Heidelberger Volksblatt — 1.1868

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Durchs Dunkel zum Licht iſt das Ziel in der Welt,
Als Kämpfer dazu hat der Herr mich beſtellt
Jch lehre!"

um das weidmänniſche Mahl zu erheitern. Eine
ſolche Einladung iſt aber an Cäcilie nicht gelangt, und
folglich kann auch von einer Theilnahme an der Partie
ſr ſie keine Rede ſein."
"Das macht," xief ſie ſchmollend, "weil Baron
Harten von dem. Daſein einer Cäcilie v. Berg keine
Ahnung hat Wie würde er erſtaunen, wenn ich ſo
mit einem Male erſchiene! Du kannſt überzeugt ſein,
Papa, daß ich Deinem Namen eben ſolche Ehre machte,
wie Georg, obgleich ich ihm einräume, daß er ein guter
Schütze iſt."
"Du würdeſt gut thun," ſagte der alte Herr,
"wenn Du dieſe Nimrodsgedanken verbannteſt und da-
für ſanftere Saiten aufzögeſt, das heißt: wenn Du die
Güte haben wollteſt, uns eins von den neuen Liedern
ohne Worte vorzuſpielen, die Du vor einigen Tagen
aus der Stadt erhielteſt, und nun wohl ſchon ſo leid-
lich kennen wirſt, daß man ſie mit Vergnügen anhört."
Cäcilie ſetzte ſich zum. Flügel und gefiel ſich in
wilden Läufen.
"Ach Gott!" ſeufzte ſie dazwiſchen, "wann wird
man aufhören, mich wie ein kleines Kind zu behandeln,
wann wird man mich von Gängelband und Fallhut
befreien!

Dem anderen Mann flatterte hoch auf dem Hut
Der Schmuck einer Feder ſo roth wie das Blut
Ein glänzendes Schwert in der nervigen Hand
Wie Felſen im ſturmreichen Meere er ſtand,
Die Kraft und der Muth, wer nicht ſah ſie ihm an
Erinnernd an Roland den tapferen Mann,
Er ſprach: "Der Soldat iſt zu ſterben bereit
Und rechnet ſtets ab mit der flüchtigen Zeit,
Wenn's gilt, dann gebeut ihm ſein ehrender Stand
Zu ſterben für Freiheit und Vaterland.
Die Freude iſt roth und roth iſt das Blut,
Drum trag ich das Roth auch als Schmuck auf dem Hut
Um Deutſchland zu ſchützen, da zieh ich mein Schwert,
Doch nie ſei es mehr gegen Deutſche gekehrt,
Dem Lehrer der Weisheit, der Wiſſenſchaft Bild
Jch ſteh' ihm zur Seite als Hüter nnd Schild
Jch wehre!"

Kleine Thörin!" rief zürnend der Vater, "ich bat
Dich um Lieder ohne Worte!"
Sie ſprang auf, lief zu ihrem Vater hin und er-
griff ſeine Hand. "Liebſter Papa," ſprach ſie, "erlaſſen
Sie mir für heute die Muſik. Jn meiner unharmo-
niſchen Stimmung iſt es mir nicht möglich, mich in den
harmoniſchen Zwang eines andern zu bannen und wenn
er noch ſo ſchön klänge. Wollen Sie durchaus ſich
etwas vorſpielen laſſen, ſo erſuchen Sie Madame Müller
es zu thun, die iſt immer ruhig und geſtimmt, wenn
ſie gleich mich durch ihre ſtrenge Aufſicht und ihr be-
ſtändiges Hofmeiſtern in Verzweiflung bringt."
(Fortſetzung folgt.)

Der dritte er lehnt an den friedlichen Pflug,
Jm Arme die goldene Garbe er trug,
Die Stirne erglänzte von Arbeit und Fleiß,
Sie krönte ein Reif, es war perlender Schweiß,
Der zieret wie Lorbeer das Bürgerthum
Und führet zum Heil, zum Wohlſtand und Ruhm,
Er ſprach: "Wein erglänzend die Fluren im Licht,
Die Sonne hinaufgeht, der Tag uns anbricht,"
Und wenn ſie des Abends dann niederzieht
Der Himmel in goldenen Wolken erglüht,
Dann ruhet der Landmann von Mühen ſich aus
Und freuet ſich der goldenen Früchte im Haus,
Sie ſchützen vor Theurung das heimiſche Land
Sind göttlicher Segen für jedweden Stand.
Weil Himmel und Erde erglühen in Gold,
Drum bin ich der herrlichen Farbe ſo hold
Jch nähre!

Das heilige ſchwarz-roth-goldene Band,
Das Lehre und wehre und nähre umſpannt.

Den Heidelberger Schützen zum dritten deut-
ſchen Schießen in Wien gewidmet
von Richard Wanderer.

So ſprachen ſich herzlich begrüßend im Hain
Die Söhne des Landes im trauten Verein
Und bleiben ſie brüderlich einig die drei
So fürchten den Feind wir nicht, wer er auch ſei
Den Einigkeit nähret, gibt Muth und gibt Kraft;
Jndeſſen die Zwietracht verzehrt und erſchlafft;
Was Nord' und was Süden, wir wollen allein
Nur brüderlich einig, nur Deutſche ſtets ſein;
Drum ſei auch das Band auf das höchſte verehrt
Das lehret, das wehret und das uns auch nährt,
So reichet Euch ihr Schützen Germannens die Hand
Schwört ewige Treue dem heimiſchen Band,
Seid einig, ſeid einig, und nimmer verzagt,
Dann hellt ſich der nächtliche Himmel es tagt
Drum lebe der Einigkeit dreifarbig Band
Und ſchlinge um Fürſt ſich und Vaterland
Es währe!!!

Es zogen drei Männer hinaus in den Hain -
Was wollen die Männer, wer mögen ſie ſein?
Der Eine ehrwürdig, wie Silber ſein Haar
Es zieret ihn ein faltiger ſchwarzer Talar;
Die heilige Bibel hält feſt ſeine Hand.
Den Blick hat er forſchend zum Himmel gewandt
Es lauten die Worte, die ſinnend er ſpricht:
"Das Leben ift dunkel, wir ſuchen das Licht,
D'rum hab ich erkoren die einſache Tracht
Als Lehrer und Forſcher die Farbe der Nacht
Sie deute mir jegliche Stunde hier an
Das Licht zu gewinnen; drum fröhlich hinan
Das Licht nur es zeiget dem menſchlichen Blick
Das himmliſche, wie auch das irdiſche Glück,
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