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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0493
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Lamsla^ den -it. .-cr.^c.iider 1919

FiuanziellL BLdenken gegen
die neUe Kirchenverfassung

Ti«e > die M>i>e d 's Ro-vemb.'r u. .'sen d r
V., iehrsj.'.crre r.ertaale a .0. Gencralsiinode ist
'.uf >. D'?. 'ibec zur Fori.etiuirg ichrer Ardeit wi'-
ter eimbcn: e„. Es I.ent nichl aus;er dem Bereich
dcr MÄglichleii. d-as; dieie weitere T-aauiig von der
Anordnuna einer erneutcn Verkechrssperre betrof-
fen wird. die mit ganz knrzfristiaer AiMndiaung
bereits in der Presse in Aussicht aestellt wurde.
Rian sragt sjch dacher, »b es mcht angozeigt M!wr-
scn wäre. die Bollendi.ng der Avbeitcn. reren wich
lic-lter D'.l die F üloczimg der neuen Versaffung
ist. auf das Fruhvchr zg verschieben. Mr eine
solche langere Vcrtagung läa.n,- maiicherlei triftige
Griiude oor Es ist ohne Zweisel ivbhM zu be-
daucrn. dasi v-md oierzig Ceistilich:. die ber C:-
neralsynyode als Abgeord'nete angehören sserade
in der vorw-shnülchtlichen Zeit ihrer sefft b.londers
drmgcnden Ccmeiiibearbcit entzogen werden
Ka» 11 isr der durch die erste Dagung ohnchin ver-
ss'atet begonnenc Konfirmandenunterricht in Gana
g.komnreii; so wird er fiir ein bis zwei Woch.in un-
tevbrochcn, um dann nach weiteren .zwei Wockzen
durch die Wschnachtsferien von n.mem stillgelegt zu
iverden. Das ist zweisellos eine recht üMersreu-
'.ich.. Ev.chennmg. die in den G:>nr0iudcn. znincil
nn v'irbUck nnf die gcLeiiwartige. so dringend er-
zichnnasbedürftigL Jugend. init Nocht Befv-'mden
erregen lann.

Aber^ die Sache sclbst. u»i die cs sich handelt,
hatte enicn Aufschub nicht nur schr wobl ertrcrgen,
-ond'T« wnre rn manchor Brzichuna noch raifer g-e-
worden. Die Abgeordneten hätten Zeit und Gele-
geichKt gefunden. über wtchtiOL. nnd isogar reck>t
bc'denkliche Teile des Verfassungsentwuvfs mit den
Ccmeinbon zu sprechen und die Mrinung der Kir-
chenglieder zu 5)ören. Eine Verchffung. welche eine
Alkskirchr schaffcn will, wird doch wobl bei ihrem
Werden dcm Gvund der Stmime des Bolkes nicht
Msm:>ich:n müssen. Die Landeskirche im gnn>zen
hättc gswiff hurch einen Aufjchnb ebensowenigScha-
dm aeiw.ii.men. Sie iff von der Revolution nicht in
dem Matze betro,'fen worden. dak unbedingt sofort
mit grökt'r Beschleunigung nru- rechtliche Gnind-
lngen hätten gsschaffen werdsu müffen. Ohne crnst-
haste Vedsnksn hätte der grgsnwürtige, völlig gs-
rsselte gesebliche Uebsrgangszustand noch einige
Mouatr fortbestsh-m können. Wir batten cs fiir
uiiguiistig. wenn unter dem Druck der Verkshrsver-
hältnisfi-. die ArbriL überhastet werdcn sollte. in ei-
nem Stadium, wo dte vorsichtigsten Entscheidunsen
gstroffen wrrdcii iinnffen.

