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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0476
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Mittv.wch, den 26. November 1919

vadische post — Nr. 276

VeUage

20ProzentGeburtenrückgang

Der L-eiier der Eludienaesellschaft Wr die sozia-
l>en Äolll'.'il des Kriegcs, L. Dör i n«, tn Kopen-
hagcn, schreidt dcr Deutsch. Alla. Ztg.:

Die aowaltigen Menschenv-rluste. di>s Doltlsch-
land durch dcn Krieg erlitten hat. rürken das Ve-
völkeruuasprodlenl in don Vordergrund d.'s Jnter-
cjscs. Wie wird sich in Zukunft die Gebnrten-
bew'guiig oestalt'-'n? Das erste brauclsbare Mate-
rial sür die Veurteilung diosco Problems lieat
nunmohr in dcn Neröffentlichunaen dcs Roichs-
gesundheilsamles über die Orte mtt mchr als
Z5ül)0 Einuiohneril vor. Bekanntlich Mrte der
Kricg insolge der unrfanoreickxm Einbcrufunaen
seit Mai 191S ein'.'n starken Aüiüurz dor Goburteu-
»ahl hcrbei. Jn den Orten mit mchr «ls 16 000
Einwohnern war die Benrovuna -o:

Lebeudgeb. Rückgaug z. Aug. 1014
Anaust 1914 61.428

1915 95.442 16,986 31.0

.. 1916' 30.413 21,016 40.8

„ 1917 26,273 25.165 48.0

„ 1018 29.108 22.320 43.4

Der Höhcvunkt war iln Auaust 1917. wLhrend
der Ausust 1018 wicder etncn tlelncn Auifstieg ver
Eebutleuzahl Lrachte.

Im November 1918 «rsolgte vie schleunÄle De-
mobilisierung des denlschen Heeres. Rn der Ee-
Lure.nbewiciguna mutz das inr Auaust 1919 zum
Ausdruck kommen. Die Zcchlen liogen nunmchr
vor. Allerdings fchlen die Angaben Lber 18
Etädt^ die im besetsten Eebiet liesen. Bringt
inan Liese auch für Ausust 1914 in Abzug, so ergibt
stch:

Lebendgeborene: August 1614: 48 866: Ausust
1919 : 40 466; Rückgano: 33W. Der RUckgana be-
Iräot also rund 18 Prozent. ^

Die EeÄurtensahl tst also ganz beträchtlich an-
«cstj-egen^ bletbl aiber hinter dcr Friedenozahl im-
mer nacl> staN zurllck. Allerdinss oürfen diese Er-
vebnisse nichl ohne weiteres aus das Reich iiüer-
tragcn werden. Denn es hat sich gezeigt. dast wäh-
rend des Krieges der Gchurtenrücksang im sanz.'n
Reich um 3—5 Prozent sröster war als in den
grojzen Städten. Das scheint auch im August 1919
so «ewesen zu s«in. Es wurden in den Orlen mit
meÄr als ÄlOMO Eimoohnern lebendgeboren:

August 1914: 21234; 1019:18247. Der Riick-
Lann lxträst also 1987. Das stnd nnr 9.5 Prozent.
Jn den Ortrn mit weniaer «rls 260 000 Ein-
. ' rZtsfer

Reme Herausgabe öer Gefangenrn BMscher Landtag

nohnern ' beläust stch die

auf etwa 30

Pro^ ent. Da die kleinsten Orte erfcchrungs
eemä'z ,u»ch etwas ungünstiser daftehen, so ist siir
das ganze Reich «m Auaust 1010 mit e»nem
GeLurtenriiickgans von m«Hr als 20 Proz-ent
zu rechnen.

" Dtv Durchsührung des Bronntwrknmonopols.

