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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0492
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10. Leonhard Frank aus WürMni. No-

vellenschreiber.' ^ ^

11. Liellvncht auch dcr Dichter Klabund. d. h.
Alsred Hentschke. der sich rocihrcnd des Krie
aes mit eiirer Passauerin vermählte.

12. Schriftstellerin L l a i re S t u d e r. die ini

München in enaen verwandtschaft'licheir Be'Aiehun-
tren steht. .

Dirs Entente-Pwpaaandaburo m Bern unter-
stan,d der Mitwirkuna des Rechtsanwalts Dr.
Brüstlein. Am 14. April 1917 erschien -um
ersten Male fMittwvchs und Samstaas) die ..Nreie
Zeituna. Unabhänaiaes Orcyan für demolratischc
Politik." fLaupen bei Bern). Sie wurde 1918
noch mij» amerikanischem Deld unterstüht
Sie bildete die Krawe dieser ncaen Deutschland ae-
schleudert'en Kötflut. ..Die Eruppe lder ..Deuischcm
Republikaner in der Schweiz") best-ellte den aus-
wphlreichstien aüer auch aewinnbrinaendsien Markt
alles deffen. was ffch schriftstellerrsch aeaen das
deutsche Reich amsschlachien lieff. Deshalb
wurden auch Männer M ihr Kerechnet, die in
Wirklichkeit nie den förmlichen Anschluff an sie
vollzoaen. die aber durch ihre Eesinnuna und Be-
tämmma einen für uns aefährlichen. für uirsere
Feinds hochwillkommenen Aaitaiiansstoff darbo-
ten, wie z. B. der Dichter Androas Lattko-Bu-
dapest: der vornraliae Bezirkspräsident und Sohn
des 3. Neichskaniss«rs Prin, Alexander von
Hohenlshe. .der bayerifche Genc'ral Graf
Montaelas. der Minchener Professor Dr. I.
W. Förster oder das Hauvt der deuMsprechen-
den Passfisten. Dr. H. A. Fried. der im Herbst
1914 mit.seirrer „Friedenswarte" aus Berlin nach
Zürich überaeffedelt war." 8lus den zuvor ae-
nannten Kreisen stammen: ..Krieasblätiier für das
deutsche Volk" uud ..Die Briefe aus Deutschland"
(1916s: aefälsckte Nummern dor ..Eazette des Ar-
dmnes". oer «Strahburger Post" (1917. Lhnlich der
aefälschten Nr. dsr .A-oankfmtcr Zeiluna").

Soweit der Aussah Dr. Riedners. In der
Fra nzöf'ischen P ro p aaa nda au sstel--
lungMLändau lMak'k Neaen ouffer von den
obon aeimnnten Autoren deg Parrser Romanisten
BLdier .'.DeuiisHe Derbrechen durch deussche Doku-
mente bewieffm": W. Mühlons „Verheemna Eu-
ropas"-; des Fürsten Lichnowsky Schrift und in
-besonders hoher Auflaae- der „Almanach der
„ffsreien Aeitung^-Bern (1917-18s. Her. v. Huao
Ball

Diese Schmussblatter werden an die pfäl-
-ischeVeoLlkeruna vert-eilt. unr ihre
Seele zu veraisten und sie am deutschen DaterlaNde
irre zu machen. Der Almanack» nennt unter den
bereits aenannten noch folaende Mi'Mbeiter: Dr.
F. Bloch, Dr. Arank Bohn (Newyorks. Prof. P.
Lalam«. Sieasriäd Flesch, Iwan Goll, Bruno Eöh.
Dr. Milovan Erba. Karl Ludwia Krauiso-Mün-
chen, Prof. L. Markowstsch. Dr. W. Mühlon. Prof.
O. Mppold. I. H. Schifs (Newyorks. Prof. I. R.
Dandervrethe. Dr. Warnemuth. Arnold Mieser.
Prof. E. F. Nikolai. Wehvwvlf. Cracchus u. a.

Nach einem Bericht des ..Verliner Taaeblattes"
vom 27. Mai 1919 (Die franzosischen Nmtriebe in
der Pfalj;) Leffand sich dsr Mitavbeiter der „Lreieu
Zeituna" aus Bern. Lharles Hänaai. in der
Pfalz und begründete dort das M. R. K. (Miitel-
Rhein. Korresp.-Vüro). das Ls. Emrich iibertra-
«en wurde. dem Hauptschristleiter der „Freien
Pfak"'."

