Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0540
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Stsdtvcrordncten aescn frilher gesbcigert A. Dein
Düraermeister M durch dr- neucn 3Arschrif-
ten ctrvas frelere Hand beun Dollzu« der Eomein-
deboschlüsse oeaeben. Ob die ^assuna dieserE
stimmung olüctHch ist, ware noch nahcr zu prufen.

« 49 vcrwlrHicht «ine Anreauna d?s na-
tioalltberaien Antrags Dr. K o ch mch
Ecnossen vom Landtag 1918 Es soN.kumtia die
(besckMte des Eeinenvderats sur -bcst,nnnte Ee-
schisissweiae oder einzelne lb-schäfte einem -be-
schtietzenden Ausschusse übertraacn wer-
den können. d-r slcb aus Stadtrateu und andern
wäblbarcn Einwol,nern zuianvmensekt. E,n sol-
cher Ausschuü könnte Leifp,eiswcise. avgciechcn von
dei, wichtlaslen Entschliebungcn. das städt. Eas-
Wasser- und Eletlrizitätslverk sclibständia leilen.
wed-urch der Stadtrat wesenilich entlaistet würde.

§ 61 aibt d-n gcstftilichcn Ncrtvetunven wi r t -
schaftlicher Vevölterungsaruppen las Necht
Anträae an den Stcrdtrat inn B-reich ihrer Auf-
yalbcm zu sdellen. Dcr Stadtral muft auf Verlanoen
dvccse Anträae bernten. Eine N-stimmung. die mich
mechr aussieht ails hinter chr steckt.

Die Rechtc dcs Bü r g e ra u ss ch u s ses
sind erheblich erweitert. Es ftnd tetzt
Nunkte, tn denen seiivr Zustiinmung erforderuch ift,
gcigen bisher 7. Ob diesc svrage jetzt richtlg gc-
reae-t lst. kann ohne eingehende. LU-genbliicktlch Nlcht
möL>liche Prüfung nicht gesagl werden. Zum Tcil
ist 1>ie Eenehmigung noch in recht klie-inltchcn Din-
gen natwendtg. so z B. wenn sie ikr fede Leräuftc-
rung von Errnrdstüch.n -auch wenn es lick, auch nur
vm einige Quadratineter handelt. vorüvschrie-
ben ist. "

TXch <ruch in allen Mllen der Anfnahme
von Anleben die Staatsgenehmigung
erforderlich ist. aaht zu weit. Man wird
iin Cegenteil sageii dür,en. datz vermutlich in den
städtischm Körper.chLft-cn m-chr Männcr vodhaiLden
ven sinS, die mit oer Tragweite und Bedeutung
umsangv'ichrr FlnanzhandlunMN vertvamt sind,
ars in ten Stellen die die Staatsgenehnlrguno zu
ert-eilcn holben.

Eine sehr auffällige Bestimmung
bringt dcr b 73. Darnach kann das Staats-
ministerlum auf Antrag des Ministerium des
Jnnern aus Eründen des öffenMchrn Jntevesses
rinen Bürgerausschutz auftösen! Die
NeurvcM der Ei'nleindeverovdn-etLN und E.imeinde-
räten foll innerhaüb von drei Monaten veranlaht
werden, das Minijterium d,es Znnern triflst die er-
forderlichen Auordnungen für die Verwaltung der
E-rwinden in der Zwisch:nzelt. Es wäv- sehr
rvün^chenswert. hier oie Begründung dines so auf-
fälliMn und so tirchnnfchneiden-en Eingrifses in
oie SeMstrverwaltung zu hören. Mcm Ueirke sich,
das Staatsminisb-rium vrrfiigt. unL eine Eemeinde
hat Lünen BirWewneister. keiueu Eemeinderat,
kein» Eemeindwerordneten mohr. Es scheint fast,
äls ob die jetzige Negieruns trotz ihrer Zuisanrmen-
setzuirg nicht auf, frÄher so vwxönte. „Sicherun-
gen" gegen dcrs unbefchränkte Wahlrecht verzichten
wolle. Aürn hat wohl Angst vor einer Eemeinde.
die eiues Tag vollständia Louuniunistilsch vertreten
sein könnte. § 74 bringt fromins MünWc. Der
Noranschlaig soll lchvn im Oktaber dcmr Gemeinde-
rat und im NoVsmlb-r dem BürgerauÄschutz vor-
gelegt werden. der chn im Dezember seftsetzen soll.