N,m 1. Qktober ist das Ersetz über Vrs Brannt-
weinmLiiovol in K'rast Letrotcn. Nach diels-rim E.s.ch
«mterliegt aller Trinkbranntwein. d-r n.cht von
der MoUpolvcLwaltuug hemgvstcllt ist, einer beson-
dereir Absbe, dem Fretgeld, Las stlurch Au'ltc-
Iben e.ine-s St«ierzeichnis aus die Flaschen od. ts>l.
cntrichtet rvirK. Das Stauei-zeich-n ist vom Her-
steller an-ubringen. bevor d'e vc'rschlosicnei^ Aa-
schn u. idgl. aus der FnllistäUe cnli'ernt w-erden.
Mer Trinllbrannitw'in eewrrbsmäbig herstellt,
lBromicreien, Dcstillateure oder andera Ecw^be-
ti-otbende) dadurch, dgü er in der ejgcnen. Vran-
nerei Hergestellten oder cms ein<r sremden Brcinne-
rei bezosenon Branntwein auf TrinkstürEe ver-
ldünnt, «nd in Flaschon oK dsl. absüllt od. dadurch
dah vx aus sremden Brennereien beresenen. be-
reits vdrdünnten Lcanntwein nur in Flaschcn ab-
fvüt, mub seinen Betriüb alshald det der sustän-
digen BezirkListclle (hauptsteueramt, Finanzamt)
anmeEcin«.

* Haasrs Nachfolger. Lant ..Berk. Taaebl."
wurden in der Fraktionsfiüuna der U. S. P. an
Etelle des vnstorbenen Äba. Haa^ Henke und
Geyer - Leipzig zu Fraktionsvorfistenden mit
gleichen Rechten aewählt.

« Jdeen slnd ja nur das einzig wahrhaft Blci-
T bende im Leben. Sie sind im eigentlichsten Ver-»

A stande das, was den denkenden Menschen ernst«

K haft und Lauernd zu beschäftigen verdient.

2 rü). v. Hnmboldt

Sonnenfinsternis

Roman von Else Stleler-Marshall

OopvriLbtbvOretkteinöcL«. O.m.b.N. l-sipriL 1916
(45. Fortsetzung.) ^

Dunkle Röte schlug in Evas Gcsicht sin.-n Drand
an. Im Herzen zuckte es auf. Nein. nur d«n
Zyrn ntt weckon. der 1u( so rveh. dem Dater und
ih-r . . . -er kann so sürchterlich werden . . .! Sie
versuchte ojn Spotilachen, recht brüchia ka.nv es
h-raus.

..Was saast du zu solch einem Eidam. Vater?"

Da richtete der Eoller sich aus. Zeüt klana
leine Stimme bedrohlicher, obgleich er sie dämpste.
Besser einen wüsten Eidam. als cine Tochter jn
Schande. Der Iosef saat. dast du sein Liebchen
bist . ." dem Mordhosbauern wollte d-r Name'
ntcht ül-er die Lippen. hter im Turme>. ihm so nahe
- - - und im Herzen immer noch die wundersame
Ehrsnrcht vor ihm, dcnv er so n'uedriaes kaum an-
zudenten wagte ...

.Eva. ist das wahr? Bist du srin Liebchen
geworden?"

Da konnte Eva ihn nicht recht verstehen. Ilnd
seine Fraae stach schmerzhast. das, sie mit der ?>and
nach dem Herzen areisen muhte. in einem iähcn
Schrecken. ^n ihrem noch- so miiden Kopse dräng-
tcn sich schlimme Vild-er auf.

Dir Schlelren blühtcn am Rain und die woisien
Steriianenwnen im Wald-o. Das war wohl schön.
Die Finken srohlockten der Frühl.na war da. Auch
das war schön. Der heiliae Freitaamoraen im
Lenzrvalde . in all seines Zartheit. seinem sri-
schen Kno-spenduste . . . zm.i Augen gliihlen dcn
ihren entaeaen . . . ein starker Arin umsasite sie
wild und schlimme beiste Lipren sucküen nach den
thren . . . . dle heilige Jungfrau hatte Rettnng

Eine Note Clemenceaus

Dem Vorsitzenden der Deutschen Frie-
densdelegation in Versailles rvurde
folgende Note übergeben: '

Paris. 15. Novomber. 191S.

Herr Präsident!

Jch beehre mlch, ZhnLii Len Empsang Zhres
Schrclbens vom 7. Novcmber wegen dcr Aeim-
beförderung der deutschen Kriegsge.
fangencn in Frankrcjch zu bejtätigen. Sie ma.
che» mich besonders auf die ticse seelische Er
schütterung Ahrcr Gcsanocnen aufmcrrjam.
die die natürliche Folge der langen Gekanscnschaft
wie auch dcr U n g e w i st h e i t über den Zeitpunkt
ihrcr Befreiung sei. Sie weisen austerdem auf die
Sorae der deutfchcn Familien hin. die
wie Sie sagen, hoffen. dast die Eefangenen zum

Weihnachtsfeft nach Deutschland zurückkehren
würden. Abgesehen vo-n dem menfchlichen Enrpfin.
den der französtschcn Rcgierung berusen Sie stch

schliestlich zur Begründung Ihres Derlangens auf
vie Tatsac^ der Heimbesörderung der in den HLn-
den der Amerikaner, Belgier. Engländer. «nd Zia-
liener besindllchen Eefangenen.

