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Böttiger, Carl August; Sillig, Julius [Editor]
C. A. Böttiger's kleine Schriften archäologischen und antiquarischen Inhalts (Band 3) — Dresden , Leipzig, 1838

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https://doi.org/10.11588/diglit.5486#0074

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VII.

Brief an den Herausgeber der Leipziger
allgemeinen Moden-Zeitung.

Dresden, den 26. Juni 1824.

Sie dringen in mich, ich solle Ihnen etwas für Ihre Modenzeit-
ung schreiben. So rächen sich alle Sünden! Da habe ich einmal
die Römerin Sabina angeputzt. Das war eine Phantasie, ver-
zeihlich dem jugendlichen Manne, der damals in Weimar lebte,
wo die classische Eleganz ihren Thron halte, wo eine der huld-
und geistreichsten Fürstinnen, die nnvcrgefslichc Herzogin Amalia,
sieh oft herabliefs,' mit mir über das Vordem und Jetzt in der an-
tiken und modernen Garderobe zu scherzen, und den eifernden
Antiquar, der das Wort: andere Zeiten, andere Sitten, zu ver-
gessen schien, oft lächelnd zurecht wies. Nun wollen Sie auch
heute noch von mir, der eben seinen 63slen Geburtstag gefeiert
hat, über dergleichen jugendliche Gegenstände einen Bericht haben;
wenig eingedenk des Ovidisclien Ausspruchs: tnrpe senilis amor,
d. h. es ziemet dem Alfen Liebhaberei nicht, und über
Moden sollen nur Frauen und Liebhaber sprechen.

Wohlan, so will ich meiner alten Gewohnheit (reu, nach
welcher ich als eingefleischter Allerlhümler bei jedem Gegenstände,
der mir aufslöfst, immer frage: was würden die Griechen und ,
Römer dazu gesagt haben? einmal die letzteu Musterbilder im neu-
nnd frischbelebten Weimar'schen Modejournale (Taf. 12.) und in
der hochgepriesenen Wiener Zeitschrift für Kunst und Moden (Taf,
XIX — XXII.) durchmustern. Wenn ich auf die in Ihrem eigenen
Journale paradireuden Figuren keine Rücksicht nehme , so geschieht
diefs aufscr anderen Gründen, die Sie leicht erratheil, auch darum,
weil man nach dem alten Sprichworte im Hause des Gehenkten
nicht von Schleifen und Seilerarbeit sprechen mufs.

Ich fange mit den Kopfbedeckungen, Hüte und Hauhen ge-
nannt, au, womit es für diefsmal zur Frohe dienen mag. Hilf
Himmel, welcher aufgethürmte, befiederte und bebänderte Unsinn.1
Wie würden die Griechinnen und die nach griechischem Vorbild
eich stets schmückenden Römerinnen sich über diese monströsen Aus-
 
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