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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0616
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ader will der Vrite anch iunerhalb Europas
selocr Ecschäfte machen. Das aber kann ec
nicht, urenn Frqnkreich auch Mitteleuropa in
einen glühend heitzcn Nalkan verwandelt. Jn
dcr Aufteilung Deutschlands scheint England
cin Haar gefunden zu haben. Darum das
Mibvergnügen der Pariser Presse bei der Rück-
kehr Clemcnccaus, das durch die sranzosen-
unsrcundliche Stimmung dcr Jtaliencr noch
vermehrt wird.

Nachdem der Völkerbund erledigt ist, ver-
mag sich Deutschland nur durch den Inter-
essengegensatz seiner Feinde auf
rcchtzuerhalten. Sonst wäre es verloren.

Renners Bankerottpolittk

Ein rasfinierter Schachzug

(Eigener Drahtbericht)

(:) Berlin, 22. Dez. Die. Zurückdrän-
gung Deutschlands in Deutsch-Oesterreich
kommt auch in dem Veschluß des Obersten Ra-
tes, daß die Alliierten bei der österreichischen
Negierung nur bevollmachtigte Minister akkre.
diticren wollen, zum krassen Ausdruck. Daraus
ergibt sich nämlich, daß die deutsche Regierung
jetzt nicht mehr, wie fie beabsichtigt hatte, einen
Botschafter nach Wiey scnden kann.

DLe Ernährung Europas

Bcrsel. 21. Dez. Der eheinalise Leiter der ul-
liierten Hilfskonrnnssion, Hover. machte Vor-
schläge für die Ernähruns der unter der Hu-ngers-
not letienden Gübvete Europas. Soine Vorschläse
üehn dahin. daß das RegieruniVdapartement die
oroßen Üeberschüsse an Meij-'n und MM unter
die Vevölbemng Oesterreichs. Po-lens. Finnlands,
u. anderer Teile Eurovas. ausgenommen Deutsch-
land. ve^teilen soll. Hovcr machte nock nachldrück-
lich c-uf Len Ernst der Lage tn Eurova aufmerk-
sam. Wcnn nicht lmld Hilfe üeleistet werden
könne, müßten in Europa an 20 MMionen M-n-
schen verhungern. Er befürchtet. daß rn Europa
Hunaerrevolten elntreten u-eroen.

Engli.chcs See-„Aeldenturn"

In der Londoner Queens Hall hiolt kürzlich der
früherc Kommandant des Törpedoboots „Broke".
Kapitän Evans. der Begl-eiter Sootts «uf dessen
arktischen E^pcbitionen. ^men Vortvag Wer das
Thema: „Me wir die See beherrschton. Eoans
schildcrte unter anlkrem ein Seegefecht zwi-
lchen den englischen TorpedMootcn „Broke" und
»Swift" und sechs d-rutschen Zerstörern. das sich
am 29. April 191? in der Ncche von Dover
vbspielte. und in dem die deutsch.'n Zerstörer G. 83
und E 42 den Ilntevgang strnden. Als G "12 hilf-
los auf bem Wasser trieb. ließ Eoans ein Schnell-
feuer auf das außer Kampf «eietzte Schifs eröi-,-
nen. Kalt und sejchäftsmäßig berichtete der eüle
Brite: »Ichlteß ein mörderisches Feuer
auf die in Ver-wirrungLcratene
Menschenmasse eröffnen. Lie sich ontsetzt
aus dem Berdeck zusammenÄodrängt l-atte. Vicle
von ihnen eEetterten unsor Voot und gelangtcu
auf das Vorschiff. wo fre kurzorhand zusam -
mengefchojsen mu-rden. Ick sluube ja nicht.
daß die Leute stck aus nnser Schisf flüchtobcn. um
uns anruüreifen, aber ich konnte daraus keine Rück-
sicht nehinen. Äuf der Briicke hatten wirein>»
lustige Zeit. Dort lagen eine Menge Revol-
ver heraüm, von denen der erstc Offizi-er D-Ipard
und der Zcichongeber Veoman. in jeSer Hanid eine
Schußw-affe. reichlich G-ibrauch machten. Es war
ein kurlofee Anblick. wie die beiden ihre
Revolver rm) «e gedränüt vollen D?cks des deut-
schen ZersLLrSrs aLseuerten."