Uoberhaupt aber schckint die durchgreifende Neu-
drdnung eines langfristigen kirchlich.m VerfaffungS-
werks angesrchts einer dunklen Zukunft init einer
gcwiffen Jrrationalität behaftet zu sein. Kein
Menych hat bis jetzt eine genaue Vorstellung von
der Ttef.e bchonders des wirtschaftlichen Nied?r-
gangs. die uns noch bevorsteht. Wie sehr abec ge-
rolLs die im Wecdep brgriffene V.rfassung mit dsr
allgemeincn wirtschaftlichen Krast der GemeinLen
und b-w Üandcskirche in B-'zirhung stcht. davaus tn
der Oeffeiitlichkeit mit besonderem Nachdruck hm-
zuiweissn. soll nicht .unterlaffcn werden. Di'e »eue
Berfaffung findet eine ärmere Kirche vor, vcr-
lanat aber einen grökcren Aufwands aks es zu
Zciten war. wo wir noch ein reiches Vol'k waren.
Das fft — ökonoinisch betrachtet. — rin Unding.
Der Entwurf und vie Beratung des Entwurses
haben auf dis sinauzielle Se.ite der Sach: so sut
wie keine Rücksicht genominen. Jefft ist aber sorg-
lose Bcmavboit. die lodiglich ru Berfolg von hoff-
niingsvollen Prinzipien betrieben wird. nicht wohl
am Ptahe. Die GAneinden, die Kirchenbezirke. die
Lanldeskirche, sollen durch dies und Las mit einem
nicht unerheblich gröfferen Aufioand belastet wer-
den, der nur durch erhöhte Skenern zu decken sern
wird. Dte alle vier Jcchre vorzunehmenden Ur-
wahlen zur Gencralsynode — sofern man b-'i khnrn
stehen bleiben nfird — sind kastspielige Akte. Sie
erfordern in grök-'rcn Gemeinden dauernde Ein-
richtungen. Einen aar nicht lohnenden Aufwand
wevden die Parteikaffen haben. die natürlich von
nicmand anders als cben von Gomeindsgliedern
zu fiillen. sein wcrden. Die vorgesehenc Erweitc-
rnng der Vez'irkssynode. drrcn Da-uer sich sosar ouf
zwei Jahre erstcecken darf. besonders aber die Ein-

VadisHe post — rlr. 279

I. -

snl'nmn emer mindestcns alle wei Iahve abzuhal-
tciidcn -schuljynode. bestehend aus den Reltgions-
lohrcrti. wcrden ganz erheblichc Kostrn verursachen.
Rebcii dem - blshcrigen Oberkirchenrat soll ffch. ihn
ub> rschattend, künftig die Kirch.'nreaieruila crhe-
ncii als dns die Rogicrungsgewalt ausllbende Or-
, be,tch:nd aus dem Kirchenpräffdenten als
-:o:iit;enden. dem Prälaten. dem Stellvertreter des
-prasidenteii und fünf von der Landessynode aus
ihicr Mute gewählten Mitgliedern. Fllr die leh-
tercu wird iciu sröfferer Aufwand als bisher ein-
treten, da ffe nach der Absicht der Verfaffunn an
oer Rogieruiig oinan durchgreifenderen Anteil ha-
-wcrdcn. als der sterbeiide Generalsynodalaus-
nhuff. Ceradc aus finmiziellen Gründen sollte inan
finvon abstehen. sechs so.cher Mibglieder. mie teil-
weiss gewiinscht wurde. in di«. Kirchenvegierung zu
setzen. Füx die Eeneralsynode. die bisher aus 65
^lbgeordneten bcstand. stnd künftin 65 Mitglieder
vorgeschen. Ferner darf noch erwähnt werden, dio
eecachte Erweitevung dej§ Prälcrtenamts zu einer
Art von bü.chöflicheii Spitze. Die ihm zufallende
Tatigkeit. die von bicherigen B.'rwaltungsgeschäf-
ten tiunlichst befreit. werden soll. und infolged:ffen
waihrscheinl'ich durch eine wsitere Kraft auszuü-ocn
sein wird, verlangt lebhasteve Beziehailgen zu den
Geincindcii und Pfarrern und wird daher fffr b-'-
ständige Neiisen und dergleichen oinen wesentlich
höheren Aufwand als bischer erfordern. abgejehcu
von «twaiaen repräsentariven Volgirben. die nicht
ausbleiben können, weim der bischösliche Eindruck
einigc'rmaken bervorg.bracht wevdcn soll. Endlich
hatten wir noch arüf die ganz besonders bedenkliche
Nouerung hin^uweisen, dak einer Gcimeindeniin-
dorheit von mmdesteiis >. 50 StlmlMbcrechtigten —
aius Gründen ihrer bcsondeven religiö'en Rich-
tlung — gestattet sein soll. in der Gemeindokirche
von ein.in andeven als dom zuständigen Geistlichrn
mit Predigt. Ebristeiilchre. Beichte und hl. Abend-
malhl in öffentkichem Gottesdicnst sich bedieni:ii zu
laffen. Wenn Leispielsweise eine Gemeinde von ei-
nsm kirchUch-libsrcklcii Pfarrer bcdient wird. so
können stch 50 stiinmbcrechtigte Positive Gemeinde-
gliedor. dr: seino Prodigt nicht chListlich genug fin-
den, von einsm benachbarten positiven Gcistlichen
allo Arte.i von GotteSdiensten zu bcsonderen Zei-
ten bcsonders halten lasscn. Wer den Aufivand fiir
den Organistrn, Kirchendi ner. für B -lcuchtung^
HeiZ'.ing nsw. bezahlt. darüber mea stch die betrcf-
send: Gemeinde den Kopf zerbrechen. Die gleiche
Sondevmirtschafk können mngekehrt auch liberal
geffnntc, Kirchenglieder einem pofftiven Pfarrer
gegcnüber einfiihren. So werden an den verschie-
dcnsten Orten verdewpolte Aufwände entstchcn. Fa.
die Verfassung läkt sogar ihrem WortliMt nach zu.
dak auch andrve b sonders geart.'te Gcmciindcgki :-
der auf sincm dcitten oder car vierten Grleste
fahren. Fiat lib-ertas, pereat eccloffa! W

