Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 56.1925

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ARCH. F. A.
JiREUHAUS-
DÜSSELDORF.

MODERNES BAUEN.

Alle Disziplinen elementarer Gestaltung mün-
„ den in den Bau der neuen Stadt. In der
umfassenden Arbeit bewußten Städtebaues stel-
len sich die Probleme von selbst auf ihren
Platz im Ganzen . . und manche werden sich
als Scheinprobleme enthüllen.

Selbstverständlich ratio in allen Dingen!
Gegen ratio und gegen Utilität können wir uns
nichts in unserer Umgebung denken. Otto
Wagner: „Etwas Unpraktisches kann nicht
schön sein". Aber deshalb ist das Rationelle
und das Utile nicht schon Gestaltung I

Die Brücke über einen Fluß z. B. kann sehr
rationell und sehr util sein — und kann doch
im Ganzen der Stadt, in der Stellung zu den
Ufern, Häusern usw. falsch und schlecht sein.

Zu sorgen, ob und daß Dinge zu einander im
Verhältnis stehen, ist unter keinen Umständen

mehr Sache der Utilität! Geben wir aber die
Forderung der Einheit auf, so können wir doch
nicht mehr gut von Gestaltung sprechen!

Daß man die Einheit mit den Werten und
Gegebenheiten der landschaftlichen Situation
bisher stets nur seelenhaft-romantisch herzu-
stellen versucht hat, beseitigt nicht die Auf-
gabe. Wir haben sie auf eine Art zu lösen,
deren Basis ratio ist.

Städtebau — das ist nicht das Verkehrs-
problem, nicht das Wohnproblem, nicht das
Produktionsproblem, nicht das Wirtschafts-
problem, nicht das Architekturproblem, nicht
das technische öder das hygienische oder das
soziale Problem oder das Situationsproblem —
sondern die Ausbalancierung und Erfüllung
dieser allen, ist dichteste Formung der Wirk-
lichkeit, ist höchste Gestaltung.. adolf behne.
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