Ein Komnuntar zu die-ser „lustigen Zeit" N
überflüsiig. ALer nicht unerwähnt darf blei-
ben. datz Kapitän Evans fiir feini:n somLinen
Masienmc-rd Ehren und Auszeichnungen von allen
Alliiertenseiten zuteil wurden und er von dem
Vorsitzenl-en Sir Edward Geddcs lMinister des
Transportwesens als vorbildllcher Tvv dss Lriti-
schen TorpDobootoffizicr hingcfiellt wurde.

Der sozialP-iische SiaatsLanzler N enn er hat fich
bcji foinc.m Bittsang in Paris bereit erklürt, allo
Bedingungen ldor Entente anzuneh-
m e n, uim zu oinem Abkommon zu golangen>, das
Oe.stcrreich Hilfe bringen könnte. Wr dia -finan-
ziello Unterstützung untd Belieffovuug mit Lebens-
mitieln und Rohstosfen wolle Oestorreich allo
seine Hilfsqueken, Domänen und MonoVole var-
psändeir.

Das vxiro nicht nur dis polltische Bankq-
rot t erkläru n g lder iStaatLGünste de!s Miener
sosialistischon Kalbinetts Rvnner, somdern gleichs'ti-
tig die lo gis che K r ön u n -g IL«er von iihm versolg-
ten „westlichen OriontierUng" Dqu-tisch-
Oosterreichs. Es hält e'cnigevnraHon fchwer, di>ch«v
Politik Ronnckrs auch nur noch die bona ffidos ru-
zuerkennen. Jedenffalls bätte siej, so-sorn fie b e-,
wutzto Sabotags des Anschlutzgedan-
ke-n> s uns bewuhte restlolso Ausliofevung dvs
deut ch österreichischen Staates an die Entente zmn
Zivl gohabt hatto, nicht andcivs zu sein ibrauchen,
als sie war. Sicherlich bat die völlise U ns ä-
hrskeit dcr s ozt al isti schen Wiener Re-
gierung, dreser „Brutstätte styvaliistischer Unffä-
digkeit und Illuisionsvo-llitik", wie ein Beebachter das
„rote" Wcon genannt hat, den wirtffchaftlichen, wie
den volitischon Baukerott Deutsch-Oostocreffchs auch
ganz auto-mati.ch'-herbsisübren miissen. Mer divses
Kabinett Nenncrr hat seit seinem Befftcihen alles un-
tcrlassen, was den. wirklick-en DolLnoillen Deutsch-
Oesterroichs nach dom Zusamrimenfchlrch mrt dem
Deutchen Reich politüsch wirkfam semacht HLtte,
un-d Hat vraLtrsch alles getan, was L«s ungLückliche
Land hungernd und fvierend sum willenlostn Ob-
jckt des aUcLouterischen Ententci-KaoitMsnms zu
machen gceignet war. Mber auch sonfft ist le-rdvr
Unerfreuliches ans Wien
zu berichten. Dick Wiener Presse ist von je Äino dex
Lbelsten Eurovas gewcffen. Diese Prehmeute hat es
jetzt fertiggclxacht,d-ickdeutfche Hilssaktion
sürdashungerndeWien ihren Lesern in einer
Tunke su sevoiereni, die das doutsche Hilfswerk den
brcderen Lesern <rls unwichtig gegenü'Ler den
Vrvten unjb Flei.chtöpfon der Entente h-instelltc,
die voin) d-ieffer Seito den hungernden Wierrern se
Monaten — verfprochcn worden fiird. Deutschlands
Bevölkerung, sellbst mit dem Brote aukerordentlich
lnavv, hat es gedrilidig ertragen, datz die Brvtration
zu-gunfften dcjc deutsch-Ssterreichischcn Frcuren und
Kinlrer gekürzt wurde. Das notlcidende Dcutsch-
land aaL von foinem Bitzchen Lcm notleidenden
Brubctr a!5, u-nd das ist selbstverstänidlich Es gab
dir-ekte Anrcsung -und dokumentierte dmch Lie Ta:
datz M!lcn tatsächlich vor dain Derhungern gerettet
werdchr ncutz. Dicse deutsche'Hilfsaktion Mivdo von
dcr nrabüebcnden, W'ccner Preffo felbstverständlich
verzeichnet — rrur dje sozraldckmokratifche
,MLcicterzoit-una" brachte zuerst koin Ster-
benswort aber mit Mosien, wie: Dcsutsch
land habe Oeffterrclch Lisher nicht gdholfen, Oeste!:-.
rerch habe, daüctLeu von - Lclbensmitteln gclebt, die
von'der Entente zur Verffügung gefftcllt wurldcn
(,M. Wiener Tagblatt"). Die chrifftlichfoTlale
, Rerchsivost" fchlug in die glsiche Kerbe. Der,Meue
Tag", dw- „N. Wienvr Abendblatt" uuÄ auch selbst-
verstäidlich die fo-z. „Arbeiterzeitung" beschäfftigL
fich widerwillia mit dom Hilsswork Deutsch,-
lcmds und fchreiben Lcdeutfanr nicht ,L)ic Hrlfe",
fond-rn ,Die Hilfe n", fo dah Leim fiüchtraen Le-
fen drr Einddruck entst<-ht, als üb die Entente
sbenffalls hc-lfe. Erfilich aber lasien sie dre Katze
aus d-em.Sack und schreiben, d:e doutchci Hrlffe könnc
das Eesühl der Zuffamniengohöl vgkeit su Doutschl-aiiA
stärcken, und.jliah die franLösische RegiÄrmg dre

