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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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Esche PoiiHM
- liberale Volstza^j

Freiburg

t Dr. Steiver vvs

^ner Dersammllm-^T

spartei vor Dü bq'Ee, ^

tclebsrategc^h." Mheni ^

in der dcmokratische« Pntii

iSe'fhÄxmen Lchl^
'c-llßern, Wg. Di.Li,!
ben M>s. <öroikuli!
W. Hen NE
-tachdem fich bM
sungsrechtlicheii M
iatsratsvosteiis, ba!>

. nicht inöglÄ «l.'
lkt, daß das

r nncht'L sei. M

lcitzrn. bimil dikS'
a beh-lt-p. Do''

! der Salüs-ne-^
in der Presse?

Montag, den 24. November 1919

Badische post - Nr. 274

VeUage

Ein Muster heutiger Gesetzes-
macherei

stellt der Eijtmurf eines Neichsalesctzes über die
durch innere Unruhon verursachten
Schäden dar. Da die Negetuna dieser Entschä-
drgung in den e-inzelnen Vundesstaaten sehr ver-
ichiedsn. m Preusten soM'r iimerhalb des Lcmdes
oerschieden ist.-'und die alorreichen. neueu Zeiten
das Bedürfnis nach einer eriiheitlicheu Negelunn
dieser Anaeleaenheit .m einein. sehr drinaenden
gemacht haben, bringt die Neichsregi'eruna diesen
Entwurf em.

Es lohnt sich. menigstens zme i Haupt -
pu 11 kte des Entwurfs hervorzuheben. nm m zei-
gen. wie demokratisch nnd nenzeitlich bef nns ae-
dacht mird. Zunächst erhält einen Ersatzansp.rnch
nur der. dessen w i r t s ch a f t l i ch Veste-
hen durch die Schäden. die ihn betxafen, aefähr-
de t ist. Also es gilt incht dc>r selbstverständliche
Erundsatz. datz. mer dadurch Schaden erlitt. datz der
Schutz des Staates aegen Aufrnhr versaate. 8ln-
spruch auf Schadensorsatz hat. sondern der An-
spruch wird nach den Ve r m ö a e n s v'e r h ü l t-
nissen des Veschädiaten zuerkannt. Nicht
nur die ..Neichen" müssen sich. eiitschädiannaslos
ausplündern lassen. sondern anch Ieder. dessen
wirtschaftliches Bestehen durch die erlittenen Schä-
jden n i ch t aefährdet ist.

Ein Bei-spiel! Bei der Vevmüstuna des Amtsae-
richts- in Mannheim dulrch die Spartakisten ha-
ben die msisten Beamten des Gerichts durch Ent-
menduna von Privateiaentum. Bureanrocken. Bü-
chern'b. s. f. znm Teil recht erhebliche Veirluste er-
li^ten. die häufia mehrereHundert Mark betruaen.
Nach dem jetzt noch aeltenden ba,dischen Gesctz vom
13. 2. 1851 haben sie Ersatz er'halten. Nach dem
neuen Entwurfe mürde auch nicht der jüiiaste und
aerinast besoldete Beamte Ersatz erhalten, denn
man könnke wohl nicht saaen. das? das miktschaft-
l-che Vestehrn eines festbesoldeten Beamten aefähr-
det wär? durch einen Verlust von 100 odsr 200-
Mark. Ob aber von den Vetroffenen eine solche
Entscheiduna als sehr billia und aerecht aufaefasst
mürde?

Nach der Bearündima des Entwurfs soll aller-
dings die Bestimmuna wo.hlmollend ausae-
leat w-erden. Die Veariinduna ist aber nicht Ge-
setz. Und klinat der Auisdrnck ..wohlwollend" nicht
verflucht an die doch alücklicherweise so weit hin-
ter uns lieaenden Zeitcn des ..Obriakeitsstaates"
an. wo der Vüraer von oben herunter auch mal
./wohlwollend" behandelt wurde. Im.demokrati-
schen Staate sollte*aber doch Recht und Eesotz herr-
schen und der Büraer mcht auf Wohlwollen anae-
wicsen sein.

