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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0545
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Dienstag, den 9. Dezember 1919

Badifche post - Nr. 287

SeUage

Betriebsrcite undPressefreiheit

Für dtL Frokheit der Presse u)ird die Eittführung
des Betriebsrätegcisetzes von so einschneidender Be-
düuituna. dak die Gchahr einer völligen Unrwertttng
besteht. Denn irach den bisherisen lmkenhaiften
Beröft'entlichungen dcir BeMuscheratungen fällt
die Preffe nicht unter diejeniaen KLrtesorien. filr
dteAusnahmen vorgeschen sind. Es ist daher
Hohe Zeit. die matzgobenden Stellen mit aller
Schärfe auf die schworwiiogenden Konseauenzon auf-
Mierrsam zu machsn. Denn bei den Zeitungsbetrie-
ben handelt es sich nicht r«mr vrimrle Erwechsbe-
triöbe schlechthin. sondern u,m Or«ane der
öffentlichen Meinung. D.bs Realtsterlmg
Iles Betriebsrätegesetzes würde dcrher die Preffe
in erster Linie nach der r e i n ge istig en S e i t e
treffrn.

Zn bcachtenswerter Weiss äutzern sich dazu die
..Frankfurter Nachrichten":

„Das Kompromitz in der Vilmmrcrge räuvrt
-en Betrichsräten die Einsicht in die Bilanzen «in,
safcrn die Bctciche mehc als 100 Ang<lst>ellto oder
M Arbeiter beschäftigen. Diese GrenZe Lmn au-
gcnchts des Widerstamds der So.;ialdemokratie. de-
ren Anträge aiuch den Räten in wesentlich kleineren
Betrichen dieses Recht Mgestshen wollten. cine
Verschteibung nach unten ersÄhren. Selbst
untezj AuSschältung diesm: Mögltchkeit bedeutet die
Vrlanzeinffcht die Auslieferung der Zeitungsbe-
trtebs in die Eewalt ichrer Betriebsräte, dsren
Machtstellmrg noch durch ihre Mitwirkung im
Auffichtsrat gestärtt wird. Auch hier gilt: Wer
glmrbt. datz ausveichende Stcherunsen geschaften
wevden könnten. umr dickse Wirkung zu parälysie-
ren. rvivd rmr -u brld erkennen müssen. datz es der-
artige Sicherungen nicht gibt..datz viebmehr die
Maffe der Arbeitevschaft init elsmentarer Gawalt
über sre himoeggeüeir und ihre Fordenmsen mit
allen rhr zu Gebote stehenden Mittslu betrwbs-
weise wenn es amders nicht erreichbar sein sollte,

durch^tzen wird. Man vevgegcnwärtige ffch einen'
nicht s

ozialld'smo'kratischen Zeitungs-
betrtob. dessen Rat eine soziald>emokra°
tische Mehrheit auswerst, um zu erkennen,
welche Goscchren hier erwachsen köniren. Wenige
Berspiole dürsten genügen, um dies deutlich zu
mach-ir:

Das Znteresse der Arbeiterschaft wird ffch ein-
mäl wesentlich darcruff konzentrieren. Betriebs-
iiberschüsse in Lohnerhöhungen «uszumünzen. dann
äber. die politische Haltung der Zei-

tung rtchtunsgebend zu lbeeinflussen.

"..lerlschii

Man setze den Fall. datz finamielle Ueberschüsse
dcrzu ncrwxurdt werden sollen. u>nr den re-daktio-
nellen Teil dss Bbattes durch Heranziohung wei-
tcrer MiLcrrbsiter. AuSbau des Nachrichtendienstcs
oder ähnliche Matznahmen zu erweitern. Wird
die Arbeiterschaft zugeben, datz diese Aufweirdun-
gen überhcvuvt genracht werden. die zwar mittel-bar
auch in ihvsm uroigensten Znteresse lägen, stchtbar

äber zunächst diesem ,Zntevesse zuwider ,zu lmrfen
en? Wird ffr es zugeben. wenn dre Auswen-

schünen?

dunsrn zur Propagievung parteipvlitrscher oder
roligiöser Dogmen Berwendung finden sollen. die
ihrer eige-nen Ueberzeugung entgegenstehen? Die
Einwirkung dss Betriobsrats wirÄ ali'o im beften
Fall zu einer Veeinträchtigung ides gei-
stigen Gehalts der Zeitung. im unsünstigstcn
Fall zu einer Unterbindung der fveien Meinungs-
äusserungen iiberhaupt fithren müssen.