Entwicklung der Ereignisie in Ocstcrrclch mi t U :
bohagen verffolgt". Darauf also kam
es «rn! Auf die Stimmunig der Entente und aus
dis Stimmungsivach: fiir sie, die tatffächlich. trvtz
der entgegenstchevld-en Flunkeroien der Wiene:
Prehhe-lffer, den Mbenern kelin Getreidckorn gab.

Deutsches Reich

Die Not der vertriebenen
Elsah-Lothringer

, Abg..Dr. Most (D. Vpt.) hat solgende An-
srage an die NeMevung ü>--richbet:

Nack den mir gowordenen Mittefiungen. sshen
die Richtltnien für die Fürsorge b-er aus Clfah-
Lothringen Vertriobenen vor, dak die während des
Krieges nack dem früh-eren Reichsliand verzog-encn
Nertriobenen vorläufig teine Untevstützungen noch
Darte>l)en erhalten. Auch dio,e Vrrtriobmen halb^n
rhr Hcrb und Gut verloren und sind in ller gleichen
Notlage wie die übrigen Vertriebenen. Weilche
Mahnahmsn -gedenkt die Reichsregierung zu er-
«eifon. nm diefe U n g l e i chm äh i-g k-e i t in der

Dehandluvg zu beseitiaen?
elbm

Jn devseibm AnaeLcgenheit wendet stch Abg.
Dr. Most in Verbindimg mit dem Abgeordneten
Dr. Becker (D Vpt.) mit der folgenden Ansrage
-an die Reaierung:

D.ie Not der aus Elfah-Lothringen vertrls-
Lenen Dcutschen greift immer mehr um sich Wenn
ouch dte F-ürfforsestellen das ihnen Möglich: »u
tun scheinen. ui.-n den Betrofffenen zu. helfen, w
sind doch deren Mittel zu üiering. als dah wirk-
llch tatkräftig vorgegaugeu wer>.en könnte

Nach dcn mir zur Verfügnng steh'.md-n Unter-
lagen wird don Ncrtriebenen durckiweg ge-währt-
1. Unterstützung bis zu 6 Wock n in Höhe von
0,75 Lis 4.00 All , je Ta« amd Kopf;

^ 2. BcjhiÜ'en znr Beschafsn'ig von Kleidung,
cschuhevl Herd. und Küchenoerät bis zu 400 Mk.:

3. Möbelberhrlsen -und Davlehen von zusam-
men rund 300 Mk. je Kopj. wobei die mnter 2 ge-
währten Beträge in Abzu« gebracht wcr tsn.