Nach Jhrer Behauptung follen wicLerholt
Bcrsprechungen gemacht worden fein. welche die
Annahme rechtsertigt. daf, die Helmfchaffung fo-
fort nach der Natifikation de» Fricdens-
vertrages dnrch dle französische Reaierung statt«
frndcn würde. Die frauzöfijche Rcgieruim hat gie-
malo etwas andcres versprochen. als die Bestim.
mungen de» Friedensvertrage» zu er-
füllen. Anoesichts der planmästiaen Verwü.
stung aller von den Deutschen besefiten Gebiete
Nordfrankreichs darf fie einer Abweichung vom
Bertrag zugu.nstcn der deutschen Eefangcnen in
Frankreich nicht zustimmen.

Die Gefangenen werden lm Augen-lick gerad«
dazu oerwendet. mit dex Wiedergutmachung
dicser abicheuäichen Taten den Anfan« zu machen.
Die wüste Bchandlung der Bevölkerung dcr
besetzten Eebicte und die Kränkung. dic den
in deut'ch: Hände gesallenen unglückljären Fami.
lien zuaefügt wurde, können nicht sobald der Ver-
gesscnheit überantwortet werden. Die tirsften Ee.
sühle dcs menschlichcn Herzens sind zu graufam
verletzt worden. a.ls dan eine Vcrgünstigung.
wie die von Fhnen ervetene von der französischen
ösfentlichen Meinung zugestanden werden könnte.
Doch damit nicht geuug. Deutschland hat durch die
Untcrzeichnung des Dersaillcr Bcrtragrs die Her-
ausgahe der Deutfchen, die in ihrer Amts-
tätigkclt dicse löreurl begingcn. auf sich grnommen
und jetzt erNLrt sich Jhre Negierung. bevor fle noch
mit der Frage besaht rvird, ausierftande. das
gegebene Bersprechen einzulösen. was die schwersten
Folgen haben könnte. Wenn uniere Verbündeten
sch-rn im September mit der Heiinschafsung der
Eesangknen begonnen habcn. fg ist dies geschehen.
weil die französische Reoierung glanbte, dem nlcht
widersprechen zu sollcii. Keiner unsrrer Borbiind-
ten ist in seinen.Eesühlen und Fntcressen so
tief verletzt worden. wie die Vewohncr
Nordfrankreiche. Wie würden diefe Be«
wohner, die in Iragischer Not zwlschen dcn Trüm-
mern ihrer Heimstätten umherirrcn. rs aufnehmen,
wenn die zu den ersten drlngenden Arbeiten her-
angezogenen tübrigens matrriell wie morali'ch
durchaus kut behandelten) deutfchen Eefan-
gencn oor dem im Brrsailler Bertrag feftge'etz.
ten Zeitpuntte. nämlich vor der endgUltisen R a.
tifjkation. d. h. dem Zcitpunkt de- Inkrast-
tretens des Berlraaes Frankreich verlaf-
fen würden.

Dies ist umso weniger möglich. als mlt der
deutschen Negierung noch keln« endgültise
Verständigung darllbcr erfolgt ist, unter wel-
chen V-dingungen zivile deutsche Arbelts.
kräfte zur Bersüoung gestellt werdcn follen. Die
deutsche Regicrung verlangt die oorzeitige
Erfüllung einer Vertragsbestimmung, abrr
jedesmal, wenn ihr Mahnahmen zur leichte»
ren Ausführung der Friedensbedingungen
nahesolegt worden stnd, um die Leiden der schwer-

gesandt. abcr Schmach war es aewcscn. unaus-
löschlichc . . . sie brannte heute noch!

Eva veraoh die Antwort. Der Bam-er stand
mit neducktcm Hanpte- und irartete. Nicht liesi
Kin LUtzender Blick von ihren Zllaen. -arin in dcr
Erreaung drr Erinnerung die Farbc kam und aing.
Da sühlt-r er es wicder gesährlich in sich, ausslaim-
men. Die Fäuste iuvana es ihm iiie-inander zu
hartem Erisse. dcr sich selber webtat.