Tin andever Fall, der durchaus im Bereich der
Möglichkeit liegt: Ein Mitglied des Betriebsrats
-crlangt im Auffichtsrat Kenntnis väoon. datz ein
Teil des BetrioLssowinns für Zwecke einer grotz-
ziigigen Abonnentsmverbuna vcrwandt werden
soll. Er -unterrichtet seinerseits das rhm politisch
näherstehende Blatt von der geplanten Aktivn.
Dieses ist in der Lage. Eegennratzregel'n zu treffen,
>en Stotz zu parkeren und dam.it von erhoffften Er-
fslg des Äorgshens von vornhereln zu unteMnden.
Sicherungen gegen einen derartigen Ber-
trauensbruch bestehen nicht, ncuchSem die ein-
zige Bestimmuna. dre eine^an ssch «ucl» nur sehr
bedingte Sicherung hätte bieten können. die An-
drolung frWaser Enttassung zu Fall gekomnwn ist.

Ein drittes BeHpiel mag die Neihe boschttetzen:
Erhalt der Vetriebsrat das Recht der Mitbestim-
munig in gllen die Arbeitnohmer berührenden Fvct-
mn. so mutz daraus di- sck)werste Gefährdung

des Rodäkttonsgeheimnisses rchultie-
ren. Es ist dann in s«in Ermessen gestLllt. Aus-
kunft über Mtbarbeiter der Zeitung und die an
dtesa gezahlten Honovare. über die finanzieLlen
Grundlagen des Betrieües. kupz. iiber alls ver-
sonllchsn oder materiellen Beziehungen zu forstern.
die in lhrer Zuffaamnenfassung die Richtung der
Zeitung bckdirigen. Die Folgen. dte ein Vertrau/eus<-

bruch hier zettigen mützte. sind kaiirm abzusehen. Es

r Betrkabsrat

ist we.lter der Fall denkbar. - datz der .
aus diesem Recht die Vefugnis ableitet. über die
Befetzung dvr Redaktion mit zu bestlm-
mon. Datz auf diesem Wege eine entsch^idende Bs-
einflussung der politischen Haltung des Vlattes
am ehesten zu erotchen wäre. wird den Betriebs-
räten kaiim lange verborgen bleiben.

Die Uebertvagung der in dem Rätegesetz vor-
gosel^non weitgchenden Funktioiren auch an dte
Betriebsräte in den Zeitungen bedeutet das Ende
d e r PrefsefreiLett. Sie imist in a^chbarer
ZeU kmzu führen. oie gesanite Presse befftimmten
volftischen Nichtungcn dienskbar zu machen odcr die
Arbeit der palitischen Presse des Reichss. die stch
dcesem Prozetz entgsgsnstellen wollte. lalhmzulegen.
Das ist. crus eine kurze Formel asbracht. Ziel und
Richtung der Vorlagc. soweit sio auff Zeitungsbe-
triebe Anwendung ftndet. Diese Geftchr sollte ge-
vade die bürgerlichen Negierungsimrteien Lestlm-
men. ffch dafllr einzusetzen. datz das Rätesy-
stem in Zettungsbetrisbsn keinen
Eing-ang erhält.

Zunl mindcsten mutz jetzt gefordert werdrn. datz
der Aufgabenkreis der RÄte im Zettungssewerbe

, o genau um-grenzt wird. katz auch eine

^ ^ ' 'ckm -- - ....

weiterdrängende Elvtwicklung die kurz skizzierten
Gefahren ntcht akut wievden lassen kann.

Es gsht um dte Fveiheit der öffentltchen Mei-
nung und damit um die Frsibsit r-d-«
E i nzel nenl

Preffe-Kouferenr

Zwischen den epsten und zweiten Ausschutzbera-
tungen für das Betriebsrätegesetz wird
eine Bespvcchung einslutzveicher Ausschujtzmitglieder
mit Vertretern der Presse aus den Kveksen der
V-erleger und Schriftletter stattftnden.
um sie über dte von den bislherigen Böschlüssen des
Ausschusscs bsfürchteten Gefahren für die P resse»
freihsit etngchend zu ortentieren uud den Ver-
such zu nmchen. ffe durch Abänderun« der Bestim-
munaen abzuweiiden.

