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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0490
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oer/oren HaLen. jedes wlchtige LeLcnsmerkmal, des Tntschltunme^en
vcrzeichnet. OLerLalL Ler Kanzel. die aus erner »ot'sch verztnien
lleinen Säule ruht. wirL Ler LUtern des Frl. Strup aed«rcht: .Ller
liegt bearaben der Hoch- u. Wohlgeb. Herr Ioh. Fnedr. Strup von
Eelnhausen. Churpfälz. Obrist u. Eommandant der «liestunkt und Re«
stdenz Heidelberg. gest. 6. Ian. 1721. seines Alters 64 Jah. Auch seine
Ehegemahlin. die Wohlgeb Frau Johanna Magda1ena Stvrpin geb.
von Frapsin. gest. den 2. Nov. 1764, thres Alters 58 Iahr. Zur Rech-
ten des gotischen Chores steht das aus hellem Sandste'n (Keuperl ge-
meiftclte Renaissaneeepitaph mit den 4 lebensgrohen EKalten (Vater
und Sohn. Mutter und Tochter). gekrönt von einvm NcedaUlon aus
Stein mit der Auferstehung Christi. roohl die Eltern des gegenub"'
liegenden lehten Handschuhsheimers und se«ner Schwester. die beiden
letzteren im Alter von 5—7 Iahren. darstellend. Rechts vom Haupt-
altar liegt der 1743 verstorbene Pfarrherr I. Anton Schnurrbusch.
Links vom Hauptaltar eine gotische Nische mit der I^reszalil 1629.
Auf der l'nken. Cl-orseite steht das andere prächtrge Renaissanceepr-
taph mit Hans und Barbara von Handschuhsheim. Auch hier stnd
besonders schön goarbeitet die Rüstung. Locken. Löwe: das dtumenbe-
stickte Bauschklcih, das Brustbildchen an der.Halsschnur mit Christus-
topf) usw. Ileber den Figuren stehen Sprüche aus P>. 119 uud 90,
auf dem Mitt-el kifelchcn: .Mi-r beede gischWistert die letstgeborene
detz Hendschugsheimer stamen. Ruhen in der lühlen Erden dep kamen
und unten oerckündet die Tafel das tragische Eeschick des Tottn: „Ais
man zalte 1385 Jar. Jn der Nacht den 25. Iuny zwar Wardt Ae-
born Hanntz von Hendschugsheim. Auff ime stunde dn Adeliche
stame allein. Von Churf. Frider'Hen Pfaltzgraoe bey Rein Ward
beschriben gehn Hoffe zureitten ein. Zu di-en stellet er sich gehorsam-
lichen dar. Seines alters fünffzehn und ein halbs Iahr. Zu Heidel-
berg auf -cm marckl Ley nacht Friderich vom Hirschhom ime Hardt
stach. De 14. decembris im sechzehenhundersten jahr. Ueber fiben-
zehen tag hsrnach sein lebe endet gahr. Alles ist gegeben in detz
Herrn Handt. Er lässet keine übelthatt ohne LeloM. Ob ich schon
zestlich werde gerecket hin. Sterben ist meines leben gswin." Psalm
16. — Lin kleines Heldenlied! Daneben über seine Cchwester:
„Iung und geradt war ich für wahr. Eine Iungfrawe >ns dreiizehend
jar. Barbaram geboren von Hendschugsheim. Den 6. octobris Ano
1599 in dem Herrn geschlaffen ein. Mein Eott und bregttgam ckich
fordert ab. Mein beyschlaff hab 'ch in diesen grab. Darzu war ich
willig und wolgemudt. So wvr der todt mein heiradt gutt. Mein
seel ist bey dem beüttgam mein. Mern leib thut hier wartten sein.
Ditz ich fein stime höre am Züngsten tag. Stehet mein leib auf auh
