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ne ſelbſt ſo bitter getäuſcht wurde?“ fragte Madame
Miüller leiſe. .
„»„ Welche Entſchuldigung könnte ſie rechtfertigen, ihr
Kind verlaſſen zu haben?“ rief Herr v. Berg. „Ich
war bei der Nachricht ihrer Untreue wie vom Blitz
Letroffen; mein Entſchluß war bald gefaßt; ich machte
Alles, was ich beſaß, zu Geld, zog bierher und kaufte
dieſes Gat, nachdem ich den Namen Berg angenomnien
hatte 3 dann ſuchte ich eine Pflegerin für meine Toch-
ter und wollte wieder zur Armer. Da überraſchte mich
ein Brief von ihr; ich weiß nicht, wie es gelungen war,
meinen neuen Aufenthalt zu entdecken. Er war auf
dem Todtenbett von ihr geſchrieben und enthielt das
Geſtändniß ihres Verbrechens und die Bitte, ihr zu
verzeihen. Meine ſchon erlöſchende Sehkraft, welche
durch einen Streifſchuß ſehr gelitten hatte, krlaubte es
mir kaum noch, die Zige der Handſchrift zu enttziffern.
Ein Nervenſchlag führte vollſtändige Blindheit herbei.
Meine hilfloſe Luge machte es nothipendig, einen er-
neuerten Aufruf nach einer Pflegerin für mich und
mein Kind ergehen zu laſſen. Meine Wunden, die hald
geheilt waren, brachen von ileuem auf, ein hitziges
Fieber kam hinzu und ich ſchwet iſchen Tod und
Wachnſinn. In dieſem ſchrecklich
ö en Augenblick traten
Sie, edle Freundin, in mein Haus und wurden meine
Retterin! Ach, ich kann es Ihnen nicht ſchildern, welche
Täuſchungen mich labten, als mit der rückkehrenden
Geſundheit auch meine Denkkraſt wieder erwachte, wie
ich Alles für einen Traum hielt; ich hatte ja ein weib-
liches Weſen um mich, das mich liebend pflegté, das
mein Rind an das Herz drückte⸗und liebkoſte; ich konnte
mich nicht überreden, daß dieſes Herz ein fremdes ſein
ſolbte.“ * — 8———1 77 77¹ 2
5 mein Gott ſeufzte Madame Müller, „wie
ergreift mich dieſe Schilderung
5„Selbſt die Stimme, die mich noch immer' ſö wun-
derbar ergreift, half der Täuſchung nach. Ich glaubte
in dieſem ſanften Tone »die Heuchlerin zu hören, die
mich betrogen hatte. Ich ſchanderte zuſammen, wenn
ich Sie vernahm, — aber die Beſinnung kam wieder. —
Sie iſt ja todt, ſagte ich mir, und wie Menſchen ſich
oft ähnlich ſehen, ſo können auch Stimmen gleich tönen.
Es war wohl nur ein Nachhall, der in meinem lei-
rſt ſäter volſtändig
denden Herzen erwachte, und der
verklingen konntednd
Jetzt iſt er verklun-
Müller; „o, daß ich dieſ
mußte. —.25 3 22
„„Die Ermiierung an jine Zeit eniſchmindet mir
nie — ſie wird mich bis zum Tode peinigen. Sie
ſtärb und nahm ihr Geheivini mit in das Grab., Alles
biieb mir unenträthſelt in dieſer ſchrecklichen Begeben-
heit. Alles raubte ſie mir, ſelbſt. die Hoffnung, einſt
an dem Verführer mich rächen zu können! Nein, nie
kann ich ihr das verzeihen Ai dn,
„O. ſeien Sie gnädig!“ riefMadame Müller mi
herzzerreißendem Tone; — „der Himmel iſt es ja auch.“
Gottloh!“ ſagte Madame
innerung, wieder erwecken
73½4⁴
„Sie begreiten-micht.—Iagte Herr v.-Berg. gemäs
ßigter, „die Größe meines Schmerzes, Sie khnnen das
Verbrechen nicht einmal faſſen. Der plötliche Ausbruch
meines Zornes hat Sie erſchreckt, denn Ihre Seele iſt
weich, Ihr Gemüth iſt zart. Sie ſind ja ſelbſt ganz
Aufopferuyg und Liebe. Sie begreifen nicht, wie eine
Mutter ihr Kind verlaſſen kann, da Sie dem fremdrn
Kinde die zärtlichſte Mutterliebe erwieſen.
— —— (CFortſetzung folgt.7))
2
r. Gemithlich.
Herr Hokter —ett *
am Sunndagmorge
beim Frihſcheppl en
Heidlberger Lieder-
kränzler zu mer —
Herr Dokter, heit
Middag fahre mer
per Extrazug nooch
Schlierbach, un vun
do geht's mit Muſik =
un Daamegepäck in
de Wald. Wann Se
mit wolle, ſinn Se
heeflichſcht eingelade.
