Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

Page: 125
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es existiere ein cuisehnliches Familien-
archiv derselben, welches auch über Eber-
hard und Heinrich von Sax Auskunft
geben wurde. Die Hanschronik (vitme
siatrum) der Dominikaner in Zürich ent-
halten sicherlich einige Angaben über den
Bruder Eberhard von Sax. Ob dieselbe
bisher in dieser Richtung benutzt wurde,
ist mir nicht bekannt.
Oben wurde die Vermutung ausge-
sprochen, daß der Dominikaner-Bruder
Eberhard von Sax cs veranlaßt?, daß
sowohl seine wie seines OhcimS Gedichte
in den Manesse-Codcx ausgenommen wer-
den sind. Damit wurde angedentet, daß
Manesse und Hadlanb nicht ganz unpar-
teiisch und ohne Voreingenommenheit ihre
Sammlung gemacht haben, indem sie ans
persönliche Bekanntschaften zn viel Ge-
wicht legten. — Die Dichter des oberen
Nheinthales von Chur bis Rorschach waren
sicherlich ziemlich vollständig in Zürich
bekannt. Von denselben werden im Ma-
nesse-Codcx dir. 80 Konrad von Altstetten,
an der Straße von St. Margareth nach
Obcrried; Nr. 123 Rudolf von EmS,
genannt der Schreiber; Nr. 29 Werner
von Teufen (Tuffen) südlich von St.
Gallen genannt. Es wäre deshalb aus-
fallend, daß Rudolf von Ems, der frucht-
bare Dichterling übergangen worden sein
soll. Das ist ein wichtiger Beweggrund,
die Vermutung von Laßberg als fest-
stehende Thatsache anzunehmen, daß Rudolf
der Schreiber (Nr. 123) kein anderer als
Rudolf von EmS, ein Montfortscher
Dienstmann, ist.
Rudolf von EmS im Nheinthal?
(Vorarlberg?) Montfortscher Dienstmann
(von niederem Adel?), gestorben in Italien
1254 (Apulien bei Meist, Mai), steht
unter diesem Namen nicht im Manesse-
Codcx, sondern unter dem dcö „Rudolf,
der Schreiber" als Nr. 123. Das
selbstgewählte Wappen dieses fruchtbaren
Reimschmiedes kennt Zangemeistcr nicht.
Es fehlt im Manesse-Codex, weshalb?
Rudolf, genannt von EmS, war wahr-
scheinlich in diesem Städtchen geboren,
aber er gehörte nicht dem berühmten frei-
herrlichen Geschlechts der Herren von
Ems (Acinö), Hohenems an. Denn das
Wappen des letzteren, ein weißer Stein-
bockhals in blau »nd ans dem Helme zwei

weiße Bärenarme, wie es die Züricher Wap-
penrolle Tafel 3, Nr. 66 giebt, enihält
der Manesse-Codex nicht. Selbst das ist
noch zweifelhaft, ob Rudolf der Schreiber
ans dem Städtchen Ems in Vorarlberg
war, denn Ems ist die deutsche (?) Be-
zeichnung für Domo, Heim, Hansen, so
heißt auch Domo <1'05ZoIa au der
Straße über den Simplon bei den Be-
wohnern von Granbünde» Ems. Jedes
Dorf, dessen Namen mit Heim oder Hansen
endet, nennt der Ladiner ckomo, der
Deutsche aber Ems. Oberhalb Chur an
der Straße nach Reichenau gegenüber von
FelSbcrg liegt auch ein Dorf NamenS:
Ems. So hieß Bodman, früher ?o-
ckomo, woraus Bodman entstand, auch
EmS. Der bekannte Gegner von Ln-
tber Hieronymus Ems er, geb. 1477
in Ulm, gestorben 1527, hat neben seinem
Porträt sein Wappen und die Ansicht
des ScklosseS Hohenems anbringen lassen.
DaS crstcre zeigt im Schilde den Stein-
bockhalS und ans dem Helme als Zier
dieselbe Figur. Damit wollte Emser an-
denten, daß seine Ahnen aus der Herr-
schaft Hohenems stammte». Die Thatsache,
daß man Männer, die sich mit Gedichte
machen und Chroniken schreiben abgabcn,
kurzweg Schreiber nannte, besonders wen»
sie ans Kanzleien der Fürsten oder der
Städte beschäftigt waren, ist bekannt.
Gottfried von Straßbnrg, der Ratschreibcr
in dieser Stadt war, wird als Nr. 124
im Manesse-Codcx genannt und ihm das
Stadtwappen von Straßbnrg beigelegt.
Dann folgt unter Nr. 125 der Schreiber
der Familie Manesse in Zürich der Schul-
meister Johannes Hadlanb. Man ist des-
halb vielleicht berechtigt, in Nr. 123 den
Schreiber der Grafen von Montfort zn
vermuten. Dann folgen, wenn man das
zngiebt, im Manesse-Codex drei „Schreiber"
ans einander. Dieselbe Handschrift führt
unter Nr. 102 den tugendhaften Schreiber
ans, der sonst bkeinricus scriptor ckc
Wi^erme (Weissensee) genannt wird und
giebt ihm als Heroldssignr drei blaue
Glockenblumen in Silber, d. i. ein ge-
wähltes Wappen. Auch der Kirchherr
von Sarnen, Heinrich der Rost, wird
„Schreiber" genannt. Noch jetzt nennt
der weniger gebildete Schweizer jede»
deutschen Staatsbeamten, der auf einer
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