Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 30.1919

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INNEN-DEKORATION

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Menschen entgegen, wirt-
schaftlich belastet sie das
Volk aber ganz erheblich, da
bei vernünftiger Bauart die
Hälfte des heutigen Hausrats
gespart werden könnte. Daß
sie außerdem jeder kulturel-
len Erziehung spottet, wiegt
vielleicht noch schwerer. Nur
das Überführen des Wohnens
in den Flachbau, wie es schon
bei der Arbeitersiedlung in
die Wege _ geleitet ist, wird
darin eine Änderung ermög-
lichen. Solche Umstände
machen es uns unmöglich,
zu einer einheitlichen Ge-
brauchsmöbelform zu kom-
men. Der heutige Hausrat ist
eben nicht die Folge eines
sich stetig und normal ent-
wickelndenBedürfnisses.son-
dern das Ergebnis des Zwan-
ges in eine Wohnform, die
einen guten Weiterausbau
ausschließt. Wer denkt dabei
nicht mit Bitterkeit an die ge-
wissenlosen Bauspekulanten
unserer Städte, die rück-
sichtslos ihren Gewinn vor
das Volksganze stellten u. an
ihre Genossen, die Hersteller
des schlechtenMassenmöbels,
welche dann diese Häuser mit
ihrem Schund füllten. Die
Mietskasernen steigerten in

WOHNZ1MMER-SCHRANK. PREIS 370 M.

den letzten 50 Jahren den
Hausrat um ein Mehrfaches
und die Massenmöbelindust-
rie sorgte ihrerseitsdafür.daß
auch der Ungeschmack sich
entsprechend steigerte. Wer
es nicht glaubt, der rufe sich
die Möbel aus der Zeit um
1870 ins Gedächtnis und ver-
gleichesiemit dem,was heute
in Abzahlungsgeschäften und

Warenhäusern angeboten
wird. Diese Erscheinungen
erschweren den Weg zu einer
allgemein guten Form. Man
kann wohl für unsere heutige
Zeit gute Gebrauchsmöbel
erfinden, sie werden aber
nicht allgemein werden kön-
nen, weil sie nicht aus dem
Willen einer geschlossenen
Bewegung der Massen kom-
men. Gleichgültigkeit verrin-
gert das Interesse und bringt
in vielen Fällen die Ableh-
nung von Gutem mit sich.
Das müßte nach meiner Mei-
nung ganz anders werden, es
gehört dazu allerdings große
u. weitausschauende Arbeit,
die sich auf alles erstrecken
muß, was mit Volkserziehung
zusammenhängt.Schonin der
Schule müßte man die Kinder
zum Verständnis für gute Ar-
beit erziehen. Im Handwerk

ARCHITEKT ANTON HUBER—FLENSBURG. STUHL, PREIS 27 M. ARBEITSTISCH, PREIS 80 M.

1919. l-XL 7.
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