Man fieht, es führen vtele Weae nach Frank-
reich! Das deutsche Volk hat keine Ahnuma. welche
Maulwurfsarbeit aeaen ui'.s während des Krieaes
aeliefert wurde und noch fetst. nicht znleht in den
besetznen Eeöretrn. tretrrsben wird. Es maa sei.n,
d-as esB. aewissen Verfaffern der Artikcl in der
..Freien Zeituna" unbekannt ist. welch ein llnfua.
ja Verbkechen mit ihren. Icflweise sehr„ schr zwes-
felhaften Geistesaeburten aetrieben wird. In sol-
chen mysteriösen Dmaen heifft es einfach „Hände
weal" ..Freie Zeituna" — „ffkyeie Psak" — wenn
es nur nicht noch heifft „ssreies Dcutschland". d. h.
ein tn Ket4en fchmachrendes. Lis aufs Vlut ae-
peitschtes deutsches Vaterland.

Nun. die nächsten Iahre werden es zeiaen. ob
wir leben odcr sterben! P.

* Dr. Heim betreibt den Zusammenschluff sei-
ner chröstlichen Bauernvereine mit dom bayeri-
kchen Baüernbund. der ihn zum volitisch mächiis-
sten Mannv in Bayern machen roürde.

Verhandlungen über die
Auszuliesernden

Wie unser Vorliner Vertreter von un-
terrich.'eter Seite erfährt. wird die Reichsre--
aieruna sich bemühen. über die ffsraae der nach
dem ffsriedensvertraa an die Tntenre ausrulie-
fcrnden Perlsonen in fpezielle Verha-idlimaen mit
den Alliierten einMreten. Es handelt ffch insbe-
sondere darurä. daff bei dom Auslieferunasbeaeh-
ren nur solche Personen in Betracht kommen. die
ffch talsächlich nachweisbarer Berbvrchen schuldia
aenvacht haben. Es lieat bei der unklaren Kas-
suna der ffsriedensvertraasbestimmunaen die Ee-
fahr nahe. daff eine Reihe der Entente mtffliebi-
a«r Perfönstchkeiten ausaeliefert werden soll. die
nicht im Sinne von Necht unh Gesetz behandelt.
fondern der Antipalchie ausaeliefert würden. In
bisheriaen Verhandlunaen hat daaeaen die En-
tente M verstehen aeaeben. daff das im Friedens-
vertraa enthaltene Schuldbekenntnis die
alliierten Machte in wettaehendem Maffe Lerech-
tiae. nüd Necht und Eeseff Gcbrauch ru machen ae-
aen alle diejeniaen. die für das von Deutsch-
land üuaeaebeno Krieasverbvechen verant-
wortlich M-mächen stnd. In unterrichteten Kveisen
herrscht kein Zweifel diarüber. daff die Entente fede
Auseinandersetzuna mit Deutschland ablehnen
wird und auf restlose Erfülluna des Ftt-edensver-
t-raaes besteht.

Französische ^opfpreise auf deutsche
Gefangene

Eigener Drahtbericht der „Badischvi Post"
Väsel. 28. Noo. Die «-Infarnr" meldet aus
Paris: Das ifranzöffsche Kriegsministerium hat
Belohnuvaen ausaesccht für das Ernfanaen
und Wbliefern-sliichti« -gewordener deutischer
Kriegsgefanigener. Für fcden auf dcr
Flucht fest aenommeiren u. de.r nächsten Militärbe-
hörde MLef-ührten Eesansenen erhält der Ein-
lieferer eine Velohnung von 25 .Frankün. Trotz-
däm foll. wie verl-autet. di-e fvanzöstschs Bevölke-
run« in zichlretchen Mllen die Flucht deuHcher Ge-
fan-arn'en schon aus.Mitleid unterttützen.