Die Vorlschriften über den Eem-oindeauf-
wand und die Mttel zu dessen Deckung bleiben
bis auf Weiteres iu Kräft. diez ist sohr verftänü-
lich. weq hier eine Neuregeüins ück) erst dann tref-
fen läht. w,-nn über die FinanL-en und di.s Steuer-
rechte und man woitz. was den Ee-meinden bleibt,
in Reich und Ländern KLrrheit gefchLffen ist.
Nur ftaÄ sich. ob denn nicht Fweck.irätziser wäre,
solanss zu Warlen bis diefe Klarheit geschafsen ist,
und Lann ein einheitlvches Wcrk aus einem Gusse
herzustelleu. statt jetzt ein Teilwerk. an dem in
Bälde wieder heruingeflickt werden muk.

Sehr bsdau-rrlich ist die Eeheimnistuo-
rei mit dein Entwurfe. Im Landtag 1919
hat namens der nationälltbeval-en FvaEtion
V-r ALs. Dr. Koch verlaugt. dak der dmnals se-
plante Entrvuüi fcchaild wie moglich der Kritik der
brsiteshru OefseutlickMt unterbreitet werde. der
„reaktionävs" Minister Bodman zeigte Verständ-
nis für diasen Wunsch. Unsere hetztige demokra-
iifche Regievung hat die Arbeit au den Entwür-
fen so ssheimnisvott betri-:ben, Naft nicht einmal
alle Telln«hmer des inors-u in Httdelbör-g stattfin-
denden Städtetases, der sich mit dem Entwurse
brsatzt. im BOtze «ines folchen find.

Die eiserne Division auf dem
. Rückmarsch

In Berlin lieaen Blättermeldungen vor. de-
nen zufolge dte Letten aeaen die Vahnlinien vor-
aehen. Die Eis-erne Division bat fich infolge-
dessen an verschbodeneu S'.ellen zurückziehen müs-
sen. Das 6. Reservekorps hat den weiteren Bahn-
iransport einaestellt. um nicht das Krieas- und
Vahnmaterial in die Händs der Letten fallen zu
lassen. Der Fukmarsch nach der deutschen
Erenze. dle wahrscheivlich am 10. Dczember erreicht
werden wird. hat beaonnen. Rn SLaulen ist
der Eisenbahnwaaen der Entente - Offiziere
von Soldaten mit Handaranaten anrveariffen
-worden. Crmit «lunaen find einaeleitet. Westlich
von Schaulen finden zahlreiche KLmvfe mit Li-
tauern statt. Zwischen den deutschen Kommando-
behörden und der Ententekommisfion ist eine scharfe
Spaununa entstanden. die auf Nichtablieferuna von
Material an die Let en zurückzuführen ifi. Die
Disziplin der Truvven ist nach übereinltim-
menden Meldunaen denkbar schlecht. selbst bei
der Etserneu Division. die bishvr die am besten ge-
ordnete Truppe war. » .

Kritische ^nftande

Eigcner Drahtbericht der „Badlschen Post"

A Danzia, 6. Dez Fn Westprenken unterge-
bvachte Baltikmntruppen bsfte-hend <rus Teilen der
Abt-ailuna Plcihive und onderen verspven-gten Ab-
teilungen nchmen segen die Rsgierung elne dro -
hende Haltung ein. 5ftl einem Teil der west-
prsubifchen Pvesse veröffeiltlichten sie eine Kuno-
gebung. in der ste die Einwechslung des Ber-'
moirdgeldes fordern. Eine Absage würde, erklä-
ren sii^ katastrophale Wirk-ung halben. -

Die deutsche Verfassung im
besehten Gebiete

Der Oberbefehlshaber der alliierten Armee im
badtschen Eebiet aibt bekannt. datz die alliierven
Reaierunaen die deutsche Verfassuna als aüktig
anerkannh haben und die deutsche Derfassuna dem-
nach auch imbesetztenEebiete als an-
wendbar zzu betrachten ist. Die Verfüauna vom
25. 8.. die die Vereidiauna deutscher Beamten auf
die neue Verfafiuna unterfaat. ist aukerKraft
aesetzt.

