Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 30.1919

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INNEN-DEKORATION

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HAUSGARTEN UND GARTENANLAGEN

Es liegt viel künstlerische Kultur in den alten Bremer
Patrizier-Familien; trotzdem hört man leider nur
selten den Namen eines Künstlers, eines Architekten,
Schriftstellers, Malers, Bildhauers, eines Musikers nennen,
der diesen Kreisen entstammt. Einer solchen alten
Bremer Familie entstammt Fr. Gildemeister, dessen
Können die vorliegende Veröffentlichung gilt. Die Kunst
der Gartenarchitektur ist alt; die Renaissance und das
Barock haben die Gartenarchitekten immer zu den ersten
Künstlern ihrer Zeit gerechnet. Unsere Zeit dagegen hat
sich lange dieser Art des Kunstschaffens verschlossen
und auch jetzt sind wir noch nicht so weit, daß jede
deutsche Technische Hochschule die Möglichkeit bietet,
sich durch Anhören von Spezial-Vorlesungen in Garten-
architektur auszubilden. Der moderne Gartenarchitekt
ist daher in den meisten Fällen Autodidakt im besten
Sinne des Wortes, d. h. er sucht seinen Weg da, wo er
ihn am besten finden zu können glaubt. Fr. Gildemeister
ist in seinem Können längst zu einem positiven Abschluß
gekommen, und mit seinem Namen verbindet sich für den
Fachmann bereits ein bestimmter Begriff, eine Vorstellung.
Mit Vorliebe wendet sich Gildemeister großen Projekten
zu, die ein weites Disponieren erlauben, ein Arbeiten
nach großen Achsen, mit breiten Flächen, feiner Ver-
teilung der künstlerischen Brennpunkte und der intimen
Reize an passendster Stelle. Einen Ausschnitt aus solcher
Anlage zeigt das Bild S. 354 oben. Praktisch sind

leider die Fälle, in welchen dem Architekten Gelegen-
heit zu solch großzügiger Betätigung geboten ist, selten.
Es ist daher von besonderem Wert, in den übrigen
Abbildungen zu sehen, daß Gildemeister auch dort mit
bestem Erfolg zu arbeiten weiß, wo seine Mittel räumlich
beschränkter sind. Die hier abgebildeten Hausgärten
sind beachtenswerte Beispiele einer feinsinnig gefühlten
und klug durchdachten Gartenarchitektur........ k.

Ä

VOM HAUSGARTEN. Wie in allen Dingen, so
wird der Einfluß unserer wirtschaftlichen Lage sich
auch im Garten und seiner Einrichtung geltend machen:
Sparsamkeit wird auch hier die Parole heißen. Der
Hausgarten wird dadurch an Bedeutung nicht verlieren,
sondern eher noch gewinnen. Nur wird er seine Rolle
wechseln: es werden künftighin weniger Luxusgärten und
mehr Nutzgärten gepflanzt werden. Der Gartenkunst
aber werden damit neue und wichtige Aufgaben gestellt.

Nicht jeder Garten eignet sich ohne weiteres zur
Umwandlung in einen Nutzgarten. Die Vorgärten vor-
nehmer Villenviertel sind nicht dazu da, daß man in
ihnen Gemüsebau treibt und neben Rhododendron und
Thujabäumen Kartoffeln und Rüben pflanzt. Der städtische
Vorgarten ist seiner Natur und Bestimmung nach ein
reiner Ziergarten und muß es bleiben. Hier entscheidet
eben die Lage des Hauses. Für die praktische Aus-
nützung des Gartengeländes kommen vor allem die
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