Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 45.1919-1920

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DER BLÜTENSCHMUCK DER GRABSTÄTTEN.

VON WILHELM HEILIG - OFFENBACH.

Alte Volkslieder deuten die Sitte unserer Vor-
£\. väter an, die Gräber der Verstorbenen zu
schmücken. In ihrer schlichten, sinnigen Art
setzen die Ahnen auf die Grabstätten die ihnen
wohlbekannten Stauden; sie schufen Bezieh-
ungen zwischen den Toten und dem Grab-
schmuck. Auch wir Heutigen schmücken die
Grabstätten unserer Toten, doch in einer viel
unpersönlicheren Weise, als unsere Altvordern.

Wir haben die Blumen der Väter vergessen,
sie sind durch Pflanzen ersetzt, die durch ihre
Blühwilligkeit zwar überraschen, aber keines-
wegs dazu angetan sind, Sinnigkeit in das
Wesen des Grabschmuckes als eines Teils des
Totenkultes zu tragen.

In alten Bauerngärten müssen wir die boden-
ständigen Blumenarten suchen, die früher mit
besonderer Vorliebe zum Schmücken der Grä-
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