Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 56.1925

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Oskar Coester-München.

OSKAR COESTER—MÜNCHEN.

GEMÄLDE »HANFFELD«

eine Sprache zu sprechen, die die harten, takt-
gebenden Konsonanten scheut und nur die
glockenhaft schwingenden Vokale kennt. Man
hat das Empfinden, daß man manche seiner
Bilder ebenso gut auf den Kopf stellen könnte,
ohne daß sie das Wesentliche ihrer Wirkung
verlören. Die Welt, die sie schildern, ist ein
blühendes, schimmerndes, glimmendes Etwas,
durchflüstert von geheimen Stimmen, voll gren-
zenlosen Austauschs, aber noch nicht durch-
herrscht vom ordnenden Wort. Eine Geburt
des Zwielichts, wie ein Nachtvogel verirrt in
diese harte Zeit. Ein Verspäteter; inmitten
einer überwachen, rebellischen Zeit, Vertreter
einer dumpfen, sanften, gefährlichen Frömmig-
keit. Ein Mensch von zartester, weiblichster
Empfindung, dabei aber von jähem, heftigem
Temperament. Ein aus dem Gefühl Lebender,
der gleichwohl seine künstlerische Sprache mit
zünftiger Kenntnis und großer Sicherheit spricht.
Eine auffallende, merkwürdige, fremdartige Er-
scheinung, deren leises Wort sich aber stark
einprägt, weil es unzweideutig echt ist und vom
Adel der Unwillkürlichkeit geprägt ist, als

etwas, das aus einem inneren Spn
wächst, nicht aber aus bloßem Wo
und gesagt wird. Ein Künstler, der
machen kann noch darf, der ein Ei
ben muß, ein Grenzfall auf der
Scheide zweier Zeiten. Ein Ari
seinem ganzen Wesen nach in eint
heit gehört und doch die Nähe der i
Gegenwart, in die er hineingesti
empfindet; der Unzeitgemäßes aui
gemäße Weise zu sagen weiß.

So weist das Empfinden Coes
abgeklungene Welt zurück, in j
legime" der Kunst und Menschlic
er schreibt als Maler eine Handsc!
Erinnerung an Slevogt, an Van Goj
vielleicht auch an Rudolf Levy wl
an Maler, die auf moderne Art di
redet haben, die von einer impres
Grundeinstellung aus dazu kamei
sches Geläute bald zarter, bald
durch ihre Naturanschauung kling'
Coesters Kunst versteht sich auf
chen. Es bleibt nicht an Hand

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