Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 30.1919

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XXX. JAHRGANG.

DARMSTADT.

JULUAUG. 1919.

EINE NEUE ARBEIT EDUARD PFEIFFERS

VON FRITZ OSTINI—MÜNCHEN

In den Zeitschriften dieses Verlages ist schon
öfter von den Arbeiten des Müncheners Pro-
fessor Eduard Pfeiffer die Rede gewesen und
zwar, ob auch verschiedene Federn sich mit neuen
Schöpfungen seines Geistes befaßten, stets mit
der gleichen freudigen Zustimmung. Das hat
seinen guten Grund. Er vertritt den besten Typus
des deutschen Zierkünstlers: Pfeiffers Kunst ist
hervorragend persönlich, aber überaus frei, viel-
seitig, tolerant in ihrer individuellen Gebunden-
heit; sie hat sich los gemacht — und zwar seit
Langem schon! — von dem trockenen Doktrinaris-
mus, dem nüchtern Konstruktiven, das immer
noch weite Kreise unserer Kunstgewerbler und
Innenarchitekten im Banne hält, er hat die Freude
am ornamentalen Schmuck wiedergefunden, ist
einer der ganz wenigen, die ihr eigenes Orna-
ment haben und wendet es ebenso originell als
geschmackvoll an in einem klugen Wechsel von
Schlichtheit und Reichtum. Bei Pfeiffers Arbeiten
hebt der weise dosierte Schmuck die Wirkung
der einfachen Formen, Massen und Flächen, die
doch immer die Grundlage seiner Raumaus-
stattungen geben, und umgekehrt leiht jene Ein-
fachheit des ganzen dem angewendeten Schmuck

den Reiz der Kostbarkeit. Er bringt ihn an, wie
eine Frau von Geschmack ihre Juwelen trägt —
in diesem Fall ist bekanntlich auch ein Weniger
immer ein Mehr — aber das Wenige muß gut
und schön sein und am rechten Flecke sitzen.
Und überaus vielfältig ist die Art, wie und wo
Pfeiffer seine Juwelen im Räume anbringt, uner-
schöpflich die Zahl der Variationen, die sie ihm
erlaubt. Er weiß dazu jede Zufälligkeit der
Raumbildung, der Konstruktion, des Materials zu
nützen, den Bedarf irgend eines Möbelstückes eben-
so, wie das Vorhandensein von Kunstgegenständen,
Bildern und Gebrauchsgerät. Das wird natürlich
bei jedem guten Innenarchitekten bis zu einem
bestimmten Grade der Fall sein müssen, aber
wenige haben, wie Pfeiffer, diese Fähigkeit zu
so schönem freudigem Künstlertum ausgebildet.
Dazu kommt ein besonders glückliches Zusammen-
arbeiten mit den Pössenbacherschen Werkstätten
in München, mit denen er Hand in Hand schafft,
mit deren Kunsttischlern und Holzschnitzern, die
das spezifisch Pfeiffersche Ornament in seiner
kapriziösen Vielseitigkeit, Innigkeit und Eigenart
bewundernswert nachfühlen. Über dies Ornament
ist auch an dieser Stelle schon des Öfteren die

1919. YU.-YI1I. 1.
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