Der vorbereitende Reichswirt-
schaftsrat

Z,n Reichsanzeiger -ha!t das Reichswirtschafts-
nist ' " ' ' ' "

mi.ntsterilU!nr den Entwurf für -erne Verordnung
über dcin vorbeceiitebden ReickMvtrtfchaftsrat ver-
offenllicht. Dte Hauptüestrminungen ffnd folgende:

Die Neichsrogrerung beruft innechalb von 2
Monaten nach Jnkrafttveten der Verotdnung den

vovberoitenden Reichswirtschaftsrat. der seinen
Sitz in Berlin hat und aus 200 Mttglie-
dsrn b'FbHt. Die Mitglieder wvrden aus neun
grotzen BorufogvuPpen berusen. innerhalb derer
wleder eins Untertetlung in verschiodene Mrufs-
arten sowie woiterhin eine fachliche und eine räuin-
liche Gliederung stattgcffunden hat. Zur evstcn Be-
russgruippe gehören 40 Vertreter der Landwirt-
schaft. unter dcnen als Berussarten die Landwirt-
schaist. die Fortstwirtschaft. und die Ftscherei ge-
nannt sind. Dis zwsite Gruppe fctzt ffch aus 48
Vertretern der Zndustrie zufammen. Zn der drit-
ton Gruppe werden die 30 V^rtreter des Handels,
der Bankcn und des VerffcherungswSsens zusam-
inengeftlht. Zur vierten Gruppe gehört der Ver-
kchr (Schrffahrt. Post und Eisenbahn) und die
städtischen Vetriebs. Sie entsenden 14 Vertreter.
Dle fünfte Gruppe wird gübildet aus 10 Bertretern
des Hcmdwerks. die ftckffte -aus 20 Vertretern der
Verbraucherschast. dte siobente cncs 12 Vertvetern
der BoMlterlschcist und der freivn Berufe. Die achte

Gvuppe besteht aus 10 mit dsm Wirtschaftsleben
lnLn

der einzelnen Lanbesteile besondrrs vertrauren
Perffönlichkeiten, die vam Rerchsrat zu ernennen
ffild. Dte neiunte Gruppe schlietzlich unlfasst 12 von
oer Reichsregienmg nach freleni Ermessen zu
ernenn-ende Psrsonen. die durch besondcvo Leistun-
gen die Wtrtschäft des deutschen Volkes in hervor-

ragr-ndem Matze gefördert habcu oder zu sördern
i oen Dertretern aus den Grup-

geeignet sind. Bei
ven 1 bis 7 ist im wefentlichen daran sestge-haltsn.
valtz zu gleichen T-oblen Vertreter der Avbeitgober
und Bertveter der Arbeitnehmer zu entseuden sind,
und datz dle Ernennung durch die errtsprechenden
Berufsorüanisationen. die in dem Entwurf tm ein-
zelnen aufgeftihrt sind. erfolgt. Die Sitzungen oes
vovbereiteilden Retchswirtschaftsrats stnd öiffentlich.
die Oeffentlichkeit kcmn aber ausgeschkossen worden'

Die BesiüimMungen über die Aufgaben des vor-
beroitonden Reichswirtschaftsrats (Vorbereitung
sozlal- und wirtschaftspolllrscher Gesetzontwürfe)
fornmlkert den Entilvurif in Etnklang mit d>em. ivas
schon srüher barübsr bekannt aeworden ist.

Die Franzosen verbieten Schillers
„Tell-<

Dioser Daae wiurde s,n Rassauftchen Landes-

thaater in Wiesba-den oine AuWhrung von
.Milbe

-WillheLm Tell" gsgsben. Bei den patriotischen

Stellen setzten stürmischer Beifal-l uild Zu
stimmungskunda

ebuugen desPubli-
kuins in so stark^m Matze ein. idatz die Mitwir-
kenden minutenlcmg ihre Tätigkeit einstellen mutz-
te,l. Die Folge dieser vaterländischen Kundgebung
war das Verbot der Wiederaufführung des
Stückes von seitsn der französischen BssachungSbc-
börde.

Nun follte di>e Dheatcrleitung eigentlich Hebbels
„Zudith" auf den Spielplan bringen.

i0.

Dez.

