Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 43.1918-1919

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RUDOLF DÜHRKOOP f.

Rudolf Dührkoop, der am 3. April 1918
siebzigjährig in Hamburg gestorben ist, war
einer von denen, die die Bildnisphotographie
aus einem in unechter Manier und mechanischem
Schema erstickenden Handwerk zu der Höhe
eines anerkannten Kunstgewerbes emporge-
hoben haben. Seit er, der ursprünglich Kaufmann
von Beruf nur als Liebhaber-Photopraph der
Photographie nahestand, sich die künstlerische
Bildnisphotographie als Lebensberuf erwählt
hatte, widmete er, namentlich unter dem Ein-
druck der großen Internationalen Photographi-
schen Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle
1893 unter der Leitung Lichtwarks und Juhls,
seine ganze Kraft der Erreichung dieses Zieles.
Er war einer der ersten in Deutschland, der sich
freimachte von aller Unnatur und allen erkün-
stelten Hilfsmitteln des Ateliers und das Modell
in lebensvoller Natürlichkeit, womöglich im
eigenen Heim oder im Freilicht beobachtete,
um den ausdrucksvollsten Moment aus dem
Leben der Persönlichkeit zu erfassen und in
seinem Bild in lebendiger Natürlichkeit zu ge-
stalten. — Dabei befähigte ihn nicht nur sein
feiner künstlerischer Blick, sondern auch ein
geschulter Geschmack und vor allem eine mei-
sterhafte Beherrschung aller modernen Tech-
niken vom Gummi- und Kohledruck bis zum
Bromöldruck und der Farbenphotographie —
bis in die letzte Zeit seines Lebens hinein be-
mühte er sich um deren Vervollkommnung,
namentlich um die Herstellung von Farben-

photographien auf Papier — zur Erreichung von
Höchstleistungen. Zugleich suchte er auch als
Kunsterzieher schriftstellerisch und rednerisch,
das was er als Aufgabe der künstlerischen Pho-
tographie erkannt hatte, seinen mitstrebenden
Fachgenossen zu vermitteln. Aber selbst als die
Saat, die er auf diese Weise eifrig auszustreuen
sich bemühte, aufgegangen und die künstlerische
Bildnisphotographie die Blüte erreicht hatte,
deren wir uns heute erfreuen, stellten die Bild-
nisse aus seinen Werkstätten in Hamburg und
Berlin, die auch in dieser Zeitschrift oft genug
das Entzücken der Kenner erregt haben, stets
Meisterleistungen und Musterbeispiele künst-
lerisch-technischer Vollendung dar, zumal Dühr-
koop in den letzten Jahren in seiner Tochter,
Frau Minia Diez-Dührkoop, eine Mitarbeiterin
erhalten hatte, die mit kongenialer Begabung
ihm zur Seite trat. Sie wird auch nun, da er
selbst sein Werk, das ihm Ehrungen und prak-
tischen Erfolg in Fülle gebracht hat, verlassen
mußte, ebenbürtig an seine Stelle treten. Dühr-
koops reiches Werk ruht in guten Händen, ihm
gehört nicht nur die Vergangenheit, sondern
auch die Zukunft.......... dr. w. warstat.

Ä

DIE BILDENDE KUNST NACH DEM KRIEGE.
(schluss von seitk 79.) Wie könnten wir von
solchen Bemühungen erwarten, daß sie den
Wünschen derer werden gerecht werden,
denen banale Richtigkeit, historische Treue,
illustrative Vollständigkeit und Genauigkeit,
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