Ungarn und TschechosLowakei

Eigcner Drahtberrcht dsr „Vadjschsn Post"

/V Vasel. .28. Nvv. Drs 1sck>eckws^EäEifche
Preffcibüro msldet aus Prag: B.idaposter Nachrich-
Len laffen kriegerische Absichten und mä-
litärisiHe Vsrbereitungcn Ungavns stir eiiren
llebersall «Mf die Slo-wakei deutlich erkennen.
In llngarn werdr ss.vnwärtig eine 80 000 Mann
stWrke Armee gebildet, wooon 40000 voll ausgerü-
stet seien. Aus Oestereich treffcn fvrtKrstijzt Zü-ge
mit «rohen Mensen Kri-cgsin.ateria>l. besoiwers
nrit schwcren E^schützea eiir. Die tschechoKooxvci-
sche Resierung beabffchAigt die Beseffung der De-
markationslünie durch starbe' Tnuppennmssen.

Die energischen Enaländer

» Eigener Drrrhtbcricht dcr „Vadischsn PosL"

— Solingen. 28 Rov. Die britische Be-
hörde hat entschioden. daff die Papier- imd Le-
derwarenarbeitec die Avbeit w'icder «ufMiehmen
und die AvkeitGeber die Aussperrung d'r Arbriter
zurückzunehmen haben. Wie weitcr kerichitet. wird.
will dve britische Arhörde iniierhalb des von ihr
besefften Eekietes beinc Streiks mebr Lulden ämd
im Falle des Ausdruches von solchen soforlise
Maßregeln ergreifen.

Der Untsrsuchurrg§ausschuh

Berlin, 28. Nvv. Wie der „Vorwärts" Lerich-
tet, ist eine Aenderung des bisher angewand-
ten Verfahrens d.'s Untersuchungsaus-
fchmsses ins Au>ge gesafft. Die VernehLnung soll
stch au!f ein reines Verhör des Zcugen be-
fchränken. also auf Fragen der Mitglieder des Aus-
schusses und anf die Antwort des Zemgen auf die
betreffende Fragen.

* Noch ein Protest gegen Erzbcrger. Nach dem
sLHstschen FinanMinister Niffschke hat auch die
hessische Regierun a in Verlin E inspru^ch

erl)oben gegen die zu kurze Fristsetzung für Be-
sprechungan mit NeiHsministeri n.

Theater und Musik

Aeidelberger Stadtthealer
„Am Brunuen vor dem Tore"

jSinsspisl v. Oskar Felix. Mustk v. W. Goetze
Das war ein Schreck! Ich glauibte. ich sei ver-
rückt gswvrdcn, rvieder ein kleiner Bube. und man
gäbe. ein unüeTanntes in mustkalische - Zuckuugsn
vevfallenes Stück von 'Kotzsbue. Wurde da nicht
eine Ritterkomödie gefpielt, in der Menfchen in
üöbundener NeLe. w've friiher ini „Faftnachtsche-
ater" fprechen? -Ls war doch etwas von Netzler,
— nein, es w'ar Lortzinss «Waffenschmied". —
oder spuckten nicht die Meisterffnger? Richtig, der
Skribifax Beckmesser. — doch nein. dsr hatte Ber-
liner Polkabeine bekommen und tanzte blöde Ku-
plotlschieber. Da wär aiuch der Knapps Eeorg. aber
in Berlin so heruntergekenrmen. daß er. „polnische
Wirtschafft" machts? .-Drei-Mäderlhaus", ach
nein. ich irre mich. Fvam Schubert war sthon im
16. Jcchrhundert entdsckt. L>6bte dannails Hans Hei^
lbina, — der laius BSchern -Eig lbeschwört? llm-
Himmelswillen. hinaus ms Freie. noch 10 Minu°
ten und es ist um meinen Verstand «eschohenl —
Richtig. so war es: — einen Akt lcuig glaubte
man wirklich an eine senlimentale. brave Volks-
oprr. freute stch einer nicht üblicm Naivität. DMM
wurds das Stück heimlich mit einer üblen Hüps-
vosse hintevm Vorhang vertauscht, — und uner-
träglich

Jch bin zu sachslich. um nicht oin VLdstuern LLer
dies traurige Erlebnis zu enipf'.nden. wabei
ich hvffe, daff W. Eoetze blutjun« ist: denn wcnn
er auch von -allen Ecken und Enden. von Doüizetti
und Lortzing bis zu dcn schlimmsten B'rliner Mu-
Dfinmen sich „Eeeisnetes" Lusammenholt: dieser
Mensch wäro nicht unsnhig. wirklich ein deutsches
Singl'pve'l M schreiben, findet wahrhaft liebens-
würdige VolkÄweisen.. kaim Chöre sel-en („Komm
auf die Wiosel") schreibt sauhere. wirssame Opcrn-
sinale. iuslrumeirticrt klar und ost allerli.M und
Aang'chön und brinot e§ fertig. an solck> einem
stillosen Kraut- und Nübeissalat zu erstiäen!