diesem grab. Ur^) nehme die Erwae freude ein Mit allen auf?erwöl-
ten fein." Hiob. 19. — Auherhalb des Chores auf der linken Ostseite^
steht das wuudervolle Erabmal des Hans von Ingelheim und seiner
Eemahlin. berde in voller Lebensg^talt (der Maximilians Harnisch.
her Lvuchtige Helm. das wallende Haupthaar. die Wappen mit Helm
und stohM Wappenflügeln. die Kringel und Windungen des Wappen-
schmucks: die Eestall der Margrrreth mit ihrer. Stirue. Hcruplhaar
und Kinn rmllchliehenden Haube und dem langen. faltenrrich wallen-
den, Knöchel unL> Gelenke teusch umfliehenden Eewande weckt Nürn-
berger Erstinerungen (Madonna): über ihr das Hdschhm. Wappen:
Sllberner Handschuh auf blauem Felde). Dre Inschrift lautet: „Anno
dom. 1500 ja uff den 21. Tag des Monats Hornung und do wars
Sams ^q Sanct Hillacis-Tag. Starb dsr Edle Dest Hanns von In-
gelheim, des Eott genot." — „Ao. dom. 600 uff Sanct Johannis
Wahris-Tag Etcrrb die Edle Ehrsame Frcuo Margareth. geborne
van Hentschuchsheim eliche Haosfilaw Hans von Ingelheim. der Cott
genot." — Daneben steht.eino Eteinplatte mit einer Frau in Lebens-
grötze (Wappen der Handschohsheimer und das der Booendorfer mit
einem Ring): „Ao. dom. 1572 Donnerstag den 30. Oktober abends
M sieben llhren stcrrb die Edel u. tugendsame Fraw Anna von Hens-
nim, geb. von Bedenldorffer. Des sel und alle got genedig sein wolle.
Amen." — In der NorLwestecke des Lcmghauses stehen zwei gotische
Ercrbmäler (Kniende Gestalten, reichveri;!ertes Wappen:: „Ao. dom.
1481 uf Sant Marytag starb de Vest Dyther oon Hentschusheim hie
begraben. Des vcrter de streng Her Heiurich von'Hetschusheim im
strytt M lothringen wart erschlagen. dev Leider selen got genad."
Dyther kämpste 1462 unter Friädrich I. dem Siegreichen in der
3chkicht ber. Edingen. Cpäter word er Hofmeister de§ Herzogs Phi-
üpp. 1473 Mitvormund Lüdwigs v. Bayern. eines Sohnes Fried-
richs I. vvn der Klara Dettin >und Stammvaters der nachherigen
Zürsten von Löwenstein-Wertherm (Stmnmschlost. Burg Scharfeneck
bei Rcunberg und St. Iohann bei Albersweiler i. Rhc-Psalz). 1476
ward er Rcrt des 1462 errichteten Hosger'chts. — Daneben gedenkt
seiner „uf griin Dorstag" entschlafenen Eemahlin Marganeth. geb.
von Franckenstein. -f 1483. ein Erabmal. Sie seM schläft zu Heidel-
berg. M de barfutzen." Autzer den bis jetzt genannten sind in der
Kirche noch bestattet: Fvau Elisabeth Kneblin. geb. von Helmstdtt.
7 1582; Max. Hen. Liber Baro de Fürstenberg. 1671: anno f- 1670
qwattuer fratres: Io. lldälricus. Ioan. Ernest. Fnancke. Tasimir.
^an. Emeran. Emerst. — ab Helmstatt. — An Eemälden sind zu er-
wähnen: Die Fresken an der Südwand (B'lder aus dem Werden.
Leiden und Sterben Iesu), überm Triumphbogen und daneben (En-
gel gemalter Teppich): die Altarbilder (Christus auf dem Oelbera
Apostel, Christus am Kreuz). ein Einzel-Oelbild (Christus am Krem):
Herligenfiguren aus der Bcrrockzeit: die übrigen sind neueren Datums'.