Eeradezn'heroollraaend ist auch die?fraae aelöst.
wer die Entschädi.qnna reaelt. Wenn eine Vsr-
waltunasbehörde die Entschüdianna festsetzt. so
.nützte doch-mindestens hieraear» die Möqlichkeit.
der Nachprüfuna durch unabhänqiae Nichter. den
Verwaltunqsaerichtshof. aeacbcn sein. Weit qe-
sehlt. Ueber den Ersatzanspruch entscheidst unter
Ausschluk des Nechtsw,eas em Ausschun
7°sr von der Landesreaieruna üestsllt wird. Ent-
zücksnd naiv Mt die Bearünduna da.mi Da drn
Landes.wntralbehörden selbst weqsn der finan.vsl-
len Beteiliauna der Eimelstaaton an eincr sachqe-
niätzsn Durchführunq^des Eesetzes in hohsm Mästs
aeleqen sein musj. wird ihnen unbedenklich dic
Eiitscheiduna darllber überlassen werdsn dürfen.
wiie sie durch gweckentspr.cchende Zusainmensrtzuna
der Ausschüsse eine sachaemäste Spruchübuna qlau-
ben erzielen zu können.

Wir alauben nicht. ldas? man schamloser nnsspre-
chen könnte. dak die Landesrsaierunaen die Ans-
schüsse zusammensetzen sollen, dak die Sache möa -
lichst billia k 0 mmt und die Eeschädiaten qe-
prellt würden. Sollte aber ein Mikalied des Aus-
schusies i,u weitherziq aeaen die BeschäÄiqten sein.
so kann er federzeit durch einen Eefüaiaeren ersetzt
merden. Sc/-was nennt sich d>emokra.
tisch! Vefchwerde qeaen die Entscheiduna des
Ausschustes qeht an den Roichsausschuk zur s?est-
stelluiia von Krieqsschäden und kann nur wLqen
Berletzuna des Eesetzes erhoben werdeii. ist also er-
heblich einqeschränkt.

Uebsrhckupt qcht durch den qanzen Entivlurf der
Eedanke hindurch. der anch offen ausaespröchen
wird: Möqlichst billiq! Ob Recht und Ge-
rechtiqkeit notleiden. svb unsäqliche Verbittejr.una
nnter die Eoschädiaten qetraaen wird. das ist
qleich. Wenns nur billiq ist. Es werden ja mei-
stens doch nur Anaehöriae des Mittelstandes oder
der wohlhabenderen Klasseii sein. die unter dem
Eesetze leiden nnd auf die kommts ja heute nicht
an.

Der Entwnrf lieat znr Zeit im Schoke eines
Ausschnsses-der Nationalversammlmia. Man kann
qespannt scin. in welchsr Gestalt dieser Wechselbalq
den Ausschuk veilassen wird. /X

Für unsere Milsongläubigen

und Untersuchungsausschutz - Fanatiker, deren
Streben, Sinncn und Trachten anschsinend
nur daraus gerichtet ist, zu ergründen, wie es
in der Seele Wilsons aussah und was fiir ein
Edsicht er im Ianuar 1917 machte, weil nach
rhrer felsenfesten Ueberzeugung an den Ein-
triit Amerikas in den,Krieg ausschließlich
Deutschland schuldig sei, seien wachstehend die
Aeußerungen Wilsons wörtli ch wiedergege-
ben, die cr ain 20. Aügust auf die Fragen des
Senators Mc. Cumber mnchte. Sie lauten
nach dem stenographischen Lericht des „New-
pork American", der jeßt in Deutschland cmge-
troffen ist, folgendermaßen:

8en3t05 blc Lnmbvr: ^XVoiilcl oni' mocal con-
viction ot tlie unsiLkte-oii8lie88 ot tlie Oerman >>var
IiLve brouLbt N8 into tk>8 vvar ik Oermanv kack not
committecl any act8 »<caiii8t U8tvvi kouck tks LeaLue
ok Kl3tion8 3t tk3t--timo?° ^

Tke ?resickent: ,l Iiope it xvoulck eventuallv,
Zenator, 38 tkm?8 cleveloppec!.-

Senator ^le Lumber: Wo vou tkinlc tkat ik
Oerman^' kack eonunittecl no act ok xvar or no act
iin'U8tice aZainst oiir citi2eii8 tkat ve vvouick kave
götten into tk 8 vvar?^

Tke presickent: cko rk'iik 80."

