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Böttiger, Carl August; Sillig, Julius [Editor]
C. A. Böttiger's kleine Schriften archäologischen und antiquarischen Inhalts (Band 3) — Dresden , Leipzig, 1838

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https://doi.org/10.11588/diglit.5486#0062

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VI.

Die Pluderärmel.

Vorwort an den Herausgeber der Wiener Zeilschrift für Kunst,
Literatur, Theater und Mode.

Ais ich beikomuienden Aufsatz an Sic absenden wollte, fiel es
mir schwer aufs Herz, ob er auch für ein Wiener Moden-
jonrnal eiu 'schicklicher Artikel sei. Wäre es mir doch kaum
glaublich gewesen, dafs in den Augen der geschmackvollen, nur
das Kleidsamste sich aneignenden Wiener die lächerliche Aufge-
dnnsenheit der Pinderärmel je Gnade gefunden haben könne,
■wenn ich nicht berechnet hätte, dafs selbst die selbständigste
Frau , om nicht als Sonderling sich auszuzeichnen , sich dem Macht-
gebot der launenhaften Tyrannin, Mode genannt, nicht ganz zu
entziehen vermöge, nud wenu mich nicht die vorjährigen Hefte
Ihrer Zeitschrift in Ihren Musterbildern vom Gcgentheil überzeugt
hüllen. Iinlcfs konnte ich mit Gewißheit Vorausselzen, dafs bei
Union der gute Geschmack längst gesiegt und, nachdem er die
unförmliche Mifsgestalt der stoffverzehreiiden Aermelaufbaiischungen
nur noch zu einem Transparent ä Gaze, worin der weibliche Arm
eben 60 schwimmt, wie Luua im Silbergewölk, verdünnte oder
in einer mäfsigen Wulst an der Schüller verjüngte, sie endlich
ganz verabschiedet halte. Und so hat sich auch hier das Unheil
bestätigt, welches der wackere Friedrich Rochlifz in seinem fünften
Briefe über Wien (für ruhige Stunden Th. II. S. 62.) über die
Wienerinnen gefällt bat: „Die Wienerinnen folgen der neuesten
und feinsten Mode nie unbedingt; die Sinnigeren modiliciren sie
■wesentlich, eine jede nach ihrer Persönlichkeit, geistigen Eigen-
tümlichkeit, wohl auch nach momentaner Stimmung und Laune.
Jenes Unifomiat, welches stets Beschränktheit und Gerstesarmuth
■verrälh, erblicken Sie hier durchaus in keinen geschmückten höheren
oder doch feinen Gesellschaft". Um so weniger darf ich also be-
sorgen , mit meiner alterlhümclnden Plauderei Anstofs zu geben.
Es ist ja mir eine Leichenrede auf eine längst begrabene Mode-
 
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