Schade auch uin die teilweise glanzende Auf-

^^Armer Kapellmeister Lobertz der diese,end-
lose Partitur. die nach himdekt Strick>en schreit. so

vorziigAch schwuna- und geschmackvoll einsludürt
hatte, armer Cihor. der ffch mit Evfolg solchr Mühe
acüb. Und wie sckön eimlerichtet wcrr alles Büh-
Ansaii.g aft wlrklich po-lisch und
Wie hatte die Spielleituua

nenimäffige, im
st'lmmunasvoll

Maiile das Ganze so sicher und wirksam hevaus-
gearbcitet. Und M diese Liebe für dcn geschmack-
losen Krautsakat I

Noch eine gute Seite vom Uebell Das Mach-
werk hcü Herrn Mayer-Waelde zu ciner
Elanzleistuug verholfcn. Nicht nur. daff er seinm
Petex voll LiebensuKrdigkeit und Poeffe gab. cr
sang rhn init seiner süffcn Teirorstimme g-rad?zu
bestrickend sthön.

Auch der zwoite Tenor Herr Schommer war
recht wacker und miuffkalisch tüchtig. rvenn auch mit
starken Heniimungsn. Der Dialog. wie der Eesang
entgleiteten ihm stellenweise so merkwürdig.
Maile zog für dcn Schreiiber die ffärkston Seiten-
seiner dvastilchen sKoinik -auf. Nur im Latein:
Note o. Nun, die Sprache i'st für 'chn Mich keine
„necessitas". wie er sage-n würde. Nebsn ihm iü
schweselgelben Possenkomik Fr.au H e lmol t. Dcmn
Lratt noch H^r Patten in jedcr Bezrohung als
.gowichtiaer Goldschmchd hervor. Dre D-aimen stan-
dcin im Hintertreffen. Die Hibdegard muff von
eiuer Eängrrin -gesungeu werd.'ir. Frl. Wokfert
wcrr zu damenhcvst geziert un-d dann reicheii die
serinsen Stinimittol nicht cntsernt aus. (Doch
ja die schwingenden ArmbewogU'Nüen abschaffenl).
Dem Frl. Akonti stand anfangs die Nolle so Mo-
lut nicht wre Neitkleid und dcr Federhut. dann in
den Posstnakten ging ffe mit -all ihrsnr Können
für Las Und'ankbcire ins Zeug. (Aber nicht so
viel üibrrflüssig lacheixl!). , .. .

llnser Spielplan war m so schonen. aufwarts-
steigend-n Linion beariffcn. Dieser Nückfall durffte
also nicht kommeir! Dann lieber aleich wieder die
„Mlnische Wirtschaft". Das Publikmn. das jla hier
nur ganz langsam wieder „emporgeleitet" werden
kann, füjhlte ffch natürlich unsaabar wohl. jaiuchzte
und wand ffch vor Wonne.

Dr. S.

Politische Hypnose

, Dor Dund Lür Dreigliederun« des so-
ö/'aien Organismus bat amr Donnerstaa
Aibcind in dein kalten amd schmach bosetzten «roßen
S-aalder Mrmnonie in HerdeiLerg durch den Pfar-
rer Hemler sein Progrcmnip entwickoln lasseii.