Ipiii Wiederausbau der
deutschcn Iagd

Von Eberhard von Nicsenthal
D.urch den lanscn Krieg. die damit verbimdmie
Futternot.und schlieklich die Ausgeburten der Re-
voUitlion isA unser Wiidstand aus ein Dritt'-'l her-
untergesangen, nur bas Rainbzeug pat überall zu-
gcnommen. llnsere bisher so gepslcgten Zagden
sind cmf ZLhrzehnte rumiert uiid wcrden in knrzec
Zeit ganz vcrnichtet sein. m:nn die völlig-e Aus-
schindung so weiter vor sich geht Dieser Tatsache
müffen wir klar ins Auge schen. wenn wir uns in
letster Stiunde schlüffig werden wollen über die
Ab weh r m aff na hm e n gegen die dem W-'id-
werf unniittelbar drohenden Gefahren. Line der
w'ichtigsten tst die Au f kk ä ru n-g sa rbe i t von
Fach- und T.agespresse. um die -mohlwollen-
de Aufmerksamkeit weiter Krcis,.- für die Jagd zu
wecken. Gibt es doch noch 'nnmer :o viieke "Sach-
veyständige" — leider auch unter unseren Volks-
vertr>:ivcrn — die oie niaiiniafultigcn Bcziehunsen
zwischen dcm dicutschcn Weidw.rk und so maiichcu
anderen Erwerbszweigen nicht wurdigen. dle ,ncht
eiinsehen wollen. wie bei verständnisvoller Be-
handlung der Zaäd deren vokksw irtschaft-
licher Wert stei-gt. Einige w.nige ZaWen mösen
dcn iwateriellen Wert der Zagd erläudern. Stati-
stisch nachgewiesen betrug der Riarttwert des jähr-
lich erl-cigten Wildes vor deni Kriegb für Deutsch-

land 32 Mill. M.. siir Oestereich 15 Mill. Kr.
(üach dem lMtigen Knrs allo rnindestens das
OOfachel) Das Wildpret (Fleisch).'welches alljähr-
lich nnserem Volke gelieftrt wurde. hatte sin Ge-
wicht von 30 Mill. Kn «clwa gleich dcm Werte von
76 000 Akastochseu!). Dazu kominen die Erträge -aus
dxn Wrlddecken und Bälgen (Fellen), aus den Fe-
dern unseres Flugwild.-z (Schmuckf.der-Jndustrie),
die cmch in die Milliono.i gehen. Auker diesem niit-
tolbaren komnit noch der unniittelbare Nnhen hin-
zu, der aus der Zcvgd gezogen wird: Zagdpach -
ten (60 Mill.), aus dencn viele LandLemeind':n
rhre ganzen ..allgemeinen Kosten" beza-hlen. Zagd,
scheine <7,6 Mill.). dazu-Ausgaben siir (Zaad-
personal sTrciber, 20 MNl.. Umsah in der
J-a gd i nd ustr i e (jährlich ettva 80000 neue
Jagdgemehre. Patronen. .Munition. Ausrüstung,
Bokleidung 20 MillF rn'.r Ausgabcn für Hun-
dezucht und Dressur. Transport, Reisekcsten. Jcigd-
litevatur usw., so dak die deuts ch e Iagd einen
Gelduinsah von jährlich rund 150 Mil-
lioncn hattc!

