Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 30.1919

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INNEN-DEKORATION

ARCHITEKT ANTON HUBER—FLENSBURG

WOHNZIMMER-MÖBEL, KIEFERNHOLZ. PREIS 777 M.

EINE EINFACHE WOHNUNGS-EINRICHTUNG

KRIEGSMÖBEL NACH ENTWÜRFEN VON ANTON HUBER.
AUSGEFÜHRT IN DEN WERKSTÄTTEN DER KUNSTGEWERBLICHEN FACHSCHULE FLENSBURG.

Die Möbel, welche an dieser Stelle gezeigt werden,
sind die Ergebnisse von Bemühungen zum Zwecke
einer Beseitigung der überall immer mehr sich geltend
machenden Möbelnot. In Flensburg hatten die Schwierig-
keiten, preiswerte und gute Möbel zu kaufen, Formen
angenommen, die einen Eingriff von Seiten der Stadtver-
waltung dringend notwendig erscheinen ließ. Nur zu
Wucherpreisen waren noch vereinzelt neue, sonst aber
nur gebrauchte Möbel zu bekommen, und der Minder-
bemittelte, der sich einen Hausstand gründen mußte, war
vor die Unmöglichkeit des Kaufes gestellt. So beschloß
die Stadt Flensburg, einer Anregung der Staatsregierung
folgend, Wohnungseinrichtungen für wirtschaft-
lich Schwache herzustellen und dieselben den heutigen
Zeiten entsprechend, einfach und preiswert an die Be-
wohner Flensburgs, besonders aber an heimkehrende
kriegsgetraute Krieger zu verkaufen. Die Mustermöbel
konnten in den »Lehrwerkstätten der kunstgewerblichen
Fachschule« durch Kriegsbeschädigte hergestellt werden.
Durch eine, in kurzer Zeit von 5000 Personen besuchte
Ausstellung im städtischen Kunstgewerbemuseum wurde
die Öffentlichkeit mit den Absichten der Stadt bekannt

gemacht, und jetzt werden nach den Mustermöbeln vor-
erst die Küchen und Schlafzimmer in großen Mengen
durch hiesige Tischlermeister hergestellt. Vorgesehen
sind an Schlafzimmern, Küchen und Wohnzimmer je
150 Stück, zu welchen sich die Stadt bereits im Früh-
jahr die notwendige Menge guten abgelagerten Kiefern-
holzes beschafft hat. Küchen und Schlafzimmer werden
größtenteils naturlackiert, sonst mit Lackfarben gestri-
chen ; für die Wohnzimmer ist eine lichtechte Beizung in
verschiedenen Farben vorgesehen.

Eine durch die Kriegszeit bedingte Notwendigkeit
konnte so geschmackbildend auf breite Massen des Volkes
wirken; durch die Not gezwungen wird mancher Deutsche,
der bisher sich billig und schlecht einrichtete und an die
Form und Ausführung der Möbel nur geringe oder gar
keine Ansprüche stellte, jetzt gut gebaute und praktisch
schöne Möbel kaufen können; außerdem läuft er nicht Ge-
fahr, in die Hand des Wucherers zu fallen, da die Abzah-
lungsgeschäfte, vorerst wenigstens, ausgeschaltet sind. Es
ist selbstverständlich, daß die ungeheure Verteuerung un-
seres ganzen Lebens nicht vor den in großen Mengen her-
zustellenden Möbeln Halt machen kann. Auch sie müssen
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