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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0502
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^iri weittirLii Aoikskri.'is>oil mit der zuneh-
n r d!n Wlle um^ Asii.4n.lten,virtsck>ast. mit d.r
s i!,,d-'en Bo ck^'nni«'-'-., »merer ilbmi -w it-
l^nvo' arb.-it'ttd n Vai'.kuotenmllble Lcaouueil

VmUtu Au jchcihen, souideru „lu 6>olo .m denik.u ,
uüe kiirAich die „Deutsch« Tagcszeitnng Mnob.
ini Sniluraruvert zu .chätt'n. dabe:

2l>äi>runu der Dlaturoölker zuruch;ucchrcil. demut)1
sch M'l; ach.ge!e>e'l vou Epzbergers tollen Jnnnu.;-
S'7lto!iwrt.al'S die Verwaltung durch saivaltsaiue
Nicdccha.llu..a der ^se die bierdurch bod.Mte
VegiüUlstliguliig cvü Schleichbaudels , den cluiauf
?eurcr Lcbeusmittel unü vl;vc billiae A.bgaibe .an
die Bcvölkeru,-« dcn allgo.neinrn Zu,saminenLruch
nur ,;» ch.ch'. luuigcn. Unter Ävcrbruua dieser T<n-
den cu düllten alle Klagcn der Produüeuteu ,n
dcu'LLind scixrochen sein. Was hat es noch für
einen Zwect. iiumer wieder darcmf iyinzmvoi!«»,
d-asj die Art der ZwanLsivirtschaft die Hauptsclnlld
au den furchtbaren Zustäuden trägt. dak das Sy-
st>.»,l auf nau>en Gvimdlasen uufgebcrut wevden musj.
das; die ganze Fraso ebenso sehr Arbeiter-, Ko'men-
uuo Valolichtuugsfmge D. Man wirtschastet iu wn
Niiiustorieu ebcu niickt. iv»ie es dic grotzen Zu-
swiiuii'c-.-ll-änge der AZirtsch.lft erfordert. sontdern dok-
tert herulm, wie es der Wille dcr Partcipäpite ver-
ltwgt Dadurch das; die Landarbeiter verchctzt
ucvdcu uud Uobe'rstundcn -u»d Sonntwssa-rbelt <rb-
bOuen. liadurchdas; di« Früch jachrsLestellung
cheiitc Mevall noch ein grotzes sf ra ge.; e lche n
LVAbt. datz durch d-n Akangel an SmatgÄre-i/de uird
Sxcatr-artMeln ,unbü>inat nach Uccherstche-n des
Winters ein rie-svMS Bacuuim eintretvn nvutz. da-
durch datz man alles das nicht fehen will. vbwohl
nun bald zum Ueberdrutz iimmer wieder Ber-
kündung findet, -wird nmu um eine Wiederchblung
des 9. Novmiber «uf IcrndwirtschaiftlichMl Gobiete
nicht herum konncn. Ob dann die Ministerten
auch noch-ihren Optimisnius bohalten werden?

Der Eeneralfeldmarschall von Mackenseil ist »n-
folge des Ausscheibens seines früheren Wohnsitzes
aus dem Neichsverband obdachlos geworden.
Seino Familiie sucht für ihn durch ein Jnserat in
,-der „Krcuzzeilung" etnen Wohnsitz. Etwas
AckerLcrnd. Waldesnähe und Pirschgelegenheit sei
erwünscht.

