Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 45.1919-1920

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NEUE SCHMUCK-ENTWÜRFE.

BETRACHTUNGEN IM ANSCHLUSS AN DEN WETTBEWERB DER BEILBRONNER SILBER WAREN-FABRIK
PETER BRUCKMANN & SÖHNE IM STUTTGARTER L.-G.-MUSEUM. VON GUSTAV E. PAZAUREK.

HERBERT /.El

Der Edelmetallschmuck
hatte von jeher stark
konservative Neigungen,
sodaß man selbst auf den
großen deutschen Kunst-
gewerbeausstellungen des
letzten Dutzends von Jah-
ren vor dem Kriege eigent-
lich nur wenig Überrasch-
ungen erlebte. Die vor-
nehme Welt war in dieser
Beziehung immer noch
nach Paris orientiert, und
dort hatte sich nicht einmal
ein Lalique oder Vever
um das Jahr 1900 mit ihren
stark heischenden, nament-
lich in der zarten Farben-
stimmung neuartigen, vor-
wiegend naturalistischen
Kompositionen so recht
einbürgern können; der
protzige Edelstein, nament-
lich der Brillant in geo-
metrisch angeordneten, in ihren Motiven recht
ehrwürdigen Fassungen blieb dort bis zur heu-
tigen Zeit tonangebend. Wohlfeilere, wenn auch
künstlerisch recht beachtenswerte Emaillierun-
gen aller Art konnten dagegen garnicht aufkom-
men, so sehr sich namentlich Künstler der
Wiener Richtung bemühten, dem Schmuck
neues Blut zuzuführen. — Nur eine Gruppe
trat in den letzten Jahren
dort, wo die großen Vermö-
genswerte zur Anschaffung
üppiger Brillant-Rivieren oder
Diademe nicht zur Verfügung
standen, in den Vordergrund,
nämlich die Kopenhagener
Silberschmucke, gewöhnlich
mit großen Halbedelsteinen,
die von schweren, barock an-
mutenden Pflanzenornament-
Bildungen umgeben, für nor-
dische Brünhilden-Gestalten
mitunter sehr wohl am Platze
sein mochten, zartere Damen
jedoch in ihrer Massigkeit fast
zu erdrücken drohten. Diese
keineswegs auf Kopenhagen
allein beschränkte Gruppe
bekam allmählich etwas Ste-

HANAI". EIN" PREIS M.

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ROBERT HUTTL— NÜRNBERG. M. <]00

reotypes und drohte in
verschiedenen Schotenbil-
dungen ganz zu erstarren;
man könnte in derSchmuck-
industrie geradezu von ei-
nem Leguminosen-Stil
sprechen. Daß nach dieser
Richtung hin eine Weiter-
entwicklung nicht zu er-
warten ist, liegt auf der
Hand. — Anders liegen die
Verhältnisse, wenn wir an
die vielen Berührungs-
punkte von einzelnen
Schmucken namentlich dem
Anhänger und der Brosche
einerseits und andererseits
der Plakette denken. Ist
doch schon von jeher die
kreisrunde oder elliptische
Schaumünze ein beliebter
Schmuck gewesen. Nun hat
aber gerade die Plakette,
und mit an erster Stelle in
Deutschland, längst einen solchen Aufschwung
genommen, daß ein Hinübergreifen auf das
Nachbargebiet sehr nahe lag. Und doch wäre
es einseitig und müßte sowohl die eigentliche
Juweliertätigkeit wie auch die Email Verwendung
stark in den Hintergrund drängen, wenn wir
ausschließlich den Plakettenstil in der
Schmuckindustrie einbürgern wollten, abge-
sehen davon, daß zahlreiche
Schmucke, wie Ringe, Haar-
nadeln , Spangen, Kämme,
Armreifen, Taschenbügel und
dergleichen mit solchen Mo-
tiven nicht gerade allzu viel
anzufangen wüßten. — Es
war daher ein naheliegender
Gedanke, einmal einen großen
Schmuckwettbewerb zu
veranstalten, als sich die best-
bekannte Silberwaren-Fabrik
Peter Bruckmann und Söhne
in Heilbronn entschlossen hat-
te , neben Silbergeschirren
und Bestecken aller Art auch
die Schmuckherstellung im
Großen aufzunehmen. Mit
einer stattlichen Reihe von
Preisen, wie sie bisher auch

XXIII. Februar 19». 6
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