Das sollten. nllc dieie>ng:.i bcrHcksichtigcii. die
die bisher gclteiiden ZaeFaeseste. besonders die
Schv'.izeiten. griindiich zn äiidern wiiiischm. Wollen
sie -absichtlich die Zeitcn vo>.i 1818 cheraufbes-ch-wö
ren. wo insolge sreiestcr Zllgdausiibung j der Ben-
gel einen Schiekprügel tni'en und drauflosknallen
duvftc, so das? in kürzc-stcr Zeii dcr Wildstand sast
vernichtet wurde. dem naiizen Volke Äkillionen an
Kapital vcrlorcn gingcii.

2. Es darf durchaus k e i 7 e Lerkleinerung der
Zagüreviere unt r,75 Hcttnr itattfindeii) die Ge-
fahr-ches gäiiizlicheii'^lusschiekcns lolch kleiner Par-
zellen, in denen sich fiiin -Standwud l;alt,:n kaim,
ist z>u gvok. Vielmehr Pachtuiig von grökeren. zu-
samincnhängend.n Neviercn dnrch F.igdvevcins zur
Hege und Pilea-c des Wildst.mdcs 'iiit genau gere-
Söltcni Abschuk durch V.rtrancckSleutc.

3. VLrläiigeriliig der Pachizcit vo» sechs auf
milldcstons zel.n Zahrc.

4. Gleich»iäk''gere Festleau-m der Schonzeiten
durch Fachleute, jowie der Hechstabschukzissern: je-
denfalls keine Verstäiluiig des Ab chusses durch
Zwaiigsmakregc'n

5. Bessercr ccsehlick'.r Schuh gegen das
Wilder >crnn w:c s e n

6. Gleicbniäki.ie Fcstsek>i".a von Mindestpreisen
sür alles Wi tz; r t und b'ld'aste Anshcbuiig der
Zwanssbestiii'.nmngen cm Wildchandel.

Selbstvcrständlicki können hier nicht alle Mah-
nahmcii, Wünsche und Kiagea angeführt werden.
Zch wollte nur d'n Laien auf deu zahb.'nniäffigcn
Wevt — aus dcn idea'e 1 aehe ich abffchtlich nicht
ein — cmfmerkjam niachcn.

Vor allem aber müffen alle deutschen Weid-
-männ r durch sest:n Z'.-ionlni'-'nsch:uk V. im
Allgem. Deiltscheii Fazdschutzvereiiii ihre Kräste
vereinen. um crso'greich.r als bish'.r ffch dnrch-
selzen zu können gegea. alle schädlichen Äusivüchse
,m Fagdgebiete. absr auch selbit mit gutem Bn-
spiel voranaehen: „W e >'d m ä n n i s ch jagt. wie
ffchs 9-hört, dcn Schöps r im G-'ichöpfe ehrt!"

An die jehige Regicrung aber richten wir die
driiksmde Bitte. etwaig: Äenderungen in der
Zagdgesehgebniig nnr unter Hinzuzi-.'hung von wirk-
Uchcn Fachleuten porzunchiii'n. dagcgen v:ck>t
bald energische Mas;cege!n gegen das Ueber-
handnchnien dcs Wildcrc'unwcs-cns zu ergreifim.

mus; Uewilliqt wcrdcr, bis znur
DaUeö"

hatte neulich 'm d:r Franlfiirter Stadtvcrordnet n-
versaniinluiig lcr unabhänaige .Stadtv. Dih-
mann anogcru' 11. als ein.- Forderuiig städtischer
Angcstelltcr znr Beratniig stand.

