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Pantel, Etta [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 9, Teil 1): Stadt Wolfenbüttel — Braunschweig, 1983

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https://doi.org/10.11588/diglit.44416#0076
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Von den zu Anfang des 18. Jh. errichteten
Wohnhäusern ist der Fachwerkbau Nr. 10
mit zeitgenössischer Haustür gut erhalten.
Er ist funktionell in den Hotelbetrieb von
Haus Nr. 9 einbezogen, dessen Fassade vor
dem älteren Kernbau aus dem 17. Jh., die
hölzerne Rokkoko-Rahmung der Haustür
aus der Mitte des 18. Jh. stammen. Nr. 14
wurde in der 1. Hälfte des 18. Jh. errichtet.
Es hat eine seitliche verbaute Durchgangs-
diele und wurde rückseitig in Geschoßbau-
weise errichtet. Das verschieferte Hinterhaus
stammt von 1860.
Die wenigen Gebäude des 19. Jh. sind meist
im originären Zustand erhalten; so Nr. 2
aus dem frühen 19. Jh. und Nr. 5 von 1875.
Letzteres hat rückseitig einen gleichzeitig
errichteten viergeschossigen Fachwerkflügel.
Dieser sowie der von hölzerner Pilasterrah-
mung geschmückte Ladenausbau weisen
noch auf die Nutzung als ehemalige Tisch-
lerei hin.

MICHAEL-PRAETORIUS-PLATZ
Der Platz und Straßenzug ist südseitig fast
geschlossen bebaut. Die Gebäude bilden die
südliche Raumbegrenzung des Kirchhofs der
St. Marien Kirche. Die Festlegung der Bau-
flucht erfolgte sicher schon gegen Ende des
16. Jh. im Zuge der gesamten Planung der
Alten Heinrichstadt und ist heute noch als
Gegenüber des Kirchenbaukörpers von städ-
tebaulicher Bedeutung.
Die Straße wurde noch 1679/1754 „Hinter
der Kirchen" genannt. Ihre heutige Benen-
nung erinnert an den ab 1604 in Wolfenbüt-
tel tätigen Hofkapellmeister Michael Praeto-
rius.
Die Bebauung besteht aus vielfach stattli-
chen zwei- und dreigeschossigen aneinan-
dergebauten Fachwerkbürgerhäusern des 17.
bis 19. Jh. Das Eckhaus Nr. 1 mit einer
symmetrischen Erkergliederung wurde im 1.
Viertel des 17. Jh. errichtet und ist dem Ty-
pus des Hofbeamtenhauses zuzurechnen. Das
zum Teil als Geschäftshaus genutzte Gebäu-
de ist straßenseitig von reichen Fachwerk-
Zierformen insbesondere der Eckknaggen
geschmückt. Nr. 3 aus dem 17. Jh. zeigt

Krumme Straße 55 (links), 1 —4 (rechts) Michael-Praetorius-Platz 1 —8


trotz Veränderungen am Anfang des 18. so-
wie in der Mitte des 19. Jh. (Zwerchhaus)
ein einheitlich wirkendes Erscheinungsbild.
Die übrigen Bürgerhäuser aus dem 17. Jh.,
Nr. 2 und 4, wurden im Laufe des 20. Jh.
ebenso umgestaltet wie die Häuser Nr. 5 und
8 aus dem 19. Jh. Im Obergeschoß sind alle
Gebäude weitgehend unverändert.
Der freistehende Gemeindehauskomplex Nr.
9 auf der gegenüberliegenden Seite ent-
stand 1914 anstelle von älteren Vorgänger-
bauten.
KRUMME STRASSE, LUSTGARTEN,
MAURENSTRASSE, ECHTERNSTRASSE
Die Krumme Straße ist die südliche Rand-
straße der Alten Heinrichstadt. Sie verläuft
bogenförmig als Einhang der Harzstraße zwi-
schen Harztorplatz und Harzstraße gegen-
über der Großen Kirchstraße. Die Hinterhäu-
ser der Südseite wurden bis Anfang des
Jahrhunderts von einem Okerkanal beglei-
tet, dessen Verlauf durch die Parzellenstruk-
tur heute noch erkennbar ist. Jenseits da-
von befand sich bis zu seiner Schleifung der
Stadtwall mit der Bastion Erichherzberg,
später Hirschberg genannt. Die Maurenstraße
und Lustgarten sind ruhige Wohnstraßen und
erschließen den Bereich zwischen der Harz-
straße und der Krummen Straße in Nord-
Südrichtung, während die Echternstraße sie
in Ost-Westrichtung verbindet.
Die Entstehungszeit und die Grenzen der er-
sten Besiedlung dieses Bereiches sind um-
stritten (siehe auch Siedlungsgeschichte).
Nach neuester Literatur verlief die Grenze
der Siedlung „Zu Unserer Lieben Frauen"
von der Ecke Krumme Straße am Harztor-
platz etwa gradlinig bis zur Echternstraße.
Aus dem richtungsändernden Verlauf der
Krummen Straße und Lustgarten vermutet
man, daß das südlich anschließende Gebiet
(in alten Karten von 1568/89 und noch
1754/1840 „Im Bruche" genannt) wohl ur-
sprünglich durch Wälle und Okergräben ab-
getrennt war und erst infolge der Wiederbe-
siedlung nach den Zerstörungen derSchmai-
kaldischen Kriege (1542—47) in den Sied-
lungsbereich einbezogen wurde.
Die Bebauung aus dieser ersten Besiedlungs-
zeit ist jedoch hier wie auch im übrigen
Stadtgebiet verschwunden. Die heute über-
kommene Bebauung stammt aus der Phase
der Umstrukturierung ca. Mitte des 17. Jh.
und bildet hier den am engsten besiedelten
Bereich Wolfenbüttels.
Krumme Straße

Krumme Straße 60 (links), 2 (rechts)


Die Bausubstanz der traufständig aneinan-
dergereihten kleinen Fachwerk-„Buden" z.T.
auf Kleinstparzellen und der Bürgerwohn-
häuser aus dem 17. und 18. Jh. blieb seit der
Jahrhundertwende fast unverändert erhalten,
mit Ausnahme eines Gemeindehaus-Neubaus
der St. Petrus Kirche, Nr. 1, der auf dem
Bauplatz der ehemaligen Schienter Mühle
und späteren Katholischen Kirche errichtet
wurde. Ebenso wie am nördlichen Rand
der Alten Heinrichstadt lebten hier früher
die sozial schwächeren Bevölkerungsschich-
ten; in einer Häuserliste von 1807 wurde ein
Großteil der Bevölkerung als „arm" bezeich-
net. Das verhinderte bis heute weitgehend

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