Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

Seite: 90
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Wahrheit die Ehre gegeben werde. Wenn
auch Dionysius von Rehlingen für das
Kloster Wetieuhausen ein wahrer Ret-
tungsengel wurde, so war er doch mit
manchen menschlichen Schwächen behaftet,
welche freilich neben seinen Verdiensten
sehr znrncktreten. Vielleicht ist seine
Hauptschwäche am richtigsten als eine ge-
wisse Selbstherrlichkeil gekennzeichnet. Er
duldete keinen Widerspruch, er wollte alles
allein und ans eigene Gefahr hin ausfüh-
rcn, er gefiel sich in glänzenden Titeln
und Rechten. Wenn sein Vorgehen, na-
mentlich seine eifrige Bauihätigkeit bei den
Untergebenen Bedenken erregte, dann erfüllte
Mißtrauen sein Gemüt und statt die Ge-
samtheit der Brüder zu beruhigen und in
guter Stimmung zu erhalten, liebte er es
dann, den einen und andern, von dem er
sich Verständnis für seine Unternehmungen
hoffte, ins Vertrauen zu ziehen. Und in
der Auswahl dieser Vertrauten zeigte er
wenig psychologisches Verständnis. So
brachte jener Ang. Erath, von welchem
schon die Rede war, in seiner Stellung
als Snbdekan durch sein hochfahrendes
Benehmen das Kloster in die größte Ver-
wirrung und mußte endlich auf Befehl des
Bischofs dasselbe verlassen. Daß er gegen
äußerlichen Glanz nicht unempfänglich warf
zeigen seine vielen Bemühungen um Er-
langung der Gerichtsbarkeit über Leben
nnd Tod für den Bezirk der Herrschaft
Wettcnhausen. Er erlangte endlich dieses
Recht, nachdem er altes in Bewegung ge-
setzt hatte. Ohne Erfolg dagegen versuchte
er im Jahr 1679 die Einführung eines
violetten Habits für seine Person. Der
Bischof leistete energischen Widerstand, denn
violett war damals die Farbe der bischöf-
lichen Kleidung. Der Streit kam bis
nach Nom nnd wurde dort im Jahr 1683
zu Ungnnsten des Prälaten entschieden,
welcher sich nun fügte. Es ist eine be-
zeichnende Anekdote, welche uns U. Werner
Gall vom Prälaten Dionysius überliefert:
Der Prälat pflegte auf seinen Reisen sechs-
spännig zu fahren; als er einmal mit einem
solchen Scchserzng Dillingen passierte, be-
deutete ihm der Fürstbischof, welcher dort
residierte, im Scherze, er wolle ihm künftig
in Dillingen ein paar Pferde ansspanncn
lassen; der Prälat meinte, das hätte nichts
zu bedeuten, er habe zu Hause schon »och

ein paar Pferde, solchen Verlust zu er-
setzen, worauf der Fürstbischof antwortete:
„Ja ja, er ist halt der Fürst an der
Kammel nnd ich an der Donau."
Solch menschliche Schwachheiten dürfen
unS indes daS Bild nicht zu sehr ver-
düstern, zumal sie erst in der zweiten Ne-
giernngShälfte des Prälaten, von 1674 an,
als er schon ein Greis war, zu Tage
traten. Ueberdies ist es eine fast allge-
mein beobachtete Erscheinung, daß um diese
Zeit die süddeutschen Klosterprälaten sich
mehr und mehr als Fürsten zu fühlen be-
gannen und sich in ihrer Regierung nach
oben und unten möglichst unabhängig zu
stellen suchten. Unsterblich bleiben Diony-
sius' von Rehlingen Verdienste um die
Wiederherstellung des Klosters Wetteu-
hausen nnd es hat sich erfüllt, was
Weihbischof Zeiller beim Regierungsantritt
des Prälaten an den Administrator des
Bistums Augsburg schrieb: „Männiglicl,
hofft, dieser eifrige Religiöse werde das
übel konditionierte Kloster zu Wcitenhansen
'.nieder in bempornlibus st 3pii11ucr'i1>u8
anfrichten." Das Ihat er und wurde da-
durch zu einem wahren Segen nicht bloß
für sein Kloster, sondern auch für das
ganze gläubige Volk jener Gegend, welches
wieder echt christliches nnd kirchliches Lebe»
in dem dem Untergang nahen Kloster er-
stehen sah.

Schwäbische Bwuraschjeu.')
4. Johann Büchner ans Ravens-
burg, Musiker (1483 — circn 1540).
Von Musikchvrdirektor Ernst von Werra
in Konstanz.
Der bekannteste Schüler Paul Hvff-
heimersZ) Johann Büchner, war während
der letzten zwei Dezennien der Gegenstand

Der Aufsatz erschien zuerst in Haberls
K. M. Jahrbuch von 1895 nnd folgt hier in An-
betracht der bisherigen Unbekanntheil des Meisters
etwas erweitert mit Erlaubnis des Verfassers
nnd der Redaktion.
2) Otboinar Uuscinius, der in seiner ,Mn-
surZia" (Straßburg 1536) Büchner an erster
Stelle erwähnt, führt noch folgende Schüler an:
2) Joannes Uotter /Vr!-entinus a^ucl Usrnenses
Iletvetiorum, z) Lonraclus apncl 8pirenses,
4) 3cbacbin§erns -rpncl I'atavienses, 5) IchVV?)o!5-
§angais opncl Vienenses I'anoniae, 6) Joannes
(loloniensis apuck Laxonum clucem. (Monats-
hefte XI. 133—134.)
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