Senator iVle Lnmber: „Vou tkinlc vve vvonlck
kave eotteu iu anz'vvav?^

Tke presickent: >i clc>!°

Diese Worte lauten in deutscher lleber-
setzung:

Senator Mc Cumü-i: „Wür^r unsere
moralische rlcberzcugun« von der Unrcchtmänigkrit
des deutschcn Krieges nns in dies:« Kriog gebrocht
haben, wenn Dcntschlai-.d ! incrl-:i Akte geg.n uns
begangen hätte, obne den Bölkerüund, da wir ja kei-
nen Völkerbnnd damels hntteu."

Der Präsi°dent: „Ich hosfcs wiirde cven-
tuell angcjichts d:r Entwicklung drr Dinge so ge-
kommcn sei,r." ^

Senator Mc Cumber: „Denken Sie. dak
lvenn Deutichland keinen Akt kriegerischer Dlutur
und kcinen Akt dsr Ungcrcchtiekeit gegen unscre
Dürger beLLugcn hätte, das; wir dann uns in die-
scn Krieg hine'nbrgeben habcn wiilden?"

Dcr Präsident: „Ia. das glaube i ch."

S e n ä'l 0 r M c Cumber: „Elaub'n Sie,
wir würdcn uns auf alle Fällc in den Krieg
hineinbcgcb-hchcn?"

DerPräsiÜent: „Ia!"

Diese Ertlärung Wilsons ist und bleibt ein
politischcs und geschichtliches Ercignis, dem
kein Untersnchuiigsausschuß etwas nehmen
kann.

* Die 'Erhöhung der Wagenstandsgelder, die
wir lürzlich angrtiindigt haben. ist jetzt auch von
der Ecneraldirektibn der badijchen Stnatsbahne-n
beschlosittn word-'n. Di-e Evhöhung der Wagrn-
standsöebühren ist eine ganz gewaltige und zwar
beträgt sie: für einen Taa bO Mk.. (bisher 3 Atk.s.
für zwei Tage 75 Mk. (5). für drei Tage 100 Bkk-
(7.50) und für feden weiteren Tag 100 Mk. 10).

Deutsches Reich

Ein Kronzenge gegen Cohn

ist die Mannheimer -spLitcilistische „Ro-
te Fahne", von der inian wohl ann-chmcn kann,
da>k ste, über diq gchcinicn Ziüsam-inenhänac Lw'r-
Mn den BolschLlwHsten nnd Äen dentschew Eesin-
nnngsgsnossen orientiert tst. Das>Blatt schreibt:

Trotz wiÄMholten Lciigneirs der imaibhäng-
igen „Träger dcr Nevolution", trotz einer Ost-
volittk, .div peinlichst bcmüht war, den Russcn
g-egenüber lcine nndcrcn als platonijche Güiuh-
le in Erscheinlmg treten zu lassen, könncn uns re
nncllbhängiüen Stiefbrü'ccr d'ge Tabsache nicht
aus der Welt schafsen, da» auch sis
ini den kritisch n Novembertagcn von dom Apfvl
gegesscn, rnssisch-e Eeldor -a-ngeno!M-
m e n habcn. Das .st l'. ine S-nnd-s, sondcrn ein
Akt intcr',ation>alcr Solida-rität, wbcr das Bür-
scrtu-m bStrachtct dres-e Solidarität als Beribre-
- chen und jagt d'.o Schiüldigen a-u's seinanr- Pa-
radi-cs,4dem Paradirs -dcr bourgcciscn Möral un
guten C>:schäfte. Und das tüt weh ^nschcn unl-
abhängigen Frennden, dcnn sie g-laulben noch an>
Bf.oral, auch weun. od- r bes-ondsrs rvcn-n, -es di-ö
dcr Bourgeoisje ist. Cs ist kein Zwciscl, d'.-a
tranristste Noll-c in dcmr ncku-cn und doch so
alte,, Skück svi-elte Hlrr Dr. Oskcrr Eohn, der
N,achfc1g-er Hngo Ha.ascs i>m unaibhäiügrgen Par-
teioorftand. Dicse NehabiUtierung vor dch k-a-
pitalisti ck)en Mvral wtVr das kläglichste
Schausp i-el, da der V rtreter einer soziali-
stischen -Arb-ütcipa'tLi b'.elen konnte.

