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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0657
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„Ihr Berge!"

Nrrter diescm Titel hatHansMors-enthaler „Stim-
mungsbilder aus einem BergMisertasobuib" schnnnrrlt
Das von dem Schweizer Vrrlag Orell ftiützli iZürich^
herausgeecchene Büchlein hat oisber in Ooutlchland
nur wenig VerLreiAng sefunden. Vielen nnserer Berg-
steiger Vürste deshalb die Miedergcche eimgor. Proben ^
aus den sinnigen. von tiesalpinem Schauen. Vhlen u.

^ ^ Erkennen erMten Dichtungen wiMammen sein.

.... Und iZahrhunderte Mudeln heroor crus dem mwerswg-
L«/ren Quell... Stogwellen der Ewigkeit; nsue kcrmen. cvte grn-
Mn und mit ihnen zahllohe MenschÄnsÄchlechter... ^

A- Bcrge! Unrerstanden. gefürchtet hieltet ibr wehmutia
Wacht, sehnsüchtig den andlich dämlnrernden Morgen eures gütiven
Einmeisens ins Schicksal der Menschen erwartend. «till-Hirrk voll
sesten Elaubens an oure tommenbc Erlösung cüus dem skrrren Bann
des Todes, habt ihr unendliche Zeiten hindurch dem Angrin Ler
sensenden Sonne. dvm Zahn des nrritzclndrn Eises. >dem Äeihenden
Wasser und Sturmwind setrotzt. eure herrliche PAijcht >aks Mem-
sthenbeslücker einft mit Erfolg zu erfüllen.

Und ihr halbt es erdanert!

Enblich. da ihr schon gralue Ruinen. ftnd die Menschon zu
Sinnen gekommmen. endlich erwacht. euch Bicrgon der Areicheit zu
schützen, — rasend zn licben. Me heilige Fvurr haüen im Menschen
«eschlecht vereinzelte Funken gezündet. um ploÄich als unermeft-
lich? Pergleidcnschaft zum Himmel auszuschietzcn — Eure sofahrvoll
sleitzende Pracht. die von troddrmrenden Eletschern gchüt^en Rät-
sel wurden dem jungen Menschen begchrensWerte Ziele. Das Erlcb-
nis der HochgeLirgswunder hob ihn mit einiem einzigen g«waltigen
Ruck aus ioiner faden LcLenssphLre in die Regionen vinies gvadel-
ten Da'eins emvor.

Zhr Tergel Witzt ihr es. was ihr vi-elen Menschen vM ymLe
bedeutet? Da» allein eucr Sein schon ihr Leben inhaltsreich macht!
Dak Scharen -er bZten Männcr nichts HLH.-res. Edleres Lemvsn cüls
euch 1rot;enLe Tcrge zu lieben. Euch zeit chres LLbens zu dienen, bis
zum lekten Atcmftotz.

Ä>r seid ikmen Eott.

Richts sonst <ruf dicser Wclt ist ihnen heiliger. Von ddr Lwbe
hu euch befallcn. getroffcn. läj'.t keincr je wieder von euck. Üiiüi ob
rhr auch cmre Abgründe Üffnct und stäubet >nnld donnert und toft, er
preist eure Liebe noch im lebenzermackMenden Steinschilas!

Alleingehen. Ein paar schöne. fahrtenreiche ZugLndjachre lie-
oen hmter mrr. Mit vielen Kameradon rvard mrr mancher Eiofel
M der Suche uQch dsm ELL Und oftmvls glaubtLn wtr das
S^'nste. das je uns werde.c konne zu evleben. Dawn jauchzten wrr,
unx — suchten kurze Zeut darairf von neuem.

Eroße Freure machte mir. -ernen jungrn Freünd in meme
peilrgtumcr einzuführen. Denn. wenn ich sah. wic die LcgVistiorung
in seinem Herzcn Einzug hielt. war das ein schöner Tag Br mich!

Doch Tnanchmal wmng es mich.rnuvidkHLetzlich. «anz albein zu
gehen. Das ist das Allerschönste! Die klsinften Berve wttden mrr
W Ricsen. die sonst fchon grotzen Ausenblickc unermetzlich rpeit.
Dic .Tour allein" wird mir zu ernem herrlichen Erzittern!

Letzte Fahrt Zrgondwo roeih ich erne EisflanL' in Len Per-
LHN! Eine Eisjlanke!