Amerikanische Kirchenvertreter
in Berlin

Berlin. 8. DA Die^--r Ta«e trifft eine Reihk
von ftchrenden Personlich^eiten mrs dem kirch-
lichenLeben Amexrkas in Berlin ein. Die
Herren. zu denen der Vischof Burt und der Vi-
schof Nül'sen aus Zürich gehören. bi-ldrn einen
speziellen Ausschutz der von der Eeileralkanrmifiion
oer Methodisten - Kirch.e für Notihltte und
Wieder-au-fbau Leauftragt ist. die deutschen Bedürf-
nifie zu erkunden.

Protest gegen die Mihhandlung
der Scapa Flow-Besatznng

Bck-lin. 7. Dez. Anläklich der Lber die Scapa-
Flow-Besatzuna nach Zei unasnachrichten ver-
häncften Hunaerstrase isl di« Schweiz als
Schutzmacht in Enaland aebet n worden. Erkundi-
aunnen einzuziehen und falls der Sachverbalt zru-
tvrffen sollte. nachdrücklich Einsoruch aeaen die
aröblicheVerletzuna dcr Erundsätze der
Menschlichkeit bci d-'r britischen Nealeruna. zu erbe"
ben. Eleichzeitia ist die Schweiz aebeten worden.
die aus den Kveisen der Anaehöriaen dsr Be^sat-
zuna hicrher aelanaten Beschwerl^n über son-
stiae inhumane Vehandluna an Ort und S-c'lle zu
prüsen und nach Möalichkeit abstellen zzu lafien.

Die llnruhen in Annsbruck
Zlmsbruck. 8. Dez In ^nnsbruck dauern dic
L-ebsnsmittelkrawalle fort. Die Plünderunaen und
Äusschveitunaen haben während d:r Nacht ausae-
setzt. Klcine Anarisfe auf Klöfier und Lebensmit-
telaeschäs e veranlakten die Wach n zum Gebrauch
der Feuerwasfeil. Es verlaubrt. dak ausländi -
sche Änführer die Bew>. auna leiten. Dio Lan-
des-Rsaieruna hat Vorkehrunaen getrofsen und
das italienische Kominando um Lebensmiltelhilfe
aeöeten.

w Mit jedem Hauch entflleht ein Teil dcs Lcbens,

T nichts beut Ersatz fllr das, waö du verloren; A

drum suche früh ein würdig Zicl deä Strcbeus: ch
G es ist nicht deine Schuld, daß du gcboren, doch K
D deine Schuld, wemi du gelebt vergcbens. A

' Vodeustedt m

o «sssrssssssss^

Lonnenfinsternls

Noman von Elsr Stieler-Marshall
Lop^r'igdt bzr Oretkleiv Lc. Oo. O. m. b.N. b.e»pr>L 1916
(54. Fortsetzung.)

Der Jrühniai bvachte den Bauern rm Schorn-
svrrnd neueo Wnndcrn und Raunen und neues
Aevsernis.

Denn wie seit undenEftchen Zeiten nicht . . .
der junge Len^ trug schiver cm Schwüle, wie si«
dtc Laft des reifen Sömimers wäre.

Und jedeml Tag wuchs neue Wärme zu . . .
wundervoll blaute der reine Marienhimmel. kein
Wölkchrn schwamm H'ran. kein Lüftck-en sang ves-
lam lm frifchen Laub. Alles erfkickte schier im
Blütc-nübcrfchMrus, de-n Apfel-bLuinen wolllrm fast
dre Zweige Lrechen. als trügen sts schon lleberinah
an Jrucht. _

^.»Ä-tzt läsft er. uns zu ncrrvon. keiiie Wolten
mehr irber die Derge/' so giiftr das Murren von
E>of zu Hoff. Und fe läiiMr dte Scraten bursten
mmtzten umd je mebr Vlüten verschmachteten, unr
so mchr Tranx beLam der S-ak im Tale. tr-Mk
«lerrg. trank fich sait und überall. trank fich vdl-
tends vcmtzchig.

Alle Abende sanlmelten fie fich auf der Dorfstrvtze
und sahen zmn Himmel mif und naUr den Drrsen
rmpor. Doch inrmer blich der Hinvincl wolkenlos,
saweit das Auge sal) Mild dte B>rrge standen klar,
mtt unvcrhüllten Häupterrr.