Aus diesem Cc.nidsakc glanbtcn nun die Ange-
stellten des Herr.i Diknmiin. dcr Herausgebcr des
unab'chiigigen Loiksrcchts in Franksurt ist, Fo'ge-
rungen ziÄen zn dürfen indem ffe ineinten. tak
ihr blvilligenss eudiger Prinzipgl nun auch ihren
Forderungen ckck Beivilliguiig einer Miirtschafts-
oeiihisfe Bcrstä'idignng entg:gcnbriligen wiirde.
Abcr weit gefehlt: Hier fiihlte ffch Herr Dikmynn
plötstich nicht Ml.hr als tlasseii-bcwukter Politiker,
sondern aks verantwortlicher Arbeitgeber. denn er
lohnte, wie der Vorwärts" mits-ilt. nicht nur die
Forderungen .ffeiner" 'Avbeiter glatt ab. sondern
erklärte auch dcin Orllaiiisatioiiso.rtreter der Buch-
drucker rundwcg. er wcrde zu den Verhandlungen

2» Dem klugen Schützcn gleicht der höhereMensch. ^

Z Verfehlt dieser sein Ziel, so ivendet er sich ab
H und sucht die Ursache seipcs Jehlschuffes in sich A
« selbst. Confucius ^

Zonnenfinsternrs

Noman von Else Stieler-Marshall
Lop^rizkt bzc Orstlilein äe Lo. 0. m. b. tt. steipr'iL W16
(43. Fortsetzung.)

Der dicke ,Wirt aus der Tanne war in grogen
Nötsn. Wie er fürchtete sich kaum noch -ainer im
Schornarund vor der Sonnensinsternis. Cern
möchte ec fcht hinauf und dem Hochschornmmin
schmeicheln 'unld rhn schön bilten. die Sonne släu-
zen zu laffen wie visher. Aber >se-in >Dauch ist
zu schwer, seine Beine srnd zu klein imrd zu schwach,
nm den auf don B rg hincnist zu ,'chlepp-n. Mit
doin Totschlagen weik mair doch nicht. wte es aus-
geht, das >be>,prach Holzapfel mit den Glcichgesinn-
ten. W-nn der droben Atacht hat. das Sonnenlicht
auszublasen. dann nrag es auch nicht so ieicht sein,
ihnr an Leib und Leben zu kommen.

Dccrum beschwatzie der Dicke stine Frounde, den
Schneider Kajspar Scholz. den langen Holzschuh-
hanNcZ und oen starken Väckerludwig. dak ffe gr-
moinfLnr aus den Berg steigen -und abweckMnId
auf der Buckelkv.rre oin kleines Fak sutou Apfäl-
most hiuauftraaen möchten. als Geschenk des Wir-
tcs sür den Wrtternracher.

Sctzlau sollten sie es anfangen. den oben aus-
zuhorchcir und rhn fem zu bitten. doch die Sonnr
lieber m Frieden schrinen zu kcrssen ahne ihren
Ichonen Manz zu trübcn. Dcr Bäcker nahm noch
crnen machtiaen Laib frischrn Schwarzbrotes init,
u>m aluch senrerseits nicht mit leeren Händen vor
den gelvckitrgen Mann dort oben zu trcteir, nnd so
muiste Klinghart eines Tag's zu Ansang April
die ivunderliche Gesandtschcrst enipfansen.

Es nebelte unr den Bera und war ein vcxbt
hasffichrs Metter. Die drei Sckorngvundlenre
hattcn einen schlechteil Aufftie,i, und klagten >pnd
jtöhnten viel unterweas. das; der Hochschornmiann
üeavik ntcht gut auf sie ZU sprschen iväve und darum

rhnen zuleide die Nobel und nie'elnden Wolken
in ibron Weg zögr. Sie lanaten vcrfroren oben
an. rlappernd M allen Gliedern. in fouchten Klei-
dern mlit srostgeröteten Nasen.

Än diesen triiben Mittag kani Klinalhart diese
ipasthastl.' Unterbrechuna seiires Talgawerks nicht
ungelesen, er -war bej Humor und behandelte die
drei Mäuner in guter Lcmne.

„Ehe wir eins ins crndre redett, erst -einen
Schnaps." sagte cr. „damit man weitz. woher eure
Nason so lieblich aerötet sind. Fhr imitzt aber
reihum aus eine,n Clas-r trmksn. im Turme sibts
nicht so viele Glüser mie in der Tanne."

