Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 6.1861

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Kunst-Chronik.

Berlin. —Der Direktor Peter v. Co rnelius besucht
mit seiner Gattin im nächsten Monat die Rheiugegend
und wird bei dem im August zu Köln stattfindenden Künst-
lerfest zugegen sein.

— — Die Statuen und Gruppen,'welche in hiesigen
Ateliers theils für das neue Uuiversttätsgebäude in Königs-
berg theils für die hiesige Börse ausgeführt werden, schrei-
ten ihrer Vollendung rasch entgegen. So ist kürzlich in
dem Atelier des Bildhauers Möller (Münzstraße 10)
eine neue Figur für die Königsberger Universität im Mo-
dell vollendet und in diesen Tagen geformt worden. Die-
selbe stellt die „Naturwissenschaft" dar, ein mächtiges Weib
in strenger Gewandung, welche mit der Linken nach Oben
(ans den gestirnten Himmel) weiset, während sie mit der
Rechten auf eine Art Jsisherme deutet, an deren Piede-
stal die verschiedenen Symbole der lebenden Natur ange-
bracht sind. Die Figur ist 9^ Fuß hoch und zeichnet sich
durch große Ruhe und ernste, würdige Haltung aus.

— - In diesen Tagen sind die beiden Gruppen, „die
Muse tränkt den Pegasus" von Prof. Schievelbein und
„die Muse spielt mit dem Pegasus" von Hagen auf dem
alten Museum aufgestellt worden.

Köln. — Der Besuch der zweiten allgemeinen deutschen
Kunstausstellung nimmt von Tag zu Tag einen sehr er-
freulichen Fortgang. Wenngleich die eigentliche Reisezeit
noch kaum begonnen hat, so sieht man doch eine bedeutende
Menge von Fremden in den Räumen des Wallraf-Richartz-
Museums, welche nicht allein von der Masse und Trefflichkeit
der Kunstwerke, sondern auch von dem schönen und zweck-
mäßigen Gebäude überaus erbaut sind. An Nachfragen
kauflustiger Kunstfreunde fehlt es ebenfalls nicht. Leider
stellt sich dabei sehr häufig das Resultat heraus, daß die
gewünschten Werke sich bereits in festen Händen befinden.
So viel wir wissen, haben indeß Se. Hoheit der Fürst
zu Hohenzollern-Sigmaringen eine sehr schöne Zeichnung
von E. Steinle, der Banquier Carl ein treffliches Bild
von Amberg in Berlin und Herr Boch-Hartmann ein
Gemälde von A. W. Beer in Frankfurt a. M. erworben.

Kassel. — „Der Verein für bildende Kunst" dahier
hat die Maler C. Merkel und L. Katzenstein zu seinen
Vertretern bei der nächsten, in Köln tagenden Versammlung
der Kunstgenossenschaft ernannt.

Hamburg. — Auf unsrer permanenten Kunst-Aus-
stellung bildeten seit einigen Tagen mehrere sehenswerthe
Gemälde den Hauptanziehungspunkt für die Beschauer.
Bor Allem erregte ein treffliches Seestück von ansehnlicher
Größe von unserem talentvollen Rnd. Hardorff das
lebhafteste Interesse. Auch dieses Werk bezeugt die tüch-
tige Begabung uusers Künstlers, der die Natur in ihrer
ewigen Schönheit so glücklich aufzufassen und ohne irgend
eine Effekthascherei in ihrer reinen Wahrheit auf die
Leinewand zu bringen weiß. — Ein anderes Marinebild,
von C. Adlo ff in Düsseldorf zeigt uns in gelungener Auf-
fassung und sinnig warmer Ausführung den holländischen
Kanal in vollkommen ruhiger Glätte zeigt. Die Sonne
ist nahe daran, am Abcndhimmcl zu versinken und noch
dazu hinter zerrissenem Gewölk versteckt. Einzelne Gluth-
streifen erzeugen daher nur ein Zwielicht, das sich höchst
angenehm über die weite Wasserfläche verbreitet hat, welche
durch einige bemannte Fischer-Ewer und Jollen im Vor-
grunde wirksam belebt wird. Das Bild erweckt in seiner
warmen Sinuigkeit eine solche Befriedigung im Beschauer,
daß sein Blick länger als gewöhnlich darauf geheftet bleibt.
— I. Witte Hieselbst verletzt uns durch sein Bildchen in
die starre Einöde des Polarmecres, auf welchem eigen-
thümlich geformte und gezackte Eisberge umherschwimmen,
deren Ränder den Silberglanz des Mondes schimmernd