Da hob fich ma'nche Fcmst und Lrohte himvuf,
wo siegreich die Fcchne über dem Hockxchorntuviir
in der stilleir Lift stand.

Sie -setzten eine Frist.

Nke diche verstrickf.n war. stellte fich eines Mik--
taas der Maultierführer, nachdem er fich in der
Tuvnrküche noch einmal satt g-'gefien und getrunden

hwtte. vor seinem Absticg breitbeinig und frcch vvr
dom Turme auf iunb ricf iaut. das; er schallte:

„Botschcrft follt ich noch brinsen von den Mün-
nern im Dorse. Ihr mützt es nrir nit anvechnen,
Herr. wenn sie nit fein tlin-gt. die BokschÄt: Re-
gen sollt rhr senden! Es ift die drilte Woch: öhne
ein einzig Tröpsel und es musr alles verduvsten.
Das Eras vcrbrennt auf den Wiosen. Wenn Jhr
noch länger don Negen schoucht. dann bin ich züim
letzten M-cvle da hvroben sertt-'ien nnd Ihr filft
miich nimmer. Dann mützt Ihr sehenckmlt. wie Jhr
zu dom Gurigen kommt. Nit von -mtr -aus. Herr,
mir ist leid t-rnm . . . aber sie lafien mich nit. fie
halten niich fest . . . niit Eewalt kann ich nil, was
foll ich -segen so-viele? Ani besten sthon. Ihr latzt
den Nesm wiedei: zu rrns l>ereiil."

„Aha," erwiderte Kllnshart mlt einem inmim-
migrn Lachen. «sut ausgccdacht. Dabei wagen fie
nichts und meinen. cs könnte am Ende doch wirk-
sanl svin.' D.ie fdigen Hunde! llnd mein Vertras
mtt dem Eemeindevorsteher?"

«Viftlleicht führt -e-r euch das Tier nun selbsr
zu. er ist j<r cuer bejrLr Freund." erröid'erte der
Leopold und tat ('echr einfättig und bic-der. ALer
Hohn tönte aus seiner schimalziaen Sttmme. Hohn
arinste ihm aris drn dreisten ouinmen Augcn.

Nur Frcundkichkeit hcrtte diescr cms denr Hoch-
schorn eftahrcn, nichts als Eitte batt» der M-ann
vom Berge ihm erwie.e.l. Uud dlcsmul packte auch
Klinsbart ein S'-'rechter Zorn.

Wir-erlich war ihm der Bursche. widerlich die
-sanzs f'ei-ae. ttickische in Meralauben verdunkclte
BLuernschellschaft. Jhr Menschen. Menschon . . .
kann man denn nln'mals srei von euch ivevdcn?
Wird nrail eucre Nisdriskeit und Eomeinheit nle
völlig los. folunse mon auf Erden wandstn mutz
. . . seldst nicht, wenn man vevsucht inncrljch uno
äutzerlich über euch hinauszuwachsen? t'»

Der AbsckMi schüttelte Kliuslmrt.

«Du Wicht," fchrie ex dem Burschen nach. der
von dannen eilte, als der Wsttermacher fich b.'droh-
lich erhob. um zu ihm zu reken. „Dergitz doch uicht
die Antwort auf deine B-otschaft mitzilmchmen.
Auf Regen könnt ihr noch warten. ühr haht es
just nötig. ein wenig Eeduld zu lernen. Es Ml-
net morgen nicht und in -steben Tasen auch uoch
uicht, und wenn noch nicklir vcrbrennt. als das
Eras auf der Wiese. Wartet es ab vielloicht
kanrmt danach mchr Ncgen als euch lieb ist, viel-

Nationalversammlung

Berlin. 6. Dez.

Prasident Fohrenbach: Heuts vor 25 Jahren hat
derNetchstag in diesem- Hause seine e r ste Sit-
zung abghalten. Eine reiche vaterländische Arbeit
tst in diesen Aahren aeleistet worden. Auch trau-
rige Ta«e hat das Haus gesehen. 20 Abgeordnete
lder Präsident macht sie namhaft) dte dem Neichs-
tag schon damals anaehört haben. sind noch heute
Mitglieder des Hauses. Das Haus ist entschlofien.
tatkräftiae Arbei- beim Wiederaufbau des
zufämmngebrochenen deutschen Hauses zu leiste,,.

Die Ergänzung des Eejetzes über die Erhebuna
der Zölle in Eold wird in allen drei Lesun-
gen angenommen.