Der Trunk tat gut und inachlr die Leute mun-
ter. Schneider Scholz tvank zuletzt. Sonst war er
nichit so beschoiden. Äbex er wollte -erff sichen, wie
es den andern bekäme. Denn tonnte man wiffen,
ob das nicht tvgcnd ein Höllengebräu war. das
der Wettevmacher ihnen einschsnkte. Mber als
er sah. wie es den Fr'.'unden schmcckte. wie ihrc Ee-
ffchter beim Schluckm ffch v-rklärten. datz der
'Bäckerludwi'g unbrdacht das Glas an die Flasche
klingen lictz um frische FLllung, just so, als ob er
in der Tanne fflze . . . da senoh cvuch dcr vorffchtige
Schneider seinen Schnaps . . . und zwar mit orc-
höm -Behascn.

Klinghart lietz das Glas noch eimnal und auch
noch oin drittes Mal die Nunde machen miit aller-
lei scherzhaften Rod.m. Da bekam die Gesandtschaift
den rechten Schwung, und der Schneider. den ffe
zum Sprechr^gewählt -hatten. srsteltv in seinen
allerhöchsten Tonen, eiildrrnalich und mit dem no-
tigen Fruer und rückte daböi dc-,n WettLrin>acher
lm-nrer näher cvnf den Leib.

Sitte. B slechun>g und Drohung wavrn dve dret
Teile seiner Predlat, worüber er rccht erbaulich
und anschaulich zu reden wus?te.

IKlinühart sak nnd hörte zu und beovachtete mit
Vergn-ügen die drrt Gffellen. das vrrschlagon rleine
Gesickt -des mageren Schnciders mit dem weckseln-
dcm Mien'rnspiel. das grobknockige biedave Äntlitz
des Bauern Hannes Holdschuh unld dle mcrklos
dummo ausdcucksiloise Miüne des wiohlbäleübten
Väckers.

Was für ein Unsiim wird nun da wieder zum
Vorschein konmren? Fm Anfang ist ihm noch nicht
klar. worauff das hinaus soll und was diese feier-
liche Prozession für WUnsche zu il»ir bringt. End-
licy S-"ht ihm ein Licht auf. Di-.' Sonne soll er

nicht finster wrrden lassen? Die Leute hciben Angst
vor der bevorst hrnden Soilnensinsternis. Und er
lächclt über dic rs armc naive Daucriivolk, das
in j-odsr selten.rcn Naturersch.iimng ein schau'-'r-
liches Wunder sieht. ein: Atene Tekel! Er wird
mit wenigen Worteir das Gtauen von ihrer Seele
nohmen.

Als alb-cr aus dLn we'rterui Reden des
Sprechers entnc. ine'ir nms;. dak er in schliininier ge-
hässiger Woife snr das bmorstchende Ereignis ver-
antwortlich gemacht mird. kriecht der Aerger über
solck-e hiimnelsck reirndc Unvernunft wiie ein-L hötz-
liche graue Spinne durch sein Blut.

Und als nun dil-s'r Schneidrrbahn sär so
kainpfesllnlstig krähte, nnd immer dreister wurde
und endlich begann. dem Wettermacher Bovschrif-
ten zu inach-'n, mit dem Nächsat;. sonst isoll -cis cuch
Mimrm ergehen . . . sonst komnirn wir Leute aus
00m Schornarund und strchen euch mit unsren
Mistgäbeln die Eingeiveide aus dem Bauch - . .
da rik ilhm aanz plötzlich der Geduldsfäden, er
fand den Hnmor der Sachd nicht mehr.

Er schlug mit dsr Fauff anf drn Tisch. tzatz
Flasche und Cilas einen Tanz miteinander aufi
sührtcn und dcm frechg Iworden'n Schnoider mitten
in seiner wildesten Drcrhung das Aiialnl zstklappte.

