Böttiger, Carl August; Sillig, Julius [Editor]
C. A. Böttiger's kleine Schriften archäologischen und antiquarischen Inhalts (Band 3) — Dresden , Leipzig, 1838

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IX.

Ueber Arbeitsbeutel und Taschen.

I

Schöpfung der Balantine.

o ü meftez - vons vos clefs, madame, depnis la proscriplion des
pbch.es? (Wem geben Sie Ihre Sclilüsscl aufzuheben, Madame,
seit Sie keine Taschen mehr tragen'?) So fragte jüngst ein schon
bejahrter, etwas mürrischer Mann, der noch immer gern vom bon
vienx temps zuweilen ein Wörtchen eintliefscn lafst, seine jüngere
und schönere Hälfte, als sie im griechischen Modegewand giazieu-
haft und leicht die Treppe herabschweljle, um — einem Cousin,
der eben aus der Hauptstadt gekommen war, die Hand zur kühlen-
den Abend promennde zu bieten. Es war doch auf jeden Fall eine
höchst ungalante und in einem solchen Augenblick besonders durch-
aus unschickliche Frage. Sollte denn eine Dame zu einem so
niedrigen Geschäfte, als der klirrende Schlüsselbund unserer allen
Basen und Grofslniitcn einst involvirle, sogar noch in unseren
Zeiten vernrlheijt sein? Welche ungeschliffene Zuniuthnng! welche
bäuerische Unkunde der Sitten unserer Tage!

Aber da giebt es noch viele andere Artikel für die Taschen
unserer schönen Frauen, mit deren Aufbewahrung sie jetzt, wo
die glatt berabniefsenden Gewänder durchaus nichts Taschenalm-
liches, Pauscliiges, Wulstiges gestalten, in keine geringe Ver-
legenheit kommen. Denn um so mancher anderen tragbaren Be-
quemlichkeiten , deren selbst die leichtgeschürzten Grazien nicht
entbehren möchten , nicht zu gedenken und so' manches Geschenk,
welches ihnen nur unter der unmodischen Voraussetzung zugedacht
wird, dafs sie wirklich mit Taschen versehen sind, gar nicht zu
rechnen *), so ist doch selbst für die Geldbörsen und die Scbnupf-

*) Was sollen z. B, die edeln Weiber und solche, die es werden
wollen, die Damen und Frauenzimmer von Bildung, für welche
die jetzige Michaelismesse so überschwanglich gesorgt hat, mit
allen den Taschenbüchern anfangen, die ihnen Autoren und Ver-
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