Abg. Dür.nger (D--N.): Des Neichsfinanzmini-
siers Worte stehen in schreiendem Widerspruch. Er
pvediat Sparsamkeil, dabei herrscht Vergeu-
dung der Arbeitskräsle und Eehälter. Die Rnichs-
steuerschraube ist keine Förderung der Reichsfreu-
digkeit. Die Steuerpläne des Reichsfinanzmini-
sters hält das Ausl-and für den Ruin unssre^
Wirtschaftskebens. Durch di« neuen Steuerpläne
wird aües abhängig von dem Reichsfinanzminister.
Wir sprechen dem Minister nichd unser Vertrauen
aus.

Nekchsministcr Erzbergor: Um Ihr Vernauen
snach rechts) habe ich auch gar nicht gebeten. Die
Eumme von 24 Milliarden mutz un er allen Um-
ständen geschasfen werden. Die Finanzpolitik mutz
etwa 30 v. H. unseres Volksvermägens erfafieid.
Die direkten Steuern müfien erst bis. zur letzten
Mögltchleit ausgebaut werden. dann erst können
wir an dte indirek-en Sreuern herangebm. Durch
das Eutachtsn wurde festgHtellt. datz die Entente
nach den Bestimmnngen des Fricdensvertraaes
kein Anrecht hat auf irMnd eine neue deutsche
Steuer. nicht blotz auf das Reichsnorspfer. Ich
würde es für gut halten. die Steuervorlagen an
eine Kommission zu verwcissn. Die Voraus-
setzungen für die Veranlagung könnten noch vvr
Weihnachten besonders sestaelegt werden: die Aus-
gestaltung des Tarifs hät-e dann Zsit bis nach
Welhnachten. llnser Wirtschaftsle'ben ist im Auf-
stieg begriffen.

Abg. Becker-Hefien (D. VpZ: Auch wir sind da-
für, die drei Steueraestüe nicht auseinanderzurei-
tzen. soiüdern einer Kommifiion zu Lbergeben. Das
Wegsteuern des Besitzes baben wir nie mitgemacht.
ebensowenig glaubt niemand mehr an die Möglich-
keit einer weitgehenden Schonung der Länder und
Gemeinden. Ob die Enten e nach d m Friedens-
vertrag ein Recht bat. die Hand auf das Reichs-
notopfer zu legen. ist g l e i ch aült i a: sie hat dio
Macht dazu und

w'.r mllfien fürchten. datz ste dkese Macht benutzt.

Es empfiehlt sich. das Notopfer zurückzustellen oder
ihm- cine andere Form zu geben.

Nbg. Wurm fUSP.i: Die Reichseinkommen-
steuer wlrkt wie eine indirekte Steuer. Die Ein-
schränkung des Steuerrechts der Länder und der
Eemeinden lehnen wir äb.

Abg. Dr. Heim sbei kelner Frattion): Die
Steuervorkag-sn entbalren eine Verfassungs-
änderung. Ihre Zentralisationsbestrebungen
sind unerträglich. Die Steuerfreudigkeit mükte
/ehoben werd.m durch Führung.des Beweises. datz
die kohen Steuern auch ihnm Zweck erfüllen. durch
Förderung der Prgduktion und die Ver-
besserung der Ernährung. Statt dcfien sabo-
tiercn Sie die Lgndwirtschast. Der Stand unserer
Valuta ist der Eradmefier. den unsere R^ierung
im Äuslands genietzt.

Die drei Steuergesctze werden an die 10. Kom-
mission verMiesen.,

Nächste Sitzung: Diens'aa 1 Uhr: Kundacbung
gegen die Zurückhaltung der Eefange-
ncn.

