Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 43.1918-1919

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EMMY ROEDER-
BERI.IN.
PLASTIK
>KOPF EINES
NEGERS«

IST MODERNE KUNST NOCH SPEKULATIONS-OBJEKT?

Sie war es bisher zweifellos! Niemals konnte
man in Kulturwerten sein Kapital auf lange
Zeit besser anlegen als im möglichst frühen Er-
werb von Werken zukunftsreicher, junger Mei-
ner. Wer die Werke eines Max Liebermann,
£llnger, S. Haden, Menzel, Whistler, Thoma,
Münch, Böhle, Millet, Courbet, Manet, Rodin,
A. von Keller, Trübner, Zorn u. a. schon
Jahren tsiu - -» -

VON PROF. DR. E. W. BREDT.

vor

"anren um billiges Geld erworben, d. h. in einer
Zeit, da jener Großen Werke nur erst im engen
Kreise einiger Künstler und Kenner hochge-
achtet wurden, der hat jetzt ein großes Kapital
in Händen. Das sagt jede große Auktion „mo-
derner Kunst". Gewiß auch ohne die, durch
den Krieg gegebenen Geld-, Markt-, Verkehrs-,
Lebens- und Kunstverhältnisse würden sich die
Ergebnisse der Auktionen solcher Meister-

werke auf

riesige Summen beziffern. Aber

doch ■ CT "esl8e Summen
Werl A S° Vkle Millionen- Standen doch
derne^ M- genannten und vieler anderer mo-
Höhe ' \/eistef scn°n vor dem Krieg auf einer
kurze' 7- ^^iner von ihnen selbst, nach so
I,5 <er. eit' )e erwartet hätte. Das war ein
1 erfreuliches Zeichen des wachsenden

und höchst notwendigen Verständnisses für
Malerei, Skulptur, Graphik der Gegenwart.

Nun aber ist doch ein Höhepunkt erreicht
worden, der zur kritischen Betrachtung der
Verhältnisse zwingt.

Wir wissen, daß viele, die sich nie um Kunst
gekümmert, jetzt für moderne Werke unerhörte
Summen auswerfen, festlegen. Die wirtschaft-
lichen Gründe sind bekannt, verständlich —
aber nicht immer verständig.

Gewiß ist es für uns Künstlerische nur er-
freulich den Fall zu erleben, daß die sonst so
schwer faßbaren ideellen Werte sehr greifbare,
reale, ja man möchte meinen, die einzig siche-
ren geworden sind. Aber die Gefahr der Ver-
rechnung besteht bereits für viele derartige
Kaufgeschäfte. — Der Käufer so teurer Werke
der Gegenwart rechnet sicher damit, daß das
gekaufte Werk nun den Wert behält, den er
bezahlt. Er hofft aber meist noch mehr, daß
eben der Wert seiner Ankäufe noch wesentlich
und rasch steigt. Sind solche Berechnungen
richtig, solche Hoffnungen berechtigt?

Man muß jedenfalls nicht denken, weil mo-

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