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Pantel, Etta [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 9, Teil 1): Stadt Wolfenbüttel — Braunschweig, 1983

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https://doi.org/10.11588/diglit.44416#0062
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Die westliche Häuserzeile wird rückseitig
von dem Okerkanal „Klein Venedig" be-
grenzt. Deren Hinterhäuser, die z.T. noch
aus dem 17. Jh. stammen, sind als Teil der
einzigen erhaltenen Gracht in Wolfenbüttel
von besonderer Bedeutung.
Am Alten Tore
Die Straße Am Alten Tore ist nordsüdge-
richtet und benannte nach dem „Alten Tor"
und späteren „Stoben"- oder „Heinrich-
Stadttor" der Siedlung „Zu Unserer Lieben
Frauen". Es ist auf dem Holzschnitt von
Lucas Cranach dem Älteren von 1542 dar-
gestellt (siehe Seite 43) und soll bei Haus
Nr. 3 am ehemaligen Kanalübergang gelegen
haben. Die beiden Hauszeilen verlaufen
nicht parallel und weisen damit auf zwei
Ausbaustufen zur Bezugsachse Lange Her-
zogstraße hin, die unter Herzog Julius und
später Herzog Heinrich Julius erfolgten.
Im Straßenbild zeigt sich ein Gemenge von
an Höhenentwicklung, Baualter und Fassa-
denbildung unterschiedlichen Wohnhäusern
und „Buden". Bedeutsam ist der langge-
streckte Fachwerkbau des Amtsgerichtskom-
plexes (Rosenwall 1A, siehe Neue Straße) im

Norden, aber der Blick dorthin wird beein-
trächtigt durch den Parkhausneubau am
Rosenwall.
Der Südteil der Straße war zusammen mit
der Langen Herzogstraße schon früh mit
Ladeneinbauten versehen. Ein schönes Bei-
spiel ist Haus Nr. 4 (wohl kurz nach 1679 er-
richtet), dessen gedrechselte Holzsäulen von
1860 heute die Schaufenster eines Zigarren-
ladens zieren.
Dieser Straßenabschnitt ist in die Fußgänger-
zone mit einbezogen und einheitlich mit
Betonsteinpflaster belegt.
REICHSSTRASSE/KORNMARKT
Diese mittlere und zugleich mit 35 bis 45
Metern breiteste der drei Hauptachsen in
der Alten Heinrichstadt wird beherrscht
von dem mächtigen Baukörper der ev.
Hauptkirche Beatae Mariae Virginis, die für
den östlichen Teil die südliche Straßenseite
darstellt. Westlich davon ab Kleine Kirch-
straße erweitert sich der Straßenzug platz-
artig nach Süden in den Kornmarkt.
Das Straßenbild mit dem dominanten Sakral-
bau sowie den reich gegliederten und orna-

mentierten Fachwerkfronten der stattlichen
Hofbeamtenhäuser ist von besonders reprä-
sentativer Wirkung. Durchblicke zum Stadt-
markt, zur „Kommisse", dem ehemaligen
Versammlungshaus (siehe Kommißstraße),
und zur Trinitatiskirche am Holzmarkt un-
terstreichen die zentrale Bedeutung der
Straße.
Ev. Hauptkirche Beatae Mariae Virginis
Der im Stil der Renaissance errichtete Bau-
körper war die erste führende Kirche der
Reformation und Hauptkirche im Herzog-
tum Braunschweig-Wolfenbüttel. Sie war
Pfarrkirche der Gemeinde mit fürstlicher
Gruft und Gedächtnisstätte.
Ihr Vorgängerbau war die erstmals 1301
erwähnte Marienkapelle (siehe Siedlungs-
entwicklung der Heinrichstadt) gewesen, die
seit 1568 ev. Pfarrkirche war. Nachdem die
Kapelle bereits 1553 unter Herzog Heinrich
dem Jüngeren einen Anbau mit fürstlicher
Grabkapelle erhalten hatte und 1601 zu-
nächst eine erneute Erweiterung geplant war,
wurde 1604 von Herzog Heinrich Julius der
Grundstein zum Kirchen-Neubau gelegt. Die-
ser wurde in einer an Sakralbauten armen

Kanal „Klein Venedig" zwischen Mühlenstraße
links und Kleiner Zimmerhof rechts


Am Alten Tore 6—1, Westseite


Am Alten Tore 4, wohl kurz nach 1697, Am Alten Tore 2 / Ecke Stobenstraße,
Ladeneinbau von 1860 wohl 1. Hälfte 17. Jh., Umbau A. 18. Jh.


ev. Hauptkirche St. Marien, Innenraum


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