..De^ lberechtigte Kern seiner Forderunaen:
moSkichste Tvennung von Polittt und Wirtschaft.
sreie Entwicklung >des aeisttgen Lvbens. der Erzie-
hu-ng und Bildung ist keine Erfindung von Dr.
Steiner und seinen Iüngern. Darum bomühen sich
seit langem dte besten Kräste der Ncktion, fovvlich
mit aanz aistderem Wirtlichkeitsffnn als jene. Die
davüber hinausgehendeii' Ziol? führon zur Späitung
des Stxvates, dessen Einheit gegen die Zertrümme-
runssgelüste dcis Auslandes zu erhalten unfere
vornehmste Pfticht ist. Sie bedeuten nichts ande-
res als eine Zurückwevfung des deutschen sticvwtlichen
Lrchens tn die Zeiten des Atittelailters. wo die
Auffgcvbon das „'Stiaates" sich im Eerichts- und
Heerweffen eüschöpften. während diie „Wirtschast"
von den natürlich.n Bsvbänden und don zaihlrei-
chen Genossenschcrften unabhäiWig vom „Staat"
besorgt rouvde nnd das aerstige Leben. die „Ver-
waltimg der KultU'rgüter" ganz in den Händen
der KtrHe lng. Hier unterscheidct sich Dr. Stein.'r
in ntchts von den uirderen heutigen Weltverbesse-
rern, die auch nur läii'gst vcrganaene Zeiten und
ihreir Tieffstand der Eegenwärt als -erstrebens-
wokte Ziolo vovhalt'rn.

Die Vagündung der Z'.ele war verworren und
wM^rffpruchsvoll. F,n Munde eines Vortvagen-
den. der einen solch grenlichen Ealliinathias pro-
duzierte. necknn sich wcchrlich die abfällige Kritik
-unst'ros HocküchülivLs.ms 'schlecht aus. Ein Professor
oder Dozent. der es wasen würdo. einen dercir-
tiaen Vortrcrg ,zu hakten. wiivde von. seinen Stu-
denten ausgescharrt und Loykotkiert wcrd-'n Wir
hörten schunenid. kstß das griechische Denöm ori'en-
ürlisch .thocckratifch und militaristiffch war imd daß
seinem Aristokratismus der dei'tiche Pevsönlich-
keitsssdstnke Ler doch wchickich auch uristokvatisch im
besten Siune des Mrtes ist. gege-uliiberst-ä.idc. Wir
mußten uns weid-r bÄchren lassen. daff di^ Röm r
die Schöpffer der Mechaphysi^ waren. obwo.bl ße
doch gerade der hartc Tatsachenffnn au^üchuete
und es solten ein umn?thayl)M'chi:a:es Vosf als
die Römer gogeben hat. Die mitteloffterlich? Kirch?
soll durch römischen Eiuftuff eiu bürgeriiches
Rechtsinstitut ssworden sein und dielen Lharackt-'r
der Kirchs.sM der Pratestantismüs cmi die Spitze
setriebm haffren. währeiid >vir chch bisher die
welchistoribche L.?iftu,ng des Protestanlismus ge-
vcvde iin der Verinnerlich'.iua. in dcr Betoiuuig des
Eeistigen mrü in der iinmittelbaven H:>rstellung
ernes Wer(>Änisses zwischen der Einzolseele und
ihrem Eott gesehen hatten. Nach dieser Eeschickts-
verbesserung konnte es nicht wunder ncHmen. caß
der Bortmiyende die büsl crvge dcsitsch? Bildung a!s
undoutsch väll'g -abhäivgM vc-m Ericchm- uiid Rö-
meistiM bezcichnete. Er hat offenbar von Schiller
und Eoe-ch? und ishrom Einsluff >auf die deutsch?
Mldnng noK nie etw.rs gchsrt. Oder waren
auch Schill?r und Ea-'the iindeut'ch^