— Sehr ſchmeichlhaft
— ſag ich awer
die Hitz! Bedenke
Se, daß d'r Menſch SLAN
heit en Sunneſchtich kriche kann, wann'r aus m Haus
geht. — Herr Dökter — ſegt'r. — 's is norr owe-
druff ſo — im Wald is kiehl. For deß hawe mer
g'ſorgt. Unſer Calospinthe Chromogrene, die mer draus
uffſchtelle hawe loſſe, ſchmeißt mehr Waſſer um ſich,
wie die greeſcht Feierſchbritz vum Metz. — No, meint-
wege — ſag ich — ich bin dabei. Ich resgiers
Deß Waldfeſcht ſoll mer gedenke, Männer! Vorm
Wald, hinner d'r Gerwerei, haw ich ſchun mein erſcht
Hemm gewechslt. Wer am Sunndag, gleich noch Diſch,
den Weg vun Schlierbach bis an die Gerwerei zu Fuß
gemacht hott, braucht ſich nit mehr vor d'r Hell zu
ferchte. Aerger kann mar arme Sinder nit einfeiere.
—. E Keenigreich for'n friſche Schluck Bier — haw
ich gerufe, wie ich endlich uff'm Feſchtblatz ankumme
bin. — Herr Dokter, friſch vun d'r Kweell — ſegt
jetzt eener zu mer, un bräſendiert mer e Glas Waſſer.
— Gehn' Se mer aus'm Schatte mit Ihrm Krotte-
waſſer — ſag ich — do driwe ſeh ich e Fäſſl uffligge.
— Noocheme halbſchtindige Kampf uff Leewe un Dod,
haw ich endlich e Scheppl verwiſcht!. Im Schweiß
ſeines Angeſichts muß ſich d'r Menſch ſein Bier ver-
diene — haw ich gedenkt — un die groß Bort kricht r
drein for'n Batze. — Ich war naß wie unſer Heidl-
berger Waſſerfall! Deß heeßt: wann'r Waſſer hott!
tHinnerm näkſchte dicke Baam haw ich mein zwett
Hemm gewechslt. — Die drei Jingling im Feieroffe
kenne nit mehr g'ſchwitzt hawe, wie ich uff dem kihle
Waldfeſcht. — Die verſchbroche kihl Calospinthe Chro-
ne ſelbſt ſo bitter getäuſcht wurde?“ fragte Madame
Miüller leiſe. .
„»„ Welche Entſchuldigung könnte ſie rechtfertigen, ihr
Kind verlaſſen zu haben?“ rief Herr v. Berg. „Ich
war bei der Nachricht ihrer Untreue wie vom Blitz
Letroffen; mein Entſchluß war bald gefaßt; ich machte
Alles, was ich beſaß, zu Geld, zog bierher und kaufte
dieſes Gat, nachdem ich den Namen Berg angenomnien
hatte 3 dann ſuchte ich eine Pflegerin für meine Toch-
ter und wollte wieder zur Armer. Da überraſchte mich
ein Brief von ihr; ich weiß nicht, wie es gelungen war,
meinen neuen Aufenthalt zu entdecken. Er war auf
dem Todtenbett von ihr geſchrieben und enthielt das
Geſtändniß ihres Verbrechens und die Bitte, ihr zu
verzeihen. Meine ſchon erlöſchende Sehkraft, welche
durch einen Streifſchuß ſehr gelitten hatte, krlaubte es
mir kaum noch, die Zige der Handſchrift zu enttziffern.
Ein Nervenſchlag führte vollſtändige Blindheit herbei.
Meine hilfloſe Luge machte es nothipendig, einen er-
neuerten Aufruf nach einer Pflegerin für mich und
mein Kind ergehen zu laſſen. Meine Wunden, die hald
geheilt waren, brachen von ileuem auf, ein hitziges
Fieber kam hinzu und ich ſchwet iſchen Tod und
Wachnſinn. In dieſem ſchrecklich
ö en Augenblick traten
Sie, edle Freundin, in mein Haus und wurden meine
Retterin! Ach, ich kann es Ihnen nicht ſchildern, welche
Täuſchungen mich labten, als mit der rückkehrenden
Geſundheit auch meine Denkkraſt wieder erwachte, wie
ich Alles für einen Traum hielt; ich hatte ja ein weib-
liches Weſen um mich, das mich liebend pflegté, das
mein Rind an das Herz drückte⸗und liebkoſte; ich konnte
mich nicht überreden, daß dieſes Herz ein fremdes ſein
ſolbte.“ * — 8———1 77 77¹ 2
5 mein Gott ſeufzte Madame Müller, „wie
ergreift mich dieſe Schilderung
5„Selbſt die Stimme, die mich noch immer' ſö wun-
derbar ergreift, half der Täuſchung nach. Ich glaubte
in dieſem ſanften Tone »die Heuchlerin zu hören, die
mich betrogen hatte. Ich ſchanderte zuſammen, wenn
ich Sie vernahm, — aber die Beſinnung kam wieder. —
Sie iſt ja todt, ſagte ich mir, und wie Menſchen ſich
oft ähnlich ſehen, ſo können auch Stimmen gleich tönen.
