Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 30.1919

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INNEN-DEKORATION

ARCHITEKT DR. JOSEF FRANK-WIEN

BLOCK-HAUS BUNZL IN PERNITZ

DAS NEUZEITLICHE LANDHAUS

VON ARCHITEKT DR. JOSEF FRANK

Das Block-Haus B. liegt auf einer Wiese auf dem
Gipfel eines bewaldeten Hügels, von dem man eine
weite Aussicht nach allen Seiten, besonders aber gegen
das im Norden liegende Tal hat. Es war deshalb meine
Absicht, die Wohnräume im Erdgeschoß des Hauses
durch große Glastüren mit dem Garten in innige Ver-
bindung zu bringen und die Schlafzimmer des Stock-
werkes durch vorgelegte Terrassen nach allen Seiten
zu öffnen. Der Garten liegt rund um das Haus und fällt
am Abhang des Hügels gegen Norden zu in mehreren
Terrassen ab, zwischen denen Stützmauern aus Bruch-
stein das Erdreich halten. Die wagrechten Flächen sind
mit Kehlheimerplatten und Ziegeln gepflastert, um dem
kleinen Grundstück in seiner großzügigen Umgebung
wohlgeordnete Formen zu geben.

Die Wände bestehen aus 13 cm starken Balken, die
an der Wetterseite im Innern noch durch eine Kork-
schichte verstärkt sind. Nur die Schlote sind aus Ziegeln
gemauert und der große Kamin mit einer tiefen Sitz-
nische im Erdgeschoß, der an der Südseite sichtbar ist.
Diese Mauerung bildet gleichzeitig das Auflager für den
großen, axtrecht behauenen Eichenbalken, der das Stock-
werk trägt. Die Räume haben sämtlich starke Balken-
decken, die — ein Ausgleich gegen die großen Offnungen —
einen Abschluß gegen oben bilden, der den Bewohnern
das Gefühl des Schutzes gegen das Wetter mitteilt. Auf
den Deckenbalken liegen Pfosten und über diesen, durch
eine Einlage von Filzpappen getrennt, der lärchene Schiff-
boden des Geschosses. Das Dach ist mit den in dieser

Gegend seit jeher üblichen Ziegeln eingedeckt. Die
Wände sind außen weiß getüncht, im Innern verputzt.
Fenster, Türen und Holzdecken sind weiß lackiert.

Die Räume sind durchaus einheitlich, um das kleine
Haus nicht durch verschiedene kontrastierende Wir-
kungen zu zerreißen, wie sie etwa bei einem großen
Schloß am Platz wären. Es steht deshalb auch kein Ge-
genstand darin, der für ein bestimmtes Zimmer bestimmt
ist und nicht auch ebensogut in einem andern stehen
könnte. Die Wände sind durchwegs weiß: nicht nur,
weil eine Farbe, die den Charakter eines Raums beherr-
schen soll, sehr klein und ärmlich neben den großen
Flächen der Umgebung im Freien wirkt, sondern haupt-
sächlich, um die Bewohner davon unabhängig zu machen
und ihnen freie Wahl in allem, was sie in ihr Zimmer
stellen wollen: — Blumen und Bilder, Teppiche und
Möbel — zu lassen. Die wenigen Möbel sind unab-
hängig vom Raum hineingestellt. Sie sind, um diesem
jede Schwerfälligkeit zu nehmen, von verschiedenstem
Material. Aber kein Holz ist gebeizt oder gefärbt, da
damit jede Frische und der natürliche Charakter des
Holzes verloren geht. Ebenso sind auch die Vorhänge
an den Fenstern und die Schirme an den Lampen weiß,
damit das Licht in seiner natürlichen Farbe in das Zim-
mer fallen kann; die künstliche Beleuchtung geschieht
durch zweierlei bewegliche Lampen, deren lange Kabeln
an vielen Stellen mit Kontakten verbunden werden kön-
nen. Die einen hängen an Haken an der Decke, die an-
dern sind Kipplampen, die an der Wand hängen oder auf
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