* Für )we» Faustschläge ein Todesurtcil. Die
«Presse de Paris" me det ans Ami'ons. dLk das
dortrge Kriegssencht ctnen deut-schen Kriegs-
g-efangenen naiwens Hoffinann zum Tode
verurteilt ^sbe. weil er. nachdem er sick reniteitt
bei der Äöbeit gc^eigt bat. seine Wäckrbcr bHchimpft
nnd mit xwei Faustschlägen getroffen ha-
Lcn soll. (Haben sol! 1 kXa die W^lt drübcn
foll Lie -heche Vertretertn der Mcnfchlichkeit und
Ecrcchtiükeit sein).

leicht schtckt der atte ««rechtc Eott. euch die ver-
dieute Sündflu-, in der alles ersäuft was sündig
ist. wie A'.izoiten des seligen Noab!" ^

Ent'vtzrnseschlttbllt ftürmte d.T Leovsld zri
Tckle. sein störrifches Tier. das friedlichen Eang
bcooMlste, mit E -walt hinter sich hrrzerreiw.
KlinslmLt. defien Zorn. da er sich Luft senurcht.
schon übcr dm Sprechen wied-r vervcrucht war.
lachte lau-t und rvie befreit hinter ihm her.

„Eln sck>auer1iches'Drlksel2-ge!ächter." schil^rtc
der Leopold es im Dorfe.

„Bande," sagte Klinehnrt besriedr-gt laut vor
sich hin, «Vande von M«nmen und Zjainvmerkerls.

Mit Eroftrn Schritten wanderte «r über den
Eipfelplan. vo-ni Hunde frWlich umsprunsen. Er
tobte sich aus. Aber die Kü'i:»erin seiner Tago. dem
klcinen grünen Wickttel>berse sich zuneigend mit
sanstem Erröt-en. lachte ihn strahlend an und lockte
scine Sehnucht wie>.er hoch über alles Jrdi.ch-e
l/inaust Eli-'nder K.einkram . . - Sturm ini Wiafi-sr-
gläii.'I Nicht wert. die Eedanken länger als einen
AugttiLiltrk zu belüstioon. Mücken- und Flü.'LenLe-
zücht mit einer Hanlbervea-ung scheucht man das
lästi-go fort. Uttd wrnn es- wiederkomint. und
imiimrer und immer näherdringt. und iimncr lüster-
ner wi^» nach Blut?

Jesliches Tier ist zu zähmen. Joslichsr Starr-
sinn lätzt fich b usen oder br'ch'n. Nur Zeit und
Ausdauer mutz man ha-ben und viel Eüte und
Lieibe. Klinshart brrcstte schon. dak ihn wiicder
einmal die Eslriild vevlassen hatte. Die Bauern-
feiirdschaift sollte i-hin nicht sein veines Höhenl'.-b- n
trüben und bsschmutzen. Die Zett nmrde kommen,
wo er sich diosen axnren vernarrten Menschrn
nähern würde. um sie aus dem Banue ibres Abcr-
glaubens enllich^u löseu, dic Sonne dhrer Eeifter
von der ewigen tftnsternis zu befreicn. Fhr Freund
wollte er werden.

Nur noch wenige Tage sollen sie ihin seinen
stillen FriedM lafien. N-ur lein Sonnenlied will
er zu Ende bringen. nngeftört . . . die Scheidende
scnoet ihm ihren Flmminenkutz. Und rr siht zu,
wie fie hinter dem Wichtel winkend versiittt für
seine Welt. und wio dort drüiben des Tages lichtes
Eold in Gluten dahinschintlzt. Hellblau und wafier-
grün sogalt der 2lbend übtt die Himmelsflut. scinen
Nachen schmücken noch die letzten zartroten Roien
der Sonne. Und es ist in dieser tiefen Erdenstille

Deutjches Reich ^

Die Uebernahme des Fürsorge,
wesens Lurch das Reich

dv« Ucbernahmi-- des bish-ri^
mttltarischen Der orLungs- und Sanitätswesen^
das Reichsarbeitsministerimn und defien
vereinigung mit der, sozialcn Krlcgsbcfck^dl^„
und Hmterbliobenensursorge fand in der
SlZilholni-Akademie ein Fcstakt statt. lem
^nchspräsident Cber l. Reichswohrministtr
uiid Oberburgermeister Wermuth Leiwohnten ^
langerer Nede aab Minksteria'ldircktor Sckn^»
vom Reichsarbeitsministerimn einen
uber di« neuLeschcrftLn« Organifatton. Er tt ll<7 ,
a. iest: ' u.