. ..So wollte ich, du wärst des HUtbichen Wea
Hc'gaiilvcir und ec wärc statt dslner LMiebc-n."
stiesi ex wild hervvr und wandte sich taumclnd
.r Türa. Noch ninimal drehtc er sich uini. sein
ind icknzublickeii. wie es blak und lieblich dort
sas, uttd mit woitaufgerisscnen entsetzten Auoen
nach ihm starrte.

..Ntt m-ehr sichcn will ich dich." murmclte er
zwischen sest zusammcngehissenen Zähnen. «Hörst
mjch? Nit mehr svheij tann ich dich . .

Wankend und schaver sckrritt er die Treppe hin-
nnter, an Klinghart vorbci'. ochn« Wort und Grust.
Der sprang >a-u,s und wollte ihn, solacn. dai hone
ihn cin durchdringender Schrei hinaus zu Eva.

„Peterl Peterl Vater. was ist müt ihm?
Vatcr!"

Stefan Sotter vcrliesi den Wetterturm- auf dem
Hochschorn. Als cr im Freien stand. in dichcr rau-
hen. einsame-n Berghö1)e. kr-och eine selbsamc Anglst
über srin H.'rz. die> alle anderen Ge-sü-ble. allen
Kummer um sein Ktnd für diesen Augcublick
erstickto.

D>ie feuchte Lust griff m'it eiskalten Fiugern
nach ihnr. Di.- Schrofst'n und Spihen der ftinf
Eckl.ocstern blicktcn ^rust, wie in surchtbarcr und
unverständlicher Drohung zu ibm her. es war als
rückten sic immer näher und dichter auf ihn M-
strmmen. der plump Miigie Turm aus bräunli-
chcm Gcstein. deii cr verlassen, schien sich über ihn
sttirz'-n zu woll-.n. In attcm. was chn ri.mgab,
süh-lte dcr Mordho-sbaner die gleiche stummre, ent-
sctzensvolle Drohung ... . von irgendwochcr

drängte Unheil geaen ihn heran. unheimllch sans
dcr Tauwind üder dcn Gipfeln.

Dcr Akordhoser ftand wie im Bann und über-
liest sich wortlys dem surchtbarcn Augcnb-lick, wo
wa5,iiwrtzige rmbestimmte Abnunacn wie starke
wilde Raubvöacl iib-rr ihn hersiclen.

Doch cndlich. endlich rasfte er sich aus und
lref mit rpeiten Schritten sprittgend. gleiticind. sUr-


geprüsten Bevölkerung. fel <o in Schleswlg oder
in Schlesien zu vermindern, verfchanzte sich Deutfch.
land stets peinlich hinter den Wortlaut des
Bertrags und gab den Entschluf, kund. von
semem R-chte bis zuletzt Lebrauch zu machen. Die
deutsch« Regierung bcgniigte sich aber nicht damit,
«ine streng juristifche Haltung einzunehm«n. sie
verzöoerte planmätzia die Aussührung der
Waffenstillst and sbedinsunsen. ' indcm
sie sich den an sie ergehenden Erfuchen cntzog und
die bindendcn Vorfchriften offc« oer.
letzte. E- mub erinnert rvcrden an di« Ber.
fenkung dor Flotte in Scwoa Flow. a» die
verzogrrte AMslieferung der Schif.-
f«, an d»e dem Vuchftaben wie dcm Eclste der
Wrisscnstillstandsoertrases widerfprechende Poli-
tik, die in den baltifchen Provinzen ge-
tricben wurde. on die in die Bersasiung aufgcnoin-
menen tond bis jetzt beibehaltenen) zweideu.
tigen Artikel. an die Propaganda.
dre in Elsag-Lothringen und Uberall mittels unse
heurer, durch die finonzielle Not nicht h rabge-
minderter Kredite unabläsiig gegen die Verbün-
deten getrieben rvird.

Wir fchwldcn Deutschland nichts als die se-
naue Erfüllung der Bestimmungen
des Bertrages. den es am Ende eines erbar-
mungslosen Krieges. ansenommen hat. eines Krie-
ges. den Deutschland den zivlljfierten Bölkern aof.
gezwungen hat.

