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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0167
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Ältestes Gebäude dieses Komplexes und der
Straße ist der zweigeschossige, nach Plänen
des Architekten Niemeyer 1910/11 aufge-
führte Bau unter voluminösem Mansarddach,
der sich mit zwei achtachsigen Flügeln an
Mars-La-Tour-Straße und Gertrudenstraße
erstreckt (hier in den sechziger Jahren des
20. Jh. um sechs Achsen verlängert; Mars-
La-Tour-Straße 2). Die Ecksituation betont
der dreigeschossige, vorgewölbte Eingangs-
trakt mit pfeilergerahmtem Portal, den in den
Obergeschossen volutengeschmückte Ko-
lossalpilaster gliedern, während die Gliede-
rung der Seitenflügel Putzlisenen überneh-
men. Mit den gedrungenen Proportionen, der
massiven Wirkung des Baukörpers, die u.a.
der hohe, bruchsteinverblendete Sockel her-
vorruft, und dem Rückgriff auf barocke Stil-
merkmale bei strenger Gliederung schließt
sich der Bau jener Stilhaltung öffentlicher Ar-
chitektur vor dem Ersten Weltkrieg an, die
zwar insgesamt gegenüber dem Historismus
eine sachlichere Formensprache verwendet,
jedoch unter Anknüpfung an feudale Epochen
um eine historischer Repräsentationskunst
vergleichbare Selbstdarstellung bemüht ist.
Die gleiche Strömung vertritt das nördlich an-
schließende, aus der Straßenfluchtlinie zu-
rückgesetzte, zweigeschossige Gebäude Nr.
4, das, ebenfalls von einem Mansarddach ge-
deckt und mit Bruchsteinverblendung im Fas-
sadensockel, durch den segmentbogig vor-
gewölbten Erker in der Nordachse einen Be-
zug zur deutschen Renaissance herstellt.
Gegenüber auf der Westseite wurde 1925/26
ebenfalls für die Landwirtschaftskammer ein
langgestreckter Putzbau von den Wilhelms-
havener Architekten Lübbers und Zeitler er-
richtet (Mars-La-Tour-Straße 1), der auf eine
Gliederung der Fläche, in die die Fenster hart
einschneiden, völlig verzichtet und in einer
einzigen, auf klassizistische Vorbilder zu-
rückgehenden monumentalen Geste die drei
Mittelachsen durch gequaderte Putzlisenen
einfaßt und mit einem Dreiecksgiebel be-
krönt.
Die Erwartung einer schnellen Bevölkerungs-
entwicklung des Heilig-Geist-Tor-Viertels
führte 1899/1900 zum Bau einer Stadtkna-
benschule, die F. Noack als dreiflügelige An-
lage auf der Südseite der Gertrudenstraße er-
baute (Nr. 25). Innerhalb eines baumbestan-
denen Schulhofes präsentiert sich die heu-
tige Röwekampschule mit einer symmetrisch
gegliederten Schaufassade, deren Eckrisalite
Krüppelwalmdächer abschließen. Überragt
werden sie von dem spitzen Giebel des Mit-
telrisalits. Kennzeichnend für den im Stil des
späten Historismus gehaltenen Bau ist der
ästhetisch reizvolle Wechsel zwischen roter
Ziegelverblendung und geputzten Flächen
über den Segmentbogenfenstern des Ober-
geschosses und in den Giebelfeldern.

*

Mars-Ia-Tour-Str. 2,1910/11, Architekt Niemeyer


Mars-Ia-Tour-Str. 2, Detail


Mars-Ia-Tour-Str. 1, Fassadenausschnitt, 1925/26


Gertrudenstr. 25, Röwekampschule, 1899/1900, Architekt F. Noack


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