An der äutzereu Südwand der Kirche stehen etwa 12 Platten
darunter noch erkenntlich z. B. dre Aufschrift: I. H. Schütz. -f 1082'
.Psarrer: Reichsfrau A. M. v. Helmstatt. geb. v. Wiltberg. u. a. Der
erste Erabstem des letzten Handschuhsheimers. der .grff Freitag den

IaHrhun-derts war auch der Schlusi seines Lebens und seiivs uratten
Stammes." Seine Crablec/ung fand unter grotzeni Eepränge 'tatt-
Auf dem Kirchhof vor det Kirche stehen noch vereinzelt einige Erab-
stein«. der Familie Roltmann. des I. Chr. Walck und Frau (Amara
mors. omorem non separat). des Detans Fr. Th. Brunirer (1759 bis
1828). der Eräfin Suscmne von Spencer. geb. Eräfin Iorison Wal-
worth (1770—1840) u. a. m.

Sooiel aus der Eeschichte des unscheinbaren. sich hinter Obst-
bäumen verkriechenden Kirchleins. Auch hier gilt der alte Spruch'
von den „nedenden Steinen". Deni stillen Beobachter eviählen sie
vieles, die Spitz- und Rundbogen. die Saulen und Eüabplcrtten. die
Jnschriften und Iahrnahlen. Dem lauschenden Wanderer we-rden sie
vernehmbar, diese „Stimmen der Toten an d'e Lebendigen". der
Heimgefundenen an die Umherirrenden und Suchenden. Wi« ein
feierlicher Choral rauscht es aus ferner Dergangenheit und ruft ein

lautes Memento_! „Waiü»erer steh' still und sprich ein Gebet

für mich, morgen kommt em anderer und betet für dich".... Es gllt
auch hier, das uralte Lied vom Werden und Vergvhen!

Das Geburtshaus des Malers Karl Rottmann
zu Aandschuhsheim

Mitten in Handschuhsherm liegt die vom Efeu romantifch um-
sponneL«; „Tiefburg" (Mrsierburg). Das ällere Cchlosi der Herren
von Handschuhsheim. das im 16. Iahrhundert durch Herrat an die
Herreu oon Helmstatt überging, erlag der Zerstörung. Die später er-
baute Burg der Herren von Handschuhsheim wursde teils in fruheren
Kriegen, teils im mordbrennerischen Orleans'schcn Kriege zerstptt.
Von ihr stehen noch die Umfasiung des Palas mit Rundbogenfries.
<5enstersitzen und wuchtigen Eckpfeilern. Itn Wasiergraben. aus dem
weitästige Bäume ihr^ nach Licht hungernden Wipfel empotstreäen.
stchen unter Schutzdach untergebrachte Portalbogen mit Wappen. An
der füdlichen Palaswand klettert ein Treppentunm e-mpor. auch bsugen
sich an Süd- und Ostendv zusammen drei wappengezierte Erker hin-
aus. (^1795 lietz der in einem anstotzenden Landhaus wohnende Iosef
Freih. v. Helmstätt. kgl. spanischer Eeneral. ein'en Tcil der Schlotz-
ruine. die am Einstürzeri war. niederveitzen und M landwirtschaMichcn
Zwecken verwenden.

. Dieser Wasserbürg („Tiefburg") gegenüber liegt das kleiwe
Schloßchen ("'s Schlösi'l), das 1609 von dem< >'n der alten Kirche ru-
henden kurpfälzischen Obersten Sttrip aus Eelnhausen bei Hanau er-
baut wurde. Bereits am 15. September geht es in den Befitz des
Edlen Philipp Ernst von Venningen über. Am 10. März 1665 erwirbt
es der kurpfälzische Rcgierungsrat Iosef von Iungwirth. Am 31.
Janüar 1689 brennt das Schlötzchen ab bis auf den Turm. Nach sei-
n>em Wiederaufbau geht es auf »den Sohn. Karl von Iungwitth. kur-
pfalzischer Oberamtmann üu Wellbruck uud Oberpostmeister M Duder-
sta^dt über. -Am 6. Ianuar 1762 kauft es mit Eütern Ioh. Ludwig von
Harscher. kurpfälzischer geisllicher Administrationsrat.

Am 31. Oktober 1772 geht es in den Besitz des Mttglieds des
grotzen Rates der Republik Dasel. Nikolaus Hummel. über.

Am 8. August 1783 wird Besitzer des Schlösichiens der kurpfäl;;..
später badische Waisenhausschaffner Karl Franz Iosef Rottmann
mit einigen jedoch nicht mehr freien Eütern. da diese Vorrechte seit
der Negfirun» des Kurfürsten Marimilian Ioseph beseitigt waren.
Am 11. August 1836 geht das Schlötzchen aus den Händen der Thereje
und Helene Roltmann durch Kauf auf Karl Adolph llhde aus Bremen
über, der das Anwesen bedeutend verschönern und namentlich die
Eartenanlagen erweitern liest.