Mackensens tzeimkehr

^eneralfeldmarschall von Macken-
sen ist Scrmstag Hacht um 1 Uhr äus Saldnikt.
wo er seit Jwnüar auf Vofehl der Eiitente intcr-
niert war, auf dem SveiinLrucher Vcchnhos in B -u -
d a pest eingetrosfen. Mit Nücksicht auf die späte
Nachtstunde war jeder Empsang Itnlerblieben und
nicht emmal.die Ententekommission oder.das deut-
sche Eeneralkonsulat hatren Kenntnis von d r
Stunde der Ankünst. Jn Mackensens Vegleitung
bcftl,nden sich zahlreiche französische Ofsiziere. in
deren Schutz der Feldmarschall reist und di^ für
seine pc-rsönliche Sicherheit verantwortlich sind.
Auf dem'Bahuhof rvurdo Lie 5!okomotive gewech-
selt und nach halbstündigem Aufenthalt setzte >er
Zug nach Wien die Weilerveise fort, wo er heute
mittag nach 1 Uhr auf dem Ostbahnhof eintraf.
Autzcr Vertretern der deutschen Botschaft, des
deutschen Eeneralkonsulats uind do^beutschen In-
speklionsstelle im Kriegsministevium waren einige'
Hundert Mirglvcder der deutschen Kolonie und der
deutsch-nationalen Studentenschaft erschienen, die
bei dcr Ankunst des Fcldmatschalls rn Hoch- und
Hurrarufe ausbrachen. Siaatssekretar fiir Heer-
wesen, Dr. Deutsch, in dessen Begleilung sich
«in Unterstaatssekretar befand, bvgrüßte .den Ee-
neralfeldmarschall auf deutsch-vsterreichischem Bo-
den mit einer kurzen, herzlichen Ansprache. Der
Eeneralfeldmarschall dankte und schritt die Front
ab. ,D«ann bestieg Mackensin wieder seinen inzwi-
schen mit Ehrysanlhemen geschmückten Salonwagen.
Der Feldmarschall, der' recht frisch aussah — die
Nachricht von seiner Erkrvjnkung war nicht zutvef-
fend — und der sich nicht ln Unifovm, ober im.
Schmuck feinor ganzen Orden befand. zergle sich
herzlich ersteut über die spontcmen Kundgebungen
bei seiner Ankunst. Wie dem „Lok.-Anz." gemel-'
det wird, boabsichtigt der Feldmarschall auf dem
Eut Eroß - Jannewitz des Erafen von der
Osten im Kveise Lauenburg dauernd Aufenthalt
zu uehmon Dem widerspricht eiue'Meldung <rus
Verlin, in der es heitzt:

Der Militarismus Der Anderen

Aus Tokio wird gekabelt. datz die iapanische
Negicruna ein zweites vermohrtes F l o t te^n -
progra m„n vovgolegt hat. das eine Ausgaibe von
624 Mill. Doll. <vuf 8 Jahre verteitt versteht. Dte
Kwmimor iist anscheinend ,neneigt, es M bewillvgen.
Das Programlm sreiht don Bau von 4 Schlacht-
schkffcn M fe 40 000 Tonnen und etrva 70 000 Tou-
nen Unteüseebo-oten nelben violen anlderon kleinen
Einheiten vor. A,.

Ultimatum an Mexiko

Nottcrdam, 29. Nov. Nach dem „Niieuwe Rot-
terdamsche Courani" meldet „Eentral News" aus
Washiirglon, datz die Vereimgteii Staaden
an Mexiko ein Ultimatuim- abschickten. Die
anverikaniische Armee und Flotte sind bereit,.dte
Forderung nach Freilassung des Konsularagenten
Ienkins durchzusetzen.

Amsterdam, 29. Nov. Laut „Telegraaf" meldet
die „Times" aus Texqs vo.n 28. November: Jn
Mexiko ist derBürgerkrieg ausgebrochen.
Prästdent Carranza ist aus der Stadt Mexiko
geflüchtet. Jn Washington geht das Eerücht, daß
der Abbruch der diploi«itischen Beziehungon zwi-
schen den Dereinigien Staaten und Mexiko beoor-
steht.