Selbst wenn damit gerechnot wird. dah der Ver-
trieb-cne aus seincm jetzigen Arbeitsverdiensts zsr
den Neuanschaffimgen beist-cuern must sind die er-
wähntcn Sätp: zu niedria. nam-entlich unter
Berückfichtig-lrn.g der aegenwärttK sp auherordeirt-
gc-stiegenen Pvoife Eine durchgveifent'e gt'ietzliche
Regeliung tst erforderlich. Wann. gedenkt die
Reichsreg-erung durch Einbringung eincs entspre-
chenden Entwurfes den fo dringenden und
berechtigten Wunfch danach zu erfüllm?

Die Telegramm- und Telephonnot

Die ALgoordneten Dr. Most mrrj iKemp-
kes (D Dpt.) hc..ben foffgende Anffrage an die
Negierung gerichret:

Die Klagen über die mansfihafie Erledjgung
von Telegramlmen und Telepihonanmeldungen
kommen aus allen Teilen des Reiches. Besonders
liegen uns aus zahlreichen niederrheinff-
hchen Jndustriesrädten. lie in ihrer E'gamtheit
cinen -der wichtigsten Tefie des deutschen Mrt-
schaftsgebietes >ausnrach:n. Die Deilcora.mm!beför-
dciung leidet in auff die Dauer geradezu uner-
träalicher Weife dadurch. dak alle Delcsra-mme erst
nach DUsiekUorff oder Essen oeleitet und von dort
aus weitergiskabelt w'rden. Da-sffelbe trifffi um-ge-
kchrt aus die Berliner Depe'chen zu. was bei dee
ae-waltigen Zunähme des Tclcgrammver-keHrs zu
ganz erhebUchen Derspätunsen bei der Ab-endung
-und Auslieserung von Depeschen führt urrd dte in
Betracht kommend-e Jnduftrie und Kaufiwannschaffi
in schw<rei, Mchteil gewmüber lierfeniscn in nahe-
Helcgenen Städton bringt. Die Folge ist. dah die
Telegramme in den meisten Fällen später anko-m-
nien als die Bsstätiguugsbriese. Schnellste EnL-
schlichungen wie sie nam/mtlicb bei den h-rutigen
Schwicrigkeiten h-insichtlich der Elickeckung mit
Mhmaicriaffien bei der ständig in FIuh besind-
lichen Vreisstelluug notwendig si„d. werden fo gut
wie unmöglich.

Auch der Fernfprcchverkehr. nanlentl'ck
nach dem Osten und Süden hin. ist unhaltbar.
Dcrbindungen in Richtung Hannover. Casicl.
Frankfurt a M. oder Manirbeim find immer
nur unter erhcblickM Schwierigteiten zu erhalten.
Ost ist es uicht möglich, Fernfpv.'choerbjndungeu
über Hanuover hinavv. etwa nach Berlui. zu be-
kommen. tratzdom eine dr'.ngcnde Anm-elkung den
ganzen Tag über läust. _

Dc.s W'.rtichastslcben hat ejnen Ansmri'k
S- Ünnde beieit, g t

Moglich durste dies scin durch die Schifiuna .7'
ner weiteren direkten Teleara phcn lcituna^n^
erwähnt-en Städte und Derlin^
durch den schlenniaen Bau von weiteren LernschÄ

lc.tungen aus dm niederrhnini-ich-m Fnd^

^zirk nach Hannover. Lasiel und Süddeutzck^
Bis zur ?iertrgstellilng dicser Lei1unü!>n
v.cllclcht eine Besievung der augenblicNich unk»,^
baren Zustnnde durch dic Benutzung wentzrrr
n-ger Leitungei, und deren Zusa-mimnsckl.u'» ,
nsuen Absan:nea»?n nnck ti ffll

neuen Absanwegen nack Lrll^

Ea,sel erzielcn lassen. Der Fernsprech- und
grammvcrkAr nach Südd ^ u 11chla n d wstc
N bis dahin mn ohesten durch Freigabe der"rn«
durchlausenden Ltttun^n seitens
der L^satzungsbehorden vevbesiern lasien. HierL
ware nalür,ch darauff hlnMwirken. dah dü Zi
tungen nicht unter der Kontrolle-der BeLk wo''
behörl>en stehcn. -«tatzangs-