Dlank und spiogelülatt leuchtet fte tzell hluaus ins wvibe,
ebenc Land. wirft. wcnn die >Ä)nne ftnkt. röt!ichgo'L>enes Licht bis in
dre Stadt. Kirchdachjäb schietzt sie in erner einzigen Flucht brs an
den zackigcn Rand turmhoch wtrechter Wände.

Cic m.acht nnch frei und stark!

Dicht am Viertausendergipfel setzeft du dich, betest noch einm-al

zum Hein-atland, dann-Der wildesten Abjahrt Eötternrusrk

h^glertet dich in d'en Himmel. Du fährft rieinen Weg öhne umzu-
schauen. Die Sorgen bleiben weit hinten zurück. . .

Wenn ich einmal ganz alt sein werde, nrüd und schwach. nicht
rvehr wandern mag-.

O k2 O

Der „Irrgarten unserer gahlen"

Dem Erwachsenen. der die müihseligc KuE des Kopsrechnens
nach den Plagcn der ScHulzeit Äücklich erlernt hat. komnrt es sar
nicht zum Bewusttsein, in welch einem «Zrrgarten wir beim Ee-
brauch unserer Zahl-en heruimtaiümeln. W'ir nichmen mrn sinnml
diese Welt der Zisfern sür gegebcn und iinden uns mit rhr ab; doch
v-r Lehrer ebenso wie der A-B-L-Schütze varspürcn es schmerzliH.
wLs sür Nücken und Tücken diese scheinbar so hllrmlos aussehenden
ZahÜcn in sich haben. Menn nun gar ein scharfer Logrker in diss
Qabyrinth hinernleuchtet. dann entjdeckt er eine schier überwälti-
gende Fülle von WillkürlichKsiten und Ungohörigkeiten lunv des-
halb ruscn un'ere Mathemätiker seit langem nach einer Reform un-
seres Zahlensystems. Zn besonders draftischer unh praktischer Weise
tut dies P. Cach'e in einem soeben Lei Alwin Huble in Dxesden
erschienenen Buch „Unordnung und Unregelmäfnokeiten beim Ee-
hrcnich unserer Zahlen." Wcihrend die Darstellung der Zahlen
Lurch Zssfern vollftändig einwandsrei ist. erscheint ihro Wiedergach
in ÄZc-rten und Duchstaben so auherordentlich fchlerhaft, das; nmn
Lei näherem Zusehen garnicht begreist. wie wir so viel Unordnung
and Unftnn den Kindern beibringen lönnen. Welche Unordnung
^rrscht z. B. beim Liesen der Zcrhlcn. Wir lvsen und sprechen z.

V.: 13 von rechts nach lknrs. 1S0 vtm kdrvs nach rechts, 1S4 mtt
Ueberspringen einer Zahl. die wir d'ann «Mr Lnde nennrn: L-i 134S
lcsen wir die Leidicn erstcn Stellen ci-.rweder oon links nach rechts
oder von rechts ncrch links. die beiden anderen von rechts nach linrs.
Icden. ker uns lehren wollte. dio Buchstaben so zu l^on, würden wir
slir verrückt halten. denn er würde uns zumuten, Oal wie LL auszu-
jprechm. Eis wie Esi. Ufcr wie Ufre oder K-u«. oder wenn mxrn febe
Zahl als einen Begriff aufsiatzt, so mützte män etwa Schwabs be-
kanntes Eedicht „Das Eewitter" fol^ndermaken hetiamierLv:
„Grotzmutter. Urahne. Kind und Muiter" stvie 1345), .chumpfer in
Stube sind bcksammon" (wie 1345L). Odcr rwam denke B an dic
Behandlung der 1. Sie ist die bescheidenkste unserer Zuhlen. aber
was mutz sie sich allss «äpallen lassen'. Wenn sie in ihrem Eckchen
Lleibt. achtet män sie und nennt sie bei ihrem rechten Mmen „Eins"
Wagt sic sich aber äus ihncr Ecke hcrcms. so hängt man ihr aller-
hand Nanren an. die sie nicht verdient mmd cmf die sie keinen An-
spruch Macht. 10. 11. 12. 13. 100. 1000: ni« hört man ihren Namrn,
und in 11111111 rufen wir von dcn «wcht Einfen keine einäige oder
höchsrens Zwei Lei ihrem illamen. Wi« irveffühvend ist sodann drc
Benennung der Zahlen von 13—19. b! soll eigentlich Lcdeuten: 3
über 10. Da ergM ftch nun abrr die Lberrafchcnde Tatsache. datz, wann
L Ä>er 10 13 heitzt. auch 3 über 100 — 300 und 3 übcr 1000 —

3000 heitzen mützte. Dos ist aber durchaus nicht der Fall Wir be
nennen sanz richtig drci Aumderl ---- 3 x 100 — 300. danach mühte
auch drei Zehn -- 3 X 10 ---- 30 fein. Und ebSnso ist es Mlt „vier
ZcÄr. das eigenllich 40 ist ukw. Wir häben also für die Zahlen-
reihe 13—19 «ine vollstänldig falschc Benenmmg. die einer ganz an-
dervn Reihe zukonrmt. nämnch d«: von 30—00.