„Genug und übergrnua. ihr Ochsen und Esel
vom Schorngrund. Ans Leder wollt ihr Iinir. wenn
ich ouch nicht das Wetler zusammenkoche. wie ihr
es branchen kömit? wirklich? Nnn ko-,niiit imr
herant SMeii von -.uch ans iede inriner Fäuffe
so will ich mohl mit cuck fertig wcrden. Dic Son-
nenfinfbcrnis soll ich vrrhindern? In eurcn Köp-
fen verfinstert der AberaLauben auck den kleinffen
Lichtstrabl. Da möchte ich eimnal wie der Sturm
hineinsalyrcn ikömien, die totale Sonnenfinsternis
aus ouorn oerschruinpften Cchirnchen hin-a>usblas':n,
auff datz es endlich cinmal in euch zu däinmern
aWange. Ich wills auch noch schaffcn. das ver-
isprvche tch euch! Ietff grht nach Hause, ihr orlcmch-
ten Gesondten. und nohmt meiiie Äntwort mit:
am stebzehnten April. wenn die Sonne zulhöchff im
Süden steht, wird d:r vorüber.zii ih.nbe Mond ihr
Licht verdunkeln. Wenn ihr euch vor dtosem natiir-
lichen Vorgailg fllrchtet. ihr Helden. >so verkriccht
euch tn dte Keller oder betet zu eurem Wnnber-.
boiligen. dem ich seinon Nagg wahrlich nicht ffrei-
tig machen will. oatz die Sonne an dtosem Tage
von Wolkeir verschleivrt sein möge. An.der ewigen

der Geschäftsleituiig niit den Arbrii-rn nicht zu
gelassen.

Datz Herr Ditzmann a>uch äuk iciircm ncucn Po-
sten ,a!s Leiter des Deutscheii Metol!ari'eiterver-
bandes schnell umzul-rrnrn brginiil. bew-'ist di':
von uns mitgeteilte dringliclie Warnung der Vei '
kandsleituug an ihre Aiitgliedcr vor Äufstrllung
unerfüllbarer Forderungen und vor Einiritt iu
wilde Stceiks.

Es ist doch immcrhin ganz iiitercffant, zu
sehen. wie die Vrrf-rchter der tollffrn Theorien auf
einmal -ganz vcrnünftig werden. sobald ihre eige-
nen Intcressen in Frage kom.nen.

Aus Stattc un) Umgez.nd

Mütterdank

Eincr der edelsten Zügc d s dculs'hrn Herzcn:
ist die D an kb-ar k e i t. Das bat sich b.i d n
Kricgsspvn>tzkm sezeigt, wenn os galt. den vielen,
dncn wir vzrpslichtet warc.i, den Ztriog rn
drausjon an de,- Front, dcn B.rwund:t u in dei,
Lozarctten, den Hinterbllebenon dec G fallene',
dcn Gcfangenen den Tribut des Dankes zu zcllc..
Nrich und arm lml'en da in schönstcir Ooscrwillhr-
keit gcweffeiscrt.

Nber noch oinc chmere Dank-.sschuld bl '.bt u-ws
abzutragcn. Es gilt uNsere-i- Miütterwclt Z"
danbn rüo ihr stilles und selbstloses Hcldentum
während der Kriegszeiit. Cs war oine S'-Msthin--
gabe, wie- nur ein Mutterhers in seiner grenzen-
les.n Licbe zu Famil'i-a und Kinso rhrer säbig rst.
Und nun stehen wir var den beklagenswerten Fol-
gen diescL Qpferiahre, Violo Mütter in Stadt u«nd
Land sind insolge der Uebepbürdung und EnHbäh-
rungen der Kriegsiahre völligsr Erschöpfung nahe
nr,d sast am ZusMmenbrcchen. ' Wäre es nichl
ganz un-verantwElich, wenn w'.r an dreser Müttcr-
not acbllos vorübergehcn wollten?

Abäv a>uch sanz abgeschen oon diesc-n, Kriegs-
solg'n, — wer hat ein geplagteres Dasein als
solch c'ino unbomittÄte Fannlienmutter? S-ie hat
jahraus j-ahrein kamir einen Nasttag. Alle avbol-
tcindcn Ständr baben heute ihro Erholungsmög
lichksti, uird das wird allgeme'.n sür g-am stMt
verständlich sehalten. Die Mütter, die sich im
Drenste den ansci irn solbst vergeffen, sind auch von
allen M-därn vergeffon worden. llnd so stohen denn
diese ar.men Fvaucn Dag für Dag in ihrer ausrei-
benden Arbeit und Sorge sür Haus und Fanrifie,
b'.s ihre Kräste, viellefcht vorzeitig, versagen.

Man äntgegne nicht: Diose Frauen köniren nun
einmal aus ibren Familien nicht abkommcn. Das
,'st unrlchtig. >Sie könnten es sehr gut 'n zahllof-on
Fnlleu, wo irgend ein Ersatz wohl möglich tst. Da:
Mann siLht auch die Notw: Mgkeit 4in nnd wär:
ger-n-e bereit, der Frau einiigp Tage dei- Ruhe zu
vezschäfien, aber c.r weib nicht wohin. Wir hcrben
alle möslichen Lrholungsh eimo. Ernes für
Mitte-r gibt os -noch nicht.