^ Neuhsreaierung berert. die oeffchilderten
Mitz.tande mit aller Boichl-eu'iiguni, zu b-fiitigen
und die vorilehend empfohlenen Wege zu sehen?^

Badische Politik

Die Bcfoldungssrage der Beamten
Mrt dom Eirbwurf eincs Eeffetzes zur S cherung
eivoo emheitlich n Regelung in B-a-mts.ibrfol-
dung^wigestgenheiton i-st die badifche Regie,
rung nicht einverstantden gewcffen. Der Ec-ff-tzent-
wurf kommt zu svät. Einige Lä-ider haban ihm bck-
reits vorgegrrsffen d-urch zahlreiche BesL - derun-
gen von Voamten, tnsbesondero in der Etsenbabn-
verwaltuns. Damit die badiffchcn Beamiten nicht
leci'.achteiliet werden, tst die LMsche Regrerung ge-
nötigt, dem Landtas noch in> einem Nachtrag
rum jÄaatsooranfchlag eine Vämehrung dcr eta1,v-
müßigen Stellen und dbe sthon vor dom Kridge in
Aussicht senommeno unld n-ur ünter dem Awarg dev
Vcrhältnisie zurückge-fftellte BoseitiMng gewisiqr
Härten dcs Gehaltstarifs vorruffchlagen.

Die Biehabliefernng

Dis Badische Landwivlfchafftskam^
mer ifft bei der LanidesrcgieriMg vorstclltg gerwor-
den, die RLichsroüisru'Nis ru evfuchen, mit allm Mst,
teln Lei unseren Fqinlden eine weitere Mlkerung
dsv. Forderung auff Vicbablieferung durchruffetzen.


Der beste Edelstein ist, der da schneideh ^

A Dieande n alle.unddeir Schnutvonkeuiemleidei;

O DaS beste Menschenherz ist. das da lieber litte K
D Den Schnitt, als dah eiuen andern schnitte.

L Rückert ^


kfeinrich Seifferts Lnbe

Ein psycholoaischeS Märchen von heute
Von Z. v. Bülorv

(4. Forlsetzung.)

Bei deren Anblick befiel ihn jetzt ein souderba-
res Ecffühl. das er sick erst nack lansrm Nachbeiil!:n
erklärcn konnte. „Mlch rauckerts. hatten scine
Leuie immer geffagt . . Na. warum foil mein
Atter ego n-ickst rauchen, wenns ibm ickmcckl und er
es gcwohnt ist? Er fand m der Hoje cin Feuer-
zoug. und mit lächelnder NackpMt üb er d-u Nauch-
wol'cn zu. die ihn umschivebtm. und er fpürle wirk-
Uch cin gewisies körperliches Behagen und Nuhe
zum planmähigrn Deuken.

Zunächfft versuchte er, festzustellen. ob er tatffäch-
licki im Beffitz nller geistigen Fähigöriten sei^ i.ffe
er bcsesien oder zu besitzen geglaubt. Sein lösiffches
DenkvermöLc'n roar noch unsetrüdt. das wuhte er
sch-on. aber wo waren die Erenzen Mischrn Geisti-
gcm und Körpi.'rlicheni? Als MatzeriaM -u>nd Na-
turphilosoph htstte er sie bisher überhaupt ge-le-ug-
uet. Ecist war ihm nur Ansdrucksform. Musfftvah-
lung dcs Körpers. Dvck jetst hatte er einen Eiegen-
beucis vc-r deim er sich Leugen muhte. Geist und
Körst r waren zwei verschiedne Dinge. nur dcr
Leib alchängig von dcr Seele.

ALer wieljn:: Vieles. was wir soeUsch n-ennen,
ist viclleicht roin körperlich? Liebe als Fortpflan-
zungstrieK. Freude ccls SinnenrLiz. Moraf als
Schwäckje?