Diiei sozisl-r Frage wird nach Pffarr.'r HcisDr
dnrch Vollioziüftst 'r>uiig -gelöst. Sein-e Mnzen An-
sckMiunMn in dieser Fvaae gehen nur vom Arbei-
t'r dar Groff'iird'.'st-rie laus. idffe völlig andcr'en
wirt'ckz-astlich'n und sozialen Bedinigungen der
Liandwirtschvft, l-es H-andwerks und Kleingemer-
bes. des Beamtenstandcs. sswio der aanzen geisti-
gen Avbüt — dü> er geschm.rckroll an,ch unt.r die
Waren des Wirtsch.iftLprozesses rechiet — werdcn
völliH v-rnachlcjssigt. Daff die Dollsozialifferung
selÄst von den sah'ssten ^zialistischen Köpfcn we-
nrgstens zur Zeit sür iinausführL-ar gchalt-'n wird.
befümmeki rhn nick-t. Er meinte: „Von cheute auf
mcmien können wir die Wirtschaft in Gcmeuurirt-
schaft üLerfiLhren und gerade. jetzt m der Zeit des
wirtschastftchrn Zrliamm.nbruchs wüsse die Voll-
sozialisterung in Angriff gen''-m,men iverden. Sein
Ziel. allen Menfcheii >oin wi?cbig?s Däsein zu ver-
schaffen im-d Merall Frei-Heit zur Entiräcklung der
PersöuU-chkeit z>u schaffeu ivürd cruck von uns auss
'Nnigste gewiiüfcht. Aber er wie Dr. Steiner rmd
sestne ganzen Fünaer lreachtcn nicht dns Morti
„Leicht bs^sinLmdcr wohnen die Eedankcn. doch
bart i,m R<nme stoffen stch dre Sachen". Aün
lebstit un^-vo'n «armen verwirrt n Dolk einen
sthilechten Dienst. wenn man ibm solche Hirnge-
spinste vorff-etzt und es imnrer wioder vou den
nächstliegenden Aufs.rk'cn abzreht. Fdeen tciten
mahvhafftig auch uns. al>er hente ist m br -als
Wirklichkeitvffnn notwendin. Die Welt wird nicht
in den Schreibstivb?'' v-rL-1>?rt. s'0ndern n„r durch
praktische Avln»it PflichterffülluiMesedes Einzelnen
im kleinsten Krerle und stusennLr'e zäb? Ac-ber-
wmdung des widerstrebenden Stoffes umgestaltet.

Grotesk waren die W i d ' rsp r ü ck>?. m
die derWortragmd-e ffch vsrwttküte: D.rs «cttstrge
Glied die Sck)ulc. soll vom Reä'.-tsglicd dc-m Staat
gcrnz 'mnabbänaia k'i'i - dennocb forderte >cr. d:r
Ctaat solle Miiidestforderunaen der Bildung aus-
st-llen. Der Staat soll nur Nechtsstcvat ,c>n —
gelegv-itftch k-a,n es ihm «b'r mcht darinif an.
ruiszuMlfen: es muff doch em Militar-itaat. em
PolizeistaQt da sem! Das N-chtsgli-'d soll rv'.ir
Necht erzei^u - hat er keine AbnuM daff anch
das Necht nur um des Lebons willen da nt nnd
attc lciiie Fnhalte aus dem Gemsinschaftslel'en m
'einen vicls.staltig n Erscheimmgm oinschlicfflich
dcr Wirtscha.ft. cinschlicß 'rch dcs Gcistigcn ick'öpt^
D?r Stcmt loll b'ilei-be nickff sozic-lisiercn. oies
melmehr Aufocvbe der Gesellichaft s-ein — da der
Gckstllschcvft ab.w das Ziel -gestellt wird. di? ginz?
Voffswirtschaft ,mn des Kcmmms willen zn leiten
sogar sür „ZuriicklEing d-s Mchrwertes eme
-entr-affc' Treiihandbank emgefekt'werden und die
G^l'sschM «rls Ganzes die BildnM und Errie-
l-'ung besorgen soll. so ist natiirlich eme Orc-misa-
tion nötra- Lluf dni Nanmn kommt cs dock> rvahr-
haftig nicht <m.

Das PnbliLum war baisalkssreudig genug. em?
E^cheänlms, die l^ute bci alleii Weltv'r'besserern.
Mystikeni ünd Zauberern Lcobachtet wsrden kann.
ColltM dozu — der Kritiker darf sich wchl auäi
hierüb'kr oine V«m-'rkung Wsta-tten — die übrigs-ns
schlecht kopierten HanLbewegungeii irach Heiugeu-
bildern alter Akoister oder das «owMige Augen'
r,'llen des Vcrtragenden Leigetragcn hv'ben? Die
Handbewegurmen schicnen in der Steiner ch'-ile ein-
geilbt zu werden jedenfalls bat dcr Schreiber dieser
Zeilen ähnliche nur viel natürlicher von Dr. Stei-
ner sel'bst gesehen.