reflektiren. Die dargestellte kleine Scenerie giebt ein schau-
riges Bild von dieser tobten Natur in mitternächtlicher
Stille und Einsamkeit. — An neueren Landschaften sieht
man eine ziemliche Zahl. Ein grandioses Gebirgssujet
ist die „Zugspitze" von I. Rollmann in Düsseldorf.
A. Mosengel's (Paris) landschaftliches Motiv, das den
Vierwaldstädter See umgiebt, ist sehenswerth und gewinnt
nach längerer Beschauung an Geltung. Das „Meiringer
Thal" von G. Engelhard in Berlin ist mit seinem saf-
tig grünen Vorgrunde eine recht hübsche Gebirgslandschaft.
Der „Weg durch's Dorf" von B. Goos Hieselbst ist ein
kleines ländlich sommerliches Bildchen. Auf einem eben
so kleinen Gemälde hat I. F. Spengel in München das
sommerliche Abendglühen auf einem Landsee gut empfun-
den wiedergegeben. Bon Prof. C. Gurlitt und Graf
v. Baudissin in Altona sieht man eine ziemliche Anzahl
kleinerer Stücke, von denen sich einige durch recht hübsche
Motive Hervorthun, von Letzterem die kleine „jütländische
Haidegegend" und von Ersterem der „Eingang zuin Sieble-
bener Schloßpark in Thüringen". — An Genre-Bildern
sind nur wenige hinzugekommen: A. Neumann hat deren
mehrere geliefert, von denen seine „ungarischen Zigeuner"
das bedeutendste sind. Das Nationale und Charaktervolle
des alten Geigers, der sein pizzicato mit dem Daumen
zu hören giebt, ist gelungen aufgefaßt und das Ganze mit
kräftiger, wenngleich etwas trockener Farbe wieder gegeben.
In dem Bilde von B. Zeppenfeldt in Düsseldorf, „des
Gewürzkrämers Laden", bemerkt man erfreuliche Fortschritte.
Louis Asher ist rastlos in seiner Kunst. Außer einem
Aquarellbilde nach Geibcl's Gedicht: „Traumkönigs Lieb-
chen" ist noch ein Oelgemälde vorhanden, „zwei Kinderchen
unter einem Baum sitzend", von denen das ältere Mäd-
chen den jüngeren Knaben aus der Bilderfibel überhört.
A. Thomsen in Kopenhagen hat eine „Ruth" mit ihrer
Korngarbe auf dem Kohfe geliefert. Ist cs nun auch keine
Ruth, so ist es doch ein hübsches Mädchenbild mit mo-
dernem Ausdruck und Kolorit. — Von G. Stevcr ist ein
tüchtiges Portraitbild in Lebensgröße nach einer Todten-
maske vorhanden. Letztere wird dem talentvollen Künstler
wohl weniger als seine Erinnerung geholfen haben, denn
ohne den Dahingeschiedenen gekannt zu haben, möchten
wir die große Aehnlichkeit des Bildes behaupten, wenn-
gleich wir hier die Bemerkung nicht nnterdrückeu wollen,
daß wohl selten eine Erinnerung im Stande sein möchte,
das Augenlicht so festzuhalten und wiederzugeben, daß es
dem Gebilde das volle Leben einhauche.

Paris. —• Unter den fremden Künstlern, denen bei
der am 3. Juli stattgefundenen Preisvertheilung Auszeich-
nungen zu Thcil geworden sind, befinden sich außer dem
vonuns bereitserwähntenLandschaftsmalerTH. Weber aus-
Berlin"), noch folgende: Heilbuth (Kreuz der Ehren
legion), Hallemacher (Medaille erster Klasse), Oswald
Achenbach (Medaille 2. Klasse), Riedel (mentien lio
uorablc), O. v. Thoren (desgl.) und die Kupferstecher
Ph. H. Eichens (Med. 2. Kl.) Mandel (Med. 2. Kl.)
Fleischmann (mention honorable)..

Nom. — Der ehemalige König Franz verkaufte dem
zuletztchei ihm akkreditirten spanischen Gesandten den herr-
lichen Palast der Farnesina mit Raphael's Fresken. Der
neue Eigenthümer ließ sofort die in einem Theile schad-
haft gewordenen Fundamente restauriren, will aber auch
zum Entsetzen der Kunstfreunde in den Sälen der Ra-
phael'schen Fresken moderne architektonische Umbauten
vornehmen lassen!

*) Die beiden Bilder, denen er die mention honorable ver-
dankt, befinden sich auf kurze Zeit vor ihrer Sendung nach Man-
chester auf der Sachse'schen Ausstellung. D. R.
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