Die Sonne stieg höher und Legann M stechen.
Er unterbrach sein Nachbenken unb grub mit Dolch
und Hand sich tieffer ein, fpannte den Rock über
Lie Höhle und schob den Kovf dcrrunter. So gaü
es «iin angenehmes SchLu-nimerlicht. und er L-vauchte
nicht immerziu di« Granatwolken M sehen. die am

Himn'.el aufzuckt/m. Zuweilen klatWen Spreng-
stücke herunter oder suhr ein Zünder iiack heulen-
dcm Zischcn in Lm Doben. »Aber an Gctrofffen-
werden dentt man ja m diescm Kriege schon lange
nicht mehr." hcrttte cin Kamerad neu-lich aeffagt.
..wenns kommt, ist immer Zeit basüri". und don
nächsten Tag hatte ihn die Kugel gOaffcht. Es
war von je fein Wahlspvirch gewesen. das Befte
aus jeder Lagc herauszicholen. Las siH ereichen
lieh. Das versuchte er auch jetzt.

Er ba-ute sich einen Feldzugsplan aus. Mi
Nacht würde er die deutffchen Stelllingen erreichen.
War es ffein Tvuppenteil. dann kannte man chn.
und tat er nur ein bischen selbstverfftändlich. fraLte
nicht. fo mochte seine Fr-omdheit mit ae-wisien Din-
gen als Folgc oer Necvenerschütterung ausselegt
wrcr-nen. Es kam nur davcms au. datz -nean chn nicht
fiir seisteskrank hielt. Das war die gröhte Ge-
fahr. Einmal als Irrer vcrdäcktis und einge-
sperrt, war er unsrei und durste «r sick nicknt Lewe-
gen. Dann wollte er bald an ffeine Frcru schreiben,
Asathe mußte ihn verstehen. alles wisien. und sie
burste er nicht ocrlier-M. sie mnd die Kinder.

Er ff-cfi) sie vor stch, wie sre die Milteilung Le-
kam von feinem To^ wie sie vielleicht zunächfft
zuscunmeribrechen würde. drmn cuber in Erkenntnis
ihrcr Pslicht — ..ein Ergcbnis memer Schuls".
fagte er selbstzusrieden — sickr b-'richigen uud die
Zukunst der Kiirbcr fcfft in die Haud ne-hmen
würde.

Er muhte ithr gvc-ich ffchreiben; hatd: dieffer ver-
dammte Kerl kein Eitt e Vlei boi sich. keinen Fetzon
Papier? Noch einmal ffuchtx er alles -ab. Deiäe-
bens. Nur in der Sefientasche fand er ein zer-
knittertes, zcrlesencs Buch. ein srommes TraLtät-
chen, auff desien Umschlag sich allen-falls schreiben
kieh. Mer der Stist fehlte. Da fiek sein Mick
auf cin paar trockene Aeffte am Raud der Gvu-be.
Dic brach -er ab -und ffckob sie in die Mfifei. wo sie
laugffam verkohlten. Damit ffckrieh er auff d-as
Nlalt. ..An Fraiu Agathe Seisffert. Derlin-Dahilem.
Er datierte albsichtlich drei Tage später. um foinom
Schreiben noch ni^hr Wahrscheinlichkcit zu geben.
Dann sah er den Brief an. Die Züge waren groh
und st-'if, das war nicht. seine Schrifft. Asathe
würde sie nicht erkennen könncn. SeLbfft wenn er
hinzufetzte. mit welchen Hilfsmitteln er Mschrte-
ven. iah es doch aus wie e-ine pl>umpe Fällckpmg.
Dkffes Bauern Hand. nicht gewohntz -ie Feder zu

