Böttiger, Carl August; Sillig, Julius [Editor]
C. A. Böttiger's kleine Schriften archäologischen und antiquarischen Inhalts (Band 3) — Dresden , Leipzig, 1838

Page: 157
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XIII.

Racemationen zur Gartenkunst der Alten.

J^Ian hat die Gartenkunst der Alten nur selten einer genaueren
Aufmerksamkeit wertb gefunden. Selbst in solchen Werken, wel-
che das Ganze jener Kunst umfassen sollen, werden die Griechen
und Römer mit einigen wenigen oberflächlichen Bemerkungen leicht
abgefertigt. Gewöhnlich fängt man von den berühmten Babylon-
ischen Gartenterrassen an, die schon der verständigere Grieche zu
den Ucberlreibnngen des Orients und den Gegenständen kindischer
Neugierde rechnete *), geht dann zu den Paradiesen der persischen
Satrapen, läfst die Phäakischen Obstgärten des Alcinous mit einem
bedeutenden Kopfschütteln au sich vorübergehen und kommt nun
mit einem ziemlich halsbrechenden Sprung über Berge und Meere
und eine ganze Reihe von Jahrhunderten hinweg auf einmal in die
Buchsbaumhecken und geschmacklosen Spiehverke des jüngeren Pli-
nius auf seiner Tuscischen und Laureutinischen Villa **). Nur
wenige Alierlhumsforschcr haben sich die Mühe gegeben, auch nur
im Vorbeigehen diese Materie zu berühren ***), und so hat sich

*) Plutarch, de fovtun, Alexandr. Orat. p. 75. T. IX, Hütt, sagt,
der junge Alexander habe die persischen Gesandten weder nach
dem goldenen Weinstock, noch nach den hängenden Gärten
gefragt. Sie sind, wie Reisebescbreibern bekannt ist, noch jetzt
ein gewöhnliches Prachtstück asiatischer Fürsten. Weit klüger
waren die transportabel» Melonenbeete jenes grofsen Gartenfreun-
des, des Kaisers Tiberius, die Plinius XIX, 5. f. 25. O'ergl. Co-
lumella XI, 3. 53.) in seiner hochtrabenden Sprache auch hortos
pensiles nennt.

**) Z. B. Horace Walpole, on modern Gardening, Works T. IL p.
520 tF. oder unser Hirschfeld in seiner Theorie der Gar-
tenkunst. Th. Ii S. 116. Th. 4. S. 21.
***) Chris t hat der dichterischen Beschreibung seines geliebten Säufs-
litz auch einen Excurs über die Gartenkunst der Alten beigefügt,
in Villatico Kxxurs. VII, p, 93 — 101. Allein es ist da nur die
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