Paris, 30. Nov. Nckch einer Meldung der „Chi-
-Lgo TriLune" aus Washvngton, foll General Per-
shing den Auftrag erhalren haben, fich an die
mexikanische Erenze zu begeüen, um die anverikani-
sch-en Truppen zu b^ichttgen. Die amerikaüischen
Kräfte, die an der m exi k^n ischen Grenze
verieilt seien, umfaßten 100 000 Mann. Jüngst
erklärte der Staatssekretär ftir Krieg, um Mexiko
zu pazifizieren, gebrauche man drei Iahre und
400 000 Mann.

Deutsches Reich

Stürmischer Parteitag der U.S.P.

Von unsevcm Dörltner Vertreter
(:) Leipzig, 1. Dez. Der Parteitag der U. S. P.,
der zweilc- r>n diesem Zahre, wurde am gestrigen
Sonntag im Leipziger Dolkshause eröffnet. Schon
der Verliasuf des ersten Tage§ hat gezeigt, datz es
cruf dem Parteitag zwtschen dsn Richtungen der
Partei zu heftigen Kämipfen kommon wird. Die
Neden, sowie die Beschlüsse bewiefen, datz der
lfnke Flügel bei rveibem die Mehrheit haben
wird. Bei der Wahl des Bureaus kam e-; zu hef-
tigen Nuseinanloersetzlmgen zwischen verschiedenen
Flügeln der Parrei. Zu Vorsitzenden wurden vor-
geschlagen Dttlmann- Berlin und Lipins k i-
Leipzig, die beide -am rechten Flügel stehsn. Die
rcünkale Eruppe schlug als.dritten Vorsitzenden
den Abg. Vraß - Remscheid vor. Hierüber kam
es zu längeren stürmischen Auseinander-
setzungen, dio schliietzllch damit enditzien, daß
mit großor Mehrheit entgegen,dem Vorschlag des
Parteivorstandes boschlofisn wurde, die drei Vor-
fihenden -u wählen. Die drei Vorgeschlagenen
wurden dcnnufhin einstimmig gewählt.

* Zum Wiederaufbau haben die Deutschnatio-
nalen in der Natwnalversammluna folaende An-
frage eingsbracht: „Welche Gründe kann die
RcBieruno dcMr anfühvcin. datz in 12 Monaten
nach Abschlutz des Wcvffenstillstandes nvch keine
Verständigiung über den Wiederauf-
bau erzielt worden ist?"

Die Untersuchungsausschüsse

Aus dom UtltersuHuugscvusschuß wird initge-
teilt: Es werden Eerüchte veröfsentlrcht. als ob
der pavlamentarlsche Untersuchungsausschutz seine
Arbeiten einstellen und lcmgsam in der Versen -
lung verschWinden wollte. Das Gescn -
teil trifft zu. Der Ausschutz arbeitet daran,
se-tne Methodtk -u verbessern. Unrichtig ist'es auch,
datz beischlossen worden sei. datz der zweite Uuter-
auSschutz vor Weihnachten keino Sitzung nwhr
abl-alten werde. Ueber den Zeitpunkt der weite-
ren Bsrnehni.ung von Hindenbur>g und Lu-
dendorf.f konnte mit Rückstcht auif die Eeschäfts-
bage der Nationalver!a>min1uilH ein Veschlutz noch
ntcht sosatzt werden. Nach Abschlutz dieser Ver-
ncchmiunig wirö allerdings der zweite Untvvaus-
schutz eine längere Pause eintreten kassen. da
das Matevial -für seine weitere Tättgkeit noch nicht
hinveichend aesichtet ist. Dio Bearbeitung der A k-
1 e n ilst «Zben»o wichttg wie die Bcrnehnmna der
Auisrunstspersonen. Mit der Boarbeitung der Akten
stnd gegemvärtlg die Untevausschüsse 1 und 3 voll-
auf beschäftiat. Die Arbeit des ersten Unteraus-
schusses, der dre Vorgeschichte des Kri'.'ges un-
tcrlsiuchen soll. iist sowert aedie-hen. datz mit ver öf-
fcntUchen DernebTmmg uon AuSkunftsversonen vor-
aiussichtlich bei Deüinn des neuen Icchres angefan-
gon wc-rden kann.

