Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 43.1918-1919

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e. büttner u. e. hoffmann. stickerei »penthesilea«

MUSEEN UND KUNSTSAMMLUNGEN.

In der künftigen Bildung unseres Volkes wer-
den die Museen aller Art als Bildungsstätten
eine wichtige Ergänzung zu dem historisch-phi-
lologischen Wesen der Schulen und Universi-
täten bieten, weil sie zu den Dingen führen oder
von den Dingen ausgehen. — Und darin werden
sie helfen, das Bildungsideal für unser Volk
fruchtbar zu machen, das Goethe uns vorgelebt
hat. Sein Wissen war das Gegenteil vom Wort-
wissen, überall hat er den festen Untergrund
der Sachlichkeit gesucht. . . Goethes Haus in
Weimar nimmt durch die Schätze, mit denen
sein Hausherr als Sammler es angefüllt hat,
nicht den letzten Rang unter den deutschen
Museen ein. Es war für Goethe nicht die Aus-
füllung einer Muße, sich in seine kostbare Samm-

lung der frühen italienischen Medaillen, seine
Zeichnungen und Stiche zu vertiefen; er fühlte
und sprach es aus, daß er hier und in der
Beobachtung der Natur und der Menschenwelt
sein Eigenstes und Höchstes, seine Sprachkraft
bildete und stärkte, daß dieses sein höchstes
Vermögen unmittelbar auf der starken An-
schauung ruhte. Als ein Jüngling, der mit einer
Empfehlung zu Goethe kam, ihm die naive
Frage vorlegte, wie er es angefangen habe,
einen so schönen Stil zu schreiben, da nahm
Goethe es nicht komisch, sondern gab ihm eine
Antwort, die die Erfahrung seines Lebens und
die Erkenntnis der tiefsten Quellen seiner Kraft
zusammenfaßte: „Ich habe die Dinge auf mich
wirken lassen"......... Alfred lichtwark.
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