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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0120
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gen Fassade. Die beiden, über hohem Keller-
geschoß zweigeschossig aufgeführten Putz-
bauten Nr. 9 (erb. 1912) und Nr. 10 (erb.
1906) sind aufgrund ihrer Baukörperforma-
tion mit Risaliten und ursprünglich haubenbe-
kröntem Eckturm (Nr. 10) späthistoristischen
Architekturvorstellungen verpflichtet, bevor-
zugen jedoch bei der Detaillierung in bewuß-
ter Abkehr von der eklektischen Anwendung
historischen Formenguts eine Gestaltung
ohne Ornamente bzw., wie bei der Fen-
sterumrahmung des Hauses Nr. 10, eine Ge-
staltung in dezenten geometrisierenden For-
men.

KANALSTRASSE
An der Kanalstraße ließen sich ab den frühen
siebziger Jahren des 19. Jh. überwiegend im
Baugewerbe tätige kleine Unternehmer bzw.
Handwerker nieder, deren eingeschossige,
giebelständige Häuser mit Drempelgeschoß,
vom Gehweg durch einen schmalen Vorgar-
tenstreifen getrennt, auch heute noch zum

großen Teil den Straßenraum prägen, den auf
der Ostseite eine Baumreihe parallel zum Ka-
nal begrenzt. Der einheitliche Charakter der
südlich der Einmündung zum Weidamm be-
ginnenden offenen Wohnhausbebauung (Nr.
2—13), in die zwei aus der Fluchtlinie zurück-
gesetzte Neubauten eingestellt sind (Nr. 11,
11 a), hat sich allerdings durch Verkleidungen
sowie Um- und Anbauten verändert. Die Fas-
saden der zwischen 1869/70 und 1893 er-
richteten acht giebelständigen Putzbauten
mit seitlichem Eingang (Nr. 2, 6, 6a, 8, 9, 10,
12, 73) sind außer/Vr. 2(erb. 1879) und A/r. 13
(erb. 1876), die drei Achsen besitzen, vier-
achsig angelegt. Der Typ mit Souterrainge-
schoß wurde hier nur für die Häuser Nr. 6 (erb.
1869/70) und Nr. 8 (erb. 1872) gewählt. Die
formale Ausgestaltung der Häuser, deren Ge-
schosse ein Gurtgesims voneinander trennt,
beschränkt sich bei einigen Bauten auf eine
horizontale Verdachung und profilierte Rah-
mung der Fenster (Nr. 2, 9, 10). Bei den übri-
gen Bauten schmücken dagegen unter-
schiedliche Formen der Neurenaissance
bzw. des Spätklassizismus in plastischer
Qualität vor allem die Mittelfenster des Drem-

pelgeschosses. Besonders aufwendig sind
die beiden Mittelfenster des Hauses Nr. 8 de-
koriert, indem sie durch eine vorkragende Ba-
lusterbrüstung ausgezeichnet sind und von
vier korinthisierenden, gebälktragenden Pila-
stern gerahmt werden, zwischen denen in ei-
ner Mittelnische eine Frauengestalt in anti-
kem Gewand mit Krug und Fruchtschale
steht.
Von dem geläufigen Giebelhaustyp weicht
das 1880 für einen Ziegeleibesitzer ebenfalls
eingeschossig mit Drempel unter Satteldach
errichtete Haus Nr. 3ab, da seine fünfachsige
schmucklose Traufseite mit mittigem Eingang
zur Kanalstraße orientiert ist. Die beiden
nördlich der Weidamm-Einmündung stehen-
den zweigeschossigen Gebäude Nr. 4 (erb.
1873) und Nr. 5 (erb. 1875) repräsentieren
den Typ des spätklassizistischen, seitlich er-
schlossenen Walmdachhauses zu vier Ach-
sen überSouterrain, der zunehmend seit den
sechziger Jahren des 19. Jh. in den Stadter-
weiterungsquartieren Verbreitung fand. Im
Gegensatz zu dem stark veränderten Haus
Nr. 4 zeigt Haus Nr. 5 mit deutlicher Gliede-

Kanalstr. 8,1872, Architekt F. Logemann; Nr. 9; Nr.
10,1893/94, Zimmermeister Ulken


Kanalstr. 5,1875, Architekt C. E. Döring


Kanalstr. 6,1869/70, Architekt F. Logemann


Kanalstr. 7,1893, Architekten Mönning & Sohn; Nr. 6a, 1869/70, Zimmermeister F. Logemann


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