Geschchnisjs in der Grmcinde zu unter-
richten.

Oben im Ludwig Nichter Hause hiesi der Pfar-
rer seine Nost eine Rauentaler aus dem Keller
I olen, cs mar dcs Erasien cigeae Marke. alliährlich
um die Weihnachtszeit wuvde der Alte im Schorn-
grund m'it eincr Seirdung davon erfreut. Und der
Graf liebte es, bei seinen Besuchen im Schorn-
land ein bchag'ichcs Stündchen mit dem Pfarrer
bcim Truiil zu vcrbringen, bevor er zu seinen Ber-

gl.ii stieg.

Diesesmal wurden aus dsm Stündchen sogar
zmci zu des Hochwürden Ehre und Frcude. Aus dcr
Stundc -- uiid aus dcr Flaiche Nauentaler auch
Dcr Graf hattc nach dom -Atanne vom Hochschorn
gefrag't und gar auts Antwort bekommeii. Das
srcutc ihn. dic sckönen Aug.'n wurden ihm hell.
Und er er-.ählte dem Allen. was für ein Mensch

das eigentlich sei, dem er auf dem Hochschorn eine
Durg gebaut hatte. Ein Gelehrter und ein Künstter
weithin gekannt und gelisbt, noch üb-cr das Bater-
land hinaus. Wie Gesirhr gewesen'sei, dasi der
Schmerz um seine ltebe jnnge Frau ihn breche, wie
der Wirbelsturm die Krono der kraftvollen Ciche
— lange vör der Zeit.

„Das war auch ein Wesen, wobl eigens für rhn
auf die Welt gekommen.' Sie hat ihm die Hände
unvsr die Füsie gebreitet, damit cr. wenn er nach
den Sternen und Wolken blickte, nicht die Füsie
an Steine stiesie. Allcs Alltägliche hat lste ihm a-b-
geno-mmen, ungcstört sollte er in seinen Welten le-
ben düvfeii. Aber ste hat ihm auch in diöse Welten
folgen können."

„Uiid Ihr gut'cs Werk wurde gesegnet, Herr
Graf", erzählte der Psarrer froh. !lnd er lberich-
tete, wie so frisch und fröhlich Klinghart im Soiu-
mer bei ihm in der Laube gesessen und isim tapfer
Bcschnd gctan habe. Wie er ihm vost soinom
freien Höhcndasein gesagt habe. von seiner Ar-
beit. die in der Bcra uft wachse und geÄsihe.

Der Graf ni'ckte froh.

„So hatts ich es gchofft. Srun abcr will ich ihn
voin Tur-iie holen für dic Wiiilerszeit. Cr weitz
nicht so Bescherd im Eobirue und würde stch wohl
wundern wenn es ernst wird dn oben."

-„Moinen Bauern wird es leid sein, wenn sie
ihrcn Wetticrmacher verlieren". antwortet der
Alte.

Sein Gast lachte herzlich.

„Ich hörte und staunte! Der braoe Michaöl
karate nicht zum Preise seines Wundermannes.
Und dio edre „Tanne" stimmte ein. Das ist ja
wundervoll. Und neugierig bin ich aus seine Auf-
fassung dieser Wendung."

„O. er ist nicht sehr erbaut davon", erklärte der
Pfareer. und wollte crzählen. Sein Gast wchrte
ab.

„Das musi ich aus firinem eigenen Munde hö-
ren."

Am lAtorgen darauf hielt der junüe Freund
Einkehr beim Hochichorninann im Leraturm. Er
trak cs aut, es war ein Taa, llar srrsch und gol-
den, die Berae zeichneten sich scharf umrlsten se-
aen das h'srbstlich helle flimniernve HlinmelÄblau
ab die Täler breiteten sich Im Sonnenlicht. fede
goldene Rainblrke, joder rotflammende Busch stcrnd

greifbar in der Aussicht, die Luft roch nach feuch-
ter oesunder, kraftvoller Erde.

Und den Mann, den er liebte und ehrt.-e, fand
der Iünger über alles Erwarten genesen nnd be-
frcit aus den wundreibenden Fesseln -der hosf-
lungslosen Trauer. Seine Augen Lrannten im
olten Feuor, auch das Lachen war wioder auf-
-erstanden, das seine Schüler und Fveunde inuner
so sehr an ihm g-ekiebt -hatten. Nur einen -anderen
Klang hatte es erhalten, viel ttefer rvar es ae-
worden. Und felten nur kam es zu vollem Loben,
dann -aber Lrachte es dem, der es erweckt hatte, un-
boschreibl-iche Genugtuung.