Auf dem alten Kirchhof an der Handschuhshieimer Kirche steht
ein mit Fackel. Falter, Sanduhr und Urne gezierter Erabstein mit
folgenden Inschriften: .Hier ruht in Eott Carl Franz Iofeph Rott-
mann. gwtzh. bad. «eistl. Administvatipnsschaffner Geb. am 6. Sept.
1738, gest. am 29. Oktober 1822. (Iob 19.27)". — „An der Seite ihres
tveugeliebten Eatten 'schlummert im Frieden des Herrn Maria Mar-
gareth Rottmann. g«eb. Wäldmann. geb. 27. Februar 1746. gest. 11.
Ianuar 1808. (Phil. 1L1)." — „Nclben der Asch« der verklärteü Ael-
tern liegen die irdischen Reste der beiden Kinder: Maricr Anna Io-
sepha Rottmann. geb. 11. Februar 1784, gest. 4. April 1830 und Än-
dreas Ioseph Rottmann. Nittmeister lln groMrz. bad. Dragoner-Ne-
gimevt von Freystett, geb. 1. Dezember 1777, gest. 21. Oklober 1832.
(Phil. 3,20)." .Aem Andencken an dte guten Aeltern und innigstge-
liebten Ecschwister gerveiht von Therese und Helena Rottmann —
Immer schwede vor uns ihr Bild mit segnender Waltung. — Daf;
es uns sühre zu -ihnen. wo die Liebe nicht weint! — Hin -gl ihm. der
durch Liebe den Tod jgir Pforte des Lebens — Weihete. clls er um
Tod Leben den Seinen errang^"

Am SchlöMen. desilen düsterblickender Treppenturm verschie-
dcne kronengeschmückte Wappen und «in vernrauertes Fenster mil der
Iahreszahl 1009 trägt. ist auf der Nordseite eine Gedenktafel ange
bracht: „Zn diesem Hause wurde der Maler Karl Rottmann. Sohn
^es ^Aeiä>enmeistors Friedrich Nottmcmn ain 11. Ianuar 1798 ge-
oren."

Die Reihenfolae ist also: Carl Franz Ioseph Rottmann (1738
bis 1822) und seine Frau Maria Margareth. geb. Waldimrnn (1746
bis 1808). — Deren Kinder sind: Andreas Ioseph Rottmann (1777
bis 1832), Maria Anna Iosepha Rottmann (1784 bis 1830), Therese
Rotlmann. Helene Rotlmann. Friedrich Roltmang. — Des Letzteren
Sohn: Karl Rottmain'

hlelt selnen ersten Unterrtcht nrit Karl Fohr zusmnmen von seine-in
Vaüer Friedrich Nottmann. alsdann mit denn Rheinpfälzer Eeorg
Philipp Schmitt (1808 bis 1873) bej Christian Hellci: zu Heidelberg.
dem Freunde Peiers von Cornelius: 1822 ging Karl Rottmann nach
München, machte später Kunstteisen ins „Land jdev Sehnsucht.. Malia
und dem von Hölderlin (---- Hyperion) mit der Seele gesuchvcn „Land
-er Schönheit": Guechenland! 1841 liesi er sich in München clls Hof-
malcr nteder und starb daselbst im Icchre 1850. (Cine RE leiner
Gemälde in den „Städt. Sammlungen" M HeidelLerg. Landschafton!).

Im Eeburtshause Karl Rottmanns befinden stch jetzt dam Zuge
der Zeit entspreä-end Mietswohmmgen. Dies ändert indesien nichts
an der äutzeren. romanlischen Schönheit des Schlötzchens. Wenn in
mondeshellen Nächten das weitze Silberlicht verwilderten. reben-
umsäumten MaueerwÜnde umflutet u. den efeuumsponnenen behelmten
Turm umgleitzt. wenn der Nachtwind wirbelnd über die Ulmen und
Duchen. Birnen und Ackazien !<es einsamen Parkes huscht. wo einst
Urnen und Statuelten standen. dann fängt des Wanderers Seelo leise
an M schwingen und M träumen und das müde Nuge sucht nach jener
seligen, versunLenen Welt. wo die „Brunncri verschlafen rauschten"
und „d>« Sterne so golden schienen". über leuchtenden Marmorblldern.
verroilderten Nosengürten und -Lauben in „prächtiger Sonrmernacht!"