Wir sind in der ',-onderbar n LarR, zuni crften
Male all rdng-s, in den Schluksolgerunsen mik dam
koi'lNüUnististlc„.Bla't derstiben Memimg sn sein.

Eeneraloberst von Hairsen verteidigt sich. Un-
vevgessen ist noch d«e groke' Erregung. die im Sep-
tember 1914 der plötzliche Nücktritt des sächsischen
Ecneralobersteil Freiherrn von Hansen. dcs sriihs-
ren sächsischen Kriegsministers. vom Kommando
dcr dritk.n Armde auslöste. Es hiek da,inals, Ee-
nevalaberst von Hausen sei der eigeNtiiche SchuId-
träger an dem Verln-t der Marne-
schlncht und diescs Odium blieb während des
ganzen Krieges nuf ihni-. Erst jetzt ist es dem
Freiherrn von H.iiusen mäglich. sich öffentlich zu
aechtfertigcn. Er käsjt zu diesem Zweck iini Verlag
r-on K. F. Köh-ler in Leipstg Anfang Dz-:»nber
„E r i n n e rn n gen ans dem Äc.arnefeld-
z u g" crsch.'inen. Nach .eincn Darsteilungen ist sein
Nücktritt ledig.'ich e'me Folge einer Typhuserkrän-
limg.gewe^cn.

Der Mttallarbeitccvcrband gegen die Strei-
lerei. Die neue Leitung des Dentzschen Metall-
-arbeiterverbandes. die nach der Stuttgarter Eene-
ralvorsiammlnckg in ihrer groken M'.'hvheit aus Un-
ab-häuigigen der schärfsten Tonart besteht, hak an
die Vorstände der Ort:grupp':n ein längeres Rund-
schverb'-n crgttcn lasi.n, das sich gegen dic
w i l l k ü r l i che u Streiks evendet. Es hcikt
da, d ü Streils bätte!> Mlttio'.ien vcrschlungrn und
in den Kasseü des Äi'etall-arbeiterverbandös amßer-
ordentlich a'ufgeräu-mt. B.'sonders der Berliner
Streik ha.br so crheblich.' Ge d.nittel erfordert, daß
es an der Z-it sei. von der Wasfie des Streiks spar-
samisten Eebrauck- zu machen. Es muk eiimiäl ge-
sagt Mrden, Las; die Berbandsinstanzen von d:n
Mitgliedern und Leitungen der einzelnen Zahl-
stcllen verlangen müsseitz dak sic alles daran setz'-'n,
Lohnbewogungeii nnf dem Bertragsmege zum
zu-bringen

» Aenderung der Zuckerbewirtschrstung. Die
Einsabe des NrickMils.schusses der dcutschen Land-
wirtschaft ist dem Neichswirt!ch.rftsministeri-um
g'.rads in -sin.-m Auaeiiblick ze ^iangen, in dem
man dort bereiis die darin behanvelten Fragen ei-
ncr Lösumg näher gebracht hat. Schon in -allrr
Kürze dürfte die entscheidcnde Sitzung stattfinden,
in oer eine Aenderung der bisherigen Zncker-
wirtsch >ast festgesetzt mird. Man mird sichdem

