Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 43.1918-1919

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DIE SU(

Auch Bato ist einer von den Suchenden.
XY. Trotz der frisch-fröhlichen Schildereien,
mit denen er Wände und Schränke schmückt,
trotz der scheinbar fertigen, flotten Zeichnung.
Ich habe von Bato schon vor einigen Jahren
ausgezeichnete Intarsien gesehen, die er für
höchst kostbare, kapriziöse Räume Oskar Kauf-
manns entworfen hatte. Ich kann ruhig behaup-
ten, noch nie waren mir bessere, reinere Intarsien
begegnet. Es lag offenbar eine ganz vereinzelte
angeborene Begabung für solche Werkkunst
vor. — Aber dem Künstler genügt das nicht.
Er will auf der großen Arena des Öl- und Tem-
perabildes seine Lorbern holen, er verlangt
nach Wänden. Doch seine Bilder sind wie die
Bilder der andern, der Gleichzeitigen, kaum
daß hier eine auffallende Kantigkeit, dort das
Heraustönen schnittiger Linien seine Sonder-
begabung ahnen lassen. Umgekehrt aber er-
leben wir's fast in jeder Kunstausstellung, daß
die einen der Bilder wirken wie monumentale
Malerei auf Putz, andere wie Gobelins, oder

Glas, oder Wollstickerei. Geraten dann aber
die Maler wirklich einmal an solche Aufgaben,
so versagen sie fast regelmäßig.

Es ist ganz müßig, hierzu Meinungen und
Ratschläge äußern zu wollen. Die Künstler wer-
den sich weiter beklagen, weil sie keine Auf-
träge in angewandter Kunst erhalten, und die
dekorativen Talente werden nicht aufhören,
nach dem Ölbild zu streben, obwohl das heu-
tige Ölbild oft nichts anderes ist als Deko-
ration, figürliches Ornament.

Was ist die Folge? Die dekorativen Auf-
gaben fließen an untergeordnete Kräfte, ge-
schickte Macher, oder besser Nachmacher, die
bestenfalls aus den Bildern der Expressionisten
neueTriks abziehen, denen aber stets die Kraft,
der Reichtum, die Urwüchsigkeit der Schaffen-
den fehlen wird. Was wir brauchen, das sind
starke, schöpferische Kräfte auf dekorativem
Gebiet. Solcher hätten wir viele, das wäre auch
Josef Bato, wenn sie, die ferne Suchenden,
nur selbst ihren Weg erkennen wollten, a. j.

XXII. Pcbrotr 1919. 3
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