Im „Äoten Ochsen" zu Handschuhshelrn

Autzer der allen Kärche zu Handschuhsheim. der Tiefdurg und
dem Schlöhchen Lefindcn sich auch sonst gcrnz sehenswette Häuser da-
seldst. Während Faä-werldauten (wie Ecke NMltalstratze H. Ga.
Albert und Abertin 1690) grotzc-nteils verschwunden sinjb. Mbti es noch
eine Reihe stattlicher Daroähäuser (obevyalh „Eästhaus zum Dach-
lenz") z. B.. Steinmetzzeichen. Tür- und Torwappen mit Iahrzählen
des 17. und 18. Iabrhunderts. Historisch wohl am betanntesten ge-
mordcn ist das »Easchaus zum Roten Ochscn". wo »Tante <volix" ihres
seuchtsrühlichen Amtes waltete. Iahreiang wanderten die Studen-
ten. Semester um Semester. nach d.mi sonniscm Heim der guten
»Tante", um sich an Küche und Keller za stärken und zu laben und
in ftohen Scherzen zu erheitern. Fast alle llniversttälsftüdte haben
ihre dera-ttiaen leöenden .Qriginale gehabfi wie z. D. Erlansen in
dtt .Madame". der Fvau Rrürsberger-Bubenreuth. und drr Frcru
Oppefi der Wtttin der jn StudentenkeiseN gutbekaNnten »Oppelei."
Die Studentenbilder rmd Eriimerungen an den »Roten Ochftn" be-
finden stch in den StäLtischen Scmmillungen. denen sie FrLuIein Fe-
lizitas Bnmne, so ift ihr Familienname, überlleh.

llnter den unMltgen Besuchern und Verkehrsgästen nennt der
noch im »Roten Ochfi'n" stvhende Stanimtisch unter anderem folgende
Narnen: Wvber. Holtzmänn. Freyburg, Fbrster, llllmann. Welcker.
Ceisow v. Bülow. Gcrlach, v. d. Steinen, Waltz. Horn. Schellenberg,
Imhos, Brackenhavsen. Sieufier, Frauenjeld. HasemQnn, Hilspach,
Wejig, v. Krieken, Richter. Nioinann, Fabttcius. Fischrr. v. LLolff
v. Lcefselholtz. v. Pawel. W. Scherrer. Daedeker. Sämmann, Daub.
v. Campe. Wernz u. « m. Auch vercrhrte dort der Dicht-er von
..Wclldmeistere Brautfahrt", Otto Roquette. der wundervolle Tage
r«äebtt.

, Zu Heidelberg im Neckartwl —

O goume Iugrndwonnen!

Da rauschten Wellen ohne Zahl.

Im frischen Lsbensbronnen!

Da lodertcn in sützom Drang
Dcr -Iusend helle Flammcn
llnd alle Lust und Liebe klang
In einen Ton zusammen.

Das war die überselge Zeit!../

Längst ist sie vergangen, diese goldenc'. romantische Zeit. Von
der schwcirmer-rschen Poeesie des alten Studentenlehens ist in unserer
prosa'.sch-nüchlern'eii Zeit. wo mian iast »nur noch" Pokitik treibt.
VolksversamMlungen besucht. und über Hochschulresormen der ver-
schiedcnsten Art nachsinnt, nicht mohr viel zu merken.

Seit dem Tode der Tante Felix ist dcr »Rote Ochsen ein stil-
ks Easthaus geworden. Mit thr ist des Hauses Sonne und Scele
zu Erabe gegangen. Auf dem Friedhbf hinler Handchuhsheim liegen
die sterblichen Reste der Vie-Igefeierren. Ein Dranitstein. an den sich
dunkler Efeu schmiegt. ziert die Stätte: »Hier ruht in Eott Felixitas
Brunner tTante Felix) (geb. 1- Aus. 1825, D.st. 27. Mcirz 1900."
Darimlcr:

, Im Leben lieb und wert.

Im Tode unvergetzlich."

Heimat / Alfred Hein

' Ist kein Wort dafür erkoren,

Dir vom Elücke süß zu künden,

Aber hast du Mut verloren,

Heimat wird das Lächeln finden^

Heimat ist nicht Strom noch Stadt,

Heimat ist wie Einsamkeiten,

Für die Eott nur Namen hat,
llud in die wir sanft vergleiten.

s -

Auf jeglich^r Stratze, die Frankreich durchzieht,

Da wandert nun nächtlich ein suchendes Liedl

Es eilf zu den Vrüdern, die drüben gefangen
llnd kann ja nicht hinter die Gitter gelangen,

Es schmeichelt um^Hügel, wo einsam verwehk,

Kein Kreuz und kein tröstliches Blümlein ersteht. —

Im Heimattal hauchen die Rosen noch Düfte,

Da schwingen die Vögel sich frei in die Lüfte,
llnd wunderbar rauschen die Eichen im Wald..

Mann kommt Ihr (öesang'ne, ach, kommt Ihr nun bald?»

Im Heimattal, — leise nur darf ich es sagen, —

Da müssen wir selbst gar oiel Mühsal ertragen.

Mein Deutschland, du stolzes, wie konnt es gescheh'n,

Datz all deine Sehnsucht nach Frankreich mutz gehn!