Lrichnungrrchlurr
tler Spar-
?rämlenan!elfte

bis S.

Jan.

klnraftluug

l.-IZ.

Mmz

-lurftänaigungNer
Ztüclre an den
Lelchner


Miirz

krrte

gewinnrleftnng

Für einen neuen Burgfrieden

Dio arotze Not des Vaterlandes. seine rückffchis«
lofo Ausbeutuna durch iimere und äutzere Feinde.
das katastrophale Sinken dsr Virtschaftlichen Stel-
lung. das drohende Gespenst des völligen Zusam-
menbruchs zwingt jeden Deutschen. dem das Wohl
des Vatorlandes am Herzen liegt. seine eiaenen
Zntercssen, aber auch etne produktionshindernde
Parteiwirtschaft hin!-er die arotzen Rücksichten auf
den Bestand des Eanzen zurückstellen. Zn dem letz-
ten ihrer stets bedeutsamen Sonntaasartikel be-
schäftiar sich die ..Kölnische Zeitung" csn-
aehend mit diesen Fragen. „Was Deu.fchland not-
rut, so sagt das Blatt. ist so fonnenklar. datz es
schon zur -a-bsegrisfenen Schablcme wird: die fofor-
tige Rückkehr zu einer möslichst ertragrei-
chen Produktion."

lKeiiro experimentellen Verftiche fozialistisch
crdachter Rätegesetze. aber auch ksine Träu-me von
bald wioder aufftoigenden Glanze. tsmporis acti
werdcn zum Ziele führen. -Nur Einiateit und gutev
Wille ullein werden helfen können. Die »Kölnische
Zeitung" schrerbt liazu:

»Da cs nun ohne die Parteien nicht geht. so

'iioe

mützte es mit den Parteien -gohen: ,und da gäk
es nur -ein Mittel: ein K onl p r o in i tz zw is che n
MehvheitssoziLllisten. DemokrLten.
Ziantrulin >und Deutfcher Bolksvartet
mit darn einen Zweck: st-svrtige Aufnahnle oer Pro-
düktion in ,allen Erwerbszweigen. Zu dem Ende
imitzken die lParteien amter Zurückstellung a.ller
Sonllorwünschs amd unter der Verpflichtung. die
Vevsassungsgosetze peinltch zu achten. einen neuen
Burgsrivd-en schlictzen, und da dki ncrtionals
Erznraung den Ertvag. der uns nottut. um unter

den Auflagen d.'s Friedensvertrags leben zu kön-
nen, niur dann zu ltefern vermwg. wenn sie mög-

lichst unMtört in den eiirMchullen Formen weiter-
ckten ka

!ann, so mlützten bis auf weiteres auch
alle umwälzenden -wtrtschastltchen ExpevSinlsnte aus-
goschlossen setn. EiN solches Opfer könnte man von

den Parteien fordern, wenn auch scÄer einzelne an
der Pvo

voivüktion und ihrem Ertrag Betetlrgte ein
Opser brächte. mcnn Untern-chmer wie Angcfftellte
und Arbeiter auf den „Mohrwert" der Porduktion
dci: übsr die Sichcvung der Lebensführung und der
notweirdigen ProduktionsfÜrderung hinausgeht.
verzichteten. Das ist die bsikle Stelle, -an der
ein salchss Kompromitz sich vevmutlich totkaussil
und wo Cigennutz und gegenseitiges
Mitzttauen es unmö-glich machen würdSn,
über dcin toten Punkt hinwegzukmnmen. UnüÄer-
windlich aber smd die Schwierigkeiten nicht. wenn
hinter dem ernsten- Erfassen der wirtschaftlichen
Notwendigkeit der Mte Wille stecht. nur die För-
klerung der Sache im Ause zu habsn und alle Par-
leizwecke zuvückzustellen."

