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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0151
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und 1894/95). Sie sind überwiegend vierach-
sig mit seitlichem Eingang angelegt, wobei
diejenigen der neunziger Jahre auf einem ho-
hen Souterraingeschoß stehen und über ei-
nen seitlichen Erschließungstrakt verfügen.
Daneben kommt auch der kleinere dreiach-
sige Typ vor (Nr. 60, erb. 1884/85; Nr. 64, erb.
1893, mit zusätzlichem Stubenanbau hinter
dem eingeschossigen Eingangstrakt) sowie
die fünfachsige Variante, für die der giebelsei-
tige mittige Eingang kennzeichnend ist (Nr.
34, erb. 1878, Eingang heute zugesetzt; Nr.
66, erb. 1892). August Töbelmann konzi-
pierte 1892 den Typ des sechsachsigen Dop-
pelwohnhauses als Vierfamilienhaus mit ho-
hem, in den zwei Außenachsen jeweils durch
quadratische Blindfenster gegliederten
Drempel (Nr. 74). Drei zweigeschossige
Walmdachbauten am in südlicher Richtung
zur Donnerschweer Straße führenden Teil-
stück der Lindenstraße zeigen die jüngere,
seit den späten siebziger Jahren des 19. Jh.
entwickelte Ausprägung dieses vierachsigen
Haustyps. Er zeichnet sich durch einen seitli-
chen Treppenhaustrakt mit gleichfluchten-
dem, rückwärtigen Wirtschaftsteil aus, so daß

Lindenstr. 35, um 1843


Lindenstr. 28, 30, 32


Lindenstr. 100, 102, 104


ein L-förmiger Grundriß entsteht. Während
die beiden älteren Gebäude (Nr. 102 und Nr.
104, erb. 1902) den spätklassizistischen For-
menkanon aufgreifen, wurden an der Fen-
sterumrahmung des Hauses Lindenstraße
100 (erb. 1908) auch Jugendstilornamente
integriert.
Innerhalb der kleinbürgerlichen Bebauung
nimmt auf der Nordseite der Lindenstraße der
zweigeschossige Walmdachbau Nr. 59 (erb.
1880, Arch. J. Wempe) mit dem gleichzeitig
angelegten rückwärtigen Garten eine heraus-
ragende Stellung ein. Der in spätklassizisti-
scher Manier sorgfältig durchgegliederte
Baukörper umfaßtfünf Achsen, von denen die
beiden östlichen leicht zurückgesetzt sind,
und wird über einen westlich vorgelegten
Treppenhaustrakt erschlossen. An den italie-
nischen Landhausstil knüpft die Gestaltung
der Dachzone mit dem niedrigen, zwischen
Holzkonsolen kassettierten Drempel und der
flachen Dachneigung des vorkragenden
Walmdachs an.

MILCHSTRASSE
Die westliche Verbindung zwischen Donner-
schweer Straße und Lindenstraße bildet ein
alter, 1858 zum Fahrweg ausgebauter Fuß-
weg, an dem 1879 erst wenige Gebäude
standen. Das Bild der schmalen kopfsteinge-
pflasterten Straße mit Ziegelbelag auf dem
Gehweg wird in der Hauptsache durch ver-
schiedene Typen des giebelständigen Hau-
ses mit Drempel bestimmt. Als eines der älte-
sten Häuser wurde Nr. 9 1869 noch ohne
Souterraingeschoß in schlichter Gestaltung
erbaut. Ein gründerzeitliches Beispiel des
vierachsigen Walmdachhauses über L-förmi-
gem Grundriß findet sich in Haus Nr. 12 (erb.
1895, Arch. E. Bartels). Etwa die Straßenmitte
markiert auf der Südseite das 1905 in histori-
stischen Formen errichtete Exerzierhaus, ein
giebelständiger langgestreckter Putzbau mit
einer Lisenengliederung und Fensterrah-
mung in Backstein (Milchstr. 27). Westlich da-
von ragt der Komplex der 1890 erbauten
Stadtmädchenschule auf, dessen Proportio-
nen durch eine Aufstockung des Jahres 1951
stark gestört sind.

Lindenstr. 36, 34, 32


Lindenstr. 24, 26, 28


Lindenstr. 59, 1880, Architekt Wempe


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