sühren. versaate ihm den erften Dienst. den er von
ihr verlangtc. Aber er wvllte sie schsn zrvffiigm.
Zm ffeiner geistffgen Tatkrast roar jetzt dffe körper-
liche des Dkannes gckommen. ffeine rohs Krafi.
jenes Etwas. das ihm sefehlt. was ex stets ver-
miht. Er wischte die AÄrtc wieder w -g. um sie
neu zu ffchreiben. Mas er an Zweisen erreichen
konnte, vcrkohlte er und Lekritzolte daniit alle Sei-
ten des Duches. mn die Fingex goffckMeidiger zu
machenc Zwiffchiendurch las er die Zeilcn des Trat-
tätchens. Es war ler übliche Inhalt. in himmel-
blmien Fvrimen gehüllte Ermanhnuibgen. mit denen
unsre Eeistlichkeit meint. des Bolkes Ton zu tref-
sirn. Er hätte lonst nicht mit 2Minuten dLbri w^rwei
len können. Ietzt las er es mit Andacht. und eine
-kewisffe Ruhe kam übcr thn. die ihm wohltat. Das
war et-was von dom. was er vor zwanztg und mchr
Icchren gefi'chlt, «ls Knabe. ehe er uoch, muhzuden-
ken gewagt über düe awig-eu Fragrn. Es war ffo
wie ein sroßer Man-tel. den der Eottrie'e. Eott-
vater. imn ihn schlua, in den er sich hineinschmioüLe
unb wo er die Augen ffchliehen konnte unü still
fe-m. «aborgon sein. Das war nicht ffün eig-eii,
was er jetzt empfand. das mar neues Gut. Besitz
des Bau-ers, d>er das Traktätckjen ffchon oft geleffen
haben miitzte. Ob Lefen auch Körpersache ist-
fragte er sich. Sckreibenkönnen ifft cs j-a Legreifii-
cherweise, die Hand nmh etwas erzeugen, aber lus
Auge nimmt doch nur etwas au.f. Es wäre nvrk-
v'ürdig. wcnn hier nicht auch UeLung mitspräche.
und er versuchto. das sestzusüllen. Dieisl-s Buch
konntcn die Augen wohl lckron auswendffg. aber da
steckte in der Mütze ein Stück zusanrinengofaltetes
Zeituimsblatt. mit de:n ste enger gemacht war; klvz
holte er heraus. und dabei fand er endlich auch
einen Nanren effngenüht. „Willi Schmidt. Land-
sturmrekrut, Erffatzeskadron. Drasoner-Regiment
Nr. 3." „Also Cchnidt heihe ich fitzt. Willi
Schniidt." Ausaerecknet Willi. Warum nicht Fritz-
chen. Diefer srohe. ungeschlachte Kcrl und Willi!
Das pakte nicht zusamnien. Aber wahrchünlick
war dieser Schmidt. als er den Slamen Willi be-
kam. klein imd niedlich gewesen. unb rah aus itzm
elnmal ein großer Landsturmveknit werden würde.
darauff waven siine Eltern kaum verfallen.

Iedenfalls wuhte er nun ffeinen Nameii. Aber
es machte ihn fftutzig, dvh ein Dragoner in diese
Desend aekommen sein foMe. wo nur Infanterie
focht. Nun, oielleicht war die Mütze verwechsel^

wori en, und er hieh noch cmders. alber das konnte
ihm jetzt Wncichst gleichgültig sein. Das Probl-'m
des Ncmnens war ihm wenioer interesiant als dos
des Lesenkönnens. Ec faltete das Watt aus.-ilmn-
der und Legann es zu entziffern. Tatsächlich, es
ging imr stvcksnd. lüngere Worte imihte er buchffta-
biieven, übcr Fresmbwöetcr strcmchrlte scü» Avge.
Akfo lsfen und schrciben lernen wird Mlli
Schmfi-ts erst> AuffgaLe ffein! „Eine nette AussM
für ein zu beainnendes Leben! Hosfentlich bin ich
wenigstens ein paar.Iwhre jünger girco-rdon!
Un-d er bes-ah fich noch einmal im Spiea«-!lfcherLen.
Abrr bor gab keine Auskunft. Ein ö chter Bmier
siekt mit 30 Iaihren nock aus wie er als 30er
s^schienen, und der Kriog macht die Menfchen auÄ
nicht jünger. Es wurbe heiher. und Heinrich Seif-
fert schlief ein. Wicder träumte >-"r von unb.kann-
ten Personen, von einenn Eeistlicheii. den er me
gchchon. uiüd der ihn ,.Du" nannte. von eincr krätz
tigen blonden Frau und ein paair Kindcrn. Nach
her wuh'te er nicht nvllir. ob es Iungl-'n oder Mäd-
chen aowessn oder wie vrele Aber er zweneUe
nicht daran. dah er die SchmiLtschen. jetzt stine
Kinder. gefehen; und dah er -nl.it iener Fraiu oer-
heiratet fei. war wohl sewifp Er fiiblte eini.> ruy>-
ge Zuneigung zu ihr, die stark sinnlich sein mugie,
abrr doch einer Sättigung 6-lich wie sie nach la-na^r
Ehe von seWt eintritt. Der Eoldreiff an stiner
Rechten fieil ihm erst jetzt auf. dock a>ls cr llm av-
zog. verriet er lhm sein Eeheimnis nicht.