QOL

Wenn es Abend wird

Talabwärts wandern wir Hand in Hand, der untergehenden
Sonne nach. Wie schöir war der Tag. voll Sonne und Klarheit! Un-
ser Körper sühlt fich neugestühlt für den Alltagskampf um heut und
morgen und mit allen kleinlichsm Mühen. Einen Tag lang sind wir
auf den Höhen gewanderl. habrn alles Enge und Schwache hinter
uns gelassen, haben nur Ruhe. Freude und Licht geatrnet uud uns
satt gettunten am fonnigen Sonnenschein.

Keine Uhr mahnt «n die rvrttnnende Zeit. Wie wunderschön
war der Morgen voll Soime und Klarheit. der Mittag voll satter ge-
rruAfroher Stille. Nun klingt der Abend in einem tiefent vollsn
Akkord aus, voll weicher Müdigkeit und herber Kraft.

Der Herbst. d«r grotze Maler. hat auf seiner Palette alle Far-
ben. vom durchstchtigsten Kobalt bis zum dunkelroten Krapp.

Wie ein grotzer^ glühender Dall liegt die Sonne tief im Westen
und hilllt die Höhen in einen goldrolen Köniqsmantel. Alle Farben
fliefi).n in wunderbar harmonischen Uebergängen ineinanver. Der
Rauch verglimmender Krautfeuer. welker Blütendust erfüllt die
Abendlust mit herber Schwere. Erlkönigs Töchter entfalten ihre
spinnwebfeinen Nebs.llschleier und breiten sie über die dammern.de
Erde. Wunschlos tiefer Frieden überall. Leise steigt das ASsndläuten
aus dem Tal herauf. Aus der einsamen Villa oben am Wald singt
eine weiche Frauevstimme das sehnsüchttge Liedch^n oon der Anna
Ritter

„Es geht ein Lvedchen im Volke
Die Mädchen singen's zur Nacht.

Wenn unter den schlummernden Halme''

Im Tale dib Sehnsucht erwacht"

in die abendrote Welt!

Am Wtesenhang sitzen drei kleine Blondköpfe und schauen den
spüten Wanderern verwundett nach. Malerisch gebettet in grüne
Wiesen liegt das kkeine Schwarzwalddorf. Vor dem Kirchlein auf
der Höhe breitet sich ein lila Teppich von Herbstzeitlosen. Dae vor-
dämmernde Weitz der Häussr wird durch die grüner Fensterladen und
durch blühende Eeranientöpfe freudig belebt.

Auf.dkr Vank an dex Haustür träumen Erotzmutter und Grotz-
vater in den slillen Abend. Der Herbst hat ihnen ein buntes Futz-
kisien aus Dahljen und Astern gestickt. Am Gitter lehnt ein junges
Weib. Das von rotem Wein umsponnene Haustor bildet einen ma-
lerischen Hintergrund für das gebräunte Eesicht mit der dunklen.
schar-even Flechtenkrone. Der kleine Blondkopf auf ihrem Arine ist ein-
geschlasen. Tiefe Ruhe ringsumhcr. Das gleichtönige Zirpen der
Crisien löst dsn Abend in setznsüchtiges Sinnen und Klingen aus.
Mit brennenden Augen starrte sie die Landstratze tzrnab. bald wird
der Vater ihres Buben den Weg herauf kommen. Noch ist er in Kriegs.-
gcfangenschaft. aber bald wird sie ihn immer wreder tzaben. Bald!

Auf der Bank unter der uralten Linde. die Eelchlechter loinmen
und getzen sah. sitzen ein paar junqe Burschen. Der eine spielt Han^
harmonita. ein anderer Flötb. Zu den,weichen Klänaen drehen sich
zwei junqe Paare, enaoerschlunaen, schleifend und wiegend. Die
Haubenbänder der Mädchen fliegeu wie grotze. schw«.z? Rachtvög>?i.
dje roken Nöcke leuchten wie Blutstropsen in der grmwioletten Däni-
merung. Verträumt. eng aneinander gelehnt. sitzen Dursch uud Mädel
am Wegrand^ Verlanäend. lockend zittern die A>alzerklanqe durch die
Lust und vettvehen leise und leiser. Wir habLii die letsten Häuser des
Dorfes hinter uns gelasien. In aeheimnisvollem weichem Dunst liegt
dip Ebene vor uns. In der Ferne glimmt bier und da ein Lichtschein
auf, wie Leuchtfeuer von seesahrenderi Schisfen. Und langsa-n kommt
dis Nacht heraist'. > k-

!
 
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