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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0119
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NIKOLAUSSTRASSE
In den beiden Jahren 1900 und 1901 wurden
an der Nikolausstraße die ersten Wohnge-
bäude auf der Südseite an der Einmündung
zur Amalienstraße durch den Zimmermeister
Ferdinand Lübbers errichtet (Nr. 1-4). Die
verputzten Zweifamilienhäuser Nr. 2-4 ließ
er über identischem Grundriß aufführen und
variierte im Aufriß nur die renaissancistischen
und barockisierenden Dekorationsmotive.
Haus Nr. 3, mit dem schmalen Vorgartenstrei-
fen durch eine schmiedeeiserne Einfriedung
vom Gehweg getrennt, zeigt am deutlichsten
die originale, unter einem Walmdach plastisch
gruppierte Baukörperformation. Die zweige-
schossige Fassade über hohem rustizierten
Souterraingeschoß gliedert sich gleichmäßig
in vier Achsen, wovon die beiden südlichen
unter eigenem Dach risalitartig vorgezogen
sind. Ihnen ist im Erdgeschoß ein dreiseitig
gebrochener Altan mit abschließender Balu-
sterbrüstung vorgelegt. Eine weitere Staffe-
lung erfährt der Baukörper, indem der rück-
wärtige Gebäudeteil mit dem Treppenhaus
auf der Nordseite vorspringt. Die stichbogi-

gen Fenster in den mit horizontalem Fugen-
schnitt überzogenen Geschossen besitzen
profilierte, im Erdgeschoß geohrte Rahmen
mit ornamentiertem Keilstein, diejenigen des
Obergeschosses zusätzlich eine Horizontal-
verdachung.
Am aufwendigsten stattete Lübbers den stra-
ßenräumlich wirksamen, von einem Man-
sarddach gedeckten Eckbau Nr. 1 aus (erb.
1901). Die abgeschrägte, pilastereingefaßte
Ecke zur Amalienstraße betont ein Altan im
Erdgeschoß, mit dem ursprünglich ein
Zwerchgiebel korrespondierte. Die Fassade
des über rustiziertem Sockelgeschoß ziegel-
verblendeten Hauses zeichnet ein zweiachsi-
ger Mittelrisalit aus, ehemals durch ein Dach-
häuschen bekrönt, den im Erdgeschoß rusti-
zierte, im Obergeschoß mit Bandelwerk ge-
schmückte Pilaster gliedern.
Ein weniger homogenes Bild bietet die sich
auf der Westseite nach Norden fortsetzende
Gruppe (Nikolausstr. 6—10). Die beiden
nördlichsten Häuser (Nr. 6, erb. 1904; Nr. 7,
erb. 1903) demonstrieren beispielhaft das

Beharren auf der Tradition des eingeschossi-
gen giebelständigen Hauses mit Drempel in
unterschiedlichen Ausformulierungen. Wäh-
rend der Putzbau Nr. 7den schlichten, eben-
erdigen Typ unter Satteldach mit seitlich vor-
gelegtem Eingang, gleichmäßiger Anordnung
der vier Fensterachsen und zurückhaltend
eingesetztem Renaissancedekor darstellt,
vertritt das benachbarte Haus Nr. 6 einen ge-
hobeneren Anspruch. Der ziegelverblendete
Bau, seitlich durch ein Treppenhaus er-
schlossen, erhebt sich über hohem Souter-
raingeschoß. Die von einem Krüppelwalm
überspannte Fassade wird im Erdgeschoß
durch die paarweise nach außen zusammen-
gerückten Fensterachsen mit floralen Moti-
ven in den Stürzen rhythmisiert und im Drem-
pelgeschoß durch die geschweifte Verda-
chung über beiden Mittelfenstern aufgelok-
kert.
An dem zweigeschossigen, in barockisieren-
den Formen errichteten Putzbau Nr. 8 (erb.
1904) setzt das außermittige Dachhäuschen
des Mansarddaches einen asymmetrischen
Akzent über der ausgewogenen, dreiachsi-


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