Warnend wendet ffch der Auffatz gegcn die gs-
fLhrlichen Experimente der Sozialdemäkraten. dke
immer wüeder vor der Sorge umi das Reich, dbe
Sovgs um das Prestiae der eigenen Partei in den
Vorderarund stellt

Die Parte iw irtsch -aft. in der wir steuern,
wirkt in jedom Bslang p r od u k t i o n sh i „ -
dernd. nicht -fördernd: in Regierungs- und Ver-
-waltunasstell.'n, und jctzt auch in den WirtschLfts-
betrieben. ziehen Männer ein. deren Dlick durch
keinerl'ei Sach k'e n n t n i s getrübt ist.
übsrall inacht sich ein erschreckender Dileltantismus
brett. Sachgrlinde gslton nichts mÄr. das Partei-
ücffenntnis ist alles. Das Urteil darüber. ob das,
was die Parteien im allgemi.>inen und im einz.llirrn
wollen und erstrsben. sei cinmal ganz beiseite ge-
stellt; so viel Einsicht und völkischss Vsvantwor-
tungsgefüchl aber mutz man bei Männern. die uns
Führer sern möchten. voraussstzen. datz wir uns
jetzt -wenigstens den Luvus oon Parteierperinlen-
tsi, nicht loisten könnon. datz dsr Ertrinkends, dem
sein Leben I-tob ist. keine Luftschlösser baut. Eine
Zsit wie ftie uusrigs. wo uus dcrs Wasfer mn

Halse steht. lst auf die Mitarbett aller. die Hilse
-lessten köi

leisten können. aüf Kompromisse in politischen wie
in wi-rtschaftlichsn Dingen angewiesen. Nicht zu-
letzt ist auch die noch regierende Sozvaldenio-kratie
dara-uf angswiüssn. Das -wc-itz sie. und nracht von
domMittel Gebrauch. wie es ihr Nutzen bringt So
hat der preutzischr Minister des Znnern die Sorge
der ihm nicht entbehrlichen B-scmnten. der ihnen


Wenn der schwer Gedrückte klagt,
Hilfe, Hoffnung set vcrsagt,
bleibet heilsam fort und fort,
immer noch ein freundlich Wort.

Goethe


Sonnenfinfternis

Roman vou Else Stieler-Marfhall
^opvrixht b/Oretlliein Le Lo. O.m. ti. ft. l.eipviL 1916
(50. Fortsetzung.)

Und sie erstrahlte jeden Tag auss nous. und sie
verbvannte Gras und Saat und Wüte. well es
shr so gefiel . . . -und die Sselen vevbvcmnt» sie
;n Hatz, der ffch nach Erlö,ung aus der Spannung
ichnte. wie die Flur nach dem versagton Resen.

Der Loopold kain nicht mehr mit dem RLaultier,
«r brachto die Post nicht ,nehr. nicht frisck-es Drot,
Butter u,ld Eier. brachte vo-r -allen Dingen kein
Waffer.

Binnen dreier Dage zehrte der Vorrat ffch -auf.
Das war lästig.

Doch Eva mierkte. datz die Alaultierpost aus-
bliub. Da trug ffe wisder einmal Laff zu dem
Eipfol hinauf. aegen den Abend des dritten Dages.
Die Duckslkraxe. die unsefüge, die meist nur Män-
ner schlkppen. wuchtete ste stch aus den Nücken und
belud ste -mtt einem Fätzchen, das ste tm fvischen

Webbe bringt. die hat er nur etnmal zu vevgsben
gehabt. .. seine lbebe Heilise hat ste -Mitgenomm>en
in -den Hbmmel. von dem sie mm auf bhn herab-
stciht. Denn tn ihm U eine starke Tveue. Ste,
Eoa. Lamn thn doch nicht so ktndlich fteben wie er
glaubt. Sbe ltebt ,hn mit ihvar aanzen Ltübe.

mit ihrem Leiben und Sein. Sie gehört thm ganz.
... Ruhe

Aber die Sähnsucht tm Mu>t hat ste zur
sungen. damails als sie droben bet bhm in der Gene-
sung sswetlt. Ste hat den Zhsef Gvasler in stch
nteder-gerungen . . . Sünde ist -ebn Tebl . . . und

so-lche Sehnsucht wenn ste nack dem Mdnne dort
drobr

Wiesenqwrll gvfüllt hatbe.
H.

eimlich. ganz heimlich ging sie zu Werke. dah
cs b-ileibe der Vater nicht inerko -und bhr den Eang
verbtete. Die gute Mutter half ihr.