Wie der Vorwärts erfährt. ist eine Aenderimg
dcs bishor ang.'üvandten Berfcchvens des Untec-
suchungscmssÄMes ins Alige gspatzt. Die Verneh-
mung lfoll sich auif ein reines Verhör der Zvu-
gcn besthränken. acho auf Fragen der Mitslieder

des AusscbUssesss und aus die Antworten der Zeu-
gen cvuif die betveftenden Fragen.

* » »

Di-e Herren fürchten sich. wie es scheint, vor
neuen Wamagen. Sie werden ihnen cmch in der
neuen Verhcmdlungssorm nicht erspart bleiben.

Die tzilfe sür 'Mien

Der Re ichspr aside n t hat.ein Telegramm
än den StaatsTanzler gerichtet in de.m Silfc für
Deutsch - Oesterreich vevsprochen wird. Ebenso
sanbtv der Berliner ObcrbürgeomÄlster ein Tele-
«vcrmm an den Wiener Oberbürgermeister. Deide
iKuNkiacbungen wurden von der österreichischen Na-
tionalversammkmg wie vom Wiener Gemeinderat
mit stürmilschem Beifall aufsenoimmen. Aiuch wur-
den DaiMelegvcmnime aibgesandt.

Die Leiden Fraktionen der Doutschsn liberalen
Volkspartei und der Deutschnationialen Volkspar-
tei erlassen eine Mufruf in dem sre die Selbst-
versorger auffordern sich von dc-m Hilfswerk siir
Deutsch - Oesterreich nicht ausMchlützen.

Das Landessteuergesetz

Bei der Beratung der neuen Steuern im
Reichsrat machten die Vertreter der Länder Be-
denken sosen die ne-ue ReichsstellcraeisetzMlüung gel-
tend. Der Vertreter von Vaden beantragte eine
AbLnderung datz ' bie Länder und Gemeinden das
Recht hcvben sollten. Zuschläge zu dem Einkom-
mensteuertarif zu erchübrn. FinanzminiWr Erz-
berger bat vringend um Zurückziehung tüeses
Antraigss. Wie 'könnie er sonst seinen Tarif. d"n
höckMn. den die Welt Lenne. oor der Nationalver-
saimmLung verteidigen. wenn dü.;u noch ZMftage
eühdben werden sollten? Der badische Antrag
mnrde grgen dis Stimmen von Baden, Hessen
und Bayern abgelehnt. >In der GelsiainlitaWim-
mung wurdo da>2 Lmrdevstouergeiset; gsgen die
Stimimen von Baden und Hessen anse-
nommen.

Koburgs Anfchluh an Bayern

(:) Koburg, 1. Dez. Die gestrige Volksbefta-
grmg ergplb über 26 000 Stimmen für den An-
schlutzan Vayern und etwa 8800 für Thü -
ringen. Der Thüringer Gemeinschafts-
vertrag wurde mit sast 90 v. H. M^hrheit ab-
gelehnt.

' » Gegen Scheidemann. Eegen dis Bssetzung
^des Kasseler- Oberbürgernicisterpostens durch de,l
ftüheren Minlsterpräsidenten Philipp Scheide*
mann, einen geborenen Kasseler, ohne vorhsrige
Ausschreibung erhebt die demokratische Fxak-
tion der StadiverordnetenversajMMlung Protest.

