Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 30.1919

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INNEN-DEKORATION

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PROF. EDUARD PFEIFFER-MÖNCHEN

ENTWURF ZU EINEM DAMENZIMMER

ÜBER ÖFEN UND HEIZKÖRPER

Uber den Ofen, und zwar über seine Erscheinung im
Rahmen der Wohnung, zu schreiben, mag manchem
in der jetzigen Zeit der Kohlennot befremdend erschei-
nen. Immerhin darf man entgegnen, daß die Knappheit
an Brennstoffen in diesen Tagen doch eine vorüber-
gehende Erscheinung sein wird, ja, daß sie den Wärme-
spender selbst in besseren Tagen erst recht als neuge-
wonnene Lebensquelle im verklärten Lichte zeigen muß.
Damit aber verträgt sich die Aschenbrödelrolle schlecht,
welche ihm in seiner äußeren Erscheinung gewöhnlich zu-
fällt. Der technische Fortschritt hat den alten offenen
Kamin und den mächtigen, raumbeherrschenden Kachel-
ofen verdrängt. Aber diese alten Zeugen des Kampfes
mit der Ungunst der Witterung erscheinen noch heute
von einem Zauber der Poesie umwoben, von dem sel-
ten an einer neuzeitlichen Feuerungsstätte ein Restchen
haften blieb.

Einst der beste Freund im Wohnräume, wurde diese
nach und nach als ein notwendiges Übel betrachtet, als
ein Verkommener in der Familie der raumschmückenden
Elemente, von dem am besten möglichst wenig gesprochen
wurde. Und damit der doch etwas von der Fürsorge des

guten Hauses für den Entgleisten verrate, krochen auf
ihm jene Ornamentgeschwüre herum, eine Fratze, in
welche sich die prächtigen Gußeisenreliefs der älteren
Ofenplatten, nach und nach in der Ausbildung sinkend,
verwandelt hatten. Und der Bruder Kachelofen durfte
daneben in jenen Zerrbildern von Renaissanceformen, oft
noch vereint mit einer gräßlich grellen Glasurfarbe, zei-
gen, daß er um kein Haarbreit besser sei. Verschwinden
sollte der Ofen unter diesem Schmuck, und das klein-
liche Auszieren sollte ihn gleichzeitig der Formenwelt
verbinden, die überall in der Wohnung herrschend ge-
worden war. Da braucht es denn nicht Wunder zu neh-
men, wenn man schließlich noch einen letzten Schritt
weiter geriet und der altehrwürdige Kamin mit dem offenen
Holzfeuer zu jener von allen guten Geistern verlassenen
Bildung entstellt wurde, die mit Hilfe elektrischer Licht-
wirkungen brennende Scheite vortäuschen wollte. Die wär-
mende, traulich knisternde und lebendig bewegte Flamme
verzerrt in eine kalte und leblose Nachahmung, wahrlich
ein Gipfelpunkt spielerischer Geschmacksverbildung.

Dieser Geist der kleinen Mittel steht noch breit und
selbstbewußt bis auf die heutigen Tage da; mögen die
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