Bcrnohineii nach nicht dazu lttitschlieken können,
von einer Zwangsbewirtschaftuna des Mundzuckers.
d. h. des setzt für die Hausha.ltung rationierten
Zuckers, Abstand zu nehmen; soviel ist sicher: die
Entscheidung hierüber fällt in den nächston
Lagen. 'i-'

Aus Baden

Kartofselbeschla.anahme nnterttnilitärischem Schutz

Karlsruhe, 22. Nov. In einer Neihe badischer
Eemeinden. zunächst einmal der Bezirke Rastatt
und Wiesl 0 ch . sind in den letzten Taaen Abtei-
lunqen der Neichswehr einqezoaen. um hie dort tä'
tiqen Kommissionen zur Aufnahme der Kartosfel-
bestände aeqen jeden Änqriff zn schützen und zuqleich
den Aiiordn.nnaen der Reaicrnna mehr Nachdruck
zu vcrleihen. Für di-e mit Truppen beleqten Orte
hat die Sache aber auch noch eine recht unanqe-
nchme finanzielle Seite. denn die Eeireind n mui-
sen die Lasten der militärischen Bele-
quna traqen. die bis zu 800 Mark im Taq be-
traqcn. Die Skachschau der Kommissionen hat in
den einzelnen Orten recht bedeutenide Eraebnisse
aehabt. Es wurden erhebliche Kar'tofselbestände
beschlaclnahmt. Von den Besuchen der nnter mili-
tärischem Schutz stchenden Kommissionen wird vor
allem Mittelbaden >nnd das Hinterland betroffeu
werden. da dort die Kartoffelablieferuna bis ietzt
sehr schlecht ist. Im bad. Oberland daa'eaen.
vor >allem in der Bodenseeqeaend mht Ausnahme
von Konstanz-Land. ist die AblieferuiiÄ qut qewo-
sen. Wie der Ministor des.Innern. in der letzten
Landtaqssitzuna mitteilte. aohören zn den schlecht
abliefernden Bezirken vor allen, Vreisach. Bruchsal-
Land. Donaneschrnaen. 'Emmendinaen. Ettenheim.
Lahr-Land. Konstanz-Land. Mosbach. Schwetzinaen.
Karlsruhe-Land. Wertheim und Wiesloch. Dak die
Zwanqsmaknahmen notwendiq sinü. beweist der
Umstanb der vollständiq unaenüaen-den Kartoffel-
versorannq der qrökeren Städte. Mannhsim und
Karlsruhe z. B. können kaum vier Pfnnd -in der
Woche auf don Kopf abaeben.

Weinheim. 22. Nov. In der letzten Bür-
g e rau 2 sch u k I i tz u n g brachte Rechtsanwall Dr.
Pfälzer etne Jnterpellation e'm nm Schutz der
trete.i. Sie werlangen Eehaltserhöhungen von
schwemiiiuiig der Stadt mit antisemitischen Hetzpla-
katcn. Sämtliche N.dnor, d'.'Q Fraktisnen änker-
tcn sich in abfälliger Weise nver dieie antisemiti-
schc Aaitation. Bnrgevmcisterstellv. Fichtsr cr-
tlärte. dak die Schutzinannschaft angewiesen sei, ge-
ecn die Zettelai,ki>:ber scharf yorzugchen.

Karlvrnhe. 22. Nov. In der hiesigen Münz -
stätte sind iin Oktobcr für 92000 Mk. 10-Pfg.-
Stückc in Zink und für 68 000 Mk. 5-Pfg.-Stücke
in Eisen gepräüt worden.

Karlsruhe, 22. No«. Die Enthüllunq des Dssiik-
mals für den früheren Oberbürqermeister der
Stadt. Karl S.ch n etz l er. wird auf Samstaq. den
13. Dezember. vormittaqs halb 12 Uhr. in Aussicht
acnommen.