Aukcr diesen Unsti.mmiske>iten führt Sachse noch eino Unzahs
anderer Fchler und Zrrtümer in unserer ZMenbenennung an, so-
dak wir wirklich statt der schnuvL^vaden Alleen. in deinen wir un
frre Zahlcnreihen aufgestellt slaubten. ein -undurchdringliches Labq
rinth vor uns zu fthen gLruben. in dem uns mir der fährelang aui
der Schulbank mühsam eingeübte gedankenlose Drill sesthält. Den
Ariadncfaken aus diesem Zrrgjarten will uns die Schrist an die
Hand seben. und sie varlLnist. datz dir endgültige Deseitigu'ng der
mlschen und Einsühning der richtiscn Zahlenbenennung durch ein
Reichsgesetz geregelt werde. Bis es aber so weit ist. ftrnn jeder so-
sort selbst ncit dem richttgen Zahlenlesen beginnen. wenn er nur
die ernsthafte Absicht hat. hier Ordnung zu sctzaffvn. Es wmde deim
ganzen Rechcnwesen zum Vorteil gereichen rmd jedes Mitzverständ'
nis äusschlietzen, wenn wir. wie es in Oesterreictz bereits vielfach
geschseht, lefen und sprechen würdein: 13 statt Lreizehn „zehir dvei"
oder bcsser .^in zchn drei"; 134 statt hundertvierunddreitzig. „ein
Hundert treitzrg vier". 1345 statt tLusenddreihnndertfunfundvierzia
eder dreizchnhundertsün-mHvierziL — „eiln Tausend d«r Hundert
vierzig füns" usw. Dreses Zahlenw^en konnte ftch leicht innd räsch
einbürgern und wüüde zuglSich den Weg bahnen fiir die später ein-
zuführende richtige Benennung der Zahlen 10. 20—00. Bosonders
bcdeutsom ist der Dorschlag des Berfassers. den Aufbau unseres viel-
stufigen Zahlensystems. der jetzt äuf drei Stufen zusammensedrc^^
rst. auf zwei Etusen zu verteuen. wie dies schon in Frankreich
anderen LLndern oebrauchlich ist.

Wer rät's?

Von -en Kleinen für die Kleinen

rs.

AlL den Silbon ar — be — dol — dot — en — ss — gcr —
glli'l — he — ka — kam — land' — lar — lat — leg — ling — lp —
na — no — no — o — r-e — ran — ras — rv — ro — ror — rü — sa
— schach — ster — ta — ti — 1o — tp — traa ftnd 13 Würter zu
biwen, deren Änfangsbuchsiäben von oben nach unten und Endbuch-
staben ron unten nach oben gelefen die Namen zweier.alter Kaiser
ergeben. Die Wörter bedeuten: 1. Erabstätte. L Stadt iv Frankreich.
3. Städlchen am Bodcnsee. 4. Niederlage Barbarossa.s. ^ Münze. 6.
Larvs. 7. Baum. 8. Richtmäschine. 0. Nlme. 10. Mnvcnge. 11. Ee-
schichrsschreiber im Ältcrtum. iZ. Gemüsepflanze. 13. Znternationale
Sprache. Ruth Braun

20.

Es stehen drei Lfel im Stall. Wvlcher yon ihnen ift der
Ecscheiteste?

21.

Der Iäsep schietzt von fern und nah den Rehbock.
Dieser Satz soll in einen Reim gsbracht werli-n. o
ein Wort dazutut oder wegnimmt.

ohne datz mai,

2T

Zch habe zwei Flügel und kann doch nicht sliegen.

Zch hab ^'nen Rücken und kann nicht draus liegen.

Zch trag eine Brille und kann nicht durch seben.

Zch have ein Bein und kann nicht draur stehen,

Aber lausen kann ich — wenn auch nicht schön-

23.