Schließlich hvit Vi? Kritik dic Pflicht darauf
hinzuweiien. daff es bisher bei öfsciitlick>er Erör-
terulng politischer Probleme üblich war. eine Di.s-
kus >sion zu vsvanstMen. Technischr Schwierig-
keiten stcmden nicht im Wege. Wenn der Do-r-
ivaa. 'wie angekündi-gt. üm halb 8 <rngefan>gen
bätte hätch bei eineinhcMstüudiaer Dauer eine
Stunde zur Diskussion zur Vrrfüaung gestunden.
Bei dem eiligen Verschwinden dcs Vortragenden
und dam Nichtmehrersch'iiien dcs Dorsitzmden nach

dem Vorirag loimte nicht eiimial das Verünaen
nach eiiier Dislussioii geäuffert weroeiu M«n
hattc sonst auch schlieffsich in dcr iwch zu Verl-ii!
«ung stehendcn haiben Stnnde cmcu Tül iln
smns LlossteNeii können. Der Schreibcr diescr B''
len hat em Eegünstück bei einom Bortrag Dr Ti-,
^^lin erlebt. wo dex Vorsitzoirde vom
Publitum evst zur Zulussung ein,^ Diskussion a?
zwungcn werden mußte und die Art der Diskuk'
ioiisfMMlng dann in ein wildes Chaos ausartet!'
Äuch dort hatte man die Befürchtung den „(5-1
samteindruck" des Nortcages durch die Disftmicn
vrundlich zerstört zu sehen

Badische Politik

Der Bund

badischer trlrdeitftcberverbättde E.«»'.

in Akanuheim. dem die großen und ör/lickrrn Ar-
beitgeberverbände angeichlossen sind. hielt am Don-
nerstag im Tiergartenrestaurant in Karisruhe
eine stark bcsuchte Mitgliederversammlung ab. in
der Mitgli-eder der sänitlichen angeschlossenen Ver-
bände vertreten waren. Außer den Vesprechung-n
wichliger sozialer Tügesfragon wuvde insbesondere
Stellung genommen zu dem bish?rigen Eigebnisse
der Dera-ungcn über chas Betriebsrätege-
s e»tz im sozialpolitischen Aussckmff der Nationalver-
fammlung. Auf ausdrücklichen Wunsch einiger
durch dio Kohlennot geschädigte Isnduitüezvxige be-
faffte man sich auch mit der Kohlenversor -
g u n g der badifchen Andustrie und mit der durch
die letzte Note der Entente geschaffenen Lage. Die
in dcc Versammlung gefafften E n t s ch l i c ff u n -
gen tommcn in den nachstehenden Telegrammen
zum Ausdruck:

1. An de Fraküonen der Zentrums - nnd der
D. d. P.. Berlin. Der Bund badischer Arbeitgeber-
mrbäi-de erl>ebt in letzter Stunde nachdrücklich
Protest gegen die unannehmbaren Destiminun-
gen des».BetrieLsrätegefetzes. namentlrch aegen die
M-it'wüüung der Arbeitnehmer bei Emstelluna und
Beförderpng, Vertretung im Aüssichtsraiie und Vi»
lanzvorlage aller handrlsgevichtlich eingetragsnen
Vefriebe. im ^nteresse des gesamten' deutschen
Wirtsckmftslebens und nicht miuder im eigensten
?snre.'.sse der Par,?ien. Da die Befürchiung nahe
liegt. daff aus der Nichtberücksichtigung der berrch-
tigten Forderungen der gesamten deutschen Fndu-
sirie, schw-rrer Schaden ftir die Parteieu entstehen
wird.

2. Bkinisterium des Innern. Karlsruhe.
TerD.'r Vund badischer Arbeitg-sberverbände stellt
in heutiger Mi ql-iederoersammlung roisderholt
eine aufferordentliche Zurücksetz.ung der ba -
dischen Fndustrie bei der Kohlenverteilung
gcoenüb.r dem übrig^n'Deütschl-and fest und ersücht
die badischs Negierung zur Dernreidung des Nie-
dordrucks zahlreicher Wirftchaftsbetriebe nachdrück-
lich deslnrlb in Berlin zn reklamrer-en.

3. Reichsregierung. Verlin. Der Bund
^".rdisch- r Arbeitgrberverhände erhebt' nnchdrück-
lichc-n Protest gegen den letzten Erpressungs-
versuch unserer Feinds, den den Wioderanfban
unserer Handelsflorte und dadurch die Asioderaus-
n-ichtung der deutschen Wirtschmt auf unabsehöare
Zeit unmöglrch macht. Wir richten an -d'd? Reichs-
r-cgicnmg das dring-ende Ersuchen. die Forderung
abzulehnLN."