Genehmigen Äe. Herr Präsident. die Berslche-
rung meiner ausoezeichnetcn Hochachtung.

Clemenceau.

Die Antwortwote Llemcnceaus ist Verart
eindeutrg, daß jede Erörterung ihre Wirkung
ablebneu würde. Sic ftabiliert die SNa -
verei" der deutschen Kriegsgefangencn als
den „rocher de bronce" der franzöflschen Sic-
gespolitik, zumal Clemenceau angefichts des
Ausgangs dcr eben bccndeten Wahlen weifi,
daß er dcs Vcifalls und dcr Zustimmung des
französijchen Volkes mit nur wenigen Aus.
nohmen sicher ist. Cowcit die französtsche Note
der deutschen Regierung Verfehlungen postti-
ver Art vorwirft, wird zu prüfen sein, was
von deutscher Seite geschchen mutz. um das
Schicksal unserer Eefangenen nach diefer Rich-
tung hin zu erlelchtern. Wir denken dabel in
erster Linie an die Stellung von Zivilarbeitern
für das zerstörte Eebict. Wo aber in der Note
Vorwllrse erhoben werden, die osfensichtlich
vom Uebermut diktiert sind, zu dem sich noch
der Hohn gesellt, erwarten wir von der deut-
schen Rcgierung eine dcs dcutschen Ansehens
würdige Antwort. Des Einen aber
kann Clemenccau und mit ihm Frankreich
heüte schon gewitz sein, wobci wir düzu seine
eigenen Worte in dieser Note vcrwenden kön-
nen: „Die tiefstcn Eefühle. dys
nienschlichen Herzens sind durch die
fortgefetzte Wcigerung Frankreichs die Kriegs«
gesangenen herauszugeben, zu grausam
verletzt worden. als datz dic Kränkung. die den
unglücklichen deutfchen Familien dadurch zu-
gefügt wnrde. nlcht so bald der Vergesscnhieit
überantwortet werden kann". Es ist eino
furchtbareDrachensaatdes Hassev
die Frankreich jetzt gesäät hat.

zend zu Tale . . . Zn seineu, Hele eiirgskehrt. satz
cr tag-el-ana mmtzig. stunrru. in sick> verbissen rurd
stand nicht Red und Avtwort den Fragen und
Bitten Ver virängstigtcm Fr-cm.

Aber dann einmla-l tat er es heimlich dcm alten
Anton zu rvissen: aiuf dein Hochsckiorn hab^ cr

Karlsruhe. 25. Nov
Z-u Beginn der Nachinittags-Sitzung wurd.»
Aunäckist K-urze Anfragen beantworlet. Au?
Ansrage Llber die Verteilung der Web- un?
Strickwaren aus Destanden der Heev:sverwal-
tuing las eine schristliche Antwort der Regierunc.
vor. dahingchcnd, datz nur jene Vestände zur Ver-
lerlun« konmren sollen. die das Heertickt selM
brau^t. Aus eine Anfragei üb^r- die Erhebuua
von streikaeldern bei Lanz und Benr in
Mcmnheim antwortete Minister Rückert dak,
bet der Firma Benz Zwangsmittel zur Z-ablunn
von 6 Btark wöchentlich auf ÄndersorMlnrsicrte
nrcht angewendet worden seien. dasi aber b.'i Lan,
mit Entlassung gedroht wurde. '

Abg. Martin (Zentr.) wandte sich «rgen Ver-
allgememerungen; man dürfe die Larrdwirte nich,
allvoinein mit Wuchep.'r bezeichnen.

Abg. Bielhavscr (Dem.) regte an für die ver-
nM)rte Karto,fselablie.serung erne besondcre Prä-
anie oder teilweise Besreiung von der Zwanas,
wirtschaft zu sswahrLn.

(D. N s kriti-

Aüg. Belzer (Zentr.) und Mager
fiewn die Prcisscstsetzung.

Minjster Nemmele stellt fest,
se von dsr Berliner

)en.

einem Schicksalsgeist geacnüiberaestanden. der aber
b-e ihn aewarnt. dasi er nie. niemals wieder im
eben zu diesein Gipsel emporstoigen dürse.

„Aber aleichrrzptt wusst Ich." sagte Ler Bwrcr
düstc-r, «eiwnal noch wcrd ich inüssen dort oben
stehen . . . und dann geschieht cin Ünglück."

