Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 43.1918-1919

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JULIUS

HÜTHER—MÜNCHEN.

ÖLSKIZZE » FRAUENRAUB «

DER MALER JULIUS HÜTHER.

VON FRITZ V. OSTINI.

\7?r sechs oder sieben Jahren etwa erregte
. * in einer Ausstellung der Münchener Sezes-

*'°n ein bis dahin noch ganz unbekannter Maler
•cht geringes Aufsehen. Vor allem unter den

^Ul>stlern. Was er brachte, war absolut neu,
ein_e Mittel waren so einfach — daß man sie

fachst kaum begriff. Das war Julius Hüther.

Ski* Farbe war buchtend lrisch' aber die
<, a'a, die er brauchte, war überaus knapp.
geh16 Figuren- mit heißem Temperament ge-
ll Den, voll inneren Lebens, wahr, ohne irgend
ne angstliche Abhängigkeit vom Modell. Der
eichner Hüther war ebenso merkwürdig, wie
*r Maler. Man sah im Grunde seine Zeich-
^ ng gar nicht, was sich sehr einfach erklärt:
Si Zeichnet überhaupt nicht im landläufigen
sie rT' ^r bannt nicht die Form in Umrisse, um
^ ann auf irgend eine schulmäßig erlernbare
sind1S-tmit ^arben auszufüllen. Form und Farbe
Will ein Untrennbares. Was er darstellen

fiä h er unmittelbar au{ die leere Mal'

che fertig in parbe hin

wie ers innerlich
Pfunden hat, stark und leicht und mit einem
staunlich geringen Aufwand der Palette. Ein
«ewaltiges Tempo, eine oft tolle Kühnheit ist in
lnem Strich, in seinen koloristischen Wagnis-

sen. Man darf bei ihm einer Form nicht immer
allzustrenge nachrechnen, aber man wird auch
nie ein Suchen, ein Zögern, ein Sichquälen finden.

Hüther ist Einer, der nichts unmittelbar von
einem Andern hat, wenn er natürlich auch der
Sohn seiner Zeit ist. Aber seine Malerei ist
reiner Ausdruck seiner Natur. Er gehört zu
den Künstlertypen, die selten werden: er lebt,
um zu schaffen, er schafft nicht, um zu leben I
Das leistet ihm Gewähr für eine schöne Frei-
heit, von der die nicht wissen, die nach dem
Markt hinschielen, wenn sie malen. Aber auch
die nicht, die auf ein Dogma geschworen haben,
einer Richtung, einer Gruppe angehören! Er
ist kein Realist, kein Impressionist und kein
Expressionist. Klingt einmal bei ihm in einem
Werke ein großes Vorbild an — wie in seiner
Kreuzigung vielleicht der Greco — in der näch-
sten Arbeit schon spürt man es nicht wieder und
in allem Wichtigen bleibt er überhaupt stets
unberührt. Weiter entwickeln wird sich dieser
aus zwingendem Drang heraus schaffende Maler
natürlich — auf seiner Linie wird er bleiben.

Das Äußerliche, was an Hüthers Malerei zu-
nächst auffallen muß, ist seine Technik, seine
Behandlung der Ölfarbe. Er malt so dünnflüssig,
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