Es l'egt etwas im Stall. ist weitz. hat viex Deine. zwei Ohren
und eben alleg. was so ein Tier hat; es will abcr nichts sreften imd
sausen und springt doch so hoch wie'z Stratzburzer Münster.

Bärbele C. !

LLsung des Nätsels Nr. 18; 1. Eisleben. 2. Sabine. 3. Zngeborg.
4. Sibirien. 5 Timbuklu. 6. Ejektor, 7. Zsotrop. 8. Nicerus. 9. Rabat,
10. Orion. 11. Shalespearc: Es ist ein Nos' ents'-rungen.

Nichtigc Losungen sandten ein: Franz. M-. Dllck. Emma S..
Kaiseistratze. Z. Knaus. Ernft HiMm'elsbach. Schönau.

Verantwortlicher Echriftleitcr: Zulius Kraemer in Heidelberg

Neujahr 1920 j Richard Dohse

Ilnd rvieder ging ein schweres Iahr zur Rüste
Ein hartes Iahr und bittrer Sorgen voll.

^)och fern, ganz fern liegt immer noch die Aüste,
lvo unsres Landes Not sich enden soll,

Und wo die lvellen, die vom Sturme schäumen,
Geläutert, still und klar ans Ufer säumen.

lvie lange noch? . . . Gin banges bittres Fragen
Ringt aus dem Dunklen zagend sich empor.

U)ir haben Last und Hual genuz getragen,

Daß unsre tust sich fast ins Nichts verlor.

Aehrt Freud und Frohsinn denn noch einmal wieder,
Und klingt die Botschaft noch der lveihnachtslieder?

Ist denn die gute deutsche Saat verdorben,

Die Saat, die tausendfach einst Segen trug?

Sind Arbsit, Liebe, Sittlichkeit gestorben?

Und ist's des blinden Hasses nicht genug?

Schlug uns der Feinde lvut denn ganz in Scherben?
Soll drinnen auch das deutsche ^aus verderben?

vom Turme kündet laut der Glocken Rlingen
Des Iahres Gnde, das wir all ersehnt.

Und fieghaft aus dem Schoß der Zeiten rmgen
Gin neues Iahr sich und ein neu Iahrzehnt.

Gs tönt und läutet wie ein ernstes Mahnen
Und singt zugleich wie sel'ges FrühlmgsahneN.

So öffnet denn die herzen weit den Tönen
Faßt Pflug und Aarst mit kräft^ger Arbcitshand, '
Ls gilt, mit eigner Not sich zu versöhnen
Und nur zu dienen unserm deutschen tand.

Und dann: Voran mit Gott! Das Tor steht offen l
hindurch trotz alleml Das sei unser Hoffen.

Des Iahres Anfang

^Pon Grrstav Lindt

Voftrr Erheimnifte. glücksreich äder auch -llnglüLsschwer liiest
wiedcr ein neues Zcchr vor allen Menfchen. Keiner roeitz. wäs es
ihm brinsen. was es ihm nchnrem wird. und wohin ihn sein Schicksal
geführt haben mas. ryenn dem ersten Tag des Zcchves die zwölf lan-
gen Monate gefolgt srnd- Welleicht gerado deshalb glaubt rmd hosit
man ouch unwillkürlich. durch befondere Wünsche und Bräuche an dre-
nn crsten Tägc. der Lie Dcrkörperung des jungen Zcchres darstellt,
s Schicksal sünstig stim'men zu können.

Zmmer umd überall. von den alten Versern rmd Zndern bis W
den Nomern. unld von den derbfrohen Dölkern des Mittekalters bis
in dio zuku-niftsernste Eegenwart hinetn. hat man Llen Zäbres-
airfang in nsendeiner Weisc feierlich begangen. De hauptsächliMten
Bräuche. mit denen noch heute das neue Zahr eingeleitet wird. oas
Glückuünschen und das Spondm von Ncujahrsseschenkcn. reichhn bis
in die Kulturzeit Roms Mück. Zm alten Rom kann jene Sitte aus.
datz Untcrgcbcne ihren Voryesetzten höflichr Mmscchrswünsche därbrin-
gen mrhten. und datz diesen Wünschen auch Eeschenke und Ee-ld bei-
. geiügt wurden. Mit der Zert wurde -ieser Vrwuch sogar zum Ee-sctz
' oryoben, und hie Ahgabe der N-euiahrsgeschenke nahm schlietzlich fast
die Form esner Steüer an. Solbst den römischen Kaisern mutzten
vo.n den Senatoren Neujahrsgeschenke geliefert werdem Erst der Nie-
dcrgang Roms hat den lärmend-festlichcn Neujcchrsfcr-ern dann ein
Eäoe vereitet. dock die Sitte der Neujahrsaeschenke blreb sleichwohl
weiter bestshcn. Zn Frankreich sind aus den römischsn Neujahrs-
gaben. den „strenae". die „etronnes" geworden. die den FratzzosLN
piel wichtiger und unerlätzlichea sind. als die Weihnachtsgoschercke.
und auch d,e altrömischc Neujahrsgeldspenoe hat sich. allerdrngs viel-
sach in der nüchternen Form des Trinkgekr'es, fast üherall Lis ih.-ute
erhallen.

