Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 30.1919

Page: 430
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1919/0450
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
430

INNEN-DEKORATION

»DIE BLUMENSCHALE«

In der Küche wird sie gefüllt, eine Schüssel ist sie da,
eine unter vielen. Blumen und Gemüse, Gemüse und
Blumen, sie kommen zusammen vom Markt, sind eine
Sippe von Dienstboten. Blumen in der Schürze ... Ins
Wohnzimmer getragen verändern sie vollkommen ihr
Wesen, schwören ihre Verwandtschaft mit Gemüse und
Küchenpersonal ab.
Da stehen sie im Ge-
sellschaftskleid unter
feinen Menschen, zie-
ren sich, haben ihre
Etikette wie die Men-
schen der Gesell-
schaft . . . Die Blu-
menschale weiß
sehr wohl, wie jede
Dame, welcher Platz
ihr am günstigsten
ist, wo sie am besten
wirkt. Auf den Tisch
gestellt ist sie gesellig
und fühlt sich sozu-
sagen als Mittelpunkt
der Unterhaltung.
Sie läßt ihre Reize
liebenswürdig nach
allen Seiten spielen.
Auf dem Schrank
gehabt sie sich schon
steifer, förmlicher,
wird gleichsam ein
Stück Architektur.
Sie hält sich die Men-
schen fern, blickt
fremd und von Höhe-
rem träumend, herab.

Aber isoliert auf einen Pfeiler gesetzt, ist die Blumen-
vase ganz Majestät, strahlt, fühlt sich als Herrin. Aus
dem Dienstboten ist eine Königin geworden. — So viel-
fältig sind die schauspielerischen Talente der Blumen,
daß eine und dieselbe: Magd, Kind, Dame, Königin sein
kann, und sogar eine gewöhnliche Blumenschale kann
sich in einen Ruhesitz verwandeln, in ein weiches Bett
oder in einen hoheitsvollen Thron. . . . anton jaumann.

KUNST U. LEBEN

prof. oskar st rn ad—wien. z1erschraökchen mit einlege-arbeit

Im Anfang war die
Kunst; unsere Mei-
nungen darüber sind
viel später entstanden.
Die Kunst ist halt
doch eine eigene
Sache; am Ende ist
sie gar kein Prinzip,
keine Theorie, son-
dern eine Lebens-
äußerung, die an
Persönlichkeiten ge-
bunden ist und nur
durch Persönlichkei-
ten am Leben erhal-
ten werden kann. . .

Co sind unsere Be-
^ trachtungen über
Kunst, kein du sollst,
du mußt, das darfst
du und das darfst du
nicht, sondern ein:
Du bist! In dir
manifestiert sich der
Geist des Le-
bens! hans thoma.
loading ...