Mütterhilfe, scknelle nnd reichliche tut not.

Dicse' Elckemintnrs hat den .Mädfichon Landssv
verdand christlicher AWttervärk'ine" gedrängt, der
Griündung ernes Müttevsrholnngsheiines näher zu
treten. Es rst ein geräumiges Müttoi-erholungs-
heimi für Valden geplaint, in -dsm erhölung^bedüif.
tigc oder genosendo unbemittelte Mitter, vor allom
k'rirderrviche, gegen brlligstos Entgold sür einige
Taso <in behagliches Ruhepläbchen bet gutev Ver-
pflegung findani sollen. Die Schwiel-igkeiten sind
ficilich sehr grcch. Es bcdarf reichfichster Mittel
iil drcsz,r Zeit der Ucberteuernng, um geeigrlete
wescn zn erwerbon und einznmchten. Wip wenbc>n
uns cober mit gröktem Vertrauen an Äie br">itoste
Oessentlichkeit in der sicherem Erwartung. dak hier.

Bahn der Gestirne. aim rvechselirden Wetter können
Menschen nichts ändern und bcffern. Aber solchm
Finst-rniffen. wie ffe in ourvn Schäd»l herrschen,
nrus; inan zuleibe gehsn mit aller Kraft. Ihr sollt
nocki hören von mir. Curen sauren Most nvhint
nur dem dicken Mastschwein'in der Taniro mieder
nnit, ich h«b ihn nicht bestellt und geschenkt mag
ich von euch nichts mohr. Euer Brot fietzt unter-
wegs. ihr werdets brauchen können. es nebofi.und
stürmt, euer Weg wird nicht leicht sein. Uird fer-
nerhin versckiont mick, mit euren Besuchen."

Sie ncchmens für eiine furchtbave Drohung . . .
und in grauenvoller Angst stiesen ffe -bergab. Der
Dfad war glätt vom halbgetaulen Schnee und
darüber auss neus gefrorenem Regen. Die Kälte
und Näffe dvang rhnen bis auf die Haut und noch
durch dlese in alle Adern. Der Nebel war so dicht.
das; er sie fM Vlind -machte.

Zu allem Uelxl gerieten ffe unterwegs noch
miteinander in Streit, w-'il der Holdschuhanncs
und der Bäcker dein Schneider vorwarfen. er habe
die Sachz schlecht gefiiihrt und durch allzu grosp:
Keckheit den Wettermacher. der zuerst von Herzen
froundlich zu ihnen gewesen wäre. aufs heftigst:
aegen ffe erziirnt. Kaspar Scholz verteidigte ffch
und geriet in eine grotze Wut. Darüber -achtste er
nrcht recht cruf den Weg trat fehl nnd zog sich
eine schmerzhafte Verstanchuiia dos Futzes zu. Es
gcrb etn fiirchterliches Gezeter. Verda!m/nit wollte
^er sein, wenn er auch nur einen einzigen Schrttt
weitcr tun -könne. fchwor winselird der Schneider
und liek sich auf dc,n nassen Steinboden nieder.

S:e sollton ihn imr elend hier sttzen laffen, der
KLlte und dcm Huiiger proisaogeben. bis dcr Tod
käme. ihn zu erlösen, jamniert-r er.

„Äch inein liobes Weih und meine umiiiin-.
digen Kuidlein! Niemals werde ich euch wieder-
sehenl" ^

Dvr Schneider lobte mit Weib unld Kind wie
Hiund und Katze. und es war ein offenes Gcboim»
ttis, datz die beiden Knäbsn, die die Frcm geboren
hatte KnckuckSbrut wavcn. denn Schneiderlein
Kasvar war von der Natur incht znm Vaterberuf
vorvereitot worden. Und wenn er trunken war,
schrie cr es selbff heraus. dak er die Bülaer nicht
ansziehen wollte. di- ein andrcr gczouget. Aver
jetzt wcjiiite und wchklaate er u»n die -armon Wai-
fon. die den Vater auf so erbävnrlicbe Art ver-
lier'en sollten. _

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