Pforzheim, 23. Nov. Die 2ln g est e l l t e n in
Pforzh.'im sind in -'ine L 0 hnbewegnng cinge-
trcten Sie veclangen Eehaltserböhungen vor
dnrchweg 25 v. H. Auberde,,, werdm Bcschaf-
f 11 n >g >-> be ih i lif e n verlangt. wie -sie die Sta-ats-
und Esmeindebeamten bereits mehrfacb erhalten
haben und zwar füc Verheir-.ttete 600. für Lediae
350 ?3(ark

Freiburg, 22. No'p. In der setzten Sitzung des
S ch w u r g e r i ch t s hatte sich der 24jährige Mök-
ger Karl Frisdrich Grangladen' wogen Tot-
-schlags zn veruntworten. Als -cr auf einem Euts-
hof in HüMheim bsi Müllheim angestellt war,
hatt' er d.'i, N-'benknecht. einen 27jährigen Mann,
durch -Halmmerschläge und Halsstiche gxtötet. Der
Erund' zur Tcü war in Zwistigkeiten zu -suchen.
Der weaen Diebstahls sckon mehrfack vorbestrafte
Anaeklagte wurd^ zn »t Iahren Ee-iänsnis ver-
urteilt. ,

Villingen. 23. Nov. Dcr erst fitztcr Tage ver-
haftete Schwindler Nickxcrd Müller. der vor
weniaen Wochen dem Eemeinderechncr i„ Reichen-
bach die Ee-meindekasie -abnahm. isk aus dem hie-
siaen Eefängnis in einem -unbeobachteten Angen-
blick entfl^ien. " _

Die Feinde sind stets die gefährlichsten, die
2 uns recht freundlich hasscir. 2

T ^ ^ J°s. v. A„,f-„b--g. L

Sonnenfinsternis

Roman von Else Stieler-Marshall
Lop vriskt Orstkiein 6c Lo. O. m. b. ki. Leipris 1916
(43. Fortsetzung.)

lJmmer erneut hatte er von dem frischen Schn'ee,
der in rhren Angstträumen. ihr bitterster Verfolgcr
war. Ulmschläse -anf dig glühende Stirn gelegt.
immer wieder ihr fieberstillende Mittel eingeslöbü
Und nach Liner schlimmen Woche war die Eefahr
besiegt. Nun schl-ummerte und tränmte der hillf-
lose Berggast in wochliger Schwäche der volley Ee-
nesung ent-segen.

Ietzt war wioder ein großer Fortschritt wahr-
zunehmen. Sie fing -an, stch zu schämen! Als Weib
vor dem Mannir . . . nnd -als 'kleine dnmine unbe-
deutende Eoa Soller vor dem Professor Klinghart,
dem herrlichen Hochschornmann, dcm sie fovie'e
niedrige Arbeit verursachte. dessen Zeit sie in An-
sprnch nahm. dem sie Schlaf un-d Behaaen und fo-
gar das Bett ranbte.

Er konnte kaum unterscheiivLi,. welche Scham sie
mehr quälte! Als Zeichen dafür. dak die äraste
Schwäche im Schwinden war. mukte er ihre nene
Pein willkommen heiken. Msr als sie sich nun
unniitz so sichtbar quälte. tat es ihm so inniq leid.

Als alter auter Onkel setzte er sich zn ihr und
redete ihr zu. ach. er war doch in Wahrheit nichts
anderLs. Mehr denn je wwr ste ihm nnn. wo er
mit dem Tod um sie qerunaen hatte. in ihrer rüh°
renden Hilflosiakeit sin holdes aeliebtes Kind. ihm
so ans Herz gewachsen. dak er an eine Trennuna
kaum mehr zn denken vermochte. Das -alles saqte
or ihr und ste lächelte ihn an m hinqebender Liebe
un!d Dankbarkeit.

..Will nian sich vor dem' auten Doktor >und
Krankenwärter nun mit ldinem Male schämen,
weil man wieder aesund wird?"

..Nein," saqte Eva. Aber däbei stllrzten ihr die
lränen aus den Auaen nnd sie wendete den Kopf

stach der Wand und bara das erqlühende Gesicht
tief in den Kisssn. um es seinem Blick zu entzie-
hen. Ein Wort flllsterte sie vor sich hin. leise, un-
verständlich .... flüsterte sich damit in neuen au-
ten Schlaf. Der kluae Gelehrte. der. da es unmöa-
lich -rvar zu verstehen. das Wört zu er'raten suchte,
fand die Lösunq nicht und sie war doch so leicht.