üanasam wanderte Eva durch den schbmmiern-
den Llbend. und drunten ltetz ste im Tale. was ir-
g.-nd ihr Herz boschwerte und bedrückbe. Jetzt chlu-g
es frei und frah -und sang ein Loblied. weil sie
Eva,ihm nützen konnte, il>m diensbbar sein. den sie
iöb r alls Akenschen liobbe und ehrte. Und wie ste
so stiea. muhte sie denken. datz ste leicht und ohne
Bodauern ihr Lebrn dahinaeben würde. wenn es
sür ihn wäre. Er sah tn ihr nur das Ktnd . . .
mas tats?

Ein Weilb konnte er nicht so fteben. wte er sie
Uckbte. trotz allom. Dt- Liobe. dte d.ex Mann dsm

en ftick-en will, ist Dermeffenhstt.

Mcvnchmal. tn den schwülen Näckten. wie diese
Trockenhei^ste jetzt über die Erde verhängt. darm
kann man nicht jchlafen und dte Gsdanken ziohen
ibvL Stratze ins E-renzenlchs. Sie dichten: wenn
die ltobe Hetlige nix in seine-m Laben gamclsen
wäre. ab 'er dann vielleicht in der Eva Soller
nicht nur immer etn Kind gesehen? Er -fft doch
noch nicht so alt. wenn auch schoil SiVber stch an
seine Schläfen schmiegt. Aber die Augen tvagen
noch die Zuigend in stch . . . was nützen solche Gr>-
spinste? Si-e sind nicht zum Guten.

Dort droben flatbrcte dt-e Fahne mit l-eise
krvatterndsm Geräusch tb oinen Grutz entgegen.
Evleichberung, Erquickuns durfte ste »n den Turm
tvagen. war das nicht Gliick?

Und sio «erntote liebveichen Dank.

Der Hochschornmann nannte ste seinen trouen
guten Kameradem.

Von nun an truz ste Mend für Abend die
Läbung hinauf. Abend für Abrnd erklomm ste den
Givfel. wenn dte Sch'viUe des Tages nachlieh.
Kttnghart rvahm stch jeden Taa vom Movgen an
vor, fetner treuen Bottn über die schlimmste Stelle
enbgegen zu sehen . ihr dis Bürde abmmchmen
. . . -und umner wiöder vergatz er es und verffäumle
die rtchtige Stunde. Denn wenn über den Gipsiel
langscrm und zögernd in unbeschreiblicher H-oldselig-
keit der Ab^ld setnr grünlichen Schleier cmSbrei-
tebe. dann hatte er seine sch-öpferischste Stunde. dann
war er lboanadet mit den tlefsten schönsben
Eellanken.

Eva sab es. wenn ffe bri ihnr elntrat. wbo seine
Augen von innen h-eraus glünzten. in einem
Leuchten. das wie aus anderen Welten Lam. Sie
aber wutzte. datz er jetzt von der Sonne schrieb . . .
sie ftagte chn ntcht und ste rcdete ntckt... sts fttllt«

Kriiae und Kannen «mlit dem wertvollen Natz. ste

gab d«m kfund zu trinken . . . sie schafste im Haus
:ch« '—" ' ' -

mit -leichtqn u,td ltoben Bewckaungen. Zäletzt
sctzbe ste ffck -oine kletne W-ile um zu ruhem tn sä-
ner Näde nieder. Er sah auf vom Schreiben und
nickte bhr mit soinem auten Lücheln zu. Und ste
lächelte wdeder und lcgte diie Finger auf die Lip-
pen. um ihm zu sagen. datz ffe ihn nicht stören
wollte.

Diese Augenblicke entschädigten da>s Atordhoft
kind für alle Dllsterheit in seinem Leben dort
unben. Einnral. als sie ihm so zusah. wie er ilber
dsn Schreibtisch gebückt im roben Schein der kleiwan
Lampe satz. kam ihr der sehnliche Wunsch, als
Mützts das allen Glückes Erfüllung sein. nur ein
einziges Mal ganz leffe über -sein dichtes Llondes
Haar ziu streicheln. durch das sich überall diose lier-
beil Silberftiden zogen.

Der Wunsch wurde in ihr so mächtrg. datz siie
es wagte. ganz leife, vorsichtig u-ild heimlich So
verti-est war er. datz er e§ nicht einmal bemerkbe.
Zhr -aber tat es unenblich wohl. Und alles. was
dve Frau beglückt. schenkte ibr dle lleine. von lhm
nicht beachtete Liebkosung, die -ffe lbm erweisen
durfte. SchwefL'rliche Güte. inüttcrliche Fürsorge,
bräutlichcs Entzücken.

