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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0157
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Fast ohne Veränderungen präsentieren sich
die beiden nach historistischen Prinzipien
lebhaft konturierten Wohnhäuser Nr. 52 (erb.
1896) und Nr. 136 (erb. 1900), ersteres for-
mal an der deutschen, letzteres an der italieni-
schen Renaissance orientiert.
Die Entwicklung der Nadorster Straße um die
Jahrhundertwende zu einer Geschäftsstraße
förderte die Entstehung größerer Wohn-/ Ge-
schäftshäuser, die zur Bereicherung des he-
terogenen Erscheinungsbildes beitrugen. Als
Beispiele seien die beiden dreigeschossigen,
an einer Architektur „um 1800“ orientierten
Gebäude unter Mansarddach Nr. 139 und Nr.
1057105a genannt. Als südlicher Eckbau an
der Ackerstraße 1905/06 durch A. Oetken er-
richtet, zeigt das Haus Nr. 139'm Bereich der
Fensterachsen eine plakative, Barock- und
Jugendstilelemente verknüpfende Ornamen-
tik, während der jüngere Bau Nr. 105 von
1912 bereits um eine sachlichere, geradlini-
gere Formensprache bemüht ist.

Nadorster Str. 12, Zustand 1930


Nadorster Str. 10, Zustand 1930


Die Klävemannstiftung an der Nadorster
Straße
Nachdem die Klävemannstiftung 1889 durch
ein Legat des ehemaligen Stadtdirektors
Diedrich Klävemann erheblich erweitert wor-
den war, wurde abseits der bürgerlichen
Wohnquartiere auf dem sog. Galgenfeld, ei-
ner ehemaligen Hinrichtungsstätte, ab 1890
eine zweite Siedlung angelegt. Die neun er-
sten Häuser auf der Ostseite der Nadorster
Straße und am Scheideweg folgten dem Typ
des von Noack entworfenen Donnerschweer
Musterhauses mit zwei Familienwohnungen
(Scheideweg 2, Nadorster Straße 183, Nr.
185/187, 189/191, 193/195, 197/199,
Scheideweg 10, 12, 14, 16).
Aufgrund kritischer Äußerungen aus der Be-
völkerung, die den Wohnraum für minderbe-
mittelte Familien als zu großzügig bemessen
fand, und dem stiftungsinternen Wunsch
nach Senkung der Baukosten durch Verklei-
nerung der Wohnungen, wurde eine neue
Grundrißvariante eingeführt, nach der am
Scheideweg 1891/92 die Häuser Nr. 18, 20,

22 erbaut wurden. Die nun vierachsigen Häu-
ser sind nicht mehr axial, sondern rechtwink-
lig versetzt geteilt und besitzen im Erdge-
schoß Küche und Stube sowie zwei Kam-
mern im Obergeschoß. Die Hauseingänge
liegen sich diagonal an den Schmalseiten
gegenüber. Der Stall ist in etwa sechs Metern
Entfernung hinter dem Haus aufgestellt. Bei
den folgenden, bis 1903 jetzt auch am Stifts-
weg errichteten Häusern wurden auf Vor-
schlag des Verwalters Schäfers die Stallan-
bauten, nach außen versetzt, unmittelbar mit
dem Wohnhaus verbunden.
Obwohl Geschoßbauten der fünfziger Jahre
im ehemals von Gärten geprägten Innern des
von 21 Häusern umschlossenen Gevierts
den ursprünglichen Charakter beeinträchti-
gen, besitzt die Anlage nach wie vor beson-
dere Bedeutung als städtebauliches Sied-
lungskonzept des späten 19. Jh. Darüber hin-
aus spiegelt sich in der Gestaltung der Häuser
als schlichte Kuben mit verspätet anmuten-
den klassizistischen Formen und einer stren-
gen Symmetrie das sozialpädagogische In-
teresse ihrer Planer wider, das über die archi-

Nadorster Str. 12, 10, 8



Nadorster Str. 8, 1877

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