Das Wort hieß: Mutter

Die Mordhofleute hielten es qut aeherm. dak
die Eva oben auf dem Berq war. Auker dem M'-
chael hatte der Banor es keinem Menschen verra-
ten. und Michael tat den Muiid nicht auf. um
solche Nachricht zu verbreiten. Auch der alte Än-
ton schwieq darüber, als qälte es in dem Eeheim-
nvs das Elück des Hofes. das immer m Eefahr
war. zu behüten.

Und nur die Lachquellkatrin hatte es in einvr
stillen Stnnde -aus dem Munde der verängstiaten
Mutter erfahren. Sio war aekommen, nach Eva
zu fraaen. weil man sie nimmer beim Kirchaanq
sah und wunderliche Reden über ste hörte.

2lls ihr die Mntter die Wahrheit qestand und
ihre Anqst um das kranke Kind dazu.sttea die-
Katrin hurtiq zum Hochschori, empor. Der Weq
war schlimm. sie versank fast ii, Nässe und Schmutz
und mukte aroke Umweae um reikende Bäche
machen. Stlefel. Strümpfe und Rocksaum verkamen
im Schlanmi.

Die Eva ' aeriet vor Freude überchen Besuch fast
auker sich. Immer hielt sie beide Hände der Katrm
fest nmd lachte sie qlücklich an. Und Katrin mnkte
erzählen. was sie vom Mordhof wukto.

„Warum kommt die Mutter nit. wävum komml
ste nit -cinmal zu mir?" Da wies dre Katcin
ihre Füke.

„Meinst der Weq wäve lestZt i-„ der Schnee-
schmelze? Deiner Mutter Beine sind zu alt dazu."

Abwärts trna die kleine runds Katrin- ein
helles frohes Lied cmf den Lippen. das in die htnr-
melblane VorfrUhli„asn»eite iubelnd hmausklana.
Eeschwind ljef sie- nnd wenn das Schlammwasser
unter ihren kräftiqen Schritten hschmlfspritzte.
dann lachte sie nnr. sie brachte aute Kunde

Katrin Wicsner saate nicht einmal ihrem
Panlus ein Wort von ihrem Hochschornaufstiea und

dem Eeheimnis. das sie erfahren hatte. Das.war
sehr schwer. Abeii' der Paulus. eiüi so auter treuer
Maim er war. ein wenia unqeschickt war er halt
dennoch. es kann sich kein Mensch anders machen
als ihn der Herrqott erschaffei, hat. Gin Geheim-
nis war beim Lachqu-ellbauern nicht so aanz sicher
aufaehoben. Also bekam os nur der kleine Eott-
fried ins Ohr qeflirstert. als er an ihrer Brust
laq. wo seine Mutter heimlicherweis'e herumqestie-
qen »nd was mit der Eoa Soller sei.

(Foctsetzung fvlgt).