ZeUen Abend von nun,an ho-lbe ffo sickr versboh-
len wie ein Dieh diesen Lohn für Wegesmiühen.

Aber am siebenten Taae sah Eva vom Hofe
aus um die Mitt-asszeit dte Maulttere wteder zum
Bvrge binaussteigcn, ffe waren schwer bepackt.

Mvchael Kern selbst war es. der ffe führte. ernsb-
haft trat -er vor Kliinghart.

»Zch -brings alle-s .was fehlt. Herr. -Aber nit
letcht war es. heraufzugehen. schior wären sie gogen
thren Eemeindevorsteher mtt Gowalt -anfgestanden.
Latzt dte Wolken wiedcr über unsere Berge. Herr.
Es tst Gefahr. wonn Zhr ffe länger scheucht mit
euren grotzen Nöhren."

„Kern, Kernl" sagte Klinahart. „ich hatte üe-

hofft. Sie wenigstens wären vernünftig goworden.
Meiw .

>keine Röhren habe ick euch gezeigt und erklärt.
Sis gehorchen dcm Etnsl-utz dex Witterung . . .
nicht umgckehrt tst es. Zch kann nicht die Wolken
scheuchen odtzr herbeiziichen. Denken Sie. ich hätte
Fncudo davcrn wte die liebe schöne Natur jetzt
dürsten und schmcvchten mutz und euch Bcmern d,e
Saat vsrkEint? Wia gerne, wllrde ich helfen,

wemr ich könnte. Zch vrrmaa es nicht. ich bin ein
Mensch wie thr."

„Wollet doch nit ableugnen, Herr. was !Zhr dem
Loopold -aufgetragen hlbt." Was nützte alles Re-
den und Erölären. datz däs nichr erustKemeint ge-
wesen, datz or lm Aerger übZr die FrechhM d-'s
B-urschen oie Geduld verloren gohabt und darum
tm Zorn gospvochen hätte.

Der Kernbauer. schüttelte den Kopf und war
bcdrückt und verstimmt.

»Es ist nit lejcht für eure Freunde. Herr," sagto
er traurig. Das sollte eigentlich heitzen: es ist
ntt leicht. euer Fvennd zu bleiben.

Noch einmal bat er: „Sendet uns Regen, Herrl
Denkt auch >an mein ^laathchen. Es ist euch so sut.
das kleine Kind. Zmmer will cs in der Sonne
sitzen. weil Zhr es ihni geraten HM. Abrr die
Sonne ist jetzt giftig und stichl -allzu sohr. Mein
Kind wird blatz und mük'e. die Angen blicken sber-
bensmatt. Wie die kleiiien Blumen ?m dürren
Eras. so hängt sie don Kopf. Herr, um euvor
Freunde willen. strcrft die BMern nit zu hrrt!"

Er ging und wie er abstieg in gluihender Son-
nenhitze. datz i>hm die hellen Tropfen von der Stirno
vamron, uiid wis er auicki -am Verg -und überall
die unheftvollen Spuren der grotzen Trockeniheit
wlvhrnohmen mutzte. wurde ihm d-rs Herz in der
Vrust schlver und hart wie ein Stein.

Vor do„i AtoÄhofe trat ihm dcr Bcvuer in dcn
Weg.

„Hast du ihm Gutbat erwv-'ise'l? Schleppb.st du
ihnl Wasser zu? Michael. sioh dich um. Warunl
soll er tvinken. wenn alles verkürstet?"

„Stefan. es ist schldmin. Sckier wird mau der
Freundschaft fiir ihn Md." Da lachte Sollcr kurz
und rauh. schauerlich klang es. Bedrückt und wort-
los ging Kern von Stofan himvsg. Uud wt-e er
nun hcjmizu schritt. kroch eine Angst auf sein Herz.
eilve unbeschreiblichr tolle Anast. die ihn packte uird
würgte wie ckin büses Tier. die ihn jagte. datz er
zu laufen begaml wie aehetzt.

Und als er ins Dorf kam. wichcn -auf der
Stvatzo die 9kachbarn. die so solbsam in Eruppen
boieinander stainden, chm -aus und tuscholten »ind
fchauten nack ihm, höhnisch meinte er. mitlcidlü
-auck . . .

lFortsetzung folatl
 
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