Theater und Musik

1. Volkskammermusik-Korrzert

Döan mutz es dem neuegebildeten Konffervatori-
umstrio hoch anrechnon. datz es seiue Kunst in den
Dienst der musiLa'iiffchen Bildana 'oer örsiterett
Maffen stellt. Frsilich die Massen bMen sich noch
nicht ffo zcchlreicki eingefunden. wie es wünschens-
wcrt und dcin Essamtleistungen des Trios ent-
sprechend Mwefen wäre. Aber Uas schadet niichts.
Di> <nn Freitag abend im HairmiMieff'a-ciil waren.
häben Eewinn mitgenommen. werden wiederkoim-
mcm und werben. Die Herren Otto Seelig
(Klavier), Vöhm (Niolme) und Puieber
(Eello) bikden die neiueste Heidelbergcr Kammer-
.muisrkvereinigunG und spietten je ein Trio von
Mozart rmsd Haydn. Es war ein guter Gedanke
Seeligs dem Pvograimm eine kurze. aber trvsifende
Erläuterung der äinzeln-cn Wevko beizuMlben.
Ott» Seelig wcrr Führer am Klavier Auigust Mhm
-hcrtte einen selten -guten Tag. U.eiber den Eellisten
möchte ich noch kein Mchlietzendes Urteil abseben,
vielleicht nrutz -er sjch noch mahrL.in den Kanriner-
MuffiWl einBhlen vielleicht liogt es an seinem
(Instrument. datz ffeine Töne oft spröds klingen, offt
aar nicht ansprechen. Die Celloöonäte von Beet-
hcwen habe ich schon bedeutend lbessiN spie-lcn
Schört. - —e —

Im Landestheater zu Karlsruhe gab es am
Acontag zum ersten Male das Pjrodukt ein:r hol-
landischen Doppelfirma. van Rossen u.nd
Soesman ..Femina". e'n'p fy ch o pat h i -
'L/s L'wstspiel i>udre' Auszügen (deutsch oon
^tse Otten). Lustwiele zichen immer, und wenn
sein sollen. erst recht. In
Wirklichkeit sah man die alten Lustspieltypen in
einem neuen Eeumnd: die reizoolle. hysterische.
verliebte nmae Fran — von Frl. Holm .gcniz
hervorraaend natürlich aeaeben —. den schückiter-
nen aelehrten Lrebhaber — in diesem Falle der
Nervenarzt Dr. van Tricht des Herrn Essek und
den alten Vonivant — Herrn Höcker —: dazn
uoch als Mittelsperson die alte DienstmcvÄ) der
Frau P i r. Und nun kombiniere man! Die Inlri-
guen des Weibchens besieaen den mit aller Wissen-
schaft und seinein Verstand a-ewappneten Mann —

weil e>r verliebt ist. Sehr modern und raMniert
wird der Mann diesmal mit den eiaenen Waffen
geschlagen: der Psychoana.lyse. Flotte Handl>u.na.
reichlich v'el SchlüpftigkeiL und ein ausaezeichnetes
Spiel befriediaten das wenig anspruckisvolle Publi-
kum vollkommen. Dr. R.

* Der neue Jntendant tes Wüvltembergischen
Landestheaters. Das Kultuisnlinisterium hat
Älbert Kebm. Direktor des Stadttheaters in
Vern, zuiin In-endanten des Württemberaiffchen
Landkstheaters ernannt.