„Msms das Schickfal osfenbart. dcm bleLbt das
Ilnheil nit erspart." raunte -er alte Knecht in
sinslvrer Prvphezerhima.

- Sanft urvd glatt taute dcr Sckmee vo»i den
Häng'.n, es kalinen sck>on zu Endc Dtärz milde son-
nenreick>e Aorsrühlingstagc die blamc LebeMüm-
chen uno An-enronen un>d koldgicl.be H-irmn^ll'chlüssel
in Atensen aus den Mescn und an den Waldrän-
dern ini Tale aüserstchen Nesu:n. Selten war es
-u so svüher Ialhreszeit so rvavm imd schön uiu den
Hochschorn gewelen. Nur ->ckn steinerncr Rückttn
und die Felse-nhäupter sciner beiden nächsten
Sckwiistcrn trusen noch weitze Lasien. uur noch in
steiveii tiesen schattenreichen Schluchten beite^cn
sich Schnecpo-lster. Drüb'.'n das lonnensrohe kleiiw
Wichtel stand schon frank und srei voii aller Win-
tersnot und der alte Gabriel ka-m von dort h-erü-
bergestiegen und brachte aks ein Wunder die crsten
ti-esdunkclblaucn Dnstveilchcn mit. Lachguell, Lei
d'.m Graslerlenten und im Mordhos-ci vurlündete
er wl>.' frohes AmscAied das Nahen dcs Früh'lings.

„Sehet, SkackMrn," sprach cr. „ramitet ichr schon
Veilchien im März. Der drobcn lockt uns zeitio
das liobe Geblüniel."

Iliid M»-ratt. wo er nur konnte. sang dcr^altc
Eetreue des Wettermachers Lob.

Er stieg auch hinauf zum Turm, so müMlm ihm
der Wcg im Schlickerschnce noch wurde. Aber der
drotben war nun seit Wockren nicht mohr zu d-m
Nachlmrn herumgewandert. nuitzte man ihn schon
auff^ieinem Berse heimsnchen.

Seine Veilchen hatte der Windbruchrlte alle
untcrwogs verschenkt und fo kaim mtt leicren
Hänjden anf dcm Eipfel an. um sleich gewahr zu
werden. wre gut er seine Lenzüabe just hicr hätte
gebrauchen kounen.

datz dic Höchst-
sestM'isetzt wur-

Abg. Spang (Zentr.) wiiuschte. dast die Regte-
iAn-g enersrsche Schritte in Verlin! unternehme,
damit dem SchWindel. der mit dem Häute- und
Lederpre-isen getritHen werde. Einhalt ge-
'.chehr.

Minister Rennnele sast. nach den ErNävungen
der Iüeichrvrgicrung in der Deutschen National-
Dersaiminlung konne die badische Regteruns chren
Antras auf Wtedereiinsührung der L-eder-
zwangsw irtschast nicht wiederholen. Sie
habe ah:r die Herstellung von Lurusschuhwerk vcr-
boten und dte Beztrksämter beauftrast, di« Tätis-
kett de-r Häut-eauskLufer zu übc-rwachen. Demnächst
kämen in Baden über 40000 Paar Stiesel
zur Verteiluns.

Abg. Martzlosf (Soz.) bearündet «inen sozialde-
mokratischen Antraa auf sofortige Wiedereinfüb-
rung der Löderzwangswirtschaft.

Abg. Freudenbera (Dom.) leat-e den Standpwilt
der Lederfabrikan ten dar und sprach fich
geaen die Wiedcreinführuna der Lederzwanas-
wlrtschaft aus.

Dcr sozialbrmokratische Antraa wurde hierauf
aeaen die Stimmen der Demokraten nnd Deutsch-
Nationalen und einiger Zeutrumsabaeordneter an-
genommen. Dafür stimmten die Sozialdemokra-
ien und der arützte Terl der Zentnumsfraklion.

Aba. Schön (Dem.) bearünd-ete hiernach die
sörmltche Anfraae seiner Fraktion über die Mak-
nahmen aeaen das Schtebertum. In Zusam-
menhana damit wird ein soztaldemokratischerr An-
traa behandelt. de-r strenaeve Bcstrasuna der Schie-
ber usw.. Einziehuna des Vermöaens bei Nichtab-
lieseruna und die Einrichtuna von Sonderschöffen-
aerickten wünschte.