Es war wohl nur ein Nachhall, der in meinem lei-
rſt ſäter volſtändig
denden Herzen erwachte, und der
verklingen konntednd
Jetzt iſt er verklun-
Müller; „o, daß ich dieſ
mußte. —.25 3 22
„„Die Ermiierung an jine Zeit eniſchmindet mir
nie — ſie wird mich bis zum Tode peinigen. Sie
ſtärb und nahm ihr Geheivini mit in das Grab., Alles
biieb mir unenträthſelt in dieſer ſchrecklichen Begeben-
heit. Alles raubte ſie mir, ſelbſt. die Hoffnung, einſt
an dem Verführer mich rächen zu können! Nein, nie
kann ich ihr das verzeihen Ai dn,
„O. ſeien Sie gnädig!“ riefMadame Müller mi
herzzerreißendem Tone; — „der Himmel iſt es ja auch.“
Gottloh!“ ſagte Madame
innerung, wieder erwecken
73½4⁴
„Sie begreiten-micht.—Iagte Herr v.-Berg. gemäs
ßigter, „die Größe meines Schmerzes, Sie khnnen das
Verbrechen nicht einmal faſſen. Der plötliche Ausbruch
meines Zornes hat Sie erſchreckt, denn Ihre Seele iſt
weich, Ihr Gemüth iſt zart. Sie ſind ja ſelbſt ganz
Aufopferuyg und Liebe. Sie begreifen nicht, wie eine
Mutter ihr Kind verlaſſen kann, da Sie dem fremdrn
Kinde die zärtlichſte Mutterliebe erwieſen.
— —— (CFortſetzung folgt.7))
2
r. Gemithlich.
Herr Hokter —ett *
am Sunndagmorge
beim Frihſcheppl en
Heidlberger Lieder-
kränzler zu mer —
Herr Dokter, heit
Middag fahre mer
per Extrazug nooch
Schlierbach, un vun
do geht's mit Muſik =
un Daamegepäck in
de Wald. Wann Se
mit wolle, ſinn Se
heeflichſcht eingelade.
— Sehr ſchmeichlhaft
— ſag ich awer
die Hitz! Bedenke
Se, daß d'r Menſch SLAN
heit en Sunneſchtich kriche kann, wann'r aus m Haus
geht. — Herr Dökter — ſegt'r. — 's is norr owe-
druff ſo — im Wald is kiehl. For deß hawe mer
g'ſorgt. Unſer Calospinthe Chromogrene, die mer draus
uffſchtelle hawe loſſe, ſchmeißt mehr Waſſer um ſich,
wie die greeſcht Feierſchbritz vum Metz. — No, meint-
wege — ſag ich — ich bin dabei. Ich resgiers
Deß Waldfeſcht ſoll mer gedenke, Männer! Vorm
Wald, hinner d'r Gerwerei, haw ich ſchun mein erſcht
Hemm gewechslt. Wer am Sunndag, gleich noch Diſch,
den Weg vun Schlierbach bis an die Gerwerei zu Fuß
gemacht hott, braucht ſich nit mehr vor d'r Hell zu
ferchte. Aerger kann mar arme Sinder nit einfeiere.
—. E Keenigreich for'n friſche Schluck Bier — haw
ich gerufe, wie ich endlich uff'm Feſchtblatz ankumme
bin. — Herr Dokter, friſch vun d'r Kweell — ſegt
jetzt eener zu mer, un bräſendiert mer e Glas Waſſer.
— Gehn' Se mer aus'm Schatte mit Ihrm Krotte-
waſſer — ſag ich — do driwe ſeh ich e Fäſſl uffligge.
— Noocheme halbſchtindige Kampf uff Leewe un Dod,
haw ich endlich e Scheppl verwiſcht!. Im Schweiß
ſeines Angeſichts muß ſich d'r Menſch ſein Bier ver-
diene — haw ich gedenkt — un die groß Bort kricht r
drein for'n Batze. — Ich war naß wie unſer Heidl-
berger Waſſerfall! Deß heeßt: wann'r Waſſer hott!
tHinnerm näkſchte dicke Baam haw ich mein zwett
Hemm gewechslt. — Die drei Jingling im Feieroffe
kenne nit mehr g'ſchwitzt hawe, wie ich uff dem kihle
Waldfeſcht. — Die verſchbroche kihl Calospinthe Chro-