Die Femde von Sonne ünd Mond

Eine Betrachtuna anläffiich der Sonnenfittsternis
am 22. November

Den Kvmele» vergleichbar, die übeilall -und su
alleir Zeitcn die iz-och nicht moderncr Natarcrkeunt-
i»,is te-ilhaftige unss in scheuein Aberglauben befan-
gene Wkienschhoit mit Furchf nnd Erauen nor Ent.
setzlichc'm erfüllen, wirkt auch jede Sonncnfinsteu-
nis wie em Mpdruck auf dia Ecmüt.er naivcr Na-
tnroölker. Ost wurde, bcsonder.; iy Afrika, imn
Forschern beobachtet. wie Lc>, eincci Versinsterung
de>.s Daaesgestirns die Eingchorenen vow ivahusin-
niger Angst erfüllt wurden, wie sic — übrigens
ebenso wie!die ineistcn Trcro — zitteri'd zu Dodtti
s>a»ilken, wr'nn dcr sSchattcn des übcr >dis SonnÄi-
schsibe hinwegziehen'dei, Moich'es- mit rafendcr Ee-
schwindigre.it über die ErdoLerslächc iag^, und
wie sie« mit unvorstell-barem Lärm dann l:>ie fin-ster-
ren Dämoiiisn zn vertrciütti suchtc,,. dio dis Licht-
göttin ganz su verschiingcn drohten. So wi-ijd auch
ans der d-besjährrgen, ringsörmi-gcn Sonnc'nfiiiisterr
nis d-es 29. Novemb -r w'edcr iiickt nur sü-- die
Wrononien, .soiiidem:' obcns'alls für die Ethnogra-
phen und di-e' Psmhologen reiches Bcoüachtiing-mna-
leriail entsvring.:n, nnd wiedcr werdon vo.i' Mit-
telam-erika und. Nord.rfrila zahlreichc-M^tellnii-
gen kvmmc'n iibcr das Verhalte,, de>r dortigen nn-
kultiviertcstj Asenschlttit gcgenüber d-er kosmische.i
Eischeinii.na.

Dönn die Urkeimei der Religiosttät mid des
Elauibens an übersinnliche, göttliche Gcwakten
änkcrn sich bei allen Nakuvvölkern in d r Ber-
elirung der Erscheinungen a!m Himmclszelt. lÜkls
die Licht und Wcirme spendende Gotfheit -g'.lt die
Sonne; und nicht nur als Erlcuchttr dcr Nä'chtc,
jondern ebenfalts als Erjhaltcfr dcs Lebeios, als
Spender des Regens, als Nachtgott unid Kön-ig d:r
Toten fiihrt der Mqnd scin himmlisches Szevter.
Diel Sterne rhrerseits wer-den m-e'cst als des Mon-
dcs Kinder aufgesukt. Iedoch Sutzern sich bei nr d
r-gst.'ihenden Völkern Sonn-en- nnd Mondkulk
mcist -erst, wem, Furcht u-ttd Angst da.- hilflcst'
Mi'Zchengcmüt bezwingciii, und die Zercmonici,
dies-es Knlts werdckn 'e'lgentlich nur Lei Soinien-
und Ni'oirdfinstcri'lisien abgchalten, um den Wolf
o-dcn'Hämonen zu. vertreiben, sie d'.e Ll--id'.mn ^-r-
diliikeliisten G-.stirne zn verschl-tnoen drohen.

W.'nn-glöich die Anschau.ung, bci Sonucn u'ird
Monds'instern-isien suchten Riescntrere die E stirc-e
auszusrefsen, zu-nml 1n der ii'dogorinai'.'.sch tt 'Wkv»
thclogic Li-c verbre'ttctste Ansfassung ist, such.'ii
nmi-rhe Natur- ölkcr sich d-.. Ve.f.nstcruiig ron
So'ine und Mznd doch noch auf andeiv Wttse zu
eiklären. Wie Eeorg Wi l k e-Lcivzrg iin „W'ili-
all" ausführt, sind cinz -lne mytholoaisch ? Voistel
lungeii aus dem Elaubcii- hcraus ckttsla.'d n, d'.e
mehr oder minder für eine Zcit l-mg ihics Licht-s
beraubten E:stirno württcn durch e'.i'cn dr'iien,
unb kannten Ecgenstand bcd.ckt oder pe b.deckien
sich gegcch-.itig. Jnn-evhalb dcr durch dicse Uober-
Z'M-giuig hervoigcbrachten Mhtbologi. kanii -man
wicd r cin Hasimotiv und ein Liebo--ii oti-o uix-or-
scheiden. So schildcrt die B drohui'g » 'c Sonnd
o>>:ch den Af.on'd nnd den aus Hak dcr e.ttstcnea
K-ainpf der B'iden miteinanster e'.n >11 Susa voc-
gcsundhics ^i-cgel, das i'n vrinnti-vster Zeichin na
d-.islcllt, ivie dcr Mond in E.stalt einer steil aus-
u rlchteici, Aittilove im Angiiff auf die durch L -

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