Minister Nemmcle aab eine Darstelluna der
Matznahmen zur Bekämpfuna des Schiebertums.
über den Schleichhandel. die Lederfürsorae und
bahnwaaen jetzt kontrolliert: Dutzende von Waaen
mit Sck,ieberaut seien in der letzten Zeit beschlaa-
nahmt worden.

Iustizminister Drunk berichtete über die Ver-
störsmia der Staatsanwaltschaften in Konsta"^.
Freibura. Oistnbnra. Kikl-ruh:. Mannheim. In
Heidolbera, Mosbach und Waldshut ist Llmliches
vorgelchen. In Lörrach wird cine besondere staats-
anwaltschaftliche Ctelle err'chtet. Die Einrichtun-
aen von Wucheraerichten wird Don dex bad.
Iustizbehörde Learützt. Eine allaemeine A n-
nestie aibt «s n i ch t.

Nach kurzen Aüsführunacn der Abaa. Straub
(Ztr.) und Dr. Leser lDem.). die die Masinabmen
der Reaieruna bearukten. wurde die Weiterbera-
tuna auf heure. M^ttwoch. vorm. 9 Uhr. vertaat.

Aus parlaMentariscken Kreisen hören wir. datz
num sick> inii der Absicht trägt. im Monat Dezcm-
ber keine öffentlichen Sitzunaen ab.zuhalten. Wenn
nötig. sollen nur die Au ss chüssc: togen. In dro-
ser Moche sollen noch die verschiedenen Ansragen

Kunst und Wissenschaft

Die deu tschen Nobelprei sträger

Währcnd Deutfchland polirisch und wirtschast-
lich noch aus allcn Wundenblutet. werden jeiyeits

Sieges-
zuge-
gemel-

bet. von der Akadcmie der Wssienschaften in Stock-
holni zur Nerteil-una gcbrack)t — dii: Physikpreise
von 1618 und 1919 und der Cheniieprcis oon 1018
— und alke drel fielen ste deutschen Forschern zu.
Zrveisellos in einer Welt. die dcm Dcutschen auch
houto noch zu vier Fünftol feindiich oder doch un-
frcundschaftlich gege-nüberstcht. eine Anerkennuns
cer deutschcn TüchtiakHit, die nicht nur erhebt und
erfreut sondern cvuch alte guten Kräfte des crmat-
teten Landes oiufs nou»: anspornen wird.

Profesior Alar Planck. dem jetzt -filr se-ine
Echöpfung dcr Qunnt'entheorie d4r Ncüel-
preis zuteil wurde, hat den gleicheu Preis bercits
cinmal, in, Jchr^ 1908. davongelragen. Der im
62. Lrbensjchre stehcnde. <rus Kicl gc-bürtise
Physik-'r zeichnetc sich drreits ain Anfang seiner
wisien»'ck3is"ich«,i Laushchn dnrch die VeMentii-
ckiima -grundleMindcr neuer Anscha-uungen auf. dem
Gebiet der meä-anischen Wärmelchre aus. d,e er
dann in seinen „Borlcsungen üb-.'r Therm«»yna-
mi!" bis in alle Einzelheitcn ausbaute. Bereits
im Iahro 188? übertrug man V.'nn chck Pwnck
nach einer mehrjährigen Lchrlätirkeit m Munche i
und Kiel den beriihmten Lohrstuhl Kirachosfs an
der Bcrliner llniversität. wie er auch spaler. im
Iahre 1890, den Sitz von Hermann Helmholz m
der Akademie der WisicnscArsten einnahm.
er damals schon berühmt als Therimodynamtrer
iind als ein Reformator dcr Anschanungen Mer
div Thoorien verdünnter Lösungen uird chsmiim-r

Colvich-te. so beoann er um d!e Iuhrhundertw:noe
mit seinen Arbeitem über die Theorie der Slrah-
lnng, dic ihn a-uf langem, mühsamen Wege z^r
seinem arötzten Erfolg, zur Quantentheorie
ren sollten. Diese neue Thcorie brach rücksichtsios
niiit wlsfenschaftlichen Ueberzeugimgen. dio Mtt-
huiiderte lang als unantastbar gegolten hattem
und lehrte: das energ-ebischr <8e-schehcn vollzivcht liM
nicht kontinuierlich. sondern soznsagei» ruckwene.
Nicht ununterbrochen wirkt eine Krail. sonoern
 
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