Eine weitaus großere BeÄmtung oüs das Naujahrsgeschcnk
ab»: hat im Laufe der Zahrhunderte der Neufahrswuwch erlangt.
sowoh! der mündlich wie auch der schriftlich ausMsvrochenc. Es grbt
heute wohl kaum einen Me»fchsn. dem nicht am ersten Tage des Zah-

res ein frrundlicher Wunsch Mgerusen würds. Auf römischer Sltte be»
ruht nur der mündliche Elückwrunsch. Den schriftlichen Neujahrsrpunsch
scheint erst das später« Mrtte-lalter gebracht zu haben. denn dre erste
Spur. die sich. wenigstens in der deutschen Literatur. auffinden lätzt.
entstammt bsr Feder eines MinnesänLers das 14. Jahrhunderts. deftcn
,-geluckwunsche" zum „nuwe jcchr" an die Eeliebte gerichtet ftnd. „Dyn
gclucke daz ist myn heil". schreibt er in scchnsucht?froher Hofsnung,
drren Erfullung ihm das neue Zahr brinsen soll. Das Bestroben. dem
sHriftlichen Elückwunsch auch äutzerlich ein fesüliches Aussehen zu ver-
lechen, sckm.7 schon hundcrt Zcchre später die erste NeujaHrskarte, nach
dsm übrisens auch schon <nn von Gutenberg im Zcchre 1455 gednickter
Kalender seinen Lesern mit den Worten: „Eyn Gut heilig nuwe
Zahr" die ersten oedruckten- Elückwünsch: k«rrge-bracht hatte. Die erste
Neujahislarte nun stammt von einem oberrheinischen. dem Ncvnien
nach aber lcider unhckannten Kupse^techer. Sie zeigt ein Ehri-stünd'
chen. deften Hände cin Rand in dSe Höhe heben mit der Wfschrift:
„Ein gout selig Zahr" sowie die Zahreszcchl 1406. Der Brauch. Ncu-
jahrskarten zu nerwenden. hat sich. zumal er auch cin zieml'ch kosi-
spieliges VerMügen war. erst ganz allmählich eingicLürgert. satztc
dann aber. umso fcster. Wurzel und fchlietzlich wurde die Nenjahro-
karts iciiTsach zur lNodesachc. Man fertigte Karten auo Soide und
Tüll. aus Holz und Metallpapisr und in dcr Biedermeierzeit sogar >
aus Eisen und Porzellan an und füLrte fte io kunstreich aus. datz alle
disse Karrcn noch jetzt vielbegchrte Sammelsiücke sind. Besonders die
zuletzgenmmten von dc: Bcrliner Königlichm Elsengietzerei gegoss:-
nrn Eiienkarten und die von der Porzellanmanufaktnr in Berlin
hergesteMen Porzellankarten. dcvcn zierlrche und gcschmackvoll.' AllS-
führung jeden Kcnner entzückt. werden seit langem von Liobyabern
mi'L Eold aufgewogcn.

Mit den Elückmünsü>cn allein ist cs aber nichj immer getan,
man inutz yielmehr dem Etück, das man sich vom neürn Zahr erhofst.
cvach ctwas fühlbar unter dic Arme greisen. und so habcn sich denn
lm Laufe der Zeit allc crdcnllichm Neujahrsbräuch; ausgchiUbt. mit
deren Hilse ftch viele ahergläubige Menschen eme „Emckshriicke zi>
bauen yossen. Uw im nruen Zahr oiel Eel- zu erlanMn. legt man sich
schon in der Sylvcsrerna.bl cinige Ecldstücke unter das Kopsliften.
Reichtum bnr.gt ferner däs Vcrzchren von Fischrogicn. gclbe Rüben






erVorn

wochenbeilage zur „Vadischen post

1. Iahrgang, Nr. 15

31. Dezember 1919
 
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