Klinghart hatte gerade in diosen Tagen den
ersten Teil ssiiies Werkss zum Abschlusi gobracht;
Wokken und Winde über den Gipfeln. Er freute
stch selbst dcs Wohlvollendeten. Nun wurde ihm
beute der übcrraschende Besnch zur bosten Feier.

Aber fortlocken liesi er sich nichl aus dem lieb-
gowonnenen Veraheim. Auf den Winter freute
er sich und fllrchtete nicht Kälte und Schnee und
allerlei Unbohaglichkeit. die cr etw'a mit sich brin-
eon könntö. Er zeigte dem East si'ine Vorräte.

„Und menn ich wochenlang von der Welt abae-
schnitten werden sollte, ich habe Spsise und Tvmik,
Feueritng und Licht aenua "

„Aber wenn Sie 'erkranken würden, verehrter
Herr Profestor!"

„Als ^unge von 8 Jahren bab ick> die Masern
gehabt. Sonst wühte ich mich keines Krankseins in
meiiiem Leben zu erinnern. Ich bin nicht aiifällig
und für die kleinen Alltagsleiden habe ich meine
AswtheLe. Vollendcn Sie Ihr gutcs Werk an m-ir.
lasten Sie mich in der einziaen Sphäre, wo ich frel
atmen und schasfen kann, lieber Eraf. Ich weitz,
Sie haben diese Marte für mich erbaut. was Jhnen
ein Höheror vergelten n'.öge, donn ich b.'rinaa es
nicht. Und hatten niomals ernstlich den Gedaiiken.
selbst heraufzuziehen. Und wenn ich denn hier dcn
Nest incines Lebens verbringen kann. wird cr so
glücklich wie möglich foin."

„Meine Bauern würdcn wohl damit eiuver-
ftanden sein", antwortcte lächelnd dcr Graf.

„Ob sie es imnier soin werden. ist die Fvage",
sagtio Kmrghart nachdenklich. „Da ick> leider die
Adacht nicht habe, das Wetter nach ihren Wün-
schen zu lenken, kann -es thnen auch einmal «egen
oen Strich gehen und dann werden sie mir die

Schuld beimessen. Sie nnd hier noch avg im Aber-
glauben verfinstert. Kennen Sie den Fluch des
Mordhofes. mein Freund?"

Lächelnd verneinte der Gra-f.

„Wisten S'ie vom Schatz d-er Schnoefran, dort
drüben an der Rotnadelwand? Von der Schncefrau
überhauvt? uud von den Bergwichteln allsn?
Nein? o wie wenia kennen Sie Jhr Waldreich.
Sie müsiten einmal beim kl-einen Peter in die
SchuLe gehen."

Der Gast blieb zur NaLt im Turm. Aber untec
Dach kam er nur -wenig- Stunden. zum Schlafen
hatte er nickst sein wildes Schornland aufgesucht.

Die Natur wollte er belauschen in ihren Ge-
heimnissen. in ibrer höchsten Ungebundenheit und
tiefsten Ursprünglichk-eit.

Und in schweiaender Spaniiuiig. . . mit höher
klopfendem Herzen. den Atem selbst dämpsend. be-
schlichen sie der Hirsche Hochzeitsfeier.

(Fortsetzung folat).

Kunst und Wissenschaft

^ Der Präsident der bayerischcn Llkadrmie der
Wistcnschaften. Eeh. Nat Professor Dr. H. v. S e e-
liger, Dirtcktor der Münchciier Sternwarte.
wurde zum Mitglied der schwedischen Akademie dee
Missonschaften in Stockholm eruannt. Diose Slach-
richt ist desha'ch von besonderem Intereste, weil
nach einer Neihe von Iahren wieder einem sieut-
ichen Gelehrten eine Ehrung vonseiten dds Aus-
landes zuteil wurde.

' Hermann Heste gibt unter dcm Titel „V i-
vos voco" eine neue Zeitschrift heraus, die no-
ben ihren literarischen Bestrebungen ganz besou-
ders das Gebiet der Fürsorge für die Kriegsopfer
pflegcn soll. Der Ertrag der Zeitschrift soll den
Erholungsheimen zur Verfügung gestellt werden.
die von der deutschen Gesandtschast in Bern fiiv
tranke und krankheitsbedrohte deutsche Kmder in
Davos und im Tessin eingerichtet wordcn sind.

-r- Bon dcr Universität Freiburg.Die rlmver.
sitätsleitiing beachsichtigt mit Unteritutzung der Re-
gierung ein «rosies Hinis Zu kaiifcn. in.dom an
die Studenten zum Selbftkostenpreis ern ahnliches
Essen wie in der Volkskiichc abgogeben werden sott-
 
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