Böttiger, Carl August; Sillig, Julius [Editor]
C. A. Böttiger's kleine Schriften archäologischen und antiquarischen Inhalts (Band 3) — Dresden , Leipzig, 1838

Page: 302
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XXI.

Geraalte und geschriebene Neujalirsge-
schenke der alten Römer.

M an versetzte sich", sagt Moritz in seinem angenehm ge-
schriebenen Festverzeichnisse der allen Römer *), „bci'm Anfange
eines jeden Jahres gleichsam in jene Unsehuldswelt zurück, wo
noch allgemeine Freiheit und Gleichheit nnd wechselseitige Treue
unter den Menschen herrschten. Man t Ii eilte sich daher einander
Geschenke aus, die mehr den guten Willen des Gebers als seinen
Reiehthum bezeichnen sollten, als Datteln, getrocknete Feigen, ein
Gefäfs mit Honig, alte Münzen aus den Zeiten der Kö-
nige; denn auch dergleichen Geschenke sollten an ein unschuldi-
ges Zeitalter und au einfachere Sitten zurückerinnern."

Die Sitte selbst, von welcher hier die Rede ist, leidet nicht
den geringsten Zweifel. Die fromme Ausdeutung derselben aber
ist mehr in einer Verwechselung des Saturnalienfesles mit dem
kurz darauf folgenden Janusfeste als in der Sache selbst gegrün-
det. Eine Stelle aus dem Festkalender üvid's hat die Allerlhuins-
forscher, denen Moritz hier gefolgt ist, zu dieser Erklärung
"veranlafst. Allein der wahre Grund, warum man besonders solche
Sachen zu diesen Geschenken wählte, die in das Gebiet des Kü-
chen- und Kellermeisteis gehören, lag ohne Zweifel in der frühe-
ren Sitte des unter den Völkern des Allerlhnins ho heilig geachte-
ten Gastrechts, wo man seinen Gastfretuideu entweder gleich bei
der Bewillkommnnng, oder bei'm Abschiede allerlei Naschwerk,
Wiltfpret, Confitaren nnd dergleichen überreichte, in der Folge
aber auch, so wie der Luxus immer höher stieg, goldene und sil-
berne Gefäfsc, schöne Kleidungsstücke und andere Kostbarkeiten
damit verband. Dahin gehörten bei den Römern auch schöne Ge-
däclitnifsmüozen uud Medaillen **), die mau sich am Ncnjülitslage,

*) S. Roms Alterthiimer S. 21.
**) Es ist eine von Spanheim und anderen Münzlcennern schon oft ge-
machte Bemerkung, dal's i\ie schönsten Münzen, die wir aus dem Alter-
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