StrindbergS „Könistin Chrlstine"
in Darmstadt

Man schreibt uns aus Darmstcä>1: In einer
weit über den Ncchmen des Durchschnitts hinaus
bodentendm Erstainffnhrung brachte das Heffische
Landestheater Auigust Strindbevgs »Köniüiin
Chriistinv" heivaus. Als Produfft icchreiliangen zu
tiefstem Verständnis führenden StüdiU'NlS dieser,
die Weibpsychoiloiaie in -hren srinsten verborgen-
sten Rogunsen erschlietzende-n Dichterseole. brachte
Intendanzrat Dr. Wauer als Sp^lleiiter diclses
Schauspiel, eines der reiffteu und psycholagiffch
komplrzieriicsten des Dichters zu einer Wieoergalbe«
die restlos von Strindbergs Eeist erffüllt. als mu-
sterhafte Entfältung moderner bübilendramutischer
Kunst gelten darf. Erleichtert murde Dr. Miauer
die schwierige Aufgabe durch die Tntsache, (diese
Erkenntnis> war vielleicht die Tricbfeder seines
Handcilns), datz dcrs hessffch^ Landesth-iater in Alice
H-aicker cine KüiiOlerin bositzt. die für den bei
allen Jrrlichtsrn. bei allein Katzen- und Mersffei-
cheu. werworfenen und gleichzeitig tdeffter reinigen-
der Liebo ompfängUchen Charakter, d-'r Cl)ristine
(den Siüindborg bokanntlich ffrei üestaltet hat, dhne
Brndung >an diiei Hifftorie, nur um isleinen Weib-
psychologiien ein noues Kapitel anzureiihen) wie
gclboren sch^jnt. Wie sollten eine erschlos; diofo
Auffsiichrung den wahren Strindberg und bowlies
zngbeich wi-e schwcr goraide >an Dichtern wlia Strind-
berg gesündigt werden kann. wenn soine Wevke ge-
seben werden. ohino den Eeist des Autors in sei-
ner ganzen Tieffe und Erötze erssatzt zn häben. Sie
brachte den uiril-umstrittenen und so weuig ver-
smndenen Dichter Aicilen näher. Das ga>nze Werk
lst eins Vertileiuna und letztcu End.'s Offfenbaruug
des Lharakters der Titelrolle. mit der es sieht «nd

fällt. Alle andeven sind uiltoraaordnetLr Natur,
die ganze Zabl der Eesandten zum Sckjnveigen
veirurteilt, einzig der Tott hat noch cmsffch-agge-
bonde Beköutllng. der Walter Gynt gerecht wurde,
dennoch sorgte verständnisvolle Regie dafür. datz
kevn Darffteller olhne Bodoutung blieb: Die äutzere
Aussbatttmg war oriüinell nnd unausidrlNgilich
liinstlerifch. Man stand unter dem Eindruck ticfen
Erlclbens. Mar Streese.

Neue Bücher

* Ein vornehmes Eedenkbuch für unscre Erfal-
lenen. Luise Eoth-Emmerich: ..Licht im
Leide", in künstlerlscher Ausführung. Preis 3 M.
Zu beziehen durch alle Buchhandlunaen ode'r vom
Verlacy L. Goth-Emmerich. Lud-wigshafen a. Rh..
Moltkestr. 4. Mit tiefer Ve-wogung liest man
diese Schrift. in der sich das Ningen einer edlen
Frau'enseele nach Leidüb-erwin-dumg und -verklä-
rung ausspricht. Man wünscht dns Büchlein in
die Hände manche'r Schicksnlsschwefteiv die in Ee-
fahr steht. durch die Trauer um einen gelieblen
Geffallenen dem Leben und seinen Pflich!«n ssnt-
fremdet zu werden.

* Friedrich Schcader: Eine Flüchttingsreise
durch die U kr a in e. TagvbucMätter von mciner
Flncht ams Kvnstantinopel. Mk. 3. Dazu 40 v. H.
Verleger- und 10 v. H. Sortiimiltz.'r - Tcuerungs-
zuschlas. Verlag von I. C. B. Ak oh r (P. Siebcck)
in Tübingen. So viel in den letzten Wochm und
Monaten über den uiigliicktichen Ausgang des
Kricges und die Ursachen dss deutschen Zuffam-
menbruches geredet und ssschrieben worden ist, so
hab.m sich bis fttzt doch v-erlnillnismätzig wenine
van den tapferen dentschen Männern zum Wort
gemeldet, die die Katastrophe inmitten unfferer
Vevbündeten erlebt haben. Das vor Lurzem erffch-ie-
nene Buch „Eine FtiichtliNLsreise durch die
Ukrinei", gibt ein gutes Bi-Id von der wohl-
tnendon Born'.-Hncheit, mit der Schradcr seine für
ihn in mcmcher Hinsicht s>o schmerzlrchon Vec-b.ich
tllugen in der Türkei und aus sem-ir ^icht durch
die Ukraine wiedergibt. ist vo>n dey, frü-yeren Nc-
dakteur des „Osmanischen L oyd" Friedrich
Schrader, einem der besten Kenner der Türkei,
geffchrteiben und fei unseren Lvstrn äuffs Lesft etn-
pfohlen.