Die Neuordnung >^er Eemeindrhaushlüte
Dio durch die kommendcn Reichsfinanz-
gefetze bedingte ALHängigAeit der Etaats- und
Eemeindefinirnzen vom Reich zwingt Lazu. vom 1.
April 1920 aL. wie das beim Staat fchou gHchchen
ist — cmch das Rechnungsj aihr ber Ee-
meindehaushalte mit dem des Reich s durch Dr-
legung auf die Zeit vom 1. April bis 31. März
in Uebereinstimmung M brinsen. Eine LemnSHii>
erscheinende Verordnung des Ministeritums des
I'ineni wird Len Genieinlbn das ZLcht »einräu-
men. für die Zeit vo-m 1. Za-miar bis-31. März
1L20 entwcder einen neuen Dora.nschl!ag au-fzu-
stellen oder die für das Iahr lLIO feftgefetztcu
VoranMassfätze einschlietzlick der etwaigm Nach-
tragsuntlagen zu erheben.

» Die Vertrctung der CifenLahn.r-^^anisati,:-
nen bci der Verreichlichmig. Bom Badischen Eiy n-
bahner-Verbande schreM -man uns: Die letzchin
durch die Presie gesaugene Notiz. dah i-ie Ver-
treter d-rs Südd. Verkehrsperffoncdls-Devbandes
auch die «nderen>füddeutffck-'n Derbänd^ gkffchzn-
tig zu vcitreten hcüben '.si falsch. Zur Richtigitellung
sei mitgeteilt. l.ah dcr Dadische Eifenlxchnerver-
Land in der Perjon des Bremsers Dahl-in dem
25er WcrreichlichunkVausschiih ein'-'n ersnen Ver-
treter hat, In dem engeren Aus'cksih. der aus 5
Dertrcckern bestcht. wird bcr Badisch.' Eiseirbochner-
veüba,nd durch den Leiter Ler'Gewerllcha.ft deut-
sch."r Eiseubcchner Eutsche oder in all.n stMeut-
scken AnselegenHeiten durck den Sekretär Eoe-
ling vertretcn.

R."

und die Zahl „11. 6. 1906." standen all'ein darin.

— verhiriratet

solange war auck er verheiratet
üewcsen. ...

Er schrieb jM noch einmal — di» Zeklen.
wir kcnncn. Tatsächlich war amck eine gewlll»
AchnlirUeit mit seiner «igene'i Handffchrift
gekommcn. Bei gutem Willc-n und ob>^
genommenheit muhte sie Maegeben u?e.d«u. .

Ecgen ALend Legann das Feuer leL>ffter A
werden. Er verkrock fick tlnfir rn
Doch es kam nicht zum Sturm. E'ne r-rutsi.iL -v,
trouille fck-ob fich vor. Eiue v5ranate ffck^S
bei ihm ein. und ein paar Splitter oevlehten v>
leicht am Kopf. Da ickoL er das Buch m
Tasche. bie Pseife in den Stiefelschaift. und als ^
Avfklärer zurückgingeu. sch-loh or sick lhnen an. , .
kmn er ncch vor Nack-tfall in die deutfchen vle»
l'imgen

(Fortfetzung folatj




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