Die b voische Neqierung in Karlsruhe
wurde u.rtev Miktsilung Lieses Telegramms tüke-
gvaphisch ersucht. den S Kndpunkt von Ge-A<'rhe u.
^udustris im Neichsrate nachdrücklich zur Geltung
zu bringen.

Eine Proteftverfammlung dsr bad. Sisenbahner

Karlsruh?» 25. 'Noo. Ein>r voin badsschen Ei-
seirbahnerverband einberufeüe Vers-ammllung des
Fa-brpersoniLls nahm u. a. Stellun.g gsgen die Aas-
führunaen des Ministers des- Fnnern in einer d«r
letzten Landtagsfttzungrn. wongch an der schlech-
tew Versor >aung der BevAkeru-na auch das
Eisenbahnperson >a -l s ch -u ld sei. da es vor-
gekommen wärc, däff mnn einen Güterzug einsack)
anf -einer Stvtioa habc. st-lhen lassen. wetl die acht-
stündige Arbeits-zeit verflo-ssen gewescn sei. Der
Neiftrent. Bevbands-vorsit?ender Müller. dsr sich
«ecen diese Änschuldigung wandte. führte dann
w 'iter aus. Ungezählt fe-ien die Klagkn dc-s Fgchr-
pechonals ge-gen die Un-geLogenherten ins-
besvndere der mit Arbeite-rwochmt'arten reisen-
d en junsien Arbeiter. Aber auch andere
Kv üs^ r^ollten sich nicht dcr Ordnung ftiaen. Fn
der schr lsbhofften Ausss'vache ivnrden Fälle be-
kannt, wonach ein Beaintcr ho.i AusMrun-s des
Dienstes von eimcm Reisenden -mit einem Nevol-
ver bedrli-ht ivurde. Die Vrrsamntlima nuÄm
eine EntsHließung an. die sich zunächst aegen
die oüenerwcühnton AuSftchrungcm dss Minl,t>rs
d.!s Fnn-ern nnd dann geaen das Äuftreten mar^
cher Reisonden wandte. Wenn dro Zustände sich
nickst c^dern und das Veühglten der Neisenden
nicbt brsser and serner dom Pcr'ocial nicht ausrei-
chender Schutz gsmährt werden. seien die Eisenbah-
ncr genötigt, zur S-e lbsth i l f«.'. zu greif.n und
unter Umstnnden die Führung und Beglei»unü
solch:r Züge zn v.'rweigern. Die VorüainnftunS
spvaicli bas Verlangen aus. daff -uuier Zuziehnng
vo,i Negi-'rungs.oertreterii ein Ausschuff gcbildel
wird. der sich über die zur Zeit bestehrnden^ Md
ständ'e unterrichtet.

i- Lrr Landtag hat sich om Donnerstcig nack,
Bcsvrech.'iig mohrerer An-fragen. darunter wegen
d'.'s Schutz-s d-r jngendlickM Arbciter aus unbe-
siiin-m'te Zeit vertao.t.

Karlsrnhr. 27. Ncw. Am lctztm Sonntag ^lt
im hwsigen R.fthauL'sag^dcr Vere.n Bad ^i-
uänzbuamt-.'n eine gu^rordontlich? Vauptmr-
san-m.limg ab. Die Ausiprache ,uhrtc M denr
Erg.'lmis. daff das W-rtrkuen -Ulm Vorsta'd. mre
zum Hauptausschuß durch die iinver>chu!deten Ml-
'lso!o<. Leinesweas L«ei,iträch!'üt wurde d.e M
glieder viclmchr nach'wie »or hinter den Ma '.
ncrn vhres Mrtrauens st h u imd di': m vc l

delberg gegründete . Jnteresiengemem cha t d"

dcutichon Finanzbeanitcn riickhaltlosnntcv!^^g
Kn eincr einsftin'inig omgenonimenen Entschlilsp.nM

auf Wohlbearündete Emgaben m do^m K
Mis'stimmima aeaen die Negierima ^vorr ns
muß. di: sich fer.i!?alten müsie. vou d-r e
gen DegünitiLilna irüend emer Beamie
gruppe. ^

Tai,bcrbischofsh?im. 29. Nov. Dem hä'N^
Amtsvorstand Obcramtmann Dr. Klotz wui
nuchträglich sür Verdicnste in der v--'mgtdgr ^
seriie Kreuz am weiß-ichwarzcn Vandc
hen.
 
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