Nund zwei Millionen Männer find g-sollcn -rv
Zahl der Hinterbliebenen wird
einhaIh Millionen ge chätzt. Di^Zch?dr
mlt einer Rente zur Entlafiun« komm-m^n
Kricgsbsschadistcn beträat voraussichtlich
e.neinhalb Millionen. Der (Z gmt^?
wand. der notwendig sein wird. um bcttbweas
ftledigende Verhattnisse in der Dersorguna d-r
Krrrgsopfer zu schcrff-m. wird aus jährljl
uber oter Mlltiarden veranschlaat^ B-j
dem RelchsaLbeitsministerium ist eine arotze Mi
lung sür Kriegsbefchädigte und Kiiegshinterbli'e^
bene oingerichtet worden. die ctwa 600 Dxrmte
und Anaeftellte umfatzt. Er sch ok mit der Z-iver.-
flcht. klatz, wenn dem deutschsn Dolk im Kcrmpse
mit cmer Wslt von Feinden der schttetzliche End-
crfolg vers-aüt blieb, es doch auf dom Esbbtte der
sozialen BetätiWms nicht zurllckblerben werde
Lan/dcsdiroktor v. Winterfeld. als Vor-
sttzender des.Reichsaus'chufies für sözia-le Kriegs-
be-fck-ädlsten-- und KriogShinlevbliob-'nenfüv'-orüe
betonte in seiner Ansprache. latz auch in Zukunst

Was koftet^

(Fortsetzung solLll

WI 500 Markbar
> 500 Mark Kriegsanleihe

Was brmgt

MeMe5M-WlnienMei!ie »
Jedes Jahr

5000 Gewinne gleich

50 000 000 Mark.

Jc-cs Jahr

25 000 Bon u s - Gewinne von
1000 Mark bis 4000 Mark

Jevcs Jahr

50 Mark Sparzinsen 6123
für ein Stnck von 1000 Mark.

Schlutz der Ieiä)nung:

10. Dszember. mittags 1 Uhr

Gmzahlrmzstermm:

1. bis 8. Zanuar.

1. AehuilH: Marz 1020

^iu sachtes Klinaen. das durch den Aether schwebt.
die Sphär-mglocken läuden zum Tag-'sfthlutz.

Klinsl>art grützt dic Schönheit der W:lt mid
suckt scine Arbttt drinnen bem, truben Lamp-n-
chein- Taukend Orgeln brLU-scn im engLU Muin
die mächtise Sinfonte: . »DieSonne tönt nach
«ttter Weise inVruderspharen Wcttgesang . - -
llnd ibre vorg-'fchrvrbene Roise vollendet sie mu
Donnersang. Ihr Anblick sibt den Enseln
Stärks ....

Theater und Mufitz

tzeidelber^er Stadrtheater

„Die schöue Melufine"

Am Freitoa hatte dcr Versaficr. DrErnst
Wachlcr. M» diescr Steüe cine Ueberiicht uve
die saaen- und lul urgcschichtliche Entstehuim und
Entwickluna der Melufinensaae sowie uber drc vis-
heriaen literarischen Vcarbeitungsversuche aeMden.
Man acwann daraus den Etndruck —
mir ilt es so aeganacn —. datz der Stofk an nai ^
woh! Learbeitunasfähia ist. sreilich nur 'nsoi. - ^
als er aeradezu nach Mufik schreit. Aber als dra
matischer Vorwurf kann er nickit ausreichen ma^
acls eincs G-genspicls. das .den.Verlaul lel b ,

könnte. lMit richtiaem Empfmden hat auch wr ^
parzer die Ncbenbuhlerin eiilaefuhrü) So w-'a
dann jcde auch noch so Ünn- und l>andlunaLa ,
dramatische Bearbcituna unfch bar ^r Reuloii^ >
leit. da die weniaen HoLuounktc und , -

nicht aenüaen tönnen. e,n den!
nificn nach psycholoaischer Bcarunduna.^uoreLe >
des Wrrk zu bilden. Notaedrunaen könncn »
nur Ncfbexionen und Aüscinandersetzunaen c,-- - i
andsrreilrcn. die beiderfiitiae ..Sckuld" ist mr.u >, -
verständlich und 'eindrinattch. als m u - „ !
belden das dramal-isch ooraeschricbene ..MuNlo
empsinden köimen. Dr. Ernst Wachler ist «> > -

ersahrencr Tl>eatcrpraktikcr. als datz er dlcke^" ^
pen nicht aeschen hättc. ALer sic aanz .^rn >
den. ist auch ihm nicht aelunaen. Dcr an /lck, au
aczeichncte Aufbau und foln'crecht sich abspielen
 
Annotationen