hort, ist Oberst Reinhard, gegen dei, dcr Neim^.
wehvminlster wegen der Stcllung einer Ehrenkom!
pagnie für den Generalfeldmarsck^ll von Hi,ch,„
burg eingeschritten war. nach Elogauverffeu»
worden. ^'

* Dic Organiffationen dcr gasiwirtffchaftliks»»

Ansestellten. „Cenfer Vcrband der Hotcl- „»^
RcstauratronsansvsteNten". und ..Deutsch r Kelln ?
Bund Union Eanymcid". Sitz Leipzig genr
haibm sich mn 31. Oktob.-r dieses in Ei,en2

ünter dem Namen „Dund dcr Hotel-. Rdsta wrn;'
und Kafsce-Angestellten Deutschlando verchmoften

» 69 000 Arbeitsloffe — 2000 Arb:itsrsisi-ac'
Von 68 743 der zurzeit die gesetzlick.>« Arbeitsloien-
unb:r,tiü;nnfl bezieh'ndcn Arbeitslosen lxrbm d-r
letzten Adrdernng der Magistrate Erotz-B'rlin-
«ur Be-seitigung der Schncenvassen nu-r 2000
Per-fonen Folge geleistet. — Nur nicht arbeit n

* Dinge, dic frilher nicht möglich waren Der
erfft vor wenigen Wochen gewählte sozialde
morr.atische Bürnermeister in Lam'.
pertheiim nninte nach-ainer übercms stürmischen
Burger- uich Arverterversammiilung sem Amt nie-
derlegen und flüch'.nl. mcil er den für di > GAineinde
besilmmteii Speck an seine Freunde abgege-ben b-w
fl, r sich vorwendet hattDem Arzt T>r
Oelemann. deu, der Ortspascba das Wartezim-
mer enteianet hatte. und der dann dle san^-
Schrnlcrcnilvirtschast rücksichls-los aust^ckte. wurden
von der Arbckter- und Lürgrrsckxlft reich Kund-
gebungen dargebracht.

Badische Politik

Spottet seiner selbst und weih
nicht, wie!

Von einem höheren bia-dlschen Veamten
wird uns geschrieben:

Znm 9. Iuli 1918 schrieb die Karlsruher Ztg.:
„Das Bolk weitz sich eins mit denn geliiebten Lckn-
desherrn. dessen -Vaterliands>lie.be. GlciubigSeit,
Pflich-ttreue. Charakterstärke und Vertrauen uns
allen oin Lcuchtsndes Vorbild bieten. Das ge-tzvm-te
gsisbige und wirtschcrstliche Lsben Vudens hat stch
xmter seiner Neglienmg in günstigster ffort--

entwrckelt. Mit inniger Liebe und dan-kbaren
Herzens wollen wir ani m-orgigen Tage dos tme-
ren Landssherrn gedenken u. s. f.

Ain '26. Nov. 1919 schriob die KarlsruHer Ztg.
im Lcitartlikel:

.Das Bdlk weitz hMte zur Eeniise. datz sich
allcndal die >am patrio'tischfften gebärdeten und am
lautesten ffchrkeen. die von ihrer B-'geisterung drn
meisteN Nützen hatten. Es bedankt sich fiir sene
Partetpalriotiün u,. ff. f.

Haiiiptffchviftleiter und Verfasser der LeitartM
der Karlsruher Zeitu'ng war am 9. iIucki 1918 und
ist am 26. November 1919 Herr C. Amend.

* Vcränderungen in der inncrrn B.'rwallung.
Wio der „Staaisanzeiger" meldet» wurden Anits-
vorstand Wendt in Ettlingen zum. Bez'.rksamt
Karlsruhe, Amtsvorstnnd^ Dr. Harrmann in
Weinheim in gleickM Eigenschaft nach Ettlingen
und Amtsvorstand Dr. Pfützner »n MehLirch in
gleicher Eigenschaft nach Weinheim versetzt. I"
den Ruhestand tretcn die Vezirksärzte Dr.' Vaer
in Waldshut. Dr. Schneidcr in Ach.'rn nnd
Dr. Stoecker in Villingen. Ferner wurden ver-
setzt die Amtsvorstönde Schloerer in Scickingen
nach Offenburg und Frhr. v. Rotberg von
Adelsheim nach Säckingen. Der Ministerialdirxk-
tor im Justizminrsterium, Geh. Rat Crnst Dnfs -
ner. tritt auf 1. Ianuar 1920 in den Ruhefftand.
Mit'ihm scheidet ein hochverdienter Dcamter d-s
bad. Iustizdienstes aus dem Amtd. Dor 46 Iahren
war Min'sterialdirektor Duffner in den badischen
Staatsdienst eingetreten. In seiner erfolgreichen
Laufbahn war er längere Zeit StaatsanMlt in
Männheim und Karlsruhe, dann Oberstaatsanwa.lt
beim ObFrlandesgericht und wurde. als im Iabre
1916 -eim Tode Böhms Dr. Hübfch znm Kultus-
mrnrster ernannt wurdo, Ministerialdirektor in
dem- damaligen Mtnisterium des Eroßh. Hauses,
der Iustiz und des Auswartigen.

» Die Kartofsclnot. Abg. Mayer - Karlsrnhe
(D.-N-) hat im Landlage folgende kurze An.
frage eingebracht: Wie man unwidsrffprochen
hört, sind die Städte in besorgniserregrnder Weift
schl-ccht mit Kartoffeln für -ihre N-völkc-rnna oek'
sehen. Will die Negierung n-cht mit Hilfe dcr
Kirchen einc Aufforderung an die
Landwirte ergehen lafffen, die' aUgenblicknch
noch günstige Zeil zui benützen. um schleunigst dcn
ötädtern Kartossekn zuzusühren.

Aus Baden

Prelsausschreibcn fiir ein ncues badischrs Wai'p-ü

Zur Erkangung von Entwiirfen für ein ir n-'S
badisches Wappen. sowie für ein groß.s und kiei-
nes Dienstsiegel hat die Vc^-ffche Negierng >rim'N
Wettbewerb ausgeschrlcben, an Lem sich badsiche
oder in Daden seMfie Künstler bet/ilic.nn kön e«.
Es sind zwei Preife im Bctrage von 3000 und 1'kO«
Mark ausgeffetzt. Die Entlvürffe sind bis spätesi-ms
1. Februar 1920 bei dem Min'ster.ium dcs A„s>
wärtigen in Karlsruh: einzur'eichen, Lei den: «mh
die näheren Vedingungen des Preisansschr>ibcOw
erhältlich sind.

* Dsr VadiffchL Landwirtschaftlichc Verein hai

den Oberregierungsrat August FehsenMcisr
zu Karlsruhe zum Ehrenmirglied ernannt

Vad Dürrheim. 30. Nov. Infolge Kohle»-
mangels ,„ußte in der Sal-ne Diirrheim v«r
S a l z g eiv in n u n g in zwei Sledhäustrn elil-
gestellt werden. Merkwiirdig berührr hierzu dw
Mittcilung. daß. anstelle Kvhlen ins Land zu brm-
gen» mn die Salzgew'iinung selbst LetreibeN Ai
können, in der letzten Zeit monaftich
6000 Zcntner